Die Slowakei, heute ein eigenständiger Staat im Herzen Europas, blickt auf eine reiche und komplexe Geschichte zurück. Viele kennen sie als Teil eines größeren Gebildes, das nicht mehr existiert. Doch wie hieß die Slowakei früher, und woher stammt eigentlich der Name, den das Land heute trägt? Dieser Artikel beleuchtet die historischen Stationen, die zur heutigen Slowakischen Republik führten, und erklärt die Ursprünge ihres Namens.

Wenn man fragt, wie die Slowakei früher hieß, bezieht sich die häufigste Antwort auf den Staat, dessen Bestandteil sie über Jahrzehnte war: die Tschechoslowakei. Dieser Binnenstaat in Mitteleuropa existierte von 1918 bis 1992 und umfasste das Gebiet der heutigen Tschechischen und Slowakischen Republik sowie bis 1946 auch einen Teil der Ukraine (Karpatenrussland). Die Tschechoslowakei war einer der Nachfolgestaaten der zerfallenden Donaumonarchie Österreich-Ungarn und wurde am 28. Oktober 1918 in Prag proklamiert.
Ein Blick zurück: Die Tschechoslowakei
Die Tschechoslowakische Republik (ČSR), wie sie ab 1920 offiziell hieß, entstand aus dem Wunsch nach nationaler Selbstbestimmung der tschechischen und slowakischen Völker nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Sie war von Beginn an als freiheitlich-demokratischer und sozialer Rechtsstaat nach westlichem Vorbild konzipiert. Der erste Präsident war Tomáš Garrigue Masaryk. Der Staat umfasste die historischen Länder Böhmen, Mähren und Schlesien (die „tschechischen Länder“) sowie die Slowakei und Karpatenrussland.
In ihren ersten zwanzig Jahren entwickelte sich die Tschechoslowakei zu einer stabilen parlamentarischen Demokratie und einem wirtschaftlich aufstrebenden Land. Sie gehörte zu den fortschrittlichsten Industriestaaten Europas, wobei die Industrie vor allem in den böhmischen Ländern konzentriert war. Doch die Republik war auch ein Vielvölkerstaat. Neben Tschechen und Slowaken (die offiziell lange als eine „tschechoslowakische Nationalität“ betrachtet wurden) lebten bedeutende Minderheiten von Deutschen (etwa 23 %), Ungarn (etwa 5,5 %), Ukrainern/Ruthenen, Polen und Juden im Land. Die mangelnde Integration und wachsende Unzufriedenheit einiger dieser Minderheiten, insbesondere der Deutschen im Sudetenland, stellte eine stetige Herausforderung dar.
Turbulente Zeiten: Krieg und Besatzung (1938-1945)
Die Bedrohung durch das nationalsozialistische Deutschland unter Adolf Hitler führte 1938 zum Münchener Abkommen. Unter dem Druck der Westmächte musste die Tschechoslowakei das mehrheitlich von Deutschen bewohnte Sudetenland an das Deutsche Reich abtreten. Kurz darauf, durch den Ersten Wiener Schiedsspruch, verlor das Land auch Gebiete in der Südslowakei und Karpatenrussland an Ungarn, während Polen das Olsagebiet sowie Teile der Zips und Orava besetzte.
Der verkleinerte Staat, nun als Tschecho-Slowakische Republik (Č-SR) bezeichnet, hatte nur kurzen Bestand. Am 14. März 1939 erklärte sich die Slowakei unter massivem deutschem Druck für unabhängig und wurde zum Slowakischen Staat, einem Satellitenstaat Nazi-Deutschlands. Am folgenden Tag besetzte die deutsche Wehrmacht die verbliebenen tschechischen Gebiete, die zum Protektorat Böhmen und Mähren wurden. Die Karpatenukraine wurde von Ungarn annektiert.
Nachkriegszeit und der Eiserne Vorhang (1945-1989)
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Tschechoslowakei in ihren Grenzen von 1937 (mit geringen Anpassungen) wiederhergestellt, verlor aber Karpatenukraine an die Sowjetunion. Die deutsche Bevölkerung wurde weitgehend vertrieben, und es kam zu einem Bevölkerungsaustausch mit Ungarn. Der Staat verstand sich nun primär als Staat der slawischen Völker.
Bereits 1948 übernahm die Kommunistische Partei nach einem Putsch die Macht, und die Tschechoslowakei geriet fest in den sowjetischen Machtbereich. Sie wurde Mitglied des Warschauer Paktes und des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). 1960 änderte der Staat seinen Namen in Tschechoslowakische Sozialistische Republik (ČSSR).
Der Versuch einer Liberalisierung und eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ im Rahmen des Prager Frühlings 1968 wurde durch die Invasion von Truppen des Warschauer Paktes gewaltsam beendet. Es folgte eine Phase der „Normalisierung“, die von politischer Repression geprägt war. Eine wichtige administrative Änderung gab es jedoch: 1968 wurde die ČSSR föderalisiert und bestand fortan aus der Tschechischen Sozialistischen Republik und der Slowakischen Sozialistischen Republik, auch wenn die zentrale Kontrolle der Kommunistischen Partei erhalten blieb.
Der Fall des Vorhangs und die Auflösung (1989-1992)
Die politische Wende in Osteuropa Ende der 1980er Jahre führte auch in der Tschechoslowakei zum Sturz des kommunistischen Regimes. Die Samtene Revolution im November 1989 brachte eine friedliche Transition zur Demokratie. Mit dem Ende der kommunistischen Herrschaft traten die nationalen Unterschiede zwischen Tschechen und Slowaken wieder stärker hervor.
Ein Streit über die Schreibweise des Staatsnamens (mit oder ohne Bindestrich) im sogenannten „Gedankenstrich-Krieg“ verdeutlichte die wachsenden Spannungen. Von 1990 bis 1992 hieß das Land offiziell Tschechische und Slowakische Föderative Republik (ČSFR). Trotz intensiver Verhandlungen konnten sich die politischen Führungen nicht auf eine gemeinsame Zukunft einigen.
Schließlich beschloss die Bundesversammlung am 25. November 1992 die Auflösung des Staates. Am 31. Dezember 1992 hörte die Tschechoslowakei auf zu existieren. Am 1. Januar 1993 entstanden zwei neue, unabhängige Staaten: die Tschechische Republik und die Slowakische Republik. Dieser Prozess der Trennung, der friedlich verlief, wird oft als „Samtene Scheidung“ (Velvet Divorce) bezeichnet.
Die Namensentwicklung der Tschechoslowakei
Der Name des Staates, der die Slowakei umfasste, änderte sich im Laufe seiner Geschichte mehrmals:
- 1918 (Provisorisch): Tschecho-Slowakische Republik / Tschecho-Slowakischer Staat
- 1920–1938: Tschechoslowakische Republik (ČSR)
- Oktober 1938 – März 1939: Tschecho-Slowakische Republik (Č-SR)
- 1945–1960: Tschechoslowakische Republik (ČSR)
- 1960–1990: Tschechoslowakische Sozialistische Republik (ČSSR)
- 1990 (kurzzeitig): Tschechoslowakische Föderative Republik (ČSFR)
- 1990–1992: Tschechische und Slowakische Föderative Republik (ČSFR)
Die Slowakei war also nie die Tschechoslowakei, sondern ein integraler Landesteil dieses Staates, der über 74 Jahre bestand.
Woher stammt der Name Slowakei?
Parallel zur Geschichte des Staates, dem sie angehörte, hat der Name „Slowakei“ (Slovensko) eine viel ältere Wurzel. Der Name bedeutet wörtlich „Land der Slawen“. Er leitet sich vom altwestslawischen Wort Slověn oder Slověnin ab, das einen Slawen bezeichnete. Dieses Wort ist die gemeinsame Wurzel für die Namen vieler slawischer Völker und Länder, darunter auch Slowenien (Slovenija) und Slawonien (eine Region in Kroatien).
In mittelalterlichen Quellen wurden die Namen für Slowaken, Slowenen und Slawen im Allgemeinen oft synonym oder sehr ähnlich verwendet (z. B. Slavus, Slavonia). Eine neue Form des Nationalnamens für die Vorfahren der Slowaken, möglicherweise unter ausländischem Einfluss, bildete sich im 13. und 14. Jahrhundert heraus, basierend auf dem tschechischen Wort „Slovák“ (belegt seit 1291). Während die männliche Bezeichnung sich änderte, blieben die Namen für die Frau (Slovenka), das Land (Slovensko) und die Sprache (Slovenčina) auf der älteren Form basierend erhalten. Die meisten fremdsprachigen Bezeichnungen (Slovakia im Englischen, Slowakei im Deutschen) stammen von dieser neueren Form ab.
Deutsche Quellen nannten die slowakischen Gebiete im frühen 15. Jahrhundert auch „Windenland“ oder „Windische Lande“, bevor im 16. Jahrhundert Formen wie Slowakei und Schlowakei auftauchten. Die heutige slowakische Form „Slovensko“ ist erstmals im Jahr 1675 belegt. Der Name „Slowakei“ bezeichnet also das Land der Slowaken und hat eine direkte Verbindung zu ihrer slawischen Identität, die weit älter ist als der Staat Tschechoslowakei.
Slowakei und Slowenien: Mehr als nur ähnliche Namen
Die Ähnlichkeit der Namen Slowakei (Slovensko) und Slowenien (Slovenija) führt oft zu Verwechslungen. Wie bereits erwähnt, teilen beide Namen die gleiche etymologische Wurzel: „Land der Slawen“. Doch trotz dieser sprachlichen Gemeinsamkeit handelt es sich um zwei unterschiedliche Länder mit unterschiedlichen Geschichten, Geografien und Kulturen.
Hier sind einige wichtige Unterschiede:
| Merkmal | Slowakei | Slowenien |
|---|---|---|
| Geografische Lage | Mitteleuropa (stärker östlich orientiert) | Mitteleuropa & Südosteuropa |
| Zugang zum Meer | Kein direkter Zugang (Binnenstaat) | Kurzer Zugang zur Adria |
| Gebirgszüge | Dominierend von den Karpaten geprägt | Alpen (Julische Alpen), auch Karstlandschaften |
| Bevölkerungsgröße (ca.) | 5 Millionen | 2 Millionen |
| Bevölkerung (Hauptgruppe) | Slowaken (ca. 80,7%) | Slowenen (ca. 83,1%) |
| Historischer Kontext | Teil der Tschechoslowakei | Teil Jugoslawiens |
| Weg zur Unabhängigkeit | Friedliche Trennung von Tschechien (Samtene Scheidung 1993) | Zehn-Tage-Krieg gegen Jugoslawien (1991) |
| Sprachfamilie | Westslawische Sprache | Südslawische Sprache |
| EU-Beitritt | 2004 | 2004 |
| Euro-Einführung | 2009 | 2007 |
Obwohl beide Länder slawische Wurzeln haben und einst Teil größerer Staatsgebilde waren, verliefen ihre Wege zur Unabhängigkeit und ihre Entwicklungen danach unterschiedlich. Die Slowakei war Teil der Tschechoslowakei, während Slowenien eine Teilrepublik Jugoslawiens war. Ihre geografische Lage, ihre demografische Zusammensetzung und ihre spezifischen historischen Erfahrungen prägten sie zu den eigenständigen Nationen, die sie heute sind.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Slowakei hieß früher nicht einfach anders, sondern war ein Teilstaat oder ein Landesteil eines größeren Gebildes, der Tschechoslowakei. Der Name „Slowakei“ selbst hat eine viel ältere Herkunft, die auf die Bezeichnung „Land der Slawen“ zurückgeht und damit eine tiefe historische und sprachliche Verbindung zur Identität des slowakischen Volkes darstellt. Die Geschichte der Slowakei ist eng verknüpft mit der Geschichte der Tschechoslowakei, aber die Wurzeln ihres Namens reichen weit darüber hinaus.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
- Was war die Tschechoslowakei?
- Die Tschechoslowakei war ein Staat in Mitteleuropa, der von 1918 bis 1992 bestand und die heutigen Gebiete Tschechiens und der Slowakei umfasste. Sie entstand nach dem Zerfall Österreich-Ungarns.
- Wann wurde die Slowakei unabhängig?
- Die Slowakei wurde am 1. Januar 1993 unabhängig, nachdem sich die Tschechoslowakei am 31. Dezember 1992 aufgelöst hatte.
- Warum haben Slowakei und Slowenien ähnliche Namen?
- Beide Namen leiten sich von der gleichen altwestslawischen Wurzel Slověn ab, was „Slawe“ bedeutet. Beide Namen bedeuten im Wesentlichen „Land der Slawen“, auch wenn sich die Völker und ihre Sprachen (Westslawisch vs. Südslawisch) unterschiedlich entwickelten.
- Gab es vor der Tschechoslowakei schon eine Slowakei?
- Als eigenständiger Staat in den heutigen Grenzen gab es die Slowakei vor 1993 nicht. Das Gebiet der Slowakei war lange Teil des Königreichs Ungarn innerhalb der Habsburgermonarchie (später Österreich-Ungarn). Das slowakische Volk und die slowakische Identität existierten jedoch schon lange vor der Gründung der Tschechoslowakei.
- Was war das Münchener Abkommen?
- Das Münchener Abkommen von 1938 war eine Vereinbarung zwischen Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien, die zur Abtretung des Sudetenlandes von der Tschechoslowakei an das Deutsche Reich führte, ohne Beteiligung der tschechoslowakischen Regierung.
- Was war die Samtene Revolution?
- Die Samtene Revolution war eine friedliche Bewegung in der Tschechoslowakei im November 1989, die zum Sturz des kommunistischen Regimes und zur Einführung der Demokratie führte.
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