Der Lauf der Dinge: Fischli & Weiss Meisterwerk

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Peter Fischli und David Weiss, das Schweizer Künstlerduo, das von 1979 bis 2012 zusammenarbeitete, schuf ein Werk, das sich durch einen einzigartigen Blick auf das Alltägliche, das Absurde und den Zufall auszeichnete. In ihrer Kunst, die Fotografie, Film, Zeichnung und Skulptur umfasste, verwandelten sie das Banale in etwas Außergewöhnliches und stellten oft die Frage nach Sinnhaftigkeit in unerwarteten Kontexten. Eines ihrer international bekanntesten und beliebtesten Werke ist der Film „Der Lauf der Dinge“ (The Way Things Go) aus dem Jahr 1987.

Was ist der Sinn von „Fischli und Weiss: So laufen die Dinge“?
Mit einem Auge für das Absurde und die Auswirkungen des Zufalls lenken ihre Installationen die Aufmerksamkeit auf die alltägliche Welt der Objekte, die uns umgeben . In „The Way Things Go“ verleiht die Inkongruenz zwischen unserer Beteiligung als Betrachter und der Sinnlosigkeit der sich vor uns entfaltenden Handlungen der Installation eine komische Note.

Dieser halbstündige Film dokumentiert eine aufwendig inszenierte Kettenreaktion, die die Künstler in einem Lagerhaus in Zürich aufbauten. Sie verwendeten eine Vielzahl von gewöhnlichen Gegenständen, die man überall finden kann: alte Reifen, Leitern, Ölfässer, Müllsäcke, Schuhe und vieles mehr. Was folgt, ist eine minutiös geplante, aber gleichzeitig chaotisch anmutende Abfolge von Ereignissen, bei der die Energie von einem Objekt auf das nächste übertragen wird. Auslöser für diese Reaktionen sind grundlegende physikalische und chemische Prinzipien: Feuer, Wasser, chemische Reaktionen und vor allem die Schwerkraft treiben die Kette voran.

Die Inszenierung einer kontrollierten Katastrophe

Die Entstehung von „Der Lauf der Dinge“ war ein Prozess, der Geduld und Experimentierfreude erforderte. Fischli und Weiss arrangierten die Objekte in einer langen Linie, die sich durch das Lagerhaus schlängelte. Jedes Element war sorgfältig platziert, um das nächste auszulösen. Ein rollender Reifen stieß vielleicht gegen einen Stapel Kisten, der umfiel und eine Flüssigkeit verschüttete, die wiederum eine Lunte entzündete. Das Feuer brannte an einem Seil entlang, das ein Gewicht freigab, das auf eine Wippe fiel und ein weiteres Objekt in Bewegung setzte. Diese Kette von Ursache und Wirkung entfaltet sich über die gesamte Filmlänge von 30 Minuten. Es ist faszinierend zu beobachten, wie scheinbar banale Gegenstände in dieser choreografierten Abfolge zu Akteuren werden. Die Künstler spielten mit den Eigenschaften der Materialien – der Trägheit eines schweren Fasses, der Brennbarkeit eines Kunststoffsacks, der Fließfähigkeit von Wasser. Die gesamte Sequenz wirkt wie eine Rube-Goldberg-Maschine im Großformat, aber ohne ein offensichtliches Endziel jenseits der Reaktion selbst. Es gibt keine Belohnung am Ende der Kette, nur die kontinuierliche Fortsetzung des Prozesses.

Mehr als nur eine physikalische Demonstration

Auf den ersten Blick mag „Der Lauf der Dinge“ wie eine spielerische Demonstration physikalischer Gesetze wirken oder einfach nur wie eine lange, unterhaltsame Abfolge von Dominoeffekten. Doch das Werk geht weit darüber hinaus. Es ist zutiefst in der künstlerischen Philosophie von Fischli und Weiss verwurzelt, die das Potenzial im Alltäglichen sahen und die Grenzen zwischen Hochkunst und Populärkultur verwischten. Ihre Herangehensweise, die sie bereits in früheren Arbeiten wie der berühmten „Wurstserie“ von 1979 zeigten – Fotografien, die kleine, dramatische Szenen mit Wurst und Haushaltsgegenständen inszenierten –, zeichnet sich durch eine Mischung aus Poesie und Absurdität aus. Sie nahmen gewöhnliche Dinge aus ihrem Kontext und gaben ihnen eine neue, oft überraschende Rolle. In „Der Lauf der Dinge“ werden diese Alltagsgegenstände zu Protagonisten eines visuellen Dramas.

Die Sinnhaftigkeit im Absurden

Die zentrale Frage, die sich beim Betrachten des Films stellt, ist die nach seinem Sinnhaftigkeit. Warum verbringen wir als Zuschauer 30 Minuten damit, einer Kette von sich selbst zerstörenden oder umstoßenden Objekten zuzusehen? Genau in dieser Diskrepanz zwischen dem Aufwand, den die Künstler betrieben haben, und dem Aufwand, den wir als Betrachter investieren, und der scheinbaren Sinnlosigkeit der Aktionen liegt ein großer Teil der Anziehungskraft und des Humors des Films. Es entsteht eine komische Note, weil wir uns fragen: Was passiert hier eigentlich? Und warum ist es so fesselnd? Der Film spielt mit unseren Erwartungen. Wir sind darauf konditioniert, in narrativen Strukturen einen Anfang, eine Entwicklung und ein Ende mit einer Auflösung zu suchen. „Der Lauf der Dinge“ bietet eine kontinuierliche Entwicklung, aber kein traditionelles Ende – die Kette bricht ab, oder der Film endet einfach. Es gibt keine klare Botschaft, keine Moral.

Wie der Kritiker Jeremy Millar bemerkte, mag man nicht erwarten, unter Müllsäcken und alten Schuhen Bedeutung zu finden, doch genau dort wird sie offenbart. Der Film wird zu einer Reflexion über größere Zusammenhänge. Er ist nicht nur ein Film über Dinge, sondern ein Film über „alles“ – darüber, wie Dinge entstehen und wie sie an einem undefinierten Punkt zwischen Licht und Dunkelheit aufhören, das zu sein, was sie waren. Es ist eine Metapher für Prozesse – für das Leben, die Geschichte, den Fortschritt, den Verfall. Alles ist eine Abfolge von Ereignissen, bei denen eine Sache die nächste auslöst. Wenn man Geschichte als „nur eine Sache nach der anderen“ betrachtet, dann ist „Der Lauf der Dinge“ tatsächlich ein zutiefst historisches Werk.

Was ist der Sinn von „Fischli und Weiss: So laufen die Dinge“?
Mit einem Auge für das Absurde und die Auswirkungen des Zufalls lenken ihre Installationen die Aufmerksamkeit auf die alltägliche Welt der Objekte, die uns umgeben . In „The Way Things Go“ verleiht die Inkongruenz zwischen unserer Beteiligung als Betrachter und der Sinnlosigkeit der sich vor uns entfaltenden Handlungen der Installation eine komische Note.

Mechanismus versus Bedeutung

Ein weiterer Aspekt, der den Film so relevant macht, ist seine Auseinandersetzung mit der Idee des Mechanismus im Gegensatz zur Bedeutung. In einer Welt, die oft Mechanismen und Prozesse über tiefere Bedeutungen stellt, zeigt der Film einen reinen Mechanismus, der scheinbar ohne Zweck abläuft. Doch gerade in dieser Zurschaustellung des reinen Ablaufs finden wir Bedeutung – wir projizieren unsere eigenen Gedanken über Kausalität, Chaos, Kontrolle, Zufall und Unvermeidlichkeit hinein. Die Absurde dieser mechanischen Kette, die von einfachen physikalischen Kräften angetrieben wird, lässt uns über die Mechanismen nachdenken, die unser eigenes Leben und die Welt um uns herum bestimmen.

Der Kontext im Werk von Fischli und Weiss

„Der Lauf der Dinge“ ist ein Paradebeispiel für den einzigartigen Ansatz von Fischli und Weiss. Ihre gesamte Karriere war geprägt von einer spielerischen, aber intelligenten Auseinandersetzung mit der Welt. Sie fanden Poesie in der Langeweile, Humor im Ernst und Tiefsinn in der Oberfläche. Hans Ulrich Obrist beschrieb ihr Werk treffend, indem er sagte, dass sie einige der denkwürdigsten Arbeiten der letzten Jahrzehnte schufen und zeigten, dass Ironie und Aufrichtigkeit nicht ohne einander existieren können; dass es in der Tat keine Aufrichtigkeit gibt wie Ironie. Dieser Ansatz ist in „Der Lauf der Dinge“ deutlich sichtbar. Der Film ist einerseits eine ironische Inszenierung einer sinnlosen Kettenreaktion, andererseits aber auch eine aufrichtige und faszinierende Beobachtung von physikalischen Prinzipien und Materialverhalten. Er ist sowohl komisch als auch zutiefst philosophisch.

Ihre Arbeiten wurden weltweit in renommierten Institutionen ausgestellt, darunter das Centre Georges Pompidou in Paris, das Walker Art Center in Minneapolis, das Museo Tamayo in Mexiko-Stadt und die Tate Modern in London. Sie vertraten die Schweiz mehrfach auf der Biennale von Venedig und wurden 2003 mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. „Der Lauf der Dinge“ hat sich im Laufe der Jahre zu einem der bekanntesten und am häufigsten gezeigten Kunstvideos überhaupt entwickelt, was seine universelle Anziehungskraft unterstreicht.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Hier sind einige häufig gestellte Fragen zu „Der Lauf der Dinge“:

  • Wer hat den Film „Der Lauf der Dinge“ gemacht?
    Der Film wurde von dem Schweizer Künstlerduo Peter Fischli und David Weiss geschaffen.
  • Worum geht es in dem Film?
    Der Film dokumentiert eine lange Kettenreaktion, die mit Alltagsgegenständen in einem Lagerhaus inszeniert wurde.
  • Welche Art von Gegenständen wird verwendet?
    Es werden gewöhnliche Alltagsgegenstände verwendet, wie Reifen, Leitern, Fässer, Müllsäcke und Schuhe.
  • Wie wird die Kettenreaktion ausgelöst und fortgesetzt?
    Die Reaktion wird durch physikalische und chemische Kräfte wie Feuer, Wasser, Schwerkraft und chemische Reaktionen angetrieben.
  • Wie lange dauert der Film?
    Der Film hat eine Länge von etwa 30 Minuten.
  • Was bedeutet der Film „Der Lauf der Dinge“?
    Es gibt viele Interpretationen. Er kann als Kommentar zur Kausalität, zum Chaos, zum Zufall, zur Sinnhaftigkeit im Absurden oder als Metapher für den Lauf der Geschichte oder des Lebens gesehen werden. Er thematisiert auch das Verhältnis von Mechanismus und Bedeutung.
  • Wann wurde der Film gedreht?
    Der Film wurde 1987 veröffentlicht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Der Lauf der Dinge“ weit mehr ist als nur eine simple Aneinanderreihung von umfallenden Objekten. Er ist ein Meisterwerk der Beobachtung, der Inszenierung und der philosophischen Reflexion, verpackt in eine visuell fesselnde und humorvolle Form. Er fordert uns auf, die Welt um uns herum neu zu betrachten und Bedeutung selbst im scheinbar Sinnlosesten zu finden. Die Kettenreaktion aus Alltagsgegenständen wird so zu einer tiefgründigen Meditation über den Fluss der Zeit und die Verbindung aller Dinge.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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