Die Weihnachtskrippe ist für viele ein zentrales Element der festlichen Dekoration und stimmt auf den Heiligen Abend ein. Oft bevölkern neben Maria, Josef und dem Jesuskind auch zahlreiche Tiere die Szene im Stall von Bethlehem. Von majestätischen Reittieren bis hin zu einfachen Nutztieren – jedes Tier scheint seinen Platz zu haben. Doch welche Bedeutung tragen diese tierischen Begleiter wirklich, und finden sie alle eine Erwähnung in den biblischen Weihnachtsgeschichten?
Die Vorstellung der Krippe, wie wir sie heute kennen, ist das Ergebnis einer langen Entwicklung aus biblischen Überlieferungen, prophetischen Texten, frühchristlicher Literatur und künstlerischer Tradition. Es lohnt sich, genauer hinzublicken, um die symbolische Tiefe und die historischen Hintergründe dieser vertrauten Figuren zu verstehen.

Die Tiere der Weisen aus dem Morgenland
Wenn die Heiligen Drei Könige – Kaspar, Melchior und Balthasar – zur Krippe ziehen, sind sie oft nicht allein unterwegs. Ihre Reise aus fernen Ländern wird in Darstellungen häufig von beeindruckenden Tieren begleitet. Gemäß der populären Vorstellung reitet Melchior auf einem Pferd, Kaspar kommt auf einem Elefanten, und Balthasar wird von einem Kamel getragen.
Diese Tiere sind mehr als nur Transportmittel. Sie symbolisieren die Herkunft der Könige aus den damals bekannten drei Kontinenten: Das Kamel repräsentiert oft Asien, das Pferd Europa und der Elefant Afrika. Ihre Anwesenheit unterstreicht die universelle Bedeutung der Geburt Jesu, die Menschen aus aller Welt betrifft.
Interessanterweise erwähnt das Matthäusevangelium, das von den Weisen berichtet, ihre Reittiere nicht explizit. Ihre Darstellung auf Kamelen, Pferden oder Elefanten ist eine spätere künstlerische Interpretation, die den weiten Weg und die Bedeutung der Gäste aus dem Morgenland bildlich hervorhebt.
Die Tiere im Stall: Ochs, Esel und die Hirten
Im Zentrum der Krippenszene stehen Maria, Josef und das neugeborene Kind in einer Futterkrippe. Um sie herum finden sich oft vertraute Stalltiere wie der Ochs und der Esel, sowie Schafe, Lämmer und Hunde, die mit den Hirten gekommen sind.
Ochs und Esel: Mehr als nur Stallbewohner
Die Anwesenheit von Ochs und Esel in Darstellungen der Krippe ist so selbstverständlich, dass man annehmen könnte, sie seien fester Bestandteil der biblischen Erzählung. Doch weder das Lukas- noch das Matthäusevangelium erwähnen diese Tiere im Zusammenhang mit der Geburt Jesu im Stall. Die lukanische Geschichte spricht lediglich von der Futterkrippe, in die das Kind gelegt wurde.

Ihre Aufnahme in die Krippenszene hat tiefere Wurzeln, die außerhalb der kanonischen Evangelien liegen. Eine wichtige Quelle ist das sogenannte Pseudo-Matthäus-Evangelium, ein apokryphes Kindheitsevangelium, das wahrscheinlich nach 600 n. Chr. entstand. Dieses berichtet explizit:
„Am dritten Tag nach der Geburt des Herrn verließ Maria die Höhle und ging in einen Stall. Sie legte den Knaben in eine Krippe, und ein Ochse und ein Esel beteten ihn an. Da ging in Erfüllung, was durch den Propheten Jesaja gesagt ist: ‚Es kennt der Ochse seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn.‘“ (Pseudo-Matthäus 14)
Diese Passage verbindet die Anwesenheit der Tiere direkt mit einer Prophezeiung aus dem Alten Testament, nämlich Jesaja 1,3: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt's nicht, und mein Volk versteht's nicht.“
Die Interpretation dieses Prophetenwortes im Pseudo-Matthäus-Evangelium verleiht Ochs und Esel eine besondere symbolische Bedeutung: Sie erkennen und ehren den neugeborenen Herrn, während das eigene Volk (Israel) ihn nicht erkennt. Dies ist eine subtile Kritik (eine „kleine Spitze“), die die Tiere als weiser darstellt als jene Menschen, die Gottes Ankunft in Jesus verkennen.
Darüber hinaus haben sich im Laufe der Tradition weitere Deutungen etabliert. Nach einer verbreiteten christlichen Auslegung symbolisiert der Esel die Heiden (Nicht-Juden), die durch Jesus gerettet werden, während der Ochs die Juden repräsentiert. Manchmal werden Ochsen, besonders in älteren Gemälden, auch mit prächtigen Geweihen als Wächter der Heiligen Familie dargestellt.
Schafe, Lämmer und Hunde: Die Begleiter der Hirten
Die Hirten gehören zu den ersten, die das Jesuskind besuchen. Sie werden im Lukas-Evangelium erwähnt und waren „in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.“ Es ist naheliegend anzunehmen, dass sie ihre Herden, bestehend aus Schafen und Lämmern, mitbrachten. Auch Hunde begleiteten die Hirten oft zum Schutz und zur Führung der Herde.
Die Schafe tragen eine tiefe symbolische Bedeutung, die eng mit Jesus selbst verbunden ist. Jesus bezeichnete sich später als den „guten Hirten“. In diesem Kontext symbolisieren die Schafe die Gläubigen, die ihm anvertraut sind und seiner Führung folgen. Schafe galten in der Antike als nützliche Tiere, deren Wolle, Milch und Fleisch wertvoll waren, und wurden keineswegs als dumm angesehen.
Das Lamm, oft neben den Schafen dargestellt, hat eine zusätzliche, starke Symbolik als klassisches Opfertier. Es weist auf die spätere Rolle Jesu als das „Lamm Gottes“ hin, das geopfert wird, um die Sünden der Welt zu tragen.

Die Hunde, als Begleiter der Hirten, werden traditionell mit Wachsamkeit und Schutz assoziiert. Ihre Anwesenheit kann als Symbol für den Schutz der Heiligen Familie und der Herde der Gläubigen interpretiert werden.
Biblische Fakten vs. Traditionelle Darstellung
Die Diskrepanz zwischen den spärlichen Details der biblischen Geburtsgeschichten und der reichen Ausstattung vieler Krippen ist bemerkenswert. Die Evangelisten Lukas und Matthäus konzentrieren sich auf die zentralen Ereignisse und Personen – die Geburt in Bethlehem, die Verkündigung an die Hirten, den Besuch der Weisen. Tiere im Stall werden nicht namentlich erwähnt.
Die Frage, ob Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem ein Tier nutzten, wird in den Evangelien ebenfalls nicht beantwortet. Lukas 2,4-5 berichtet nur, dass Josef mit der schwangeren Maria von Nazareth nach Bethlehem reiste. Angesichts der Entfernung von rund 150 Kilometern ist es plausibel, dass Maria, insbesondere in ihrem Zustand, nicht zu Fuß ging. Ein Esel wäre ein naheliegendes Reittier gewesen, doch die Bibel berichtet nicht davon. Die Assoziation des Esels mit dieser Reise und seiner Präsenz in der Krippe speist sich eher aus der Jesaja-Prophetie und der späteren Tradition.
Die Darstellung der Tiere in der Krippe ist somit eine Mischung aus biblisch inspirierten Symbolen (wie den Schafen im Kontext des guten Hirten und des Lamms als Opfertier), Interpretationen prophetischer Texte (Jesaja 1,3 für Ochs und Esel) und der Entwicklung frühchristlicher und mittelalterlicher Legenden und künstlerischer Traditionen (Pseudo-Matthäus-Evangelium, Legenda aurea). Unsere vertraute Krippenszene ist daher ein lebendiges Zeugnis dafür, wie Glaube, Deutung und Volksfrömmigkeit über Jahrhunderte hinweg eine Geschichte ausgeschmückt und mit tieferer symbolischer Bedeutung angereichert haben.
Zusammenfassung der Tiere und ihrer Bedeutung
Um einen besseren Überblick zu erhalten, hier eine kurze Zusammenfassung der häufigsten Tiere in der Krippe und ihrer tradierten Bedeutungen:
| Tier | Symbolik / Bedeutung | Biblische Erwähnung (Geburtsgeschichte) | Herkunft der Darstellung |
|---|---|---|---|
| Ochs | Das Judentum, Wächter, Erkenntnis Gottes (nach Jesaja 1,3) | Nein | Pseudo-Matthäus-Evangelium (ca. 600 n. Chr.), Deutung von Jesaja 1,3 |
| Esel | Die Heiden, Transportmittel für Maria, Erkenntnis Gottes (nach Jesaja 1,3) | Nein (Plausibel für Reise, aber nicht erwähnt im Geburtsbericht) | Pseudo-Matthäus-Evangelium (ca. 600 n. Chr.), Deutung von Jesaja 1,3 |
| Schafe / Lämmer | Die Gläubigen (Herde des guten Hirten), Opfertiere (Lamm Gottes) | Ja (Herde der Hirten wird erwähnt) | Lukas-Evangelium (Erwähnung der Hirten mit Herde), Symbolik Jesu als guter Hirte |
| Hunde | Wachsamkeit, Schutz | Nein (Plausibel als Begleiter der Hirten) | Traditionelle Darstellung von Hirten mit Hunden |
| Kamel | Asien, weite Reise der Könige | Nein (Reittier der Weisen nicht erwähnt) | Künstlerische Tradition (Symbol für weite Reise aus dem Morgenland) |
| Pferd | Europa, weite Reise der Könige | Nein (Reittier der Weisen nicht erwähnt) | Künstlerische Tradition (Symbol für weite Reise aus dem Morgenland) |
| Elefant | Afrika, weite Reise der Könige | Nein (Reittier der Weisen nicht erwähnt) | Künstlerische Tradition (Symbol für weite Reise aus dem Morgenland) |
Häufig gestellte Fragen zu den Tieren in der Krippe
Waren laut Bibel tatsächlich Tiere im Stall bei Jesu Geburt?
Die biblischen Geburtsgeschichten in den Evangelien von Lukas und Matthäus erwähnen keine Tiere im Stall zu Bethlehem. Sie sprechen von einer Futterkrippe, was einen Stall impliziert, aber listen keine Tiere auf. Die Vorstellung von Ochs und Esel stammt aus späterer apokrypher Literatur und der Deutung einer alttestamentlichen Prophezeiung.

Warum sind Ochs und Esel trotzdem immer in der Krippe zu sehen?
Die Darstellung von Ochs und Esel in der Krippe basiert maßgeblich auf dem Pseudo-Matthäus-Evangelium (ca. 600 n. Chr.) und der Interpretation von Jesaja 1,3. Diese Quellen deuten die Tiere als Wesen, die den neugeborenen Herrn erkennen, im Gegensatz zu Teilen der Menschheit. Diese Tradition wurde durch die mittelalterliche Legenda aurea verbreitet und prägt bis heute die bildliche Darstellung.
Welche Bedeutung haben die Schafe und Lämmer in der Krippe?
Die Schafe und Lämmer sind die Herde der Hirten, die laut Lukas-Evangelium als erste zum Jesuskind kamen. Symbolisch stehen die Schafe für die Gläubigen, die Herde Jesu, des „guten Hirten“. Das Lamm hat die zusätzliche Bedeutung des Opfertiers und verweist auf Jesus als das „Lamm Gottes“.
Symbolisieren die Tiere der Könige etwas Bestimmtes?
Ja, die Kamele, Pferde und Elefanten, auf denen die Weisen oft dargestellt werden, symbolisieren die Herkunft der Könige aus den drei damals bekannten Kontinenten Asien, Europa und Afrika. Sie unterstreichen, dass die Botschaft der Geburt Jesu die ganze Welt betrifft, obwohl ihre Reittiere in der biblischen Erzählung selbst nicht erwähnt werden.
Die Tiere in der Weihnachtskrippe sind somit weit mehr als nur Staffage. Sie tragen reiche symbolische Bedeutungen, die aus einer spannenden Verknüpfung von biblischen Andeutungen, prophetischen Texten, frühchristlichen Überlieferungen und jahrhundertelanger künstlerischer Ausgestaltung entstanden sind. Sie laden dazu ein, die Weihnachtsgeschichte nicht nur als historisches Ereignis, sondern auch in ihrer tiefen spirituellen und kulturellen Dimension zu betrachten.
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