Die Frage, wem das Land Israel ursprünglich gehörte oder heute gehört, ist tief in einer langen und komplexen Geschichte verwurzelt, die Jahrhunderte, ja Jahrtausende zurückreicht. Die Gründung des modernen Staates Israel im Jahr 1948 war das Ergebnis einer Entwicklung, die Ende des 19. Jahrhunderts begann und von politischen, sozialen und demografischen Veränderungen geprägt war. Um die Entstehung dieses Staates zu verstehen, müssen wir die historischen Etappen betrachten, die von der Idee einer Heimstätte bis zur tatsächlichen Staatsgründung führten.

Die Wiege des Zionismus und die Suche nach einer Heimstätte
Die Idee eines modernen jüdischen Staates entstand im späten 19. Jahrhundert, maßgeblich beeinflusst durch den zunehmenden Antisemitismus in Europa. Diese wachsende Judenfeindlichkeit, die sich in Verfolgung und Diskriminierung äußerte, ließ unter jüdischen Intellektuellen den Wunsch nach einer eigenen „Heimstätte“ erstarken. Sie sahen darin die einzige Möglichkeit, der ständigen Bedrohung zu entkommen und ein Leben in Sicherheit und Selbstbestimmung zu führen.
Als eine Schlüsselfigur dieser Bewegung gilt der Publizist Theodor Herzl, geboren 1860 in Budapest. Herzl erlebte die antisemitische Stimmung in Österreich und wurde durch die Dreyfus-Affäre in Frankreich, bei der ein jüdischer Offizier zu Unrecht verurteilt wurde, tiefgreifend beeinflusst. Er erkannte, dass die bisherigen Versuche jüdischer Emanzipation und Integration in europäische Gesellschaften gescheitert waren. In seinem 1896 veröffentlichten Werk „Der Judenstaat“ legte er die Grundlagen für die Schaffung eines jüdischen Staates dar, wobei das Gebiet Palästinas für ihn eine der denkbaren Optionen war.
Auf Herzls Initiative fand 1897 in Basel der erste Zionistenkongress statt. Dort wurde die Zionistische Weltorganisation gegründet und das Baseler Programm verabschiedet. Dieses Programm formulierte das Ziel der „Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina“ und wurde zum Leitfaden der zionistischen Bewegung bis zur Staatsgründung.
Palästina vor 1948: Osmanische Herrschaft und britisches Mandat
Zu dieser Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts, war das Gebiet Palästinas Teil des Osmanischen Reiches. Die Bevölkerung bestand größtenteils aus Arabern, etwa eine halbe Million Menschen lebten dort. Die Gründung eines jüdischen Staates war unter der osmanischen Herrschaft unrealistisch, da der Sultan die zionistische Bewegung ablehnte. Dennoch begannen Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Auswanderungsbewegungen von Juden nach Palästina, die als erste Aliyah bekannt sind. Bis 1918 stieg die jüdische Bevölkerung in Palästina auf etwa 66.000 Menschen an.
Der Erste Weltkrieg brachte eine grundlegende Veränderung der politischen Landkarte im Nahen Osten. Das Osmanische Reich zerfiel, und Großbritannien erlangte die Kontrolle über Palästina. Im Jahr 1920 wurde Großbritannien auf der Konferenz von San Remo mit der Verwaltung Palästinas beauftragt, was 1922 vom Völkerbund als britisches Mandat bestätigt wurde. Dieses Mandat sollte die Schaffung einer „nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“ ermöglichen, wie es der britische Außenminister Arthur Balfour bereits 1917 in der Balfour-Erklärung zugesagt hatte. Gleichzeitig hatte Großbritannien jedoch auch Versprechen an die arabische Bevölkerung gemacht, was zu widersprüchlichen Erwartungen und zukünftigen Konflikten führte.
Während der Zeit des britischen Mandats in den 1920er- und 1930er-Jahren setzte sich die jüdische Einwanderung fort, angezogen von der Vision einer nationalen Heimstätte und später auch auf der Flucht vor der Verfolgung in Europa. Im Jahr 1936 lebten in Palästina etwa 1,32 Millionen Menschen, davon rund 370.000 Juden. Die meisten Araber lebten von der Landwirtschaft, während ein Großteil der jüdischen Einwanderer sich in städtischen Gebieten niederließ.
Diese demografischen Veränderungen und die unterschiedlichen nationalen Bestrebungen führten zu wachsenden Spannungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der arabischen Bevölkerung, den jüdischen Siedlern und den britischen Behörden. Der Arabische Aufstand von 1936 bis 1939 war ein trauriger Höhepunkt dieser Konflikte, bei dem Tausende ums Leben kamen. Als Reaktion darauf und angesichts der zunehmenden Verfolgung von Juden durch die Nationalsozialisten schränkte Großbritannien die jüdische Einwanderung stark ein, obwohl die Notwendigkeit einer Zuflucht offensichtlich war.
Der Weg zur Staatsgründung: UNO und Teilungsplan
Der Zweite Weltkrieg und insbesondere die nationalsozialistische Vernichtungspolitik gegen die europäischen Juden, die Schoah, veränderten die internationale Haltung gegenüber der Idee eines jüdischen Staates. Nach Kriegsende sahen viele Staaten die Notwendigkeit einer sicheren Heimstätte für die Überlebenden. Gleichzeitig forderten sowohl die jüdischen als auch die arabischen Bewohner Palästinas ein Ende des britischen Mandats, jedoch mit völlig entgegengesetzten Zielen: die jüdische Seite strebte einen eigenen Staat an, die arabische Seite die Gründung eines unabhängigen arabischen Staates in ganz Palästina.
Angesichts der eskalierenden Gewalt und des unlösbaren Konflikts bat Großbritannien 1947 die neu gegründeten Vereinten Nationen um Vermittlung. Die UNO setzte einen Sonderausschuss, UNSCOP, ein. Während die jüdische Vertretung mit dem Ausschuss kooperierte, boykottierte die arabische Seite die Zusammenarbeit, was bedeutete, dass ihre Perspektive im Bericht des Ausschusses weniger stark vertreten war.

Am 29. November 1947 verabschiedete die UN-Generalversammlung den UN-Teilungsplan für Palästina (Resolution 181). Dieser Plan sah die Teilung des Gebiets in einen arabischen und einen jüdischen Staat vor. Jerusalem sollte als internationales „corpus separatum“ unter UN-Verwaltung gestellt werden. Der Plan versuchte, die Landverteilung an die Siedlungsverhältnisse anzupassen, stieß aber auf erhebliche Kritik, insbesondere von arabischer Seite.
Die demografische Situation in Palästina im Jahr 1947 war komplex. Von rund 2,06 Millionen Einwohnern waren etwa 1,32 Millionen Araber und 650.000 Juden. Die jüdische Bevölkerung besaß zu diesem Zeitpunkt nur etwa 5,7 Prozent des Landes. Der UN-Teilungsplan sah jedoch vor, dem jüdischen Staat etwa 56 Prozent der Fläche zuzusprechen, während der arabische Staat rund 43 Prozent erhalten sollte. Dies wurde von der arabischen Bevölkerung als ungerecht empfunden, da sie die Mehrheit der Bevölkerung stellte und den größeren Teil des Landes besaß.
Die jüdische Führung akzeptierte den Teilungsplan, da er die lang ersehnte Möglichkeit eines eigenen Staates bot. Die arabischen Staaten und die palästinensische Führung lehnten den Plan kategorisch ab. Sie argumentierten, dass die UNO nicht das Recht habe, über die Zukunft Palästinas gegen den Willen der arabischen Bevölkerungsmehrheit zu entscheiden. Die Ablehnung auf arabischer Seite war so stark, dass das Arabische Hochkomitee sogar auf die Gründung eines eigenen Staates verzichtete, um den Teilungsplan zu verhindern. Die Kämpfe zwischen jüdischen und arabischen Milizen nahmen daraufhin bürgerkriegsähnliche Ausmaße an.
Die Geburt Israels und der Krieg von 1948
Am 14. Mai 1948, am letzten Tag des britischen Mandats, proklamierte David Ben Gurion in Tel Aviv die Staatsgründung Israels. Die Unabhängigkeitserklärung betonte die historische Verbindung des jüdischen Volkes zum Land Israel, die Notwendigkeit einer Heimstätte nach dem Holocaust und das Recht auf nationale Erneuerung. Sie sicherte allen Bürgern des neuen Staates, unabhängig von Religion, Rasse oder Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung zu und bot den arabischen Nachbarstaaten Frieden und gute Nachbarschaft an.
Die arabischen Nachbarstaaten – Ägypten, Transjordanien, Libanon, Irak und Syrien – erkannten den neuen Staat nicht an und rückten noch in derselben Nacht in das Gebiet Israels vor. Dies markierte den Beginn des Palästinakriegs von 1948. Der Krieg endete im Januar 1949 mit einem militärischen Sieg Israels. Unter UN-Vermittlung wurden Waffenstillstandsabkommen mit den arabischen Kriegsparteien geschlossen. Während des Konflikts eroberten israelische Einheiten etwa 40 Prozent des Territoriums, das laut UN-Teilungsplan für den arabischen Staat vorgesehen war. Ein Großteil der dort lebenden palästinensischen Bevölkerung wurde vertrieben oder floh. Nach Schätzungen kostete der Krieg Tausenden von Menschen auf beiden Seiten das Leben.
Der Westteil Jerusalems wurde von Israel besetzt, während der Ostteil unter jordanische Kontrolle geriet. Im Jahr 1950 erklärte die Knesset, das israelische Parlament, den Westteil Jerusalems zur Hauptstadt Israels, obwohl die Stadt im UN-Teilungsplan als internationales Territorium vorgesehen war. Für viele Überlebende des Holocausts und ihre Angehörigen wurde Israel zu einer neuen Heimat und einem sicheren Hafen vor dem fortbestehenden Antisemitismus in vielen Teilen der Welt.
Fortwährende Konflikte und die Situation heute
Seit seiner Gründung lebt Israel mit der ständigen Bedrohung durch einige Nachbarstaaten, die das Existenzrecht des jüdischen Staates nicht anerkennen. Die Region wurde von weiteren Kriegen und Konflikten erschüttert.
Der Sechstagekrieg von 1967 war eine Reaktion Israels auf eine zugespitzte Bedrohungslage durch Ägypten, Jordanien und Syrien. Mit einem Präventivschlag eroberte Israel das Westjordanland, den Gazastreifen, Teile der Golanhöhen und die Sinai-Halbinsel. Diese Gebiete stehen seither unter israelischer Kontrolle, was zu anhaltenden Besatzungskonflikten geführt hat. Im Jom-Kippur-Krieg von 1973 starteten Ägypten und Syrien einen Überraschungsangriff auf die von Israel kontrollierten Gebiete, scheiterten jedoch.
Millionen von Palästinenserinnen und Palästinensern leben seit 1948 in Flüchtlingslagern oder im Exil. Ihre Situation und ihr Streben nach einem eigenen Staat sind zentrale Aspekte des fortwährenden Nahostkonflikts.
Auch innerhalb Israels ist das Zusammenleben von Arabern und Juden von Spannungen geprägt. Etwas mehr als 20 Prozent der israelischen Bürger sind arabischer Herkunft. Obwohl sie rechtlich die gleichen Rechte genießen, sehen sie sich oft mit sozialer und wirtschaftlicher Benachteiligung konfrontiert und fühlen sich als Bürger zweiter Klasse. Dennoch sind arabische Parteien in der Knesset vertreten, und 2021 waren arabische Israelis erstmals Teil einer Regierungskoalition.

Die Frage, wem das Land „ursprünglich“ gehörte, ist historisch komplex. Das Gebiet war über Jahrhunderte Teil verschiedener Reiche, zuletzt des Osmanischen Reichs und des britischen Mandatsgebiets Palästina. Es war Heimat verschiedener Bevölkerungsgruppen, wobei die arabische Bevölkerung bis weit ins 20. Jahrhundert die klare Mehrheit stellte. Die Gründung Israels basierte auf dem historischen Anspruch des jüdischen Volkes auf das Land, den Zielen der zionistischen Bewegung, der internationalen Anerkennung durch den UN-Teilungsplan (wenn auch von einer Seite abgelehnt) und den militärischen Ergebnissen des Krieges von 1948. Diese Geschichte ist der Ursprung des modernen Staates Israel, aber auch des palästinensischen Flüchtlingsproblems und des bis heute ungelösten Konflikts um Land und Selbstbestimmung.
Häufig gestellte Fragen
Wem gehörte das Land Palästina vor 1948?
Vor 1948 war das Gebiet Palästina ein britisches Mandatsgebiet, das nach dem Ersten Weltkrieg vom Völkerbund an Großbritannien übertragen wurde, nachdem es zuvor Teil des Osmanischen Reiches war. Es war keine unabhängige Nation. Die Bevölkerung bestand mehrheitlich aus Arabern, daneben gab es eine wachsende jüdische Minderheit sowie andere Gruppen.
War Palästina ein Staat, bevor Israel gegründet wurde?
Nein, Palästina war vor 1948 kein unabhängiger souveräner Staat im modernen Sinne. Es war zunächst eine Provinz des Osmanischen Reiches und dann ein britisches Mandatsgebiet.
Wie kam es zur Gründung des Staates Israel?
Die Gründung Israels war das Ergebnis der zionistischen Bewegung, die eine Heimstätte für das jüdische Volk anstrebte, internationaler Entwicklungen wie der Balfour-Erklärung und dem britischen Mandat, der Auswirkungen des Holocausts und des UN-Teilungsplans von 1947. Nach dem Ende des britischen Mandats proklamierte die jüdische Führung am 14. Mai 1948 den Staat Israel. Dies führte unmittelbar zum Krieg mit den umliegenden arabischen Staaten.
Was war der UN-Teilungsplan von 1947?
Der UN-Teilungsplan (Resolution 181) war ein Vorschlag der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1947, das britische Mandatsgebiet Palästina in zwei Staaten zu teilen: einen jüdischen Staat und einen arabischen Staat. Jerusalem sollte unter internationale Verwaltung gestellt werden. Der Plan wurde von der jüdischen Führung akzeptiert, aber von der arabischen Führung und den arabischen Staaten abgelehnt.
Welche Gebiete wurden 1948/49 von Israel kontrolliert?
Nach dem Palästinakrieg von 1948/49 kontrollierte Israel das Gebiet, das ihm im UN-Teilungsplan zugesprochen worden war, sowie zusätzliche Territorien, die im Krieg erobert wurden. Dies umfasste etwa 78% des ehemaligen Mandatsgebiets Palästina, einschließlich des Westteils von Jerusalem. Der Gazastreifen kam unter ägyptische Verwaltung, das Westjordanland und Ost-Jerusalem unter jordanische Kontrolle.
Bevölkerung und Landbesitz in Palästina (1947)
| Bevölkerungsgruppe | Anzahl (ca.) | Anteil Bevölkerung (ca.) | Landbesitz (ca.) | Anteil Landbesitz (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| Arabische Palästinenser | 1.320.000 | 64% | ~94.3%* | >90% |
| Juden | 650.000 | 31% | 5.7% | <10% |
| Andere | ~90.000 | 5% | N/A | N/A |
*Dieser Wert bezieht sich auf Land, das sich in Privatbesitz von Arabern befand oder von arabischen Gemeinschaften genutzt wurde. Ein kleiner Teil des Landes war in Staatsbesitz oder im Besitz anderer Gemeinschaften.
Diese Zahlen verdeutlichen die Diskrepanz zwischen der Bevölkerungsmehrheit und dem Landbesitz der arabischen Bevölkerung im Vergleich zur Landzuteilung im UN-Teilungsplan, was ein Hauptgrund für die arabische Ablehnung des Plans war.
Die Geschichte Israels und des palästinensischen Volkes ist eng miteinander verwoben und weiterhin Gegenstand intensiver Debatten und Konflikte. Das Verständnis der historischen Wurzeln und der Ereignisse, die zur Gründung des Staates Israel führten, ist essenziell, um die heutige Situation im Nahen Osten nachvollziehen zu können.
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