Die Geschichte der EMS-Chemie ist eng mit dem Namen Christoph Blocher verbunden. Heute ist das Unternehmen ein global agierender Spezialist für Hochleistungspolymere und Spezialchemikalien. Doch wie gelangte Christoph Blocher eigentlich an die Spitze und in den Besitz dieses bedeutenden Schweizer Industriekonzerns? Die Antwort auf diese Frage führt zurück in die frühen 1980er Jahre und markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte.

Die Ursprünge der heutigen EMS-Chemie reichen weit zurück. Im Jahr 1936 gründete der Agraringenieur Werner Oswald in Zürich die «Holzverzuckerungs AG», kurz Hovag. Das anfängliche Ziel war, in Domat/Ems aus Holz Äthylalkohol zu gewinnen, der unter anderem als Treibstoffzusatz in Motorfahrzeugen genutzt werden sollte. Besonders während des Zweiten Weltkriegs spielte die Hovag eine wichtige Rolle bei der Deckung des Treibstoffbedarfs in der Schweiz, unterstützt durch Liefer- und Abnahmeverpflichtungen mit dem Bund. Neben der Äthylalkoholproduktion diversifizierte das Unternehmen in den Nachkriegsjahren zunehmend. Es begann mit der Ammoniak- und Harnstoffsynthese, der Produktion von Opalm und, entscheidend für die spätere Ausrichtung, der Herstellung von Caprolactam. Aus Caprolactam wurden Polyamidkunststoffe und -fasern (Markenname Grilon) hergestellt, was die Tür zum Kunststoffgeschäft öffnete.
1960 wurde die Hovag in «Emser Werke AG» umbenannt, und 1962 erfolgte die Gründung der Chemie Holding Ems AG, die an der Vorbörse Zürich kotiert wurde. In den folgenden Jahren expandierten die Emser Werke und gründeten Tochtergesellschaften, darunter 1963 die EMS Patvag für Zündsysteme.
Christoph Blocher tritt auf den Plan
Christoph Blocher, ein Jurist, trat 1969 als Werkstudent in die Rechtsabteilung der Emser Werke ein. Sein Aufstieg im Unternehmen war bemerkenswert. Bereits 1972 wurde er zum Direktionsvorsitzenden und Delegierten des Verwaltungsrates gewählt. Unter seiner Führung begann eine strategische Neuausrichtung. Blocher erkannte das Potenzial technischer Kunststoffe und lenkte den Fokus des Unternehmens verstärkt in diese Richtung. 1978 wurden die verschiedenen Gesellschaften unter dem Dach der Chemie Holding Ems AG vereint. 1981 erfolgte eine weitere Namensänderung in «Ems Chemie Holding AG» und «Ems Chemie AG».
Der entscheidende Kauf im Jahr 1983
Der wirklich entscheidende Moment, der Christoph Blocher zum Eigentümer der EMS-Chemie machte, ereignete sich im Jahr 1983. Die Gründerfamilie Oswald-Familie, die immer noch massgeblich am Unternehmen beteiligt war, stand vor der Frage der Nachfolge oder eines Verkaufs. Sie beauftragte Christoph Blocher, einen Käufer für ihr Aktienpaket an der «Ems Chemie Holding AG» zu finden. Dieses Aktienpaket war gross genug, um die Stimmenmehrheit im Unternehmen zu sichern.
Hier traf Blocher eine wegweisende Entscheidung, die sein Leben und die Zukunft der EMS-Chemie prägen sollte: Statt einen externen Käufer zu suchen und zu präsentieren, entschloss er sich, das Aktienpaket der Oswald-Familie selbst zu übernehmen. Durch diesen Kauf erwarb er die Mehrheitsbeteiligung und hatte somit die Stimmenmehrheit an der Firma. Dies war die Übernahme im eigentlichen Sinne, die ihn vom angestellten Manager zum kontrollierenden Eigentümer machte.
Es handelte sich also nicht um einen feindlichen Übernahmeversuch, sondern um die Nutzung einer sich bietenden Gelegenheit, die ihm die Gründerfamilie selbst eröffnete, indem sie ihn mit der Suche nach einem Käufer beauftragte. Blocher erkannte den Wert und das Potenzial des Unternehmens, das er seit über zehn Jahren führte, und entschied sich, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen, indem er das zum Verkauf stehende Aktienpaket erwarb.
Entwicklung nach der Übernahme
Nachdem Christoph Blocher 1983 die Kontrolle über die Ems Chemie übernommen hatte, forcierte er die strategische Ausrichtung und Expansion. Das Unternehmen wuchs weiter und übernahm andere Firmen. 1988 konzentrierte sich die EMS auf die drei Kerngeschäftsbereiche polymere Werkstoffe, Feinchemikalien (EMS Dottikon) und Engineering. Neue Produkte wurden entwickelt, darunter 1991 ein hochsteifes Polyamid, das die Position im Markt für technische Kunststoffe stärkte. Internationalisierung war ebenfalls ein wichtiger Pfeiler der Strategie, unter anderem durch Joint Ventures wie das mit H.B. Fuller Automotive USA, aus dem später «Eftec» hervorging, und die Erschliessung neuer Märkte wie Zentral- und Osteuropa.
Im Jahr 2000 wurde die Gruppe in vier selbständige Unternehmensbereiche gegliedert: Ems Grivory (technische Thermoplaste), Ems Griltec (technische Fasern und Klebstoffe), Ems Primid (Duroplaste) und Ems Services (zentrale Dienste). Diese Strukturierung spiegelte die Fokussierung auf die Kernkompetenzen wider.
Übergabe an die nächste Generation
Ein weiteres wichtiges Kapitel in der Geschichte der EMS unter Blochers Ägide begann, als seine älteste Tochter Magdalena Martullo 2001 ins Unternehmen eintrat. Als Christoph Blocher am 10. Dezember 2003 in den Schweizer Bundesrat gewählt wurde, musste er gemäss den Bestimmungen alle wirtschaftlichen Verbindungen kappen. Er gab alle Funktionen bei der EMS-Gruppe ab und verkaufte seine Mehrheitsbeteiligung per 30. Dezember 2003 an seine vier Kinder. Damit ging die Kontrolle über das Unternehmen auf die nächste Generation der Familie Blocher über. Magdalena Martullo-Blocher übernahm am 1. Januar 2004 als Vizepräsidentin und Delegierte des Verwaltungsrats die Gruppenleitung. Im Jahr 2005 wurde der Bereich EMS Dottikon, geführt von Blochers Sohn Markus, als eigenständiges Unternehmen abgespalten und an die Börse gebracht. Die Anteile der Schwestern an EMS Dottikon wurden gegen Markus' Anteile an der Emesta Holding AG getauscht, wodurch die drei Schwestern die Aktienmehrheit an der Ems-Chemie Holding hielten.
Die heutige EMS-Chemie
Die EMS-Chemie ist heute ein global tätiges Unternehmen mit Produktionsstandorten in 16 Ländern und Vertretungen in 22 Ländern. Der Hauptsitz befindet sich weiterhin in Domat/Ems. Die Geschäftsbereiche sind klar gegliedert:
| Geschäftsbereich | Unterbereiche | Schwerpunkte / Produkte |
|---|---|---|
| Hochleistungspolymere | Ems-Grivory, Ems-Eftec | Technische Thermoplaste (Granulate für Automobil, Elektronik, Verpackung, Brillen etc.), Materialien und Anlagen für die Fahrzeugindustrie (Kleben, Dichten, Dämpfen, Schützen von Karosserieteilen) |
| Spezialchemie | Ems-Griltec, Ems-Patvag | Schmelzkleber, Trenn-/Klebegarne, Fasern für Pressfilze, Pulverlacke (hitzebeständig, UV-beständig, kältebeständig), Anzünder für Sicherheitssysteme (Airbags, Gurtstraffer) |
Die grössten Absatzmärkte sind Deutschland, China und die USA. Unter der Führung von Magdalena Martullo-Blocher hat das Unternehmen weiterhin strategische Anpassungen vorgenommen, wie die Konzentration von Ems Eftec auf die Direktbelieferung. Auch aktuelle globale Entwicklungen wie die Elektromobilität beeinflussen die Strategie; die EMS-Chemie sieht hier Wachstumspotenzial, insbesondere in China. Gleichzeitig steht das Unternehmen, wie viele exportorientierte Schweizer Firmen, vor Herausforderungen durch den starken Schweizer Franken.
Häufig gestellte Fragen zur Übernahme und EMS-Chemie
Wann genau hat Christoph Blocher die EMS-Chemie übernommen?
Christoph Blocher erwarb die Mehrheitsbeteiligung und damit die Kontrolle über die Ems Chemie Holding AG im Jahr 1983.
Von wem kaufte Blocher die Aktien?
Er kaufte das Aktienpaket, das die Stimmenmehrheit sicherte, von der Gründerfamilie Oswald.
War es ein einfacher Kaufprozess?
Der Text beschreibt, dass die Familie Oswald Blocher beauftragte, einen Käufer zu finden. Blocher entschied sich daraufhin, selbst als Käufer aufzutreten. Dies deutet darauf hin, dass die Initiative zum Verkauf von der Gründerfamilie ausging und Blocher die sich bietende Gelegenheit nutzte.
Was geschah mit der Firma unmittelbar nach der Übernahme durch Blocher?
Nach der Übernahme forcierte Blocher die Expansion, nahm Akquisitionen vor und fokussierte das Unternehmen auf die Geschäftsbereiche polymere Werkstoffe, Feinchemikalien und Engineering.
Wer leitet die EMS-Chemie heute?
Seit Christoph Blochers Wahl in den Bundesrat im Jahr 2003 und dem Verkauf seiner Anteile an seine Kinder wird die EMS-Gruppe von seiner Tochter Magdalena Martullo-Blocher als Vizepräsidentin und Delegierte des Verwaltungsrats geführt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Christoph Blochers Weg an die Spitze der EMS-Chemie und sein Erwerb der Kontrolle über das Unternehmen das Ergebnis eines langen Engagements und einer strategischen Entscheidung im Jahr 1983 waren, als er das Aktienpaket der Gründerfamilie Oswald selbst übernahm. Dieser Schritt war prägend für die weitere Entwicklung der EMS zu einem erfolgreichen internationalen Spezialchemiekonzern.
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