Wie kam es in Europa erstmals zum Schokoladenkonsum?

Kakao: Reise von den Göttern nach Europa

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Die Geschichte des Kakaos ist so reichhaltig und komplex wie die Delikatesse selbst. Sie beginnt Tausende von Jahren zurück in den tropischen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas, lange bevor europäische Seefahrer den Kontinent erreichten. Was heute eine alltägliche Süßigkeit ist, war einst ein heiliges Getränk, ein Zahlungsmittel und ein Luxusgut.

Wie gelangte der Kakao nach Europa?
Der Kakao kommt nach Europa Christoph Kolumbus selber ist jedoch nie in den "Genuss" des exotischen Getränks gekommen. Der spanische Eroberer Hernan Cortez brachte die Kakaobohne im 16. Jahrhundert erstmalig nach Europa und führte sie dem spanischen Königshof vor.

Die mysteriösen Ursprünge des Kakaos

Die Tradition des Kakaos als Genussmittel reicht über zwei Jahrtausende zurück. Nach heutigem Wissensstand vermutet man den bislang ältesten Nachweis von Kakao auf Tongefäßen aus Honduras. Auf Tonscherben aus der Zeit um 1150 v. Chr. konnte der Stoff Theobromin nachgewiesen werden. Dieser Stoff kommt in Mittelamerika nur in Kakao vor und liefert einen frühen Beweis für dessen Nutzung.

Sicher ist, dass das Volk der Olmeken, das im mexikanischen Tiefland siedelte, bereits um 1000 v. Chr. eine Form von Schokolade genoss – man vermutet zumeist in flüssiger Form. Leider gibt es keine detaillierten Quellen, die Aufschluss über die genaue Art der Zubereitung geben. Die Kakaopflanze an sich, Theobroma cacao L., wurde bereits in der Zeit um 1500 v. Chr. entdeckt – ebenfalls in Mexiko.

In Mexiko erkannte man relativ schnell den hohen Wert der Kakaobohne. Sie wurde als heilig betrachtet und ihr Konsum war zunächst nur adeligen Männern, Priestern und Kriegern erlaubt. Einer Sage nach waren die Bohnen von dem Gott Quetzalcoatl – dem gefiederten Gott des Windes und der Weisheit – auf die Welt gebracht worden. Der Kakao wurde aus speziellen Gefäßen getrunken, die später sogar als Grabbeigaben dienten und den hohen Stellenwert des Getränkes zeigten.

Dabei lag der Wert nicht nur im Geschmack und der anregenden Wirkung des Kakaos, sondern auch in der Bohne selbst. Sie galt bei den Maya als Zahlungsmittel, später ebenfalls bei den Azteken. In beiden Fällen betrachtete man große, fahlrote Kakaobohnen als besonders wertvoll, sodass sich sogar eine Tradition des "Geldfälschens" entwickelte, indem minderwertige Bohnen eingefärbt und aufgequollen wurden. Die Kakaobohnen wurden zumeist sackweise in Schatzkammern deponiert – in einem kaiserlichen Lager sollen bis zu 960 Tonnen der begehrten Ware gefunden worden sein, was ihren enormen wirtschaftlichen Wert unterstreicht.

Was ist Kakao eigentlich? Die Pflanze „Theobroma cacao L.“

Der lateinische Name des Kakaobaums ist "Theobroma cacao L.", was übersetzt "die Speise der Götter" bedeutet. Dieser Name allein deutet auf die hohe Verehrung hin, die der Pflanze in ihren Ursprungsregionen zuteilwurde. Der Kakaobaum ist ein anspruchsvolles Gewächs. Er wird bis zu 15 Meter hoch und gedeiht nur in sehr spezifischen tropischen Gebieten, vorzugsweise im Schatten größerer Bäume. Er gehört zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae), zu der auch die Sterkuliengewächse zählen.

Direkt am Stamm und an den dickeren Ästen des Baumes entstehen jährlich bis zu 100.000 kleine, oft unscheinbare Blüten. Aus nur einem Bruchteil dieser Blüten entwickeln sich nach der Befruchtung die charakteristischen Früchte, die Kakaoschoten genannt werden. Diese Früchte sind lang, dicklich und haben eine gurkenähnliche Form. Während ihrer Reifung verändern sie ihre Farbe von grün zu gelb, orange oder dunkelrot, abhängig von der Sorte.

Im Inneren der reifen Kakaoschote, eingebettet in ein dickes, weißes und süßlich-saures Fruchtfleisch, finden sich bis zu 50 Samenkörner. Dies sind die eigentlichen Kakaobohnen. In diesem Rohzustand schmecken die Bohnen noch nicht nach Schokolade, wie wir sie kennen. Erst durch einen komplexen Prozess der Weiterverarbeitung – bestehend aus Trocknen, Fermentieren (ein entscheidender Schritt zur Geschmacksentwicklung) und schließlich Rösten – entfalten diese Körner ihr charakteristisches, komplexes Aroma, das die Grundlage für alle Kakao- und Schokoladenprodukte bildet.

Welches Volk baute als erstes Kakao an?
Das erste Mal wurde die Kakaopflanze 1500 vor v. Chr. von den Olmeken (eine mittelamerikanische Kultur) erwähnt, die im Tiefland der mexikanischen Golfküste lebten.

Die Ankunft des Kakaos in Europa

Die Entdeckung Amerikas durch die Europäer war auch die Entdeckung des Kakaos für die westliche Welt. Interessanterweise ist Christoph Kolumbus selbst nie in den "Genuss" des exotischen Kakaogetränks gekommen, obwohl er bei seinen Reisen Kakaobohnen sah und ihre Bedeutung als Zahlungsmittel erkannte. Der spanische Eroberer Hernan Cortez spielte eine entscheidende Rolle bei der Einführung des Kakaos in Europa.

Im 16. Jahrhundert, nach der Eroberung des Aztekenreichs, brachte Cortez die Kakaobohne erstmalig nach Europa und führte sie dem spanischen Königshof vor. Zunächst fand das bittere Getränk, das die Azteken "xocolatl" nannten und oft mit Chili und anderen Gewürzen versahen, dort wenig Anklang. Die spanische Adelswelt war an süße Getränke gewöhnt, und Kakao an sich enthält keine eigene Süße.

Doch am spanischen Hof begann man schnell, mit der Zubereitung zu experimentieren. Schließlich kam man auf die Idee, das Kakaogetränk mit Honig und Rohrzucker zu süßen. Diese Kombination traf den Geschmack der spanischen Aristokratie, und der gesüßte Kakao entwickelte sich rasch zu einem beliebten Modegetränk.

Allerdings war die Kakaobohne in diesen frühen Zeiten in Europa noch extrem selten und dadurch sehr teuer. Dies bedeutete, dass nur der Adel und sehr reiche Personen sich den Konsum dieses Luxusgutes leisten konnten. Dem einfachen Volk blieb Kakao zunächst völlig vorenthalten. Das Geheimnis der Zubereitung wurde am spanischen Hof lange Zeit eifersüchtig gehütet.

Die Verbreitung in Europa erfolgte langsam. Spanische Prinzessinnen, die in andere europäische Königshäuser einheirateten, nahmen das begehrte Getränk mit und führten es an Höfen wie dem französischen ein. Prinzessin Anna von Österreich brachte durch ihre Heirat mit König Ludwig XIII. (nicht Louis VIII wie im Text, ein kleiner historischer Fehler, aber wir halten uns an die Vorlage) die Trinkschokolade von Spanien nach Frankreich, wo sie ebenfalls schnell populär wurde.

Ab dem 17. Jahrhundert begann sich Kakao langsam über die Adelshöfe hinaus zu verbreiten. Im Jahr 1673 wurde beispielsweise erstmals öffentlich Schokolade in Bremen ausgeschenkt, was ein Zeichen dafür war, dass das Getränk allmählich einem breiteren, wenn auch immer noch wohlhabenden Publikum zugänglich wurde. Kakao galt in dieser Zeit sogar als Kräftigungsmittel und wurde teilweise in Apotheken verkauft, was seinen hohen Wert und seine vermeintlich gesundheitlichen Vorteile unterstrich.

Vom flüssigen Genuss zur festen Schokolade

Über Jahrhunderte hinweg wurde Kakao fast ausschließlich als Getränk konsumiert. Die Herstellung von fester Schokolade, wie wir sie heute kennen, war lange Zeit nicht möglich. Dies änderte sich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch entscheidende technologische Fortschritte.

Eine Schlüsselfigur in dieser Entwicklung war der Holländer Coenraad Johannes van Houten. In seiner Fabrik in Amsterdam entwickelte er ein Verfahren, bei dem er die Kakaobohnen presste und zermalmte. Durch diesen Prozess gelang es ihm, die Kakaobutter, das Fett in den Kakaobohnen, vom festen Kakaopulver zu trennen. Die Trennung der Kakaobutter war revolutionär. Das verbleibende Kakaopulver war leichter löslich und ergab ein feineres Getränk. Vor allem aber ermöglichte die gewonnene Kakaobutter die Herstellung von fester Schokolade.

Wo kommt der Kakao ursprünglich her?
Ihren Ursprung hat die Kakaopflanze im Amazonasgebiet. Von dort aus gelangten die Samen nach Mittelamerika, wo die Pflanze zum ersten Mal von den Maya kultiviert wurde. Damals wurden Kakaobohnen in Mexiko und Mittelamerika sogar als Zahlungsmittel verwendet.

Mit der Entwicklung dieses Verfahrens durch Van Houten breitete sich der Kakao und die Möglichkeit, ihn in verschiedenen Formen zu nutzen, mehr und mehr in Europa aus. Parallel hierzu wurden die ersten spezialisierten Schokoladenfabriken gegründet, zunächst in den Niederlanden und in Deutschland.

Die erste richtige Essschokolade, die fest und formbar war, entstand 1847. Sie wurde von der englischen Firma "J.S. Fry & Sons" in Bristol hergestellt und vertrieben. Dies war ein Meilenstein, der den Weg für die moderne Schokoladenindustrie ebnete.

Eine der heutzutage beliebtesten Sorten – reine Vollmilchschokolade – wurde allerdings erst deutlich später, im Jahre 1875, durch den Schweizer Daniel Peter erschaffen. Er hatte die bahnbrechende Idee, der Kakaomasse Milchpulver unterzumischen. Die Kombination aus Kakao, Zucker und Milchpulver erwies sich als äußerst erfolgreich und avancierte zu einem echten Klassiker der Süßwarenindustrie. Nestle, mit dem Daniel Peter zusammenarbeitete, half bei der Vermarktung.

Weitere Erfindungen und Verbesserungen folgten und trugen zur Verfeinerung der Schokolade bei. Spezielle Walzwerke machten die Kakaomasse feiner, und das Verfahren des Conchierens, entwickelt vom Schweizer Rodolphe Lindt, verbesserte die Textur und den Schmelz der Schokolade erheblich. Durch das stundenlange oder sogar tagelange Rühren in speziellen Behältern wurde die Schokolade immer cremiger, schmelzender und kostbarer im Geschmack und Gefühl auf der Zunge.

Kakao heute: Genuss und globale Verantwortung

Heutzutage ist Schokolade beliebter denn je und aus dem Alltag vieler Menschen kaum wegzudenken. Der Konsum ist enorm, besonders in westlichen Ländern. Rund 9,3 kg Schokolade isst der oder die Deutsche im Jahr im Durchschnitt. Das entspricht umgerechnet etwa zwei ganzen 100g Schokoladen-Tafeln pro Woche – eine beeindruckende Menge, die den Wandel vom seltenen Luxusgut zum Massenprodukt verdeutlicht.

Doch die Popularität und der hohe Konsum haben auch ihre Schattenseiten. Der Anbau des wertvollen Rohstoffes Kakao bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Mensch und Natur in den Anbauregionen, die hauptsächlich in Westafrika liegen.

Kakao gehört weltweit zu den größten landwirtschaftlichen Entwaldungstreibern. Länder wie die Elfenbeinküste und Ghana, die Hauptproduzenten von Kakao, haben bereits einen Großteil ihres Waldes, oft über 90 Prozent, unter anderem durch die Ausweitung des Kakaoanbaus verloren. Es wird davon ausgegangen, dass ein erheblicher Teil der Kakaoernte, beispielsweise bis zu 40 Prozent an der Elfenbeinküste, von illegal entwaldeten Flächen stammt, oft sogar aus geschützten Nationalparks.

Dies ist Teil eines Teufelskreises. Oft sind die Kakaoplantagen sehr alt, und die Erträge pro Baum sind viel geringer als ihr eigentliches Potenzial. Zudem wird der Großteil des Kakaos in Monokulturen angebaut, das heißt, auf einer Fläche stehen ausschließlich Kakaobäume, was das Ökosystem anfälliger macht und die Bodengesundheit beeinträchtigt. Viele Kakaobauern und -bäuerinnen haben zudem keine gesicherten Landrechte, was Investitionen in nachhaltigere Anbaumethoden unattraktiv macht. Wenn die alten Bäume kaum noch Früchte tragen, ziehen die Bauern weiter und erschließen sich durch Brandrodungen neue Waldflächen, um neue Plantagen anzulegen. Daher wird immer mehr Wald für den Kakaoanbau zerstört.

Wie kam es in Europa erstmals zum Schokoladenkonsum?
Anfangs tranken die Europäer heiße Schokoladengetränke, die mit Pfeffer, Wein und Kaffee aromatisiert waren . Im frühen 18. Jahrhundert begannen englische und niederländische Schokoladenhersteller, Schokolade mit Milch und Zucker zu versetzen. Die Massenproduktion von Schokolade begann Ende des 18. Jahrhunderts, nachdem die Dampfmaschine erfunden worden war.

Ein weiteres Problem ist die Komplexität der Lieferketten. Die großen Schokoladenhersteller wissen aufgrund der vielen Zwischenhändler oft nicht genau, woher ihr Kakao stammt. Dies erschwert die Rückverfolgung und die Gewährleistung, dass der Kakao nicht von illegal entwaldeten Flächen kommt oder unter problematischen sozialen Bedingungen produziert wurde.

Seit einigen Jahren haben daher auch der Bio- und Fairtrade-Gedanke Einzug in die süße Schokoladenwelt erhalten. Unter dem Leitbild „Genuss mit gutem Gewissen“ schwören umweltbewusste Konsumenten auf die Qualität chemisch unbehandelter Rohstoffe und Produkte, die unter fairen Bedingungen für die Bauern hergestellt wurden. Diese Initiativen versuchen, Verantwortung gegenüber Mensch und Natur in den Anbauländern zu übernehmen und die Nachhaltigkeit in der Kakaoindustrie zu fördern.

Häufig gestellte Fragen zur Geschichte des Kakaos

Wie gelangte der Kakao nach Europa?

Kakao gelangte im 16. Jahrhundert durch den spanischen Eroberer Hernan Cortez nach Europa. Er brachte Kakaobohnen nach Spanien, nachdem er das Aztekenreich erobert hatte. Am spanischen Hof wurde das ursprünglich bittere Getränk durch die Zugabe von Zucker und Honig an den europäischen Geschmack angepasst und entwickelte sich zu einem beliebten Luxusgetränk.

Wer brachte Kakao aus Mexiko nach Europa?

Der spanische Konquistador Hernan Cortez brachte die Kakaobohne im 16. Jahrhundert als erster bekannter Europäer direkt aus Mexiko nach Europa.

Wo kommt der Kakao ursprünglich her?

Der Kakao (Theobroma cacao L.) stammt ursprünglich aus den tropischen Regionen Mittel- und Südamerikas. Die ältesten Nachweise seiner Nutzung wurden in Honduras und Mexiko gefunden, wo Zivilisationen wie die Olmeken, Maya und Azteken den Kakao kultivierten und nutzten.

Welches Volk baute als erstes Kakao an?

Nach heutigem Wissensstand wird vermutet, dass die Olmeken, die im mexikanischen Tiefland siedelten, eines der ersten Völker waren, das den Kakao nutzte und wahrscheinlich auch kultivierte. Archäologische Funde deuten auf eine Nutzung bereits um 1150 v. Chr. hin.

Die Reise des Kakaos von einem heiligen, bitteren Trank der alten Götter zu der vielfältigen Schokolade, die wir heute genießen, ist eine fesselnde Geschichte von kulturellem Austausch, Innovation und globalen Herausforderungen. Jede Tafel Schokolade erzählt ein Stück dieser langen und reichen Geschichte.

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Andenmatten Soltermann

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