Die Nordlichter, auch Aurora Borealis genannt, gehören zu den faszinierendsten Naturphänomenen, die unser Planet zu bieten hat. Dieses mystische Leuchten am Nachthimmel zieht Menschen aus aller Welt in den Bann. Viele möchten dieses unvergessliche Erlebnis nicht nur mit eigenen Augen sehen, sondern auch für immer in beeindruckenden Fotos festhalten. Doch wie gelingt das am besten? Die Fotografie bei extremen Lichtverhältnissen erfordert spezielles Wissen und die richtigen Einstellungen. Dieser Artikel führt Sie Schritt für Schritt durch die Welt der Nordlichtfotografie und zeigt Ihnen, wie Sie beeindruckende Bilder erschaffen können, sogar mit Ihrem Smartphone.

Polarlichter entstehen, wenn energiereiche Teilchen des Sonnenwindes auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen und die dort vorhandenen Gase zum Leuchten anregen. Die Farben Grün und manchmal auch Violett oder Rot sind dabei am häufigsten zu sehen. Dieses Himmelsphänomen tritt hauptsächlich in den Polarregionen auf, sowohl auf der Nord- (Aurora Borealis) als auch auf der Südhalbkugel (Aurora Australis).
Voraussetzungen für die Nordlichtjagd
Bevor Sie Ihre Kamera oder Ihr Smartphone in Position bringen, gibt es einige wichtige Faktoren, die maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg Ihrer Nordlichtfotos entscheiden.
Der richtige Ort und die richtige Zeit
Die besten Chancen, Nordlichter zu sehen und zu fotografieren, haben Sie in Ländern nahe des sogenannten Nordlichtovals. Dazu gehören unter anderem Norwegen, Island, Schweden, Finnland, Kanada, Alaska und Grönland. Doch selbst in diesen Regionen ist das Timing entscheidend.
Die Nordlichtsaison beginnt in der Regel Mitte September und endet Mitte März. In dieser Zeit sind die Nächte lang und dunkel genug. Im Sommer wird es in den nördlichen Breitengraden oft nicht richtig dunkel, was die Sichtung von Polarlichtern nahezu unmöglich macht. Planen Sie Ihre Reise also gezielt in den Wintermonaten.
Der KP-Index: Ein wichtiger Indikator
Der KP-Index ist ein Maß für die geomagnetische Aktivität und ein entscheidender Faktor für die Stärke und Sichtbarkeit der Polarlichter. Dieser Index reicht von 0 bis 9. Je höher der Wert, desto intensiver ist die Aurora und desto weiter südlich kann sie eventuell noch gesehen werden. Ab einem Wert von 5 spricht man von einem geomagnetischen Sturm, bei dem die Chancen auf spektakuläre Nordlichter deutlich steigen. Es gibt verschiedene Apps und Webseiten, die den aktuellen KP-Index und Vorhersagen liefern. Es lohnt sich, diese im Auge zu behalten, um die besten Nächte abzupassen.
Wetterbedingungen: Klare Sicht ist entscheidend
Selbst bei hohem KP-Index und zur richtigen Jahreszeit benötigen Sie eines unbedingt: einen möglichst klaren Himmel. Dichte Wolken verdecken die Aurora vollständig. Oftmals muss man bereit sein, den Standort zu wechseln, um sogenannte „Wolkenlöcher“ zu finden. Die Beobachtung von Wettervorhersagen, insbesondere bezüglich der Wolkenbedeckung, ist daher unerlässlich für eine erfolgreiche Nordlichtjagd. Ein leichter Schleier oder vereinzelte Wolken können dem Bild sogar eine interessante Struktur verleihen, aber dichte Bewölkung ist der Feind jedes Nordlichtfotografen.
Lichtverschmutzung minimieren
Je dunkler die Umgebung, desto besser sind die Polarlichter zu sehen und zu fotografieren. Versuchen Sie, sich von Städten und anderen starken Lichtquellen fernzuhalten. Die Lichter einer Stadt können den Himmel aufhellen und die schwächeren Bereiche der Aurora überstrahlen. Dunkle, abgelegene Orte bieten die idealen Bedingungen. Ein paar vereinzelte Lichter am Horizont oder im Vordergrund können jedoch dem Bild Tiefe und Kontext geben.
Kameraeinstellungen für die Nordlichtfotografie
Für die besten Ergebnisse ist es ratsam, die Kameraeinstellungen manuell vorzunehmen. Moderne Automatikmodi sind zwar gut, aber in den extremen Lichtverhältnissen der Nacht und bei bewegten Lichtern stößt die Automatik schnell an ihre Grenzen.
Manuelle Einstellungen sind Pflicht
Stellen Sie Ihre Kamera in den manuellen Modus (M). Dies gibt Ihnen die volle Kontrolle über Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert.
Fokus auf Unendlich
Das Polarlicht befindet sich in großer Entfernung. Stellen Sie den Fokus daher auf Unendlich. Bei vielen Objektiven gibt es dafür ein Unendlich-Symbol (∞). Die sicherste Methode ist, den Fokus tagsüber oder bei hellem Mondlicht auf ein sehr weit entferntes Objekt (z.B. einen Berg am Horizont) manuell einzustellen und sich die Position auf dem Objektivring zu merken oder den Fokusring mit Klebeband zu fixieren. Im Dunkeln kann das Fokussieren schwierig sein.
Eine weite Blende
Wählen Sie eine möglichst offene Blende (kleine f-Zahl, z.B. f/2.8, f/4). Eine weite Blende lässt viel Licht auf den Sensor und hilft, die Aurora und den Himmel scharf abzubilden, anstatt sich auf den Vordergrund zu konzentrieren. Eine weite Blende (kleine f-Zahl) ist essenziell.
Die Belichtungszeit: Das Spiel mit der Bewegung
Die Belichtungszeit hängt davon ab, wie schnell sich die Nordlichter bewegen. Bei einer sich langsam bewegenden Aurora können Sie eine lange Belichtungszeit von 10 bis 20 Sekunden wählen. Bewegt sich das Licht schnell, sollten Sie die Belichtungszeit verkürzen (z.B. auf 5 bis 10 Sekunden), um die Strukturen und Vorhänge der Aurora scharf abzubilden und ein Verschmieren zu vermeiden. Experimentieren Sie, um die richtige Balance zu finden.
Der ISO-Wert: Lichtempfindlichkeit im Dunkeln
Da Sie nachts fotografieren, benötigen Sie eine hohe Lichtempfindlichkeit. Beginnen Sie mit einem hohen ISO-Wert, z.B. 1600, 2000 oder sogar höher (3200, 6400), abhängig von Ihrer Kamera. Kameras mit größeren Sensoren können höhere ISO-Werte mit weniger Bildrauschen verarbeiten. Bei einer sehr hellen Aurora können Sie den ISO-Wert eventuell etwas reduzieren (z.B. auf 800 oder 1000), um Rauschen zu minimieren.
Weißabgleich: Die richtige Farbe
Der Weißabgleich bestimmt die Farbtemperatur des Bildes. Sie können mit dem automatischen Weißabgleich beginnen und ein Testfoto machen. Oft liefert jedoch eine manuelle Einstellung bessere Ergebnisse. Ein Kelvin-Wert um 3500K kann die Grüntöne der Aurora gut hervorheben. Experimentieren Sie auch hier, um den gewünschten Look zu erzielen.
Ein Stativ ist unverzichtbar
Für lange Belichtungszeiten ist ein Stativ absolut notwendig. Jede noch so kleine Bewegung während der Belichtung führt zu verwackelten Bildern. Ein stabiles Stativ, das auch leichtem Wind standhält, ist eine der wichtigsten Investitionen für die Nordlichtfotografie. Verwenden Sie zusätzlich einen Fernauslöser oder den Selbstauslöser der Kamera (z.B. 2 Sekunden), um jegliche Vibration beim Auslösen zu vermeiden.
Nordlichter mit dem iPhone fotografieren
Auch mit modernen Smartphones, insbesondere dem iPhone, ist es mittlerweile möglich, beeindruckende Nordlichtfotos zu machen. Die integrierte Technologie hat sich stark verbessert.
Kann das iPhone Nordlichter fotografieren?
Ja, absolut! Neuere iPhone-Modelle verfügen über einen Nachtmodus und erweiterte Kamerafunktionen, die lange Belichtungszeiten ermöglichen.

Die richtige Vorbereitung für das iPhone
Wie bei einer herkömmlichen Kamera ist ein Stativ auch für das iPhone unerlässlich, um Verwacklungen bei langen Belichtungszeiten zu vermeiden. Es gibt spezielle Smartphone-Stative oder Adapter, um das Telefon auf einem normalen Kamerastativ zu befestigen. Stellen Sie sicher, dass das iPhone fest montiert ist.
Deaktivieren Sie den Blitz und stellen Sie sicher, dass der Nachtmodus aktiviert ist. Im Nachtmodus kann das iPhone automatisch eine Belichtungszeit vorschlagen, oft zwischen 1 und 10 Sekunden, manchmal sogar bis zu 30 Sekunden, wenn das Gerät auf einem Stativ montiert ist.
Manuelle Steuerung der Belichtungszeit im iPhone
Um die Belichtungszeit manuell anzupassen, öffnen Sie die Kamera-App. Wenn es dunkel genug ist, erscheint das Mond-Symbol für den Nachtmodus. Tippen Sie auf den kleinen Pfeil am oberen Bildschirmrand, um zusätzliche Einstellungen anzuzeigen. Wählen Sie das Mond-Symbol im unteren Menü. Nun können Sie über einen Schieberegler die Belichtungszeit manuell einstellen, oft bis zu 30 Sekunden auf einem Stativ.
Experimentieren Sie mit verschiedenen Belichtungszeiten. Längere Zeiten fangen mehr Licht ein und lassen die Aurora heller erscheinen, können aber bei schneller Bewegung zum Verschmieren führen. Kürzere Zeiten frieren die Bewegung besser ein, erfordern aber eventuell einen höheren ISO-Wert.
Komposition mit dem iPhone
Nutzen Sie auch mit dem iPhone die Umgebung für interessante Kompositionen. Fügen Sie Bäume, Berge, Wasserflächen oder Gebäude als Vordergrundelemente hinzu. Achten Sie bei statischen Elementen darauf, dass sie scharf sind, und bei bewegten (wie Personen) darauf, dass sie während der Belichtung stillhalten.
Warum die Kamera mehr sieht als das Auge
Ein wichtiger Punkt, der oft zu Enttäuschung führt: Die Nordlichter erscheinen dem menschlichen Auge am Nachthimmel oft eher als gräuliche oder weißliche Schleier oder Wolken. Die intensiven Farben, die wir auf Fotos sehen, werden vom Kamerasensor erfasst. Kamerasensoren sind in der Lage, Licht in dunkler Umgebung deutlich besser und farbiger wahrzunehmen als das menschliche Auge, das bei Dunkelheit primär Grautöne unterscheidet.
Durch die lange Belichtungszeit sammelt der Sensor über mehrere Sekunden oder Minuten Licht, wodurch die Farben und Strukturen der Aurora sichtbar und intensiv dargestellt werden, obwohl sie für das Auge schwach oder farblos erscheinen mögen. Der Blick durch die Kamera oder auf das gemachte Foto ist oft der beste Weg, um zu beurteilen, ob Nordlichtaktivität vorhanden ist und wie intensiv sie ist.
Bildbearbeitung: Das Finale
Auch mit den besten Einstellungen ist die Arbeit nach dem Foto oft noch nicht getan. Eine leichte Bearbeitung kann Ihre Nordlichtbilder noch verbessern. Programme wie Adobe Lightroom oder andere Fotobearbeitungssoftware ermöglichen es Ihnen, die Helligkeit, den Kontrast und die Farben anzupassen. Sie können die Grüntöne der Aurora hervorheben, den Nachthimmel abdunkeln und Details schärfen. Auch auf dem Smartphone gibt es leistungsfähige Bearbeitungs-Apps.
Pro und Contra: iPhone vs. Spezielle Kamera
Es gibt Vor- und Nachteile, ob Sie eine spezielle Kamera oder ein iPhone für die Nordlichtfotografie verwenden.
- Vorteile iPhone:
- Geringes Gewicht und leicht zu transportieren
- Kostengünstiger, da das Gerät oft bereits vorhanden ist
- Einfache Bedienung und schnelle Ergebnisse
- Direkte Bearbeitung und Teilen der Fotos möglich
- Ausreichende Qualität für beeindruckende Erinnerungen und Hobby-Fotografie
- Nachteile iPhone:
- Begrenzte manuelle Einstellungsmöglichkeiten im Vergleich zu einer Spiegelreflex- oder Systemkamera
- Geringere Sensorgröße kann zu mehr Bildrauschen bei hohen ISO-Werten führen
- Akkuleistung kann bei Kälte schnell nachlassen
- Bedienung mit dicken Handschuhen kann schwierig sein
- Weniger Flexibilität bei Objektiven
Häufig gestellte Fragen zur Nordlichtfotografie
Hier beantworten wir einige gängige Fragen, die beim Fotografieren von Polarlichtern aufkommen.
Sehe ich die Polarlichter mit bloßem Auge genauso farbig wie auf Fotos?
In den meisten Fällen nein. Wie bereits erwähnt, erscheinen die Lichter für das Auge oft eher gräulich oder weißlich. Die intensiven Farben werden durch die lange Belichtungszeit auf dem Kamerasensor sichtbar gemacht.
Brauche ich eine teure Profikamera, um Nordlichter zu fotografieren?
Nein. Während hochwertige Kameras mit großen Sensoren und lichtstarken Objektiven Vorteile bieten, können auch Einsteigerkameras und sogar aktuelle Smartphones mit den richtigen Einstellungen und einem Stativ sehr gute Ergebnisse liefern.
Ist ein Stativ wirklich notwendig?
Ja, ein Stativ ist für scharfe Nordlichtfotos unerlässlich. Die benötigten langen Belichtungszeiten machen es unmöglich, die Kamera oder das Smartphone ruhig genug in der Hand zu halten.
Wann ist die beste Zeit, um Nordlichter zu fotografieren?
Die Nordlichtsaison ist von Mitte September bis Mitte März. Innerhalb dieses Zeitraums sind klare, dunkle Nächte mit einem hohen KP-Index die besten Gelegenheiten.
Warum sollte ich manuelle Einstellungen verwenden?
Manuelle Einstellungen geben Ihnen die volle Kontrolle über die Belichtung. Automatikmodi können im Dunkeln Schwierigkeiten haben, korrekt zu belichten, und führen oft nicht zu den gewünschten Effekten bei der Darstellung der Aurora-Bewegung oder -Helligkeit.
Fazit
Die Fotografie der Nordlichter ist eine Herausforderung, aber eine unglaublich lohnende Erfahrung. Mit der richtigen Vorbereitung – der Wahl des richtigen Ortes zur richtigen Zeit, der Beobachtung des KP-Index und des Wetters – sowie der Beherrschung der Kameraeinstellungen sind Sie bestens gerüstet. Ob mit einer speziellen Kamera oder einem modernen Smartphone, das Wichtigste sind ein Stativ, manuelle Kontrolle über Belichtungszeit, Blende und ISO, sowie ein scharfer Fokus auf Unendlich. Denken Sie daran, dass die Kamera oft mehr Farbe einfängt als das Auge. Seien Sie geduldig, experimentieren Sie mit den Einstellungen und genießen Sie das magische Schauspiel am Himmel. Mit etwas Übung werden Sie in der Lage sein, die tanzenden Lichter so festzuhalten, wie Sie es sich immer erträumt haben.
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