Savoyens Weg nach Frankreich

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Die Landschaft Savoyen, heute hauptsächlich in den französischen Départements Haute-Savoie und Savoie gelegen, blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Gelegen im Herzen der Alpen, war sie über Jahrhunderte ein strategisch wichtiger Knotenpunkt und begehrtes Territorium. Ihre Zugehörigkeit wechselte mehrfach, oft beeinflusst von den großen Mächten Europas. Die Frage, wann Savoyen endgültig zu Frankreich kam, lässt sich nicht mit einer einzigen Jahreszahl beantworten, sondern beschreibt einen Prozess, der in einem entscheidenden Vertrag im 19. Jahrhundert gipfelte, aber auch frühere Perioden französischer Kontrolle umfasste.

Wann kam Savoyen zu Frankreich?
1738 wurden Novara und Tortona und 1748 weitere Gebiete erworben. Am 22. September 1792 rückten französische Revolutionstruppen ohne Kriegserklärung in das Gebiet ein. Zwischen 1796 und 1815 war Savoyen Teil Frankreichs und bildete zunächst das Département Mont-Blanc.

Die Anfänge Savoyens

In keltischer Zeit war das Gebiet von den Allobrogern besiedelt. Im Jahr 121 v. Chr. wurde es von den Römern unterworfen und Gallien angegliedert. Später bildeten die Römer hier die Provinzen Alpes Graiae und Alpes Poeninae. Im Jahr 354 n. Chr. wurde das Land als Sapaudia bezeichnet, ein Name, der sich auf das waldreiche Gebiet bezieht. Im Jahr 443 siedelten die Römer hier die Burgunden an.

Die Franken eroberten das Land im Jahr 534. Im Frühmittelalter, genauer im Jahr 838, kam die Sapaudia an Hochburgund. Ab 934 gehörte sie zum Königreich Burgund und gelangte mit diesem im Jahr 1032 zum Heiligen Römischen Reich. In dieser Zeit bildete sich die Grafschaft Vienne heraus, die 1023 dem Erzbischof von Vienne übergeben wurde. Dieser vergab Lehen, darunter Maurienne, an Humbert I. mit den weißen Händen. Humbert I. gilt als Gründer des bedeutenden Haus Savoyen, einer Dynastie, die über neun Jahrhunderte die Geschichte der Region und später Italiens prägen sollte.

Aufstieg der Grafen und Herzöge von Savoyen

Humbert I. und seine Nachfolger bauten ihren Einfluss systematisch aus. Seit 1125 nannten sie sich Grafen von Savoyen. Durch geschickte Politik, Heiraten und Eroberungen erweiterten sie ihr Territorium beidseits der Alpen. 1232 wurde Chambéry zur Hauptstadt Savoyens erhoben. Die strategische Lage Savoyens, das wichtige Alpenpässe wie den Mont Cenis, den Großen Sankt Bernhard und den Kleinen Sankt Bernhard kontrollierte, verlieh den Grafen erhebliche Macht und Einfluss.

Im Jahr 1310/1313 wurde Savoyen zum Reichsfürstentum erhoben. Ein wichtiger Schritt in der Geschichte des Hauses Savoyen war die Erhebung zum Herzogtum im Jahr 1416 unter Amadeus VIII. Amadeus VIII., der erste Herzog, führte ein umfassendes Gesetzbuch, die Statuta Sabaudiæ, ein und festigte die Herrschaft. Später zog er sich zurück und wurde sogar Gegenpapst Felix V.

Erste Berührungspunkte mit Frankreich und territoriale Verluste

Bereits im 14. Jahrhundert gab es Spannungen mit Frankreich. Die südlich gelegene Dauphiné ging 1349 an Frankreich verloren. Im 16. Jahrhundert geriet Savoyen zunehmend in den Konflikt zwischen Habsburg und Frankreich um die Hegemonie in Italien.

Im Jahr 1536 besetzte der französische König Franz I. Savoyen im Dritten Italienischen Krieg. Das Stammland gehörte somit bis zum Zweiten Vertrag von Cateau-Cambrésis im Jahr 1559 zur französischen Krone. Diese Besetzung zwang die Herzöge, ihre Hauptstadt von Chambéry nach Turin zu verlegen, was den beginnenden Fokus auf die piemontesischen Besitzungen signalisierte. Gleichzeitig gingen erhebliche Teile des Landes beidseits des Genfersees an die Eidgenossen verloren, darunter das Waadtland an Bern.

Nach der Rückgewinnung der meisten Gebiete 1559 unter Herzog Emanuel Philibert, der sich als Feldherr im Dienst des Kaisers ausgezeichnet hatte, verlegte dieser 1563 die Hauptstadt endgültig nach Turin. Dies markierte einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte des Hauses Savoyen, das sich fortan stärker auf seine italienischen Territorien konzentrierte. Dennoch blieben die Beziehungen zu Frankreich komplex.

Im Jahr 1601 wurden mit dem Vertrag von Lyon die Gebiete im äußersten Westen Savoyens – Bresse, Bugey, Valromey und Gex – endgültig an Frankreich abgetreten. 1630 wurde Savoyen-Piemont während des Mantuanischen Erbfolgekriegs von einer französischen Armee unter Kardinal Richelieu besetzt, was die starke französische Einflussnahme in der Region unterstrich.

Savoyen unter französischer Herrschaft während der Revolutionszeit

Ein weiterer bedeutender Einschnitt war die Zeit der Französischen Revolution und Napoleons. Am 22. September 1792 rückten französische Revolutionstruppen in Savoyen ein. Zwischen 1796 und 1815 war Savoyen ein integraler Bestandteil Frankreichs und bildete zunächst das Département Mont-Blanc, später aufgeteilt in Mont-Blanc und Léman. Völkerrechtlich schied das Land 1801 aus dem römisch-deutschen Reich aus. Erst nach dem Sturz Napoleons und dem Wiener Kongress kam Savoyen durch den Zweiten Pariser Frieden 1815 wieder zurück an das Königreich Sardinien, den Staat, der vom Haus Savoyen regiert wurde und seinen Schwerpunkt im Piemont hatte.

Der entscheidende Schritt: Die Abtretung von 1860

Die endgültige Eingliederung Savoyens in Frankreich erfolgte im Zuge der italienischen Einigung (Risorgimento). Das Königreich Sardinien-Piemont unter König Viktor Emanuel II. und seinem Premierminister Cavour strebte die Vereinigung Italiens an. Hierfür benötigte es die Unterstützung des französischen Kaisers Napoleon III.

Im geheimen Vertrag von Plombières-les-Bains im Jahr 1858 wurde die französische Unterstützung gegen Österreich vereinbart. Als Gegenleistung für die Hilfe bei der Erlangung der Krone Italiens versprach Cavour die Abtretung Savoyens und der Grafschaft Nizza an Frankreich. Nach dem siegreichen Sardinischen Krieg gegen Österreich im Jahr 1859 wurde dieser Handel besiegelt.

Am 24. März 1860 trat König Viktor Emanuel II. im Vertrag von Turin Savoyen und die Grafschaft Nizza an das französische Kaiserreich ab. Diese Abtretung wurde anschließend durch eine Volksabstimmung bestätigt. Für die Bewohner Savoyens bedeutete dies den Übergang vom Königreich Sardinien zu Frankreich. Dies war der definitive Zeitpunkt, an dem Savoyen politisch und territorial ein Teil Frankreichs wurde.

Diese Abtretung hatte auch Auswirkungen auf die Schweiz und führte zur politischen Krise des sogenannten Savoyerhandels, bei dem die Möglichkeit eines Anschlusses der Provinzen Chablais und Faucigny an die Schweiz diskutiert wurde, was jedoch nicht zustande kam.

Savoyen nach 1860 und die Dynastie in Italien

Nach 1860 wurde Savoyen in die französischen Départements Savoie und Haute-Savoie gegliedert und ist seither ein integraler Bestandteil Frankreichs. Die traditionelle Wirtschaft, die lange von Landwirtschaft geprägt war (Milch-, Käse- und Fleischproduktion), wandelte sich im Laufe der Zeit. Heute bilden auch Industrie (Uhren, Elektronik) und Tourismus (Alpinismus, Wintersport) wichtige wirtschaftliche Grundlagen des Gebiets.

Das Haus Savoyen regierte nach der Abtretung Savoyens und Nizzas weiter das Königreich Sardinien und wurde schließlich im Jahr 1861 zur Königsdynastie des vereinigten Italiens. Viktor Emanuel II. wurde der erste König von Italien. Seine Nachfolger, Umberto I. und Viktor Emanuel III., prägten die weitere Geschichte Italiens bis zum Ende der Monarchie im Jahr 1946 nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Dynastie existiert bis heute, wenn auch ohne Herrschaftsanspruch und mit internen Streitigkeiten um die Führung des Hauses, wie aus dem Text hervorgeht. Die lange Geschichte der savoyardischen Herrscher zeigt ihren Wandel von Alpengrafen zu italienischen Königen, während ihr Stammland Savoyen einen anderen Weg einschlug und zu Frankreich kam.

Die Bevölkerung Savoyens spricht heute neben Französisch teilweise noch die frankoprovenzalische Sprache (Arpitanisch). Die Einwohner werden weiterhin als Savoyarden bezeichnet.

Zeitliche Übersicht der Zugehörigkeit Savoyens

ZeitraumZugehörigkeit/EreignisStatusBemerkungen
Keltische ZeitAllobrogerUnabhängig
Ab 121 v. Chr.Römisches ReichProvinzTeil Galliens, später Alpes Graiae/Poeninae
Ab 443Ansiedlung BurgundenUnter römischer Verwaltung
Ab 534FrankenreichTeil des Reiches
Ab 838HochburgundTeil des KönigreichsAb 934 Königreich Burgund
Ab 1032Heiliges Römisches ReichTeil des ReichesGrafschaft/Herzogtum Savoyen als Lehen
1536–1559FrankreichBesetzungWährend des Dritten Italienischen Krieges
1601FrankreichAbtretung westlicher GebieteVertrag von Lyon (Bresse, Bugey, Valromey, Gex)
1630–?FrankreichBesetzungUnter Kardinal Richelieu
1713–1720Königreich SizilienKönigstitel für Haus SavoyenWurde gegen Sardinien getauscht
Ab 1720Königreich SardinienTeil des KönigreichsZentrum im Piemont
1792–1815FrankreichAnnexion als DépartementsMont-Blanc, später auch Léman
1815–1860Königreich SardinienTeil des KönigreichsRückkehr nach Wiener Kongress
Ab 1860FrankreichEndgültige AbtretungVertrag von Turin, bestätigt durch Volksabstimmung

Häufig gestellte Fragen zu Savoyen und seiner Geschichte

Wer waren die Savoyer?

Der Begriff Savoyer bezeichnete ursprünglich die Einwohner der Landschaft Savoyen. Er bezieht sich aber auch auf das Haus Savoyen, eine der großen europäischen Dynastien, die ihren Ursprung in diesem Gebiet hatte und von Grafen zu Herzögen und schließlich zu Königen von Sardinien und Italien aufstieg.

Was war das Königreich Sardinien?

Das Königreich Sardinien war ein Staat, der vom Haus Savoyen regiert wurde. Obwohl die Insel Sardinien zum Königreich gehörte, lag das politische und wirtschaftliche Zentrum auf dem Festland im Piemont. Das Königreich Sardinien-Piemont war der Motor der italienischen Einigung im 19. Jahrhundert.

Warum wurde Savoyen an Frankreich abgetreten?

Die Abtretung Savoyens und Nizzas an Frankreich im Jahr 1860 war der Preis für die militärische Unterstützung Frankreichs durch Napoleon III. für das Königreich Sardinien im Krieg gegen Österreich. Diese Unterstützung war entscheidend für den Beginn des Prozesses der italienischen Einigung.

Wurde die Abtretung von 1860 von der Bevölkerung akzeptiert?

Ja, der Text erwähnt, dass die Abtretung durch eine Volksabstimmung bestätigt wurde.

Welche Gebiete verlor Savoyen noch?

Im Laufe seiner Geschichte verlor Savoyen verschiedene Gebiete, unter anderem die Dauphiné an Frankreich (1349), Teile des Waadtlandes an die Eidgenossen (1536), und die westlichen Gebiete Bresse, Bugey, Valromey und Gex an Frankreich (1601). Die Stadt Genf blieb ebenfalls dauerhaft für das Herzogtum verloren.

Welche Bedeutung hat das Haus Savoyen für Italien?

Das Haus Savoyen stellte von 1861 bis 1946 die Könige des vereinigten Italiens. Sie führten den Einigungsprozess (Risorgimento) an und prägten maßgeblich die frühe Geschichte des modernen italienischen Nationalstaates.

Gibt es heute noch Mitglieder des Hauses Savoyen?

Ja, das Haus Savoyen existiert weiterhin. Der Text erwähnt die neuere Geschichte der Familie nach dem Ende der italienischen Monarchie im Jahr 1946, einschließlich der Aufhebung des Rückkehrverbots nach Italien im Jahr 2002 und interner Streitigkeiten um die Führung des Hauses.

Welche Titel trugen die Herrscher von Savoyen?

Die Titel entwickelten sich im Laufe der Geschichte. Sie begannen als Grafen von Savoyen, wurden 1416 zu Herzögen von Savoyen und Fürsten von Piemont. Nach 1713 trugen sie den Königstitel (zuerst von Sizilien, dann von Sardinien) und fügten weitere Anspruchstitel hinzu (z.B. König von Zypern, Jerusalem, Armenien). Ab 1861 trugen sie hauptsächlich den Titel „König von Italien“.

Gibt es noch besondere Orden des Hauses Savoyen?

Ja, das Haus Savoyen ist Großmeister zweier historischer Ritterorden: des Annunziaten-Ordens und des Ordens der Heiligen Mauritius und Lazarus. Ein weiterer Verdienstorden von Savoyen wurde 1988 gestiftet.

Die Geschichte Savoyens ist ein faszinierendes Beispiel für die Dynamik europäischer Territorialgeschichte, geprägt von der strategischen Lage, dem Ehrgeiz einer Dynastie und den großen politischen Umwälzungen der Jahrhunderte, die schließlich zu seiner Integration in den französischen Staat führten.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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