Wann kamen die ersten Smartphones auf den Markt?

Die Geburtsstunde des Smartphones

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Heute sind Smartphones allgegenwärtig. Sie sind unsere ständigen Begleiter, Kommunikationszentralen, Unterhaltungselektronik und mobile Büros in einem. Doch wann begann diese Ära? Wann hielten die ersten Geräte, die wir heute als Smartphones bezeichnen würden, Einzug in die Welt der Telekommunikation?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht ganz so einfach, wie man vielleicht denkt, da die Definition dessen, was ein „Smartphone“ ausmacht, im Laufe der Zeit einem Wandel unterworfen war. Dennoch gibt es Geräte, die unbestreitbar als die Pioniere dieser Gerätekategorie gelten.

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Was genau ist ein Smartphone?

Bevor wir uns den ersten Geräten widmen, lohnt es sich, kurz zu klären, was ein Smartphone von einem herkömmlichen Mobiltelefon unterscheidet. Im Wesentlichen kombiniert ein Smartphone die Funktionen eines Mobiltelefons (Telefonie, SMS) mit erweiterten Computerfunktionen, die denen eines Personal Digital Assistant (PDA) ähneln.

Dazu gehören typischerweise:

  • Ein Betriebssystem, das die Installation und Ausführung von Anwendungen Dritter ermöglicht.
  • Erweiterte Konnektivitätsoptionen (neben GSM/CDMA auch Datenübertragung wie GPRS, EDGE, später 3G, Wi-Fi).
  • Funktionen wie E-Mail, Web-Browsing, Kalender, Adressbuch, Notizen.
  • Oft ein größerer Bildschirm, manchmal mit Touchscreen-Funktionalität.

Diese Merkmale, die uns heute selbstverständlich erscheinen, waren in den 1990er Jahren revolutionär.

Der wahre Pionier: Das IBM Simon Personal Communicator

Wenn man nach dem allerersten Gerät sucht, das die Kernfunktionen eines Smartphones vereinte, dann führt kein Weg am IBM Simon Personal Communicator vorbei. Dieses bemerkenswerte Gerät wurde bereits 1992 auf der COMDEX-Messe in Las Vegas vorgestellt und kam schließlich im August 1994 auf den Markt – lange bevor der Begriff „Smartphone“ populär wurde.

Das IBM Simon war seiner Zeit weit voraus. Es war nicht nur ein Mobiltelefon, sondern integrierte auch Funktionen wie einen Kalender, ein Adressbuch, einen Notizblock, eine Weltzeituhr, einen Taschenrechner, E-Mail- und Fax-Funktionen sowie sogar einige einfache Spiele. Das Bemerkenswerteste war jedoch sein Monochrom-Touchscreen, der mit einem Stylus bedient wurde. Es war das erste Gerät, das Telefonie mit umfangreichen PDA-Funktionen in einem einzigen Handheld kombinierte.

Obwohl das IBM Simon technologisch beeindruckend war, war es ein kommerzieller Misserfolg. Es war groß, schwer (ca. 500g), teuer (ca. 899 USD mit Vertrag, 1099 USD ohne) und die Akkulaufzeit betrug nur etwa eine Stunde Gesprächszeit. Dennoch legte es den Grundstein für das Konzept eines multifunktionalen mobilen Geräts.

Die Prägung des Begriffs: Das Ericsson R380

Der Begriff „Smartphone“ selbst wurde erst einige Jahre später geprägt. Dies geschah im Jahr 2000 mit der Einführung des Ericsson R380. Ericsson bewarb dieses Gerät als „Smartphone“ und gilt somit als der erste Hersteller, der diese Bezeichnung offiziell verwendete.

Das Ericsson R380 war ebenfalls ein Klapphandy. Zugeklappt sah es aus wie ein normales Feature Phone mit numerischer Tastatur. Aufgeklappt enthüllte es jedoch einen großen Monochrom-Touchscreen (3,5 Zoll) und bot Zugriff auf erweiterte Funktionen, die auf dem Symbian OS (EPOC Release 5) liefen. Es unterstützte WAP-Browsing (ein früher Standard für mobile Webseiten), E-Mail, Kalender und Kontakte. Im Gegensatz zum IBM Simon konnte das R380 jedoch keine Apps von Drittanbietern ausführen, was es nach heutiger Definition eher zu einem „smart feature phone“ machen würde, aber es war das Gerät, das den Namen prägte.

Die frühen 2000er: Eine Ära der Experimente

Nach dem IBM Simon und dem Ericsson R380 begannen weitere Hersteller, Geräte mit erweiterten Funktionen auf den Markt zu bringen. Die frühen 2000er Jahre waren eine Zeit des Experimentierens und der Entwicklung verschiedener Ansätze:

Nokia Communicator-Serie

Nokia war ein wichtiger Akteur im Mobilfunkmarkt und brachte ab Mitte der 1990er Jahre (beginnend mit dem Nokia 9000 Communicator 1996) eine Reihe von Geräten heraus, die ebenfalls Telefonie und PDA-Funktionen kombinierten. Diese Geräte hatten oft ein Klappdesign, das aufgeklappt eine vollständige QWERTZ-Tastatur und einen großen Bildschirm enthüllte. Sie liefen auf verschiedenen Betriebssystemen, darunter GEOS und später Symbian OS (Series 80). Der Nokia 9210 Communicator (2001) war eines der ersten Modelle mit Farbdisplay und der Möglichkeit, Symbian-Apps auszuführen.

Palm und Pocket PC-Geräte

Unternehmen wie Palm mit Palm OS und Hersteller von Pocket PC-Geräten (die auf Windows CE basierten, später Windows Mobile) wie Compaq (später HP) und Dell waren ursprünglich auf PDAs spezialisiert. Sie begannen jedoch, Mobilfunkmodule in ihre Geräte zu integrieren, wodurch Hybride entstanden, die sowohl als PDA als auch als Telefon fungierten. Beispiele hierfür sind der Palm Treo (ab 2002) oder der Compaq iPAQ Pocket PC Phone Edition (ab 2002). Diese Geräte boten oft eine breitere Palette an Software und waren bei Geschäftsleuten beliebt.

BlackBerry

Research In Motion (RIM), der Hersteller von BlackBerry-Geräten, konzentrierte sich zunächst auf Pager und E-Mail-Geräte. Mit Modellen wie dem BlackBerry 5810 (2002) brachten sie Geräte auf den Markt, die Telefonie mit ihrem sicheren E-Mail-Dienst und einer physischen QWERTZ-Tastatur kombinierten. BlackBerrys wurden schnell zum Standard für mobile Kommunikation in der Geschäftswelt, da sie zuverlässige E-Mail-Push-Funktionen und starke Sicherheitsmerkmale boten.

Vergleich früher Smartphone-Pioniere

Um die Vielfalt der frühen Ansätze zu veranschaulichen, hier ein Vergleich einiger Schlüsselmodelle:

MerkmalIBM Simon (1994)Nokia 9000 Communicator (1996)Ericsson R380 (2000)Palm Treo 180 (2002)BlackBerry 5810 (2002)
HerstellerIBMNokiaEricssonPalmRIM (BlackBerry)
Erscheinungsjahr19941996200020022002
BetriebssystemProprietärGEOSSymbian OS (EPOC)Palm OSBlackBerry OS
Display-TypMonochrom TouchscreenMonochrom LCD (intern)Monochrom Touchscreen (intern)Monochrom (Touchscreen)Monochrom
TastaturVirtuell (auf Touchscreen)Vollständige QWERTZ (intern)Numerisch (extern), Virtuell (intern)Physisch QWERTZ oder GraffitiPhysisch QWERTZ
BesonderheitenErstes Gerät mit Touchscreen & PDA-FunktionenKlappdesign mit voller Tastatur, Fax, E-MailErstes Gerät, das als „Smartphone“ bezeichnet wurdeKombination aus Palm PDA & TelefonSichere E-Mail-Push-Funktion
App-Installation DritterNeinBegrenzt (abhängig vom OS)Nein (Symbian Apps wurden später unterstützt, aber nicht auf diesem Modell)JaJa (eingeschränkt)

Herausforderungen und die Nische des Marktes

Diese frühen Smartphones waren weit entfernt von den schlanken, leistungsfähigen Geräten von heute. Sie waren oft klobig, hatten eine kurze Akkulaufzeit, waren teuer und die Benutzeroberflächen waren weniger intuitiv. Die mobile Datenübertragung war langsam und teuer (oft über WAP oder GPRS). Daher blieben sie zunächst eine Nische, hauptsächlich für Geschäftsleute und Technik-Enthusiasten, die bereit waren, den hohen Preis und die Kompromisse für die erweiterten Funktionen in Kauf zu nehmen.

Die breite Masse der Verbraucher nutzte weiterhin einfachere Feature Phones, die zuverlässiger, günstiger und einfacher zu bedienen waren. Der Weg vom Nischenprodukt zum Massenmarktgerät war noch lang.

Der Weg zur Smartphone-Revolution

Die Entwicklung in den späten 2000er Jahren beschleunigte sich dramatisch. Mit der Einführung von schnelleren Mobilfunknetzen (3G), leistungsfähigeren Prozessoren, besseren Displays und vor allem mit der Einführung des Apple iPhone im Jahr 2007 und dem Aufstieg von Android begann die Ära des modernen Smartphones. Diese Geräte revolutionierten die Benutzererfahrung mit Multitouch-Displays, vollwertigem Internet-Browsing und umfangreichen App Stores, die eine Fülle von Software von Drittanbietern zugänglich machten.

Obwohl Geräte wie das iPhone und frühe Android-Telefone oft als die Auslöser der Smartphone-Revolution angesehen werden, ist es wichtig, sich an die Pioniere zu erinnern. Das IBM Simon, der Nokia Communicator, der Ericsson R380, Palm Treos und frühe BlackBerrys legten den technischen und konzeptionellen Grundstein. Sie zeigten das Potenzial der Kombination von mobiler Kommunikation und Computing und ebneten so den Weg für die Geräte, die unser digitales Leben heute dominieren.

Häufig gestellte Fragen zu den ersten Smartphones

War das IBM Simon wirklich das allererste Smartphone?

Ja, nach der gängigen Definition, die ein Gerät als Smartphone betrachtet, wenn es Telefonie mit erweiterten PDA-Funktionen (Kalender, E-Mail, Notizen etc.) kombiniert und oft einen Touchscreen hat, gilt das IBM Simon Personal Communicator (vorgestellt 1992, Marktstart 1994) als das erste Gerät dieser Art. Es war das erste kommerziell erhältliche Gerät, das diese Funktionen integrierte.

Warum wird manchmal das Ericsson R380 als erstes Smartphone genannt?

Das Ericsson R380 (Marktstart 2000) war das erste Gerät, das vom Hersteller offiziell als „Smartphone“ vermarktet wurde. Es hat also den Begriff populär gemacht, war aber nicht das erste Gerät mit Smartphone-ähnlichen Funktionen. Es lief auf Symbian OS, erlaubte aber im Gegensatz zu späteren Smartphones keine Installation von Apps Dritter, was es eher zu einem fortgeschrittenen Feature Phone macht, wenn man die App-Fähigkeit als Kriterium heranzieht.

Waren die ersten Smartphones teuer?

Ja, die ersten Smartphones waren sehr teuer und richteten sich primär an Geschäftsleute und professionelle Anwender. Das IBM Simon kostete beispielsweise über 1000 US-Dollar ohne Vertrag (was heute, inflationsbereinigt, noch deutlich mehr wäre). Auch die frühen Nokia Communicator oder BlackBerrys waren kostspielige Geräte.

Welches Betriebssystem hatten die ersten Smartphones?

Die ganz frühen Pioniere wie das IBM Simon hatten proprietäre (herstellereigene) Betriebssysteme. Spätere Geräte nutzten spezialisierte mobile Betriebssysteme wie GEOS (auf frühen Nokia Communicators), Symbian OS (auf Ericsson R380, vielen Nokia Communicators und anderen), Palm OS (auf Palm Geräten und Treos) und BlackBerry OS (auf BlackBerrys) sowie Windows CE/Pocket PC (auf vielen PDAs mit Telefonfunktion).

Hatten alle ersten Smartphones einen Touchscreen?

Nein, nicht alle. Das IBM Simon hatte einen Touchscreen. Das Ericsson R380 hatte einen internen Touchscreen. Viele frühe Nokia Communicators hatten keinen Touchscreen, sondern eine physische Tastatur. BlackBerrys setzten lange auf physische Tastaturen. Touchscreens wurden erst mit der Einführung des iPhones 2007 und dem Aufstieg von Android zum Standard für moderne Smartphones.

Fazit

Die Geschichte des Smartphones ist eine Entwicklung, die weit vor dem iPhone oder Android begann. Die ersten Schritte wurden bereits in den frühen 1990er Jahren mit visionären, wenn auch kommerziell wenig erfolgreichen, Geräten wie dem IBM Simon gemacht. Die Bezeichnung „Smartphone“ kam später hinzu, und eine Vielzahl von Herstellern experimentierte mit unterschiedlichen Formfaktoren und Betriebssystemen, um die bestmögliche Kombination aus Telefon und mobilem Computer zu schaffen. Diese frühen Geräte waren die notwendigen Vorläufer für die Technologie, die heute einen so integralen Bestandteil unseres Lebens darstellt.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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