Was wurde aus Suse Linux?

SUSE Linux: Eine bewegte Geschichte

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SUSE Linux hat eine lange und facettenreiche Geschichte hinter sich. Was als kleines Unternehmen in Deutschland begann, entwickelte sich zu einem international agierenden Akteur im Bereich freier Software und Enterprise-Lösungen. Viele fragen sich heute, was aus dem einst so bekannten Namen geworden ist und wer hinter SUSE steht. Die Antwort ist eine Reise durch verschiedene Eigentümerschaften und strategische Neuausrichtungen, die SUSE zu dem gemacht haben, was es heute ist: ein spezialisiertes Unternehmen mit Fokus auf Enterprise Linux und Cloud-Native-Technologien.

Was wurde aus Suse Linux?
Am 4. November 2003 gab Novell die Übernahme der SuSE LINUX AG zum Preis von 210 Millionen US-Dollar bekannt.

Die Wurzeln und frühen Jahre

Die Geschichte von SUSE begann im September 1992 in Deutschland. Roland Dyroff, Burchard Steinbild, Hubert Mantel und Thomas Fehr gründeten die „Gesellschaft für Software und Systementwicklung mbH“. Der Name S.u.S.E. war ein Akronym für Software- und System-Entwicklung. Ihr erstes Produkt im Linux-Umfeld war eine Erweiterung der populären Distribution Slackware, die auf beeindruckenden 40 Disketten ausgeliefert wurde. In Zusammenarbeit mit dem Slackware-Gründer Patrick Volkerding übersetzte das Unternehmen diese Distribution ins Deutsche, was für viele deutschsprachige Nutzer einen wichtigen Schritt darstellte.

Der Kern der SUSE Distribution blieb zunächst Slackware. Dies änderte sich jedoch im Mai 1996, als SuSE die erste eigene, unabhängige Distribution veröffentlichte. Diese neue Basis stammte von der Jurix-Distribution von Florian La Roche. Dieser Schritt markierte einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einer eigenständigen Entwicklung.

Das Unternehmen wuchs und expandierte. 1997 wurde ein Büro in Oakland, USA, eröffnet. 1998 erfolgte die Verlegung des Hauptsitzes von Fürth nach Nürnberg. Im Dezember 1998 wurde der Unternehmensname vereinfacht und von S.u.S.E. in SuSE geändert. In den folgenden Jahren etablierte SuSE weitere Niederlassungen, sowohl national in Deutschland als auch international in den USA, Tschechien, Großbritannien und Italien. Diese Expansion zeigte den wachsenden Erfolg und die internationale Bedeutung des Unternehmens.

Eine Reise durch Eigentümerwechsel

Die Eigentümerstruktur von SUSE änderte sich im Laufe der Jahre mehrfach, was die Entwicklung und Ausrichtung des Unternehmens maßgeblich beeinflusste.

Die Novell-Ära

Am 4. November 2003 gab das US-amerikanische Softwareunternehmen Novell die Übernahme der SuSE LINUX AG bekannt. Der Kaufpreis betrug 210 Millionen US-Dollar. Unter Novell wurde SUSE stärker in das Portfolio des Unternehmens integriert. Ein wichtiger Schritt während dieser Zeit war der Start des openSUSE Community-Projekts im August 2005. Ähnlich wie Red Hat mit Fedora wollte Novell die Weiterentwicklung von SUSE Linux für externe Benutzer und Entwickler öffnen. Zukünftige Linux-Varianten von Novell sollten mit Hilfe der openSUSE-Community entwickelt werden. Dies förderte die Community-Bindung und beschleunigte die Entwicklung.

Nach der Übernahme durch Novell wurde der Firmensitz von Nürnberg nach Massachusetts in den USA verlegt. Dies spiegelte die Integration in die US-amerikanische Konzernstruktur wider. Die SUSE Linux GmbH agierte als Tochterunternehmen von Novell, organisatorisch dem US-Hauptsitz zugeordnet. Die deutsche Novell GmbH war primär für Vertrieb und Marketing zuständig, während die Entwicklung in Nürnberg stattfand, aber global von den USA gesteuert wurde.

Unter Attachmate und Micro Focus

Eine weitere bedeutende Veränderung trat 2011 ein, als die Attachmate Group Novell übernahm. Im Zuge dieser Übernahme wurde SUSE von Novell getrennt und als eigene Geschäftseinheit SUSE wieder ausgegründet. Dies markierte einen Schritt in Richtung größerer Eigenständigkeit innerhalb des Attachmate-Konzerns. Interessanterweise wurde der Firmensitz in dieser Zeit wieder zurück nach Nürnberg verlegt.

Im Jahr 2014 übernahm Micro Focus International die Attachmate Group. Auch unter diesem neuen Eigentümer blieb die SUSE LLC weiterhin eigenständig. Diese Phase festigte die Position von SUSE als spezialisierte Einheit innerhalb größerer Technologiekonzerne.

Eigenständigkeit unter EQT Partners und Börsengang

Eine der jüngsten und bedeutendsten Veränderungen fand im Juli 2018 statt. Die schwedische Investitionsgruppe EQT Partners AB erwarb SUSE für 2,5 Milliarden US-Dollar. Mit diesem Schritt wurde SUSE erneut eine eigenständige Geschäftseinheit, losgelöst von großen Softwarekonzernen. Formaler Eigentümer wurde zunächst die „Marcel BidCo GmbH“ in München, doch die Nürnberger SUSE-Adresse wird weiterhin als Geschäftsadresse angegeben.

Unter der Ägide von EQT Partners expandierte SUSE weiter, insbesondere im Bereich Cloud-Native und Container-Technologien. Ende 2020 gab SUSE die Übernahme von Rancher Labs bekannt, einem Spezialisten für Kubernetes-Management. Ende Oktober 2021 folgte die Übernahme von NeuVector, einem Unternehmen für Container-Sicherheit, für 130 Millionen US-Dollar. Diese Akquisitionen zeigten die strategische Ausrichtung von SUSE auf moderne IT-Infrastrukturen.

Ein weiterer Höhepunkt unter EQT war der Gang an die Frankfurter Börse. Im 2. Quartal 2021 kündigte SUSE die Umfirmierung in eine Aktiengesellschaft und einen IPO an. Am 19. Mai 2021 erfolgte die Erstnotiz der Aktie zu einem Preis von 30 Euro. Der Börsengang brachte einen Erlös von 1,12 Milliarden Euro ein. Auch nach dem IPO behielt EQT rund drei Viertel der Anteile. Neue Großinvestoren kamen hinzu.

Die Zeit als börsennotiertes Unternehmen war jedoch vergleichsweise kurz. Der Aktienkurs brach seit dem IPO um 71 % ein (Stand August 2023). Im August 2023 gab EQT bekannt, Aktien von SUSE zurückkaufen und ein Delisting der Aktie einleiten zu wollen. Dies wurde auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 13. November 2023 genehmigt und am gleichen Tag vollzogen. Damit ist SUSE wieder ein privat gehaltenes Unternehmen unter der Kontrolle von EQT Partners.

Ist SUSE Linux kostenlos? Der Blick auf SLES

Die Frage, ob SUSE Linux kostenlos ist, lässt sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Es gibt die Community-Distribution openSUSE, die frei und kostenlos verfügbar ist und von der Community entwickelt wird. Sie dient oft als Basis für Experimente und neue Technologien.

Das Kerngeschäft von SUSE S.A. liegt jedoch im Enterprise-Bereich mit dem Produkt SUSE Linux Enterprise Server (SLES). SLES ist ein robustes, stabiles und sicheres Betriebssystem, das speziell für den Einsatz in Unternehmen entwickelt wurde. Es zeichnet sich durch langfristige Wartung, Fokus auf Sicherheit und hochwertigen Support aus.

Ist Suse Linux kostenlos?
In einer Entwicklerversion ist SUSE Linux Enterprise Server kostenlos downloadbar, dann allerdings ohne den notwendigen Support. Wer an der Vollversion interessiert ist, kann eine 60-tägige Testversion in der Praxis erproben und anschliessend upgraden.

Die Komplexität der SLES Lizenzierung

Im Gegensatz zu openSUSE ist SUSE Linux Enterprise Server nicht kostenlos. Die Nutzung der Vollversion erfordert eine kostenpflichtige Lizenz. Es gibt zwar eine Entwicklerversion von SLES, die kostenlos heruntergeladen werden kann, diese enthält aber keinen notwendigen Support für den produktiven Einsatz. Eine 60-tägige Testversion erlaubt das Ausprobieren der Vollversion.

Die Lizenzierung von SLES wird oft als komplex empfunden, was aber auch Vorteile für Unternehmen bietet. Die Berechnungsgrundlagen für die Preismodelle sind vielfältig und umfassen Vertragslaufzeit, Support-Stufe sowie die Lizenzierung nach physischen und/oder virtuellen Instanzen. Die Kosten beginnen (Stand November 2024) bei knapp 900 Euro für ein Jahr für eine einfache Konfiguration.

Die Komplexität der Lizenzierung ermöglicht eine sehr granulare Anpassung an die spezifischen Bedarfe eines Unternehmens. Es kann beispielsweise zwischen Low-Density (1-2 VMs oder Sockets) und High-Density (ohne Limitierung) unterschieden werden, um die Lizenzierung optimal an die Auslastung der IT-Infrastruktur anzupassen und unnötige Kosten oder Unterlizenzierung zu vermeiden.

Die Lizenzierung beinhaltet auch den Zugang zu verschiedenen Support-Stufen (Standard und Priority). Dieser Support ist entscheidend für geschäftsrelevante Server, da er Schutz vor Ausfällen bietet und unterbrechungsfreien Betrieb ermöglicht. Korrekte Lizenzierung ist zudem wichtig, um kostspielige Strafzahlungen bei Audits zu vermeiden, da SUSE für regelmäßige Überprüfungen der Lizenz-Compliance bekannt ist.

Die grundlegende Formel für das SLES-Lizenzmodell ergibt sich aus der Kombination von drei Faktoren:

- Lizenzierungsart (Physical, Virtual, Physical and Unlimited Virtual)
- Supportstufe (Standard, Priority)
- Subscription-Laufzeit (ein, drei oder fünf Jahre)

Die Lizenzierungsart bestimmt, ob nach Sockets, virtuellen Maschinen oder einer Kombination aus beidem lizenziert wird. Jede dieser Basis-Lizenzierungsarten kann dann mit einer der beiden Support-Stufen und einer der drei Laufzeiten kombiniert werden.

Zusätzlich zu den Basislizenzen gibt es Add-ons, die weitere Funktionen bieten, wie z.B. High Availability (Schutz vor Datenverlust) oder Live Patching (Updates ohne Neustart, oft Priority-Usern vorbehalten). Auch eine Workstation Extension ist verfügbar.

Besonders knifflig kann die Lizenzierung werden, wenn SLES zusammen mit SAP-Anwendungen betrieben wird. In diesem Fall kann je nach CPU-Architektur eine spezielle SUSE SAP-Lizenz erforderlich sein. Die korrekte Vermessung und Auswahl der passenden Lizenz ist daher für Unternehmen von großer Bedeutung.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu SUSE Linux

Wer ist heute Eigentümer von SUSE?

Nach mehreren Eigentümerwechseln gehört SUSE S.A. heute mehrheitlich der schwedischen Finanzinvestorengruppe EQT Partners. EQT hat SUSE 2018 übernommen, an die Börse gebracht und Ende 2023 wieder von der Börse genommen (Delisting).

Ist openSUSE dasselbe wie SUSE Linux Enterprise Server?

Nein, openSUSE ist eine freie Community-Distribution, die von der openSUSE Community entwickelt wird. SUSE Linux Enterprise Server (SLES) ist das kommerzielle, kostenpflichtige Produkt von SUSE S.A. für Unternehmenskunden, das auf Stabilität, Sicherheit und Support ausgerichtet ist. openSUSE dient oft als Upstream-Projekt für SLES.

Wo hat SUSE seinen Hauptsitz?

Der formale Hauptsitz von SUSE S.A. ist in Luxemburg. Das Unternehmen unterhält jedoch wichtige Standorte, insbesondere in Nürnberg, Deutschland, wo ein Großteil der Entwicklung angesiedelt ist.

Womit beschäftigt sich SUSE hauptsächlich?

SUSE S.A. konzentriert sich heute auf Enterprise-Softwarelösungen, insbesondere SUSE Linux Enterprise (Server und andere Varianten) sowie auf Cloud-Native-Technologien wie Container-Management (z.B. durch die Übernahme von Rancher Labs) und Container-Sicherheit.

Warum ist die Lizenzierung von SLES so kompliziert?

Die Lizenzierung von SLES ist komplex, um eine sehr genaue Anpassung an die vielfältigen Anforderungen von Unternehmen zu ermöglichen. Faktoren wie die Anzahl der Sockets, virtuelle Maschinen, Support-Level und Vertragslaufzeiten erlauben eine feinjustierte Lizenzierung, die sowohl Kosten optimieren als auch die Einhaltung von Lizenzbestimmungen sicherstellen soll. Diese Granularität erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und Vermessung.

Zeitleiste der SUSE Eigentümerwechsel

JahrEreignis
1992Gründung der S.u.S.E. GmbH
2003Übernahme durch Novell
2011Übernahme von Novell durch Attachmate Group, SUSE wird eigenständige Geschäftseinheit
2014Übernahme von Attachmate durch Micro Focus International, SUSE bleibt eigenständig
2018Übernahme durch EQT Partners
2021Börsengang (IPO) an der Frankfurter Börse
2023Delisting von der Börse durch EQT Partners

Die Geschichte von SUSE ist geprägt von Wachstum, Innovation und einer Reihe von Eigentümerwechseln. Vom deutschen Start-up entwickelte sich das Unternehmen zu einem wichtigen Akteur im globalen Linux-Markt. Heute ist SUSE S.A. ein spezialisiertes Unternehmen unter der Kontrolle von EQT Partners, das sich auf Enterprise-Lösungen, insbesondere SLES und Cloud-Native-Technologien, konzentriert. Während openSUSE die freie Community-Basis bildet, stellt die kommerzielle Lizenzierung von SLES für Unternehmenskunden ein zentrales Element des Geschäftsmodells dar, das hohe Anforderungen an Support und Compliance erfüllt.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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