Der Mars, oft als der "Rote Planet" bezeichnet, fasziniert die Menschheit seit jeher. Eine der drängendsten Fragen, die Wissenschaftler und die breite Öffentlichkeit gleichermaßen beschäftigt, ist die nach der Existenz von Wasser. War der Mars einst eine Welt mit flüssigen Seen und Flüssen? Und wie viel Wasser gibt es heute noch auf unserem planetaren Nachbarn? Die Antwort ist komplexer, als man auf den ersten Blick vermuten mag und hat sich mit der Ankunft des Raumfahrtzeitalters dramatisch verändert.

Wasser auf dem Mars: Historische Ansichten und moderne Erkenntnisse
Lange vor der Ära der Raumsonden beobachteten Astronomen die weißen Polkappen des Mars durch ihre Teleskope. Diese Kappen, die sich mit den Jahreszeiten veränderten, deuteten auf die Anwesenheit von Eis oder Schnee hin. Damals dachte man primär an Wassereis, nicht an gefrorenes Kohlendioxid. Obwohl die Größe der Kappen auf eine begrenzte Menge Wasser schließen ließ, gab es keine Möglichkeit, genaue Messungen vorzunehmen. Schnell etablierte sich das Bild eines wüstenartigen Planeten, eine Vorstellung, die viele Science-Fiction-Geschichten prägte. Seit Mitte der 1960er Jahre haben jedoch zahlreiche Raumsonden mit hoch entwickelten Instrumenten den Mars besucht und eine Fülle von Daten gesammelt. Diese Daten haben unser Verständnis revolutioniert. Der Mars ist zwar weit trockener als selbst die trockenste Wüste der Erde (die Atacama-Wüste in Chile), aber er beherbergt heute beträchtliche Mengen an Wasser, vor allem in gefrorener Form. Darüber hinaus deuten geologische Merkmale, wie Ausflusskanäle und Talsysteme, stark darauf hin, dass der Mars in der Vergangenheit wesentlich feuchter war.
Die Wasservorräte des Roten Planeten heute
Wissenschaftler identifizieren heute vier Hauptspeicher, oder "Reservoirs", für Wasser auf dem Mars. Das erste ist die Atmosphäre, die jedoch nur Spuren von Wasserdampf enthält. Das zweite sind die eisreichen Schichten in den Polkappen und den umliegenden Regionen. Dieses Eis besteht hauptsächlich aus Wassereis, vermischt mit gefrorenem Kohlendioxid. Das dritte Reservoir befindet sich unter der Oberfläche im Untergrund. Die vierte und potenziell größte Quelle ist Wasser, das chemisch in Gesteinen und Mineralien wie Tonen gebunden ist – sogenannte hydratisierte Mineralien.
Die Menge des Wassers in der Atmosphäre und in den Polkappen kann direkt von Raumsonden gemessen werden. Die Menge des Wassers im Untergrund kann jedoch nur grob geschätzt werden, basierend darauf, wie viel Wasser nötig gewesen wäre, um die sichtbaren geologischen Merkmale zu formen. Die größte Unsicherheit besteht bei den hydratisierten Mineralien. Einige Forschungen legen nahe, dass diese so viel Wasser speichern könnten wie die anderen drei Reservoirs zusammen, aber der genaue Umfang ist unbekannt.
Um die Wassermenge auf globaler Ebene zu veranschaulichen, verwenden Wissenschaftler den Begriff der Globalen Äquivalenten Schicht (GEL). Dies ist die Dicke, die das gesamte Wasser des Planeten hätte, wenn es gleichmäßig über die gesamte Oberfläche verteilt wäre. Basierend auf den direkt messbaren Mengen (hauptsächlich Polkappen) wird die heutige Hydrosphäre des Mars auf etwa 30 Meter GEL geschätzt. Für den Untergrund schätzen Wissenschaftler, basierend auf geologischen Merkmalen, potenziell 500 bis 1000 Meter GEL, aber dies ist eine sehr grobe Schätzung.
Ein entscheidender Faktor für das Wasser auf dem Mars ist die Kryosphäre. Dies ist eine globale Schicht aus permanent gefrorenem Boden, ähnlich dem Permafrost auf der Erde. Die marsianische Kryosphäre reicht Schätzungen zufolge in Äquatornähe bis in Tiefen von etwa 2,5 Kilometern und in den Polarregionen bis etwa 6,5 Kilometern. Obwohl weite Teile der Kryosphäre eisreich sind, ist ihre definierende Eigenschaft, dass ihre Temperatur nie über den Gefrierpunkt (0° C) steigt. An der Oberfläche, insbesondere in wärmeren Regionen, kann die oberste Bodenschicht durch Sonneneinstrahlung tagsüber über 0° C erwärmt werden. Jegliches dort enthaltene Wasser oder Eis sublimiert dann direkt in Wasserdampf und entweicht in die dünne Atmosphäre. Dies führt zur Bildung einer trockenen, "ausgetrockneten" Oberflächenschicht. In polaren Regionen, wie vom Phoenix-Lander 2008 bei 68° nördlicher Breite gezeigt, liegt das Wassereis nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Phoenix kratzte den trockenen Oberflächenboden ab und fand eine Mischung aus Wassereis und Boden, die sofort zu sublimieren begann. In wärmeren Äquatorregionen liegt die Eisschicht wahrscheinlich in größeren Tiefen, möglicherweise über einen Kilometer tief.

Die Kryosphäre wirkt als Barriere. Sie verhindert, dass flüssiges Grundwasser die Oberfläche erreicht. Wenn diese Barriere durchbrochen wird – sei es durch Meteoriteneinschläge, vulkanische Aktivität oder geologische Verwerfungen – könnte lokales Grundwasser an die Oberfläche gelangen.
Spuren der Vergangenheit: Fließendes Wasser auf dem Mars?
Die Existenz von Talsystemen und Ausflusskanälen ist ein starkes Indiz dafür, dass der Mars in seiner frühen Geschichte wärmer und feuchter war und flüssiges Wasser über seine Oberfläche floss. Eine Atmosphäre wie die heutige, die sehr dünn und kalt ist, lässt dies nicht zu. Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass der Mars früher eine wesentlich dichtere Atmosphäre hatte, möglicherweise so dicht oder dichter als die heutige Erdatmosphäre. Dies hätte die Oberfläche erwärmt und die Existenz von fließendem Wasser, Seen und vielleicht sogar Ozeanen ermöglicht.
Wie viel feuchter war der alte Mars? Schätzungen der damaligen Wassermenge reichen von 600 bis 2700 Metern GEL – ein Vielfaches des heutigen Wertes. Dies deutet darauf hin, dass der Mars den größten Teil seines ursprünglichen Wassers in den Weltraum verloren hat.
Das Rätsel des Wasserverlusts
Wissenschaftler vermuten, dass der Hauptgrund für den Wasserverlust des Mars das Abschalten seines Magnetfeldes war. Ähnlich wie das Erdmagnetfeld wurde das marsianische Feld wahrscheinlich durch Ströme geschmolzenen Eisens im Kern erzeugt. Aus noch unbekannten Gründen schwächte sich das marsianische Magnetfeld jedoch ab und verschwand vor etwa 3,7 Milliarden Jahren. Mit dem Verlust des Magnetfeldes war der Mars nicht mehr vor dem Sonnenwind – einem Strom energiereicher Teilchen von der Sonne – und extremer ultravioletter Strahlung geschützt. Diese bombardierten die Atmosphäre und rissen sie langsam ab. Mit der Atmosphäre gingen auch riesige Mengen Wasserdampf verloren.
Wasser als Ressource: Ernte auf dem Mars?
Wasser auf dem Mars ist nicht nur wissenschaftlich interessant, sondern auch eine potenzielle Ressource für zukünftige Missionen und menschliche Besiedlung. Missionen, die einen Raketenstart von der Marsoberfläche erfordern (wie die Rückführung von Proben), könnten Treibstoff aus marsianischem Wasser gewinnen, anstatt schweren Treibstoff von der Erde mitzubringen. Für bemannte Missionen, die größere Raketen benötigen und Trinkwasser sowie atembare Luft erfordern, wäre die Nutzung lokaler Wasserressourcen noch praktischer.

In Regionen, in denen Wassereis nahe unter der Oberfläche liegt, könnte ein einfacher Spaten ausreichen, wie die Phoenix-Mission demonstrierte. Allerdings müssten potenzielle "Bergleute" beachten, dass das geerntete Eis Verunreinigungen enthalten kann, die gefiltert werden müssten. Wie Wissenschaftler betonen, wäre eine Schaufel voll Oberflächenmaterial, das aufgetaut wird, nicht reines Wasser. Wenn das Eis tiefer liegt, könnten Systeme eingesetzt werden, die dem ähneln, was in der Antarktis verwendet wird: Bohren durch den Boden und Absenken einer Heizsonde, um das Eis zu schmelzen, wobei das resultierende Wasser an die Oberfläche gepumpt wird.
Was ist mit dem Wasser, das in hydratisierten Mineralien eingeschlossen ist? Vorgeschlagene Methoden zur Gewinnung von Wasser aus Gesteinen umfassen den Einsatz von Mikrowellen oder sogar die etwas kontraintuitive Methode, Mineralien mit Wasser zu beschießen, um mehr Wasser zu extrahieren. Einige Konzepte sehen den Einsatz kleiner, autonomer Roboter vor, die Wasser abbauen könnten, bevor Menschen eintreffen. Die Gewinnung von Wasser aus Gesteinen stellt jedoch eine Herausforderung dar, da die H2O- und OH-Moleküle fest in der Mineralstruktur gebunden sind und ein gewisser Energieaufwand zu ihrer Freisetzung erforderlich ist.
Die Rolle von Tiefenwasser und zukünftige Nutzung
Die InSight-Mission der NASA, die 2018 auf dem Mars landete, nutzte seismische Sensoren, um das Innere des Planeten zu untersuchen. Die Daten aus Marsbeben und Meteoriteneinschlägen lieferten wertvolle Informationen über die Dicke der Kruste, die Tiefe und Zusammensetzung des Kerns sowie die Temperatur im Mantel. Zunächst schien es, als gäbe es in den oberen 5 Kilometern der Kruste keine signifikanten Wasservorräte. Spätere Analysen der InSight-Daten deuteten jedoch auf die Existenz von Wasser in großer Tiefe hin – eingeschlossen in Rissen und Poren zwischen 11 und 20 Kilometern unter der Oberfläche. Diese Menge könnte theoretisch ausreichen, um den gesamten Planeten mit einem 2 Kilometer tiefen Ozean zu bedecken.
Dieses tief liegende Wasser stellt jedoch eine erhebliche Herausforderung für die Nutzung dar. Es ist weit außerhalb der Reichweite heutiger oder absehbarer Bohrtechnologien für den Mars. Es könnte sich dort vor Milliarden von Jahren angesammelt haben, abgesunken durch Risse in der Kruste und dann in großer Tiefe gefangen worden sein, wo der Druck Risse versiegelte. Auf der Erde sorgt die Plattentektonik dafür, dass solches Tiefenwasser wieder an die Oberfläche gelangt, aber auf dem Mars gibt es keine aktive Plattentektonik, die diesen Mechanismus bereitstellen würde.
Fazit
Der Mars ist eine Welt mit einer faszinierenden und komplexen Wassergeschichte. Von einem potenziell feuchten Planeten mit fließendem Wasser in der fernen Vergangenheit hat er sich zu einer kalten, trockenen Welt entwickelt, die den größten Teil ihres Wassers in Form von Eis, gebunden in Mineralien oder tief unter der Oberfläche beherbergt. Die Kryosphäre spielt eine Schlüsselrolle dabei, das vorhandene Wasser einzuschließen und den Zugang zu flüssigem Wasser an der Oberfläche zu verhindern. Während die Menge und Verteilung des Wassers auf dem Mars immer noch Gegenstand intensiver Forschung ist, zeigen Missionen wie Phoenix und InSight sowie die Analyse geologischer Merkmale, dass Wasser ein wichtiger Bestandteil der marsianischen Geschichte und Gegenwart ist. Die Nutzung dieser Ressource bleibt eine technische Herausforderung, aber die fortlaufende Erkundung des Roten Planeten bringt uns seinem Geheimnis Schritt für Schritt näher.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie viel Wasser gibt es heute auf dem Mars?
Basierend auf den direkt messbaren Wasservorräten (hauptsächlich in den Polkappen) wird die heutige Wassermenge auf etwa 30 Meter GEL (Globale Äquivalente Schicht) geschätzt. Wenn man Schätzungen für das Wasser im Untergrund und in hydratisierten Mineralien einbezieht, könnte die Gesamtmenge deutlich höher liegen, möglicherweise Hunderte oder sogar Tausende Meter GEL, aber diese Schätzungen sind sehr unsicher.
Wo befindet sich das meiste Wasser auf dem Mars?
Der Großteil des heute bekannten Wassers auf dem Mars befindet sich in gefrorener Form in den Polkappen und eisreichen Regionen. Signifikante Mengen werden auch im Untergrund und chemisch gebunden in hydratisierten Mineralien vermutet.
Gab es in der Vergangenheit flüssiges Wasser auf dem Mars?
Ja, viele geologische Merkmale wie Talsysteme und Ausflusskanäle deuten stark darauf hin, dass es in der frühen Geschichte des Mars eine Periode gab, in der die Oberfläche wärmer war und flüssiges Wasser existierte, möglicherweise sogar in Form von Seen oder Ozeanen.
Warum hat der Mars sein Wasser verloren?
Wissenschaftler glauben, dass der Mars den größten Teil seines Wassers verlor, als sein Magnetfeld verschwand. Dies ermöglichte dem Sonnenwind und der UV-Strahlung, die Atmosphäre des Planeten abzutragen. Mit der dünner werdenden Atmosphäre sanken Temperatur und Druck, was flüssiges Wasser an der Oberfläche unmöglich machte, und Wasserdampf entwich in den Weltraum.
Kann Wasser auf dem Mars für zukünftige Missionen genutzt werden?
Ja, Wasser auf dem Mars gilt als wertvolle Ressource für zukünftige Erkundungs- und Besiedlungsmissionen, z.B. zur Gewinnung von Trinkwasser, Sauerstoff oder Raketentreibstoff. Die Gewinnung ist jedoch je nach Form (Eis, gebunden in Mineralien) und Tiefe eine technische Herausforderung. Oberflächennahes Eis in polaren Regionen ist am leichtesten zugänglich.
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