Wer hat die Israeliten nach Ägypten gebracht?

Juden in Ägypten: Von Mose bis zur Vertreibung

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Die Geschichte der Juden in Ägypten ist eine der längsten und wechselvollsten der jüdischen Diaspora. Sie reicht Jahrtausende zurück und ist tief in biblischen Erzählungen verwurzelt, fand aber im 20. Jahrhundert ein dramatisches und nahezu vollständiges Ende. Von der Anwesenheit der Israeliten, wie sie in der Thora beschrieben wird, über die Führungsrolle von Mose beim Auszug aus Ägypten, bis hin zur modernen Geschichte einer blühenden Gemeinschaft, die Diskriminierung, Verfolgung und schließlich die Vertreibung erlebte, spannt sich ein Bogen über drei Jahrtausende.

Wie sind die Juden nach Ägypten gekommen?
Die Juden in Ägypten konnten auf eine mehrere Jahrtausende andauernde Geschichte im Land zurückblicken. Schon beim Auszug der Juden unter Moses verblieb der jüdischen Tradition nach ein großer Teil der Israeliten in Ägypten. Nach der islamischen Eroberung in der Mitte des 7.

Die biblische Erzählung und antike Sichtweisen

Die bekannteste biblische Erzählung über die Israeliten in Ägypten ist die des Buches Exodus. Sie beschreibt, wie die Nachkommen Jakobs nach Ägypten kamen, dort zu einer großen Gemeinschaft anwuchsen, schließlich versklavt wurden und unter der Führung von Mose in einem wundersamen Exodus das Land verließen. Diese Erzählung ist das Fundament der jüdischen Identität und des Pessachfestes.

Interessanterweise fand die Figur des Mose und die Geschichte des Auszugs auch Eingang in die Schriften griechisch-römischer Historiker und Autoren der Antike. Allerdings wurden diese Ereignisse dort oft in einem ganz anderen Licht dargestellt, das von Vorurteilen und Verleumdungen geprägt war. Viele dieser Texte erwähnen Mose in Verbindung mit dem Auszug, doch fast immer tauchen Motive wie Pest oder die Vertreibung von „Aussätzigen“ auf. Diese Ausgestoßenen, mal als Juden, mal als Ägypter beschrieben, wählen Mose als ihren Anführer, der ihnen eine neue Religion gibt und sie nach Kanaan führt.

Die Darstellung der neuen Religion Moses war in diesen nicht-jüdischen Quellen überwiegend negativ. Sie wurde als Gottlosigkeit, als Umkehrung der „richtigen“ Religion oder sogar als Lehre des Hasses beschrieben. Während einige wenige Autoren wie Hekataios von Abdera und Strabo Ausnahmen bildeten, war die Regel eine feindselige Interpretation. Die wiederkehrenden Motive in diesen griechischen und römischen Dokumenten legen nahe, dass sie möglicherweise nicht immer auf unabhängigen Überlieferungen basierten, doch einige Interpreten sehen darin Hinweise auf sehr alte, mündlich tradierte Legenden.

Auch die Person des Mose selbst wurde in diesen Berichten unterschiedlich beschrieben. Die oft zitierte Erwähnung Moses als altägyptischer Priester aus Heliopolis in den „Aegyptiaca“ von Manetho gilt heute als nachträgliche Ergänzung und nicht als Teil von Manethos Originalwerk. Zahlreiche andere antike Autoren, die Mose erwähnen, betrachteten ihn schlicht als Ägypter. Chairemon beschrieb ihn als Schriftgelehrten, dessen ägyptischer Name Tisithen gewesen sei. In Pompeius Trogus’ „Historiæ Philippicæ“ wird Mose sogar als Sohn des biblischen Joseph dargestellt, der angeblich ägyptische Kultobjekte gestohlen haben soll. Tacitus wiederum sah Mose einfach als einen der vertriebenen Aussätzigen.

Jüdische Autoren der Antike wie Flavius Josephus und Artapanos überlieferten ihrerseits zusätzliche Episoden aus dem Leben Moses, die in der biblischen Erzählung nicht vorkommen. Sie berichteten beispielsweise von einem Krieg, den Mose gegen die Äthiopier geführt haben soll. Josephus schilderte, dass dieser Krieg durch Moses’ Heirat mit der Tochter des äthiopischen Königs beendet wurde, während Artapanos von einem zehnjährigen Krieg berichtete, in dessen Verlauf Mose die Stadt Hermopolis gegründet, den Ibis geheiligt und den Äthiopiern die Beschneidung beigebracht haben soll. Diese jüdischen Überlieferungen zeigen, wie vielfältig die Mythen und Legenden rund um die zentrale Figur des Mose waren.

Eine jahrtausendealte Präsenz

Unabhängig von der biblischen Erzählung des Exodus, die die vollständige Auswanderung der Israeliten schildert, gab es der jüdischen Tradition nach auch nach dem Auszug eine kontinuierliche jüdische Präsenz in Ägypten. Tatsächlich lebten Juden über Jahrtausende hinweg in Ägypten und bildeten eine der ältesten jüdischen Diasporagemeinden der Welt.

Wer hat die Israeliten nach Ägypten gebracht?
Nach biblischer Überlieferung führte der Prophet Mose (Dtn 34,10) als von Gott Beauftragter das Volk der Israeliten auf einer 40 Jahre währenden Wanderung aus der ägyptischen Sklaverei in das kanaanäische Land.

Nach der islamischen Eroberung Ägyptens in der Mitte des 7. Jahrhunderts gehörten die Juden neben den christlichen Kopten zu den Minderheiten. Sie wurden als Dhimmis geduldet, was ihnen einen Schutzstatus nach islamischem Recht gewährte, aber auch die Pflicht auferlegte, eine besondere Steuer, die Dschizya, zu entrichten. Obwohl dieser Status Schutz bot, beinhaltete er auch Diskriminierungen und rechtliche Einschränkungen.

Die Periode der Tanzimat im Osmanischen Reich, zu dem Ägypten formal gehörte, brachte im 19. Jahrhundert Reformen, die theoretisch eine Gleichstellung aller Untertanen vorsahen und den Dhimma-Status abschwächten. Dennoch blieb die Diskriminierung der Juden im Wesentlichen bestehen. Vermögende Juden versuchten oft, dem durch die Erlangung ausländischer Staatsbürgerschaften zu entgehen.

Mit der nominellen Unabhängigkeit Ägyptens im Jahr 1922 änderte sich die Situation für die jüdische Gemeinde nicht unbedingt zum Besseren. Das ägyptische Staatsbürgerschaftsrecht von 1929 gewährte nur einem kleinen Teil der jüdischen Bevölkerung die Staatsbürgerschaft – lediglich etwa 5.000 Juden erhielten sie.

Die Wende im 20. Jahrhundert: Verfolgung und Vertreibung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die jüdische Gemeinde in Ägypten noch sehr groß und lebendig. Im Jahr 1918 lebten schätzungsweise 80.000 Juden im Land. Doch das 20. Jahrhundert sollte das Ende dieser langen Geschichte bringen. Diskriminierung, Verfolgung und schließlich die systematische Vertreibung führten zur fast vollständigen Auslöschung der Gemeinde binnen weniger Jahrzehnte.

Die Wurzeln dieser Entwicklung lagen in einem zunehmenden Antisemitismus, der sowohl auf traditionellen islamischen Vorstellungen basierte als auch durch den Export europäischen Antisemitismus verstärkt wurde. Die Gründung der Muslimbrüderschaft durch Hassan al-Banna im Jahr 1928 markierte einen Wendepunkt. Die Bruderschaft strebte eine islamische Gesellschaftsordnung an und betrachtete Andersgläubige und deren Unterstützer als Feinde. Hassan al-Banna propagierte in seinem Traktat „Naḥwa n-Nūr“ (Aufbruch zum Licht) 1936 offen den bewaffneten Dschihad gegen Nicht-Muslime.

Die feindselige Rhetorik schlug sich bald in Taten nieder. Bereits 1938 führte die Muslimbrüderschaft gewalttätige Proteste gegen Juden unter antisemitischen Parolen wie „Nieder mit den Juden!“ und „Juden raus aus Ägypten!“ durch. Auch die faschistische Jugendorganisation „Junges Ägypten“ und ihre Grünhemden trafen sich mit Adolf Hitler und forderten die Ausweisung der Juden.

Ein früher Höhepunkt der Gewalt war die Nacht vom 2. auf den 3. November 1945, der Jahrestag der Balfour-Deklaration. Es kam zu Unruhen, bei denen die Hauptsynagoge in Kairo und andere jüdische Einrichtungen in Brand gesteckt wurden. Fünf Juden wurden getötet. Der damalige Premierminister Mahmoud an-Nukrashi beschuldigte anschließend zynisch die „Zionisten“, diese Reaktion provoziert zu haben.

Welches Volk lebte zuerst in Israel?
bevölkerten die Kanaaniter (auch Kanaanäer) das Land. Sie sind die ältesten bekannten Bewohner des biblischen Landes Kanaan, das 1500 v. Chr. unter ägyptische Herrschaft kam und das Teile des heutigen Israels umfasst.

Die Gründung des Staates Israel im Mai 1948 verschärfte die Situation dramatisch. Obwohl die Flucht und Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern im 20. Jahrhundert nicht allein auf die Entstehung Israels zurückgeführt werden können – der Antisemitismus hatte tiefere Wurzeln –, war die Staatsgründung der Anlass für massive Übergriffe. Der ägyptische UNO-Delegierte Heykal Pascha warnte bereits 1947, dass eine Million Juden in arabischen Ländern durch den UN-Teilungsplan gefährdet seien.

Nach der Staatsgründung im Mai 1948 wurden in Ägypten 1.000 Juden festgenommen. Im Juni wurde das Kriegsrecht ausgerufen. Juden wurden als „Fünfte Kolonne“ diffamiert, vom Universitätsstudium ausgeschlossen, ihr privates Eigentum sowie das Eigentum jüdischer Institutionen beschlagnahmt. Den wenigen Juden mit ägyptischer Staatsbürgerschaft wurde diese entzogen. Diese Maßnahmen lösten eine erste große Fluchtwelle aus; 20.000 Juden verließen Ägypten.

Doch die Gewalt ging weiter. Am 20. Juni 1948 starben 22 Juden bei einem Anschlag. Im Juli gingen 500 jüdische Geschäfte in Flammen auf, und im September wurden weitere 19 Juden getötet.

Die antisemitische Propaganda wurde auch von staatlicher Seite gefördert. 1951 unternahm der Journalist Muhammad Halifa at-Tunisi die erste vollständige arabische Übersetzung der „Protokolle der Weisen von Zion“, einer berüchtigten antisemitischen Fälschung. Er warnte in einem Kommentar, dass Juden, selbst wenn sie vertrieben würden, „Unheil stiften“ würden. 1956 gab sogar das ägyptische Ministerium für nationale Führung eine Übersetzung der Protokolle heraus. Obwohl es vorgab, an der Herkunft vom Basler Zionistenkongress zu zweifeln, behauptete es, die Übereinstimmung mit jüdischen Dokumenten wie dem Talmud und der Politik Israels beweise ihre grundsätzliche Echtheit. Dabei stützte sich der anonyme Herausgeber auf Kommentare des NS-Ideologen Alfred Rosenberg.

Auch in den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Ausschreitungen und Verfolgung. Am 26. Januar 1952 wurden Geschäfte von Juden und anderen Minderheiten angegriffen. Während der Suezkrise im Jahr 1956 wurden weitere 25.000 Juden ausgewiesen.

Die wirtschaftliche Existenz der verbliebenen Gemeinde wurde ebenfalls zerstört. Im Jahr 1961 wurden die jüdischen Geschäfte und Unternehmen nationalisiert. Während des Sechstagekriegs von 1967 wurden sämtliche noch in Ägypten verbliebenen männlichen Juden interniert.

Warum waren die Israeliten Sklaven in Ägypten?
Sie mussten für den Pharao die Städte Pitom und Ramses als Vorratslager bauen. Je mehr man sie aber unter Druck hielt, umso stärker vermehrten sie sich und breiteten sich aus. Die Ägypter packte vor ihnen das Grauen. Daher gingen sie hart gegen die Israeliten vor und machten sie zu Sklaven.

Diese fortwährende Verfolgung und die fehlende Zukunftsperspektive führten dazu, dass die jüdische Gemeinde Ägyptens dramatisch schrumpfte. Der letzte Rabbiner, Chain Moussa Douek, verließ Ägypten im Jahr 1972. Was einst eine blühende Gemeinschaft von 80.000 Menschen war, zählte im Jahr 2016 nur noch 13 Personen (acht in Kairo und fünf in Alexandria).

Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Ägypten

Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht den rapiden Niedergang der jüdischen Gemeinde in Ägypten im 20. Jahrhundert:

JahrUngefähre jüdische Bevölkerung in Ägypten
1918~80.000
1948Beginn der massiven Verfolgung und Flucht
Nach 1948 (erste Fluchtwelle)Rückgang um ca. 20.000 Personen
1956 (Suezkrise)Weitere 25.000 ausgewiesen
201613

Häufig gestellte Fragen

Wie kamen die Israeliten/Juden ursprünglich nach Ägypten?

Laut der biblischen Tradition kamen die Nachkommen Jakobs (Israeliten) während einer Hungersnot nach Ägypten und ließen sich dort nieder. Sie wuchsen zu einem großen Volk heran. Die genauen historischen Umstände der frühesten Anwesenheit sind Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen, aber die jüdische Tradition spricht von einer sehr langen Geschichte im Land des Nils, die mit der biblischen Erzählung des Exodus endete, wobei jedoch laut Tradition auch danach eine jüdische Präsenz in Ägypten bestand.

Warum verließen die Juden Ägypten im 20. Jahrhundert?

Die jüdische Bevölkerung verließ Ägypten im 20. Jahrhundert aufgrund eines dramatischen Anstiegs von Antisemitismus, Diskriminierung und staatlicher Verfolgung. Besonders nach der Gründung Israels im Jahr 1948 wurden Juden als „Fünfte Kolonne“ betrachtet, verhaftet, ihr Eigentum beschlagnahmt und ihre Staatsbürgerschaft entzogen. Es kam zu gewalttätigen Übergriffen und Massenausweisungen, wie während der Suezkrise 1956. Diese Umstände machten ein Leben als Jude in Ägypten unmöglich.

Wie wurde Mose in der antiken Geschichtsschreibung außerhalb jüdischer Quellen dargestellt?

Antike griechisch-römische Autoren stellten Mose oft in einem negativen Licht dar. Er wurde häufig mit der Vertreibung von „Aussätzigen“ oder Menschen, die eine Pest verursachten, in Verbindung gebracht. Seine Religion wurde als gottlos oder hasserfüllt beschrieben. Die Darstellungen seiner Person variierten stark; er wurde mal als Ägypter, mal als Priester, Schriftgelehrter oder sogar als Dieb ägyptischer Kultobjekte dargestellt.

Was geschah mit der jüdischen Gemeinde in Ägypten nach der Gründung Israels 1948?

Nach der Gründung Israels im Mai 1948 verschlechterte sich die Lage der Juden in Ägypten rapide. Das Kriegsrecht wurde ausgerufen, Juden wurden massenhaft verhaftet, vom Studium ausgeschlossen, ihr Eigentum wurde beschlagnahmt und ihre Staatsbürgerschaft entzogen. Dies führte zu einer ersten großen Fluchtwelle von etwa 20.000 Menschen. Zudem kam es zu gewalttätigen Angriffen, Brandstiftungen und Morden an jüdischen Bürgern. Die Verfolgung setzte sich in den folgenden Jahrzehnten fort und führte zur fast vollständigen Auflösung der jahrtausendealten Gemeinde.

Die Geschichte der Juden in Ägypten ist ein eindringliches Beispiel dafür, wie eine jahrtausendealte Gemeinschaft innerhalb weniger Jahrzehnte durch staatlich geförderte Diskriminierung, Gewalt und Vertreibung ausgelöscht werden kann. Von den biblischen Anfängen und der Führungsfigur Mose bis zum tragischen Ende im 20. Jahrhundert erzählt sie von Präsenz, Widerstand und ultimativem Verlust.

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Andenmatten Soltermann

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