Chris Howland war eine einzigartige Figur in der deutschen Medienlandschaft der Nachkriegszeit. Geboren in London, Sohn eines BBC-Redakteurs und einer Fotografin, brachte er einen frischen, britischen Wind ins deutsche Radio und Fernsehen. Seine Karriere begann beim Soldatensender BFN, wo er schnell zum Chefsprecher und Musikchef aufstieg. Dort prägte er auch den Begriff „Schallplattenreiter“, eine charmante Umschreibung für das, was im Englischen als „Disc-Jockey“ bekannt war. Dieser unkonventionelle Ansatz und sein unverwechselbarer Akzent machten ihn schnell populär, als er 1952 zum NWDR wechselte.
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Beim NWDR, dem späteren WDR, revolutionierte Howland die Radioszene mit Sendungen wie „Rhythmus der Welt“ und „Spielereien mit Schallplatten“. Er spielte englischsprachige Musik, was damals in Deutschland eine Neuheit war und ihm eine große Fangemeinde bescherte. In dieser Zeit gab er sich auch den Spitznamen „Heinrich Pumpernickel“, später einfach „Mr. Pumpernickel“. Sein britischer Charme und seine lockere Moderation setzten neue Maßstäbe und halfen, jüngere Hörer zu gewinnen, die zuvor eher ausländische Sender wie BFN oder AFN gehört hatten.

Vom Radio-Pionier zum Fernsehstar
Howlands Vielseitigkeit führte ihn bald auch vor die Fernsehkamera. Bereits 1953 trat er im Fernsehfilm „Schlager-Expreß“ als Sänger auf. Dies war der Beginn einer beachtlichen Filmkarriere. Er spielte in verschiedenen Kinofilmen mit, oft in Rollen, die seinen britischen Hintergrund nutzten. So war er in „Ball der Nationen“ als Dr. Johnson zu sehen, in „Der Major und die Stiere“ als Sergeant Bobby und in „Verlobung am Wolfgangsee“ als junger Engländer. Auch in bekannten Komödien wie „Witwer mit fünf Töchtern“ an der Seite von Heinz Erhardt und in „Haus Vaterland“ wirkte er mit. Sein Übergang vom reinen Radiomacher zum Film- und Fernsehgesicht war fließend und zeigte sein breites Talent als Entertainer.
Ein Höhepunkt seiner Fernsehkarriere war zweifellos die Moderation der Sendung „Musik aus Studio B“ beim WDR, die später vom NDR im Ersten Programm ausgestrahlt wurde. Von 1961 bis 1969 war diese Sendung, in der hauptsächlich deutschsprachige Musik präsentiert wurde, ein Straßenfeger und machte Howland zu einem der beliebtesten Fernsehstars der 1960er-Jahre. Internationale Künstler traten auf und sangen ihre Hits, oft sogar auf Deutsch. Trotz des enormen Erfolgs gab es interne Differenzen, die dazu führten, dass Howland die Sendung verließ. Bedauerlicherweise wurden die meisten Aufzeichnungen der Sendung zerstört, was einen großen Verlust für die deutsche Fernsehgeschichte darstellt. Nur eine einzige Folge, die 50. Sendung aus dem Jahr 1968, blieb erhalten.
„Vorsicht Kamera“ und die Wurzeln des Versteckte-Kamera-Formats
Eine weitere wegweisende Sendung, die Chris Howland moderierte, war „Vorsicht Kamera“. Ab 1961 brachte er damit die Idee der britischen „Candid Camera“ erstmals nach Deutschland. Zwischen 1961 und 1966 moderierte er 30 Ausgaben dieser Show, in der ahnungslose Menschen mit versteckter Kamera gefilmt wurden. Dieses Konzept war revolutionär für das deutsche Fernsehen und legte den Grundstein für spätere Formate. Die Idee der versteckten Kamera wurde zu einem festen Bestandteil der deutschen Unterhaltung und fand später in Sendungen wie „Verstehen Sie Spaß?“ ihre Fortsetzung und Weiterentwicklung. Howland war somit ein Pionier dieses Genres in Deutschland.
Die Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ basiert auf der Schweizer Sendung „Teleboy“ von Kurt Felix, die wiederum auf Howlands „Vorsicht Kamera“ zurückgriff, die ihrerseits von der US-amerikanischen „Candid Camera“ inspiriert war. Die Geschichte der versteckten Kamera im deutschen Fernsehen ist also eng mit dem Namen Chris Howland verbunden. Er war es, der das Konzept hierzulande etablierte, lange bevor andere Moderatoren wie Kurt Felix, Harald Schmidt, Dieter Hallervorden, Cherno Jobatey, Frank Elstner oder Barbara Schöneberger das Format in verschiedenen Inkarnationen präsentierten.
Musik, Karl May und späte Jahre
Neben seinen Erfolgen in Radio und Fernsehen verfolgte Chris Howland auch eine Plattenkarriere. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte er Erfolge mit Titeln wie „Japanisches Abschiedslied“. Seine größten Hits landete er Ende der 1950er Jahre mit „Fraulein“ und „Das hab’ ich in Paris gelernt“, die beide Top-3-Platzierungen in den deutschen Charts erreichten. Seine Musik war oft humorvoll und spiegelte seinen unverwechselbaren Stil wider.

Ein weiterer bedeutender Abschnitt seiner Karriere war seine Mitwirkung in fünf Karl-May-Filmen in den 1960er Jahren. Er spielte oft komische Rollen, die dem Film eine leichtere Note verliehen. In „Winnetou 1. Teil“ war er Lord Tuff-Tuff, aber in späteren Filmen wie „Der Schut“, „Durchs wilde Kurdistan“ und „Im Reiche des silbernen Löwen“ hatte er als Butler Archie eine größere und sogar die zweithöchste Gage nach Lex Barker. Auch in „Das Vermächtnis des Inka“ wirkte er mit. Diese Rollen machten ihn auch bei einem jüngeren Publikum beliebt und festigten seinen Status als vielseitiger Entertainer.
In den 1970er Jahren zog sich Howland zeitweise nach Mallorca zurück, wo er ein Hotel betrieb und am Aufbau eines deutschsprachigen Radiosenders beteiligt war. Später kehrte er nach Deutschland zurück und war weiterhin in Radio und Fernsehen präsent. Er lieh auch seine Stimme dem Zeichentrickfilm „Asterix bei den Briten“. Im Jahr 2002 wurde er für seine Verdienste um die Karl-May-Filme mit dem Scharlih ausgezeichnet.
Bis kurz vor seinem Tod moderierte Chris Howland seine langjährige Radiosendung „Spielereien mit Schallplatten“ auf WDR 4, die 2004 neu aufgelegt worden war. Diese Sendung, die Musik aus den 1940er bis 1960er Jahren spielte, war ein Stück Radiogeschichte und zeigte seine anhaltende Leidenschaft für Musik und Moderation. Seine letzte Sendung strahlte er wenige Tage vor seinem Tod aus.
Chris Howland lebte zuletzt in Rösrath bei Köln. Er verstarb dort am 29. November 2013 im Alter von 85 Jahren.
Fragen und Antworten zu Chris Howland
Wo ist Chris Howland begraben?
Chris Howland wurde am 21. Dezember 2013 im Friedwald Lohmar-Heide bestattet. Ein Friedwald ist eine Form der Naturbestattung, bei der die Asche des Verstorbenen an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt wird.

Wer hat in Deutschland das Format der versteckten Kameras populär gemacht?
Chris Howland gilt als der Pionier des versteckte-Kamera-Formats im deutschen Fernsehen. Mit seiner Sendung „Vorsicht Kamera“, die ab 1961 ausgestrahlt wurde, brachte er die Idee der amerikanischen „Candid Camera“ nach Deutschland und machte sie hier populär. Spätere Sendungen wie „Verstehen Sie Spaß?“ bauten auf diesem Konzept auf.
Wer hat früher „Verstehen Sie Spaß?“ moderiert?
Während Chris Howland der Begründer des versteckte-Kamera-Formats in Deutschland mit „Vorsicht Kamera“ war, wurde die spätere Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ von verschiedenen Moderatoren präsentiert. Zu den frühen und prägenden Moderatoren gehörten Kurt Felix (oft zusammen mit seiner Frau Paola), gefolgt von Harald Schmidt, Dieter Hallervorden, Cherno Jobatey, Frank Elstner, Guido Cantz und zuletzt Barbara Schöneberger. Chris Howland selbst hat „Verstehen Sie Spaß?“ nicht moderiert, aber sein Format „Vorsicht Kamera“ war eine wichtige Inspiration dafür.
Was war Chris Howlands Spitzname?
Chris Howland gab sich selbst den Spitznamen „Heinrich Pumpernickel“, der später oft zu „Mr. Pumpernickel“ verkürzt wurde. Dieser Name wurde zu einem seiner Markenzeichen.
Welche bekannten Sendungen moderierte Chris Howland?
Zu seinen bekanntesten Sendungen gehören die Radiosendungen „Spielereien mit Schallplatten“ und „Musik aus Studio B“ sowie die Fernsehsendungen „Musik aus Studio B“ und „Vorsicht Kamera“. Mit diesen Formaten prägte er die deutsche Unterhaltungslandschaft nachhaltig.
Chris Howland hinterließ ein reiches Erbe in der deutschen Medienwelt. Er war ein vielseitiger Entertainer, der als Radiomoderator, Fernsehstar, Sänger und Schauspieler erfolgreich war. Seine lockere Art, sein britischer Akzent und sein Humor machten ihn über Jahrzehnte hinweg zu einer beliebten Persönlichkeit. Sein Beitrag zur Einführung und Popularisierung des versteckte-Kamera-Formats ist ein wichtiger Teil der deutschen Fernsehgeschichte. Auch seine späte Rückkehr zum Radio zeigte, wie sehr er das Medium und den Kontakt zu seinem Publikum schätzte. Sein Tod im Jahr 2013 markierte das Ende einer Ära im deutschen Showbusiness.
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