Was ist ein Studioblitz?

Langzeitbelichtung in der Fotografie

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Den Begriff Langzeitbelichtung hast du bestimmt schon einmal gehört. Doch woran erkennst du bei einem Bild, ob diese Technik Anwendung gefunden hat? Beispiele dafür sind etwa Aufnahmen von Wasser, das vollständig glatt und weich erscheint oder auch einer Stadtszene, durch die sich Lichtspuren ziehen. Langzeitbelichtung ist nicht nur leicht zu erkennen, sondern lässt sich auch ohne größeren Aufwand oder Vorkenntnisse einsetzen. In diesem Artikel erkläre ich dir, wie es geht!

Was ist Belichtung überhaupt?

Bevor wir uns der Langzeitbelichtung im Speziellen widmen, lass uns einen Blick auf die Belichtung im Allgemeinen werfen. Unter Belichtung versteht man in der Fotografie die Verteilung der Lichtmenge beim Eintreffen auf den Film oder Sensor, wodurch ein Bild entsteht. Die Belichtung ist abhängig von folgenden Faktoren:

  • Beleuchtung und Reflexion des Objektes (situationsbedingt)
  • Blende (Öffnungsweite des Objektivs)
  • ISO-Wert (Sensorempfindlichkeit)
  • Belichtungszeit

Für unser Thema der Langzeitbelichtung ist der Entscheidende aus diesen Faktoren die Belichtungs- oder auch Verschlusszeit. Ich möchte dir erklären, wie diese sich auf das Bild auswirkt und nach welchen Komponenten du sie auswählst.

Welches Tageslicht eignet sich am besten zum Fotografieren?
Zweifellos sind Sonnenaufgang und Sonnenuntergang die beste Tageszeit für Fotos. Wenn Sie den Sonnenaufgang nicht nutzen können, ist der Sonnenuntergang die beste Zeit. Er ist die wärmere der beiden Möglichkeiten. Die Parks mögen zwar belebter sein, aber ich liebe es, bei diesem Licht zu fotografieren, auch wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwindet.

Das Belichtungsdreieck

Bei drei der vier oben genannten Faktoren der Belichtung handelt es sich um veränderbare Größen, die du entsprechend der vorherrschenden Lichtverhältnisse einstellen kannst: ISO, Blende und Belichtungszeit. Der ISO hellt das Bild künstlich auf, die Blende nimmt Einfluss auf die Tiefenschärfe und die Verschlusszeit ist dazu da, Bewegung im gewünschten Ausmaß abzubilden. Alle drei Größen sind voneinander abhängig und werden deshalb gerne als sogenanntes Belichtungsdreieck dargestellt, das verdeutlicht, wie eine Änderung bei einem Faktor Anpassungen bei anderen erfordert, um die gewünschte Belichtung zu erhalten.

Die Belichtungszeit im Detail

Bestimmt hast du auch schon die Erfahrung gemacht, dass die natürlichen Lichtverhältnisse die Qualität einer Aufnahme extrem beeinflussen können. Natürlich können wir nicht immer auf die ideale Situation warten, um genau im richtigen Moment unser Foto zu schießen. Einerseits spielen so viele Faktoren – Jahreszeit, Tageszeit, Wetter, Motiv etc. mit; andererseits können ja Aufnahmen, die nicht bei strahlendem Sonnenlicht entstanden sind, besonders reizvoll sein. Die Lösung für dieses Problem ist die Belichtungszeit. Indem du diese Einstellung zu nutzen weißt, machst du dich weitgehend unabhängig von natürlichen Lichtverhältnissen, die du selbst nicht beeinflussen kannst.

Je länger die Verschlusszeit, desto mehr Licht kann in die Kamera eindringen – es wird quasi „gesammelt“. Das ist besonders bei nächtlichen Aufnahmen sehr hilfreich. Die Belichtungszeit wird in Sekundenbruchteilen angegeben, wobei du dich bei alltäglicher Fotografie meistens in einem Bereich von ca. 1/125 bis 1/500 bewegst.

Wert der Belichtungszeit kurz erklärt: Der Wert 1/125 bedeutet, dass der Verschluss eine 125-stel Sekunde geöffnet ist. Beträgt die Verschlusszeit hingegen eine ganze Sekunde oder länger, wird der Wert auf deiner Kamera meist mit 1″, 2″, 30″ usw. dargestellt.

Was ist Langzeitbelichtung?

Wie entscheidest du nun, wie lang deine Belichtung ausfallen soll? Eine kurze Belichtung eignet sich vor allem für Aufnahmen bei Tageslicht und macht es dir möglich, auch bewegte Motive wie Menschen, Tiere oder Fortbewegungsmittel scharf abzubilden, quasi in der Bewegung „einzufrieren“. Doch der Effekt der Bewegungsunschärfe, der beim Fotografieren bewegter Objekte mit längerer Belichtungszeit entsteht, kann auch sehr reizvoll sein. Er wird deshalb häufig absichtlich herbeigeführt, um ganz unterschiedliche ästhetische Ergebnisse zu erzeugen. Dazu verhilft dir die Langzeitbelichtung.

Die Technik der Langzeitbelichtung findest du in allen möglichen Genres der Fotografie wieder, da ihre Wirkungsweise sehr flexibel und sie deshalb universell einsetzbar ist. Besonders faszinierend finde ich den Effekt der verschwommenen Darstellung bewegter Objekte bei scharfer und unbeweglicher Umgebung wie beispielsweise in der Street-Fotografie. Weitere beliebte Einsatzbereiche der Langzeitbelichtung sind die Landschaftsfotografie (besonders bei Wasser), die Nachtfotografie (Sterne, Lichtspuren) und die Architekturfotografie.

Ab wann spricht man von Langzeitbelichtung?

Nun hast du bereits gelernt, in welchen Situationen eine kürzere bzw. längere Belichtungszeit von Vorteil ist. Doch wo liegt die Grenze? Ab welchem Wert spricht man von Langzeitbelichtung?

Bei einer Verschlusszeit von unter 1/30 Sekunde sprechen wir von Langzeitbelichtung. Diese Grenze ist allerdings fließend und hängt auch vom Motiv und dem gewünschten Effekt ab. Belichtungen können von einigen Sekunden bis hin zu mehreren Stunden reichen.

Herausforderungen: Verwacklungen vermeiden

Wenn die ruhige Hand nicht mehr genügt…

Eine weitere wichtige Grenze ist der Wert 1/60 Sekunde. Alles, was darunter liegt, wirst du kaum ohne Stativ aufnehmen können, da Kamera- und Spiegelverwacklungen auf dem Bild deutlich werden können. Je länger der Verschluss geöffnet ist, desto stärker werden auch kleinste Vibrationen auf die Aufnahme übertragen.

Auch der Objektivtyp kann Auswirkung auf die Übertragung von Vibrationen haben. Je größer die Brennweite, desto deutlicher werden Verwacklungen auf dem Bild. Einige Objektive (zum Beispiel Teleobjektive) haben deshalb eine eingebaute Bildstabilisierung. Als praktische Faustregel gilt, eine Verschlusszeit zu verwenden, die einen höheren Nenner hat als die Brennweite des Objektivs (Reziprokenregel). Ein 100-mm-Objektiv benötigt demnach eine minimale Verschlusszeit von etwa 1/100 (praktisch oft 1/125) Sekunde, um Verwacklungen aus der Hand zu vermeiden. Bei Langzeitbelichtungen sprechen wir aber ohnehin von deutlich längeren Zeiten, bei denen ein Stativ unverzichtbar ist.

Welche Ausrüstung benötigst du?

Bestimmt juckt es dich schon in den Fingern, gleich einmal mit Langzeitbelichtung zu experimentieren. Dafür möchte ich dir einige Ausrüstungsgegenstände empfehlen, mit denen deine Langzeitaufnahmen bestimmt gelingen.

Kamera

Dass du zum Fotografieren eine Kamera benötigst, ist wohl klar. Dabei ist es zunächst egal, welchen Typ oder welche Marke du verwendest. Der Vorteil einer Digitalkamera ist allerdings, dass du deine Bilder gleich vor Ort überprüfen und so sichergehen kannst, dass etwas Gutes dabei ist, bevor du deine Aufnahmesession beendest. Grundsätzlich ist jede Kamera, bei der du die Belichtungszeit manuell einstellen oder den Bulb-Modus nutzen kannst, geeignet.

Stativ

Auch das Stativ habe ich bereits kurz erwähnt und tatsächlich ist es für Aufnahmen mit Langzeitbelichtung unerlässlich. Wie du weißt, führen Belichtungen von 1/60 Sekunde oder länger zu Unschärfe in deinen Bildern, wenn die Kamera nicht absolut ruhig steht. Du kannst dir also vorstellen was passieren würde, wenn du versuchst, Langzeitbelichtungen von 30 Sekunden bis hin zu mehreren Stunden ohne Stativ durchzuführen. Schon beim Halten einer Kamera für mehrere Sekunden entstehen enorme Verwacklungen – bei längeren Belichtungszeiten würden dir schlicht die Arme versagen. Tu dir deshalb einen Gefallen und besorge dir ein Stativ. Damit erhältst du ein scharfes, sauberes Bild bei optimalem Komfort und größtmöglicher künstlerischer Freiheit.

Ich möchte dir raten, wenn möglich nicht das günstigste Stativ auf dem Markt zu kaufen. Es ist schließlich wichtig, dass dein Stativ stabil steht und auch ein paar Stöße oder Wind aushält. Ein leichtes Reisestativ ist praktisch für unterwegs, aber achte auf eine ausreichende Tragfähigkeit für deine Kameraausrüstung.

Fernauslöser

Ein Fernauslöser ist eine weitere hilfreiche Waffe in deinem Kampf gegen die Verwacklung. Selbst eine minimale Erschütterung wie das Betätigen des Auslösers an der Kamera kann bei längerer Belichtungszeit zu Unschärfen führen. Den Fernauslöser hingegen kannst du betätigen, ohne die Kamera zu berühren und dir so jegliche Verwacklung sparen. Du hast zwei Optionen:

  • Kabel- bzw. Drahtauslöser
  • Drahtloser Infrarot- oder Funkauslöser

Der drahtlose Fernauslöser ist zwar oft etwas teurer, aber praktisch gesehen der absolute Gewinner, da er dir mehr Freiheit bei der Positionierung gibt. Mit ihm musst du dich beim Auslösen nicht einmal in der Nähe deiner Kamera befinden.

Falls du bereits ein Intervallmessgerät für Zeitrafferaufnahmen besitzt, kann es hier auch eine einfache Lösung bilden, da viele dieser Geräte auch als einfache Fernauslöser fungieren. Eine andere Möglichkeit, kleine Erschütterungen zu reduzieren, ist die Nutzung des Selbstauslösers der Kamera (z.B. 2-Sekunden-Timer) oder die Spiegelvorauslösung (Mirror Lock-up) bei Spiegelreflexkameras.

Neutraldichtefilter (ND-Filter)

Auch ein ND-Filter (Neutraldichtefilter) ist ein wirklich hilfreiches Tool für die Arbeit mit langen Belichtungszeiten, besonders bei hellem Licht. ND-Filter begrenzen die Lichtmenge, die in das Objektiv der Kamera eindringt und auf den Sensor trifft. Diese Filter brauchst du vor allem, wenn viel Licht vorhanden ist, also tagsüber oder in der Dämmerung. Ein Überfluss an Licht macht eine Langzeitbelichtung ohne Graufilter (ND-Filter) quasi unmöglich, da das Bild hoffnungslos überbelichtet wäre, selbst bei kleinster Blende und niedrigstem ISO. Du kannst dir den ND-Filter wie eine Sonnenbrille für deine Kamera vorstellen.

ND-Filter Stärken und Wirkung

Diese Filter gibt es in verschiedenen Stärken, von schwach verdunkelt bis fast undurchlässig. Der Wert der Stärke wird oft mit der Einheit „Stopp“ angegeben. Die Anzahl der Stopps verrät dir das Maß der Verdunkelung und damit auch, um wie viel du die Verschlusszeit verlängern musst. Jeder zusätzliche „Stopp“ eines Neutraldichtefilters halbiert die Lichtmenge, die in die Kamera eintritt, oder anders gesagt, er verdoppelt die benötigte Belichtungszeit. Die Stärke wird auch oft mit dem Kürzel ND und einer Zahl angegeben, die den Faktor der Lichtreduktion darstellt (2 hoch die Anzahl der Stopps):

  • 1 Stopp = 21 = 2 => ND2
  • 2 Stopps = 22 = 4 => ND4
  • 3 Stopps = 23 = 8 => ND8
  • 4 Stopps = 24 = 16 => ND16
  • 5 Stopps = 25 = 32 => ND32
  • 6 Stopps = 26 = 64 => ND64
  • 8 Stopps = 28 = 256 => ND256
  • 10 Stopps = 210 = 1024 => ND1000 (oft gerundet)
  • 15 Stopps = 215 = 32768 => ND32000 (oft gerundet)

Ein üblicher 3-Stopp-Filter (ND8) reduziert die Lichtmenge, die auf den Sensor trifft, um den Faktor 8. Das bedeutet, die Belichtungszeit muss 8x länger sein als ohne Filter. Ein 10-Stopp-Filter (ND1000) reduziert das Licht um den Faktor 1000, was bedeutet, dass der Verschluss über 1000x länger geöffnet bleiben muss. So benötigt beispielsweise ein Foto, das normalerweise mit einer Verschlusszeit von 1/125 Sekunde aufgenommen wird, mit einem ND1000 Filter eine Belichtung von etwa 8 Sekunden (1/125 * 1000 = 8). Mit einem ND32000 Filter (15 Stopps) würde die Belichtungszeit von 1/125 Sekunde auf über 4 Minuten ansteigen (1/125 * 32000 ≈ 256 Sekunden).

Tipps zur Verwendung von ND-Filtern

  • Ein Stativ ist bei der Verwendung von ND-Filtern mit hoher Dichte (viele Stopps) absolut unerlässlich, da die Belichtungszeiten sehr lang werden.
  • Schließe den Sucherauslöser (falls deine Kamera einen optischen Sucher hat), um Streulicht zu vermeiden, das bei sehr langen Belichtungen durch den Sucher eindringen und das Bild beeinflussen kann.
  • Verwende den Langzeitbelichtungsmodus (Bulb-Modus) deiner Kamera, um Belichtungszeiten länger als 30 Sekunden zu ermöglichen. Im Bulb-Modus bleibt der Verschluss so lange geöffnet, wie der Auslöser (oder Fernauslöser) gedrückt wird.
  • Achte immer auch auf die Außenbedingungen und dein Motiv. Wenn es keine beweglichen Elemente in der Szene gibt, die du verwischen möchtest (z.B. Wasser, Wolken, Menschen, Fahrzeuge), musst du möglicherweise keine Langzeitbelichtung verwenden, auch wenn die Lichtverhältnisse es zulassen würden.
  • Selbst bei Verwendung eines niedrigen ISO-Wertes kann es bei extrem langen Belichtungen zu digitalem Rauschen oder Hotpixeln kommen. Einige Kameras bieten eine integrierte Rauschunterdrückung für Langzeitbelichtungen (oft als "Dark Frame Subtraction"), die eine zweite, gleich lange Belichtung mit geschlossenem Verschluss macht, um Rauschen zu identifizieren und zu entfernen.
  • Einige ND-Filter, insbesondere günstigere Modelle oder bei der Verwendung von mehreren Filtern übereinander ("Stacking"), können einen Farbstich hinterlassen. Versuche, einen hochwertigen Filter mit ausreichender Dichte zu verwenden, anstatt mehrere Filter zu stapeln. Ein leichter Farbstich kann oft in der Nachbearbeitung korrigiert werden, aber starke Stiche können problematisch sein.
  • Ein gut gemeinter Rat zum Schluss: Versuche nie, durch Langzeitbelichtung über eine mäßige Bildkomposition hinwegzutäuschen. Die Technik kann ein gutes Bild verbessern, aber aus einer schlechten Komposition wird selten ein Meisterwerk.

Langzeitbelichtung in der Praxis: So geht's!

Über allgemeine Funktionsweise und Ausrüstung haben wir schon gesprochen. Jetzt kann es losgehen! In dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung möchte ich dir die wichtigsten Bausteine des Fotografierens mit Langzeitbelichtung nahebringen.

Bildkomposition & Fokus

Wenn du dich schon etwas mit Fotografie beschäftigt hast, sind dir die Begriffe Komposition, Framing und Perspektive bestimmt bereits geläufig. Tricks wie die Drittelregel, Führungslinien oder das Spiel mit Vordergrund und Hintergrund sind auch beim Arbeiten mit Langzeitbelichtung geeignete Helfer. Wie ich bereits erwähnt habe, solltest du die Langzeitbelichtung nicht verwenden, um eine ungenügende Bildkomposition auszugleichen. Sie hat zwar das Potenzial, dein Bild wirklich zu verbessern, das funktioniert aber nur, wenn es bereits eine gewisse Qualität aufweist.

Bemühe dich, den richtigen Fokus zu finden. Dafür bringst du zunächst deine Kamera auf dem Stativ in Position und stellst die Szene dann mithilfe des manuellen Fokus scharf. Wenn du einen starken ND-Filter verwendest, wird das Bild im Sucher oder Live-View sehr dunkel, was das Fokussieren erschwert. Der Trick ist, zuerst ohne Filter zu fokussieren, den Fokus auf manuell zu stellen und dann den Filter vorsichtig anzubringen, ohne den Fokusring zu verstellen. Eine Probeaufnahme ohne Filter kann ebenfalls helfen, die Schärfe zu überprüfen.

Die wichtigste Frage für die Bildkomposition: WAS will ich fotografieren und WIE soll es im Bild wirken?

Kameraeinstellungen

Vergewissere dich vor jedem Shoot, dass deine Kameraeinstellungen optimal ausgewählt sind. Falls du dich mit den Einstellungen und verschiedenen Kameramodi noch nicht so auskennst, schau dir Tutorials zu den Grundlagen an. Wie sehen nun die richtigen Einstellungen für die Langzeitbelichtung aus?

  • ISO: Stelle den ISO-Wert so niedrig wie möglich ein, idealerweise auf 100 oder den nativen Basis-ISO deiner Kamera. Das minimiert das Rauschen bei langen Belichtungszeiten.
  • Blende: Wähle eine mittlere Blende (z.B. f/8 bis f/11) für eine gute Schärfentiefe im Bild. Je nach gewünschtem Effekt oder Motiv kannst du auch eine kleinere Blende wählen (z.B. f/16 oder f/22), um noch mehr Schärfentiefe zu erzielen oder die Belichtungszeit weiter zu verlängern (Achtung vor Beugungsunschärfe bei sehr kleinen Blenden). Für Sternspuren wählt man oft eine offenere Blende (kleinere f-Zahl), um mehr Licht von den Sternen einzufangen.
  • Verschlusszeit: Stelle die Verschlusszeit entsprechend dem gewünschten Effekt ein. Für Belichtungen länger als 30 Sekunden benötigst du den Bulb-Modus.
  • Bulb-Modus: Dieser Modus ermöglicht Belichtungszeiten, die über das voreingestellte Maximum (oft 30 Sekunden) hinausgehen. Du hältst den Auslöser (am besten per Fernauslöser) gedrückt, so lange die Belichtung dauern soll.
  • Dateiformat: Fotografiere im RAW-Format. Dies verschafft dir mehr Spielraum bei der Nachbearbeitung deines Bildes, insbesondere bei der Korrektur von Weißabgleich, Belichtung und Farbstichen durch Filter.
  • ND-Filter: Setze den ND-Filter nach dem Fokussieren auf. Bedenke, dass die Vorschau sehr dunkel sein wird.

Belichtungszeit berechnen

Vielleicht denkst du jetzt: Schön und gut, ich weiß, wie Langzeitbelichtung funktioniert. Aber wie entscheide ich mich für die richtige Belichtungsdauer? Schließlich gibt es ein mögliches Spektrum von 1/30 Sekunde bis zu mehreren Stunden! Tatsächlich ist dies oft der Aspekt der Fotografie mit Langzeitbelichtung, der etwas Übung erfordert.

Es gibt zwei Hauptmöglichkeiten, die Belichtungszeiten bei Verwendung von ND-Filtern zu berechnen, die das gleiche Ergebnis ergeben sollten:

Berechnung per App

Die einfachere Variante ist die Verwendung einer Smartphone-App zur Berechnung der Belichtungszeit für Langzeitbelichtungen. Diese Apps sind sehr praktisch: Du misst zuerst die korrekte Belichtungszeit ohne den ND-Filter (z.B. mit der internen Belichtungsmessung deiner Kamera im Zeitautomatik-Modus). Dann gibst du diese Zeit und die Stärke deines ND-Filters (in Stopps oder als ND-Wert) in die App ein. Die App berechnet dir sofort die neue, verlängerte Belichtungszeit und zeigt oft sogar einen Timer an, damit du genau weißt, wie lange du belichten musst.

Dieser Weg ist wirklich einfach, da die App die gesamte Arbeit für dich übernimmt und Fehlerquellen minimiert.

Manuelle Berechnung

Möchtest du genau verstehen, wie die Belichtungszeit zustande kommt und sie etwas flexibler anpassen, empfehle ich dir den manuellen Weg. Hierbei musst du zwar ein bisschen rechnen, aber auch das ist nicht allzu schwierig. Du musst wissen, dass jeder Stopp eines ND-Filters die notwendige Belichtungszeit verdoppelt.

Wenn du also die Belichtungszeit ohne Filter kennst (z.B. 1/60 Sekunde) und einen 6-Stopp-ND-Filter verwendest, verdoppelst du die Zeit 6 Mal: 1/60 -> 1/30 -> 1/15 -> 1/8 -> 1/4 -> 1/2 -> 1 Sekunde. Die neue Belichtungszeit beträgt 1 Sekunde.

Alternativ nutzt du den ND-Faktor. Ein 10-Stopp-Filter hat einen Faktor von 1000 (gerundet). Wenn die Belichtungszeit ohne Filter 1/30 Sekunde beträgt, multiplizierst du diese mit dem Faktor: (1/30) * 1000 = 1000/30 ≈ 33,3 Sekunden. Wenn die Belichtungszeit ohne Filter 1/125 Sekunde beträgt, ist die neue Zeit (1/125) * 1000 = 1000/125 = 8 Sekunden. Auch kein Hexenwerk!

Probiere einfach so lange aus, bis du mit dem Ergebnis zufrieden bist. Bald wirst du merken, dass du die Belichtungszeit anhand der Lichtverhältnisse und des gewünschten Effekts instinktiv richtig abschätzen kannst.

Kreative Ideen für Langzeitbelichtung

So, nun bist du wirklich bereit, es selbst anzugehen. Falls dir allerdings noch ein wenig Inspiration fehlen sollte, habe ich dir hier einen Auszug aus unseren kreativen Fotoideen für das Arbeiten mit Langzeitbelichtung zusammengestellt:

Riesenrad

Sieht das nicht toll aus? Die Drehung eines nächtlichen Riesenrades kann in wunderschönen Lichtspuren eingefangen werden, während die unbeweglichen Achsen und Mittelstrahlen völlig scharf erscheinen. So erhältst du ein ähnlich faszinierendes Bild:

  • Nutze ein Weitwinkelobjektiv, um möglichst viele Details und den Kontext einzufangen.
  • Positioniere deine Kamera auf einem stabilen Stativ und wähle den Bildausschnitt sorgfältig aus.
  • Für optimale Schärfe der unbewegten Teile wähle eine kleinere Blende zwischen f/11 und f/32.
  • Stelle deine Kamera auf den manuellen Modus (M) oder den TV/S-Modus (Verschlusspriorität) ein.
  • Achte bei der Wahl der Belichtungszeit auf die Geschwindigkeit des Riesenrades und entscheide nach deinem gewünschten Stil. Eine Zeit zwischen 1 und 30 Sekunden ist oft ein guter Anfang, aber experimentiere, um den gewünschten Grad der Lichtspuren zu erzielen.
  • Verwende den Selbstauslöser deiner Kamera oder einen Fernauslöser, um Erschütterungen beim Auslösen zu vermeiden.

Sternspuren

Eine sternklare Nacht lädt förmlich zum Fotografieren mit Langzeitbelichtung ein. Sterne in Kombination mit der Erdrotation können einzigartige Lichtspuren auf deinem Bild hinterlassen. Besonders interessant wird die Szene, wenn auch ein irdisches Motiv wie beispielsweise ein Baum oder eine Bergformation im Bildausschnitt sichtbar ist und scharf abgebildet wird. So geht’s:

  • Platziere deine Kamera auf einem Stativ und stelle den Fokus auf unendlich ein (oft am Objektiv markiert oder manuell auf den weitest entfernten Punkt fokussieren).
  • Wähle den Langzeitbelichtungsmodus (Bulb-Modus) deiner Kamera aus.
  • Entscheide dich für eine offene Blende, um möglichst viel Sternenlicht einzufangen, z.B. zwischen f/2.8 und f/4.
  • Halte den ISO so niedrig wie möglich (z.B. bei 100 oder 200), um das Bildrauschen zu minimieren, das bei sehr langen Belichtungen entstehen kann.
  • Öffne den Verschluss durch Betätigung deines Fernauslösers.
  • Richte dich auf eine lange Nacht ein. Langzeitbelichtungen für ausgeprägte Sternspuren können 15 Minuten, aber auch mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Eine Thermoskanne mit heißem Getränk und ein Snack werden dir sicher die Zeit verkürzen.

Licht und Geschwindigkeit

Nicht nur in der Natur finden sich tolle Motive für Lichtspuren. Auch Scheinwerfer- und Rücklichter von Autos auf einer belebten Straße ergeben einen tollen Effekt und sind eine gute Möglichkeit, sich mit langen Belichtungszeiten vertraut zu machen. So stellst du es am besten an:

  • Wähle eine belebte Straße oder Autobahnbrücke, auf der auch nachts noch Verkehr ist.
  • Verwende ein robustes Stativ und positioniere deine Kamera mit einem guten Überblick über das Gelände, idealerweise leicht erhöht.
  • Wähle eine kleine Blende von höchstens f/11 oder f/16 für durchgehende Schärfe vom Vordergrund bis in die Ferne und um die Belichtungszeit zu verlängern.
  • Beachte bei der Einstellung der Belichtungszeit: Je länger die Belichtung (z.B. 5 bis 30 Sekunden), desto mehr und längere Lichtspuren erhältst du. Experimentiere, um den gewünschten Effekt zu erzielen.
  • Vorsicht! Es scheint praktisch, sich auf einer Brücke zu positionieren, auf der auch Autos fahren. Wenn allerdings Autos dort fahren, entstehen leicht kleine Vibrationen, die dein Bild schnell unscharf machen können. Wähle deshalb nach Möglichkeit lieber eine Fußgängerbrücke oder einen erhöhten Standpunkt abseits des fließenden Verkehrs.

Stille Wasser…

Dieses fantastische Bild, auf dem Ozean, Flüsse oder Seen zu einer scheinbar unbewegten, seidigen Einheit verschmelzen, ist ein klassisches Beispiel für Langzeitbelichtung. Solche Aufnahmen gelingen gut bei verschiedenen Lichtverhältnissen, besonders reizvoll kann es aber während der Goldenen oder Blauen Stunde sein.

  • Obwohl die Goldene oder Blaue Stunde streng genommen noch zum Tageslicht gehört, kann die Verwendung eines ND-Filters hier oft nötig sein, um die Belichtungszeit ausreichend zu verlängern.
  • Stelle deine Kamera ruhig auf einem Stativ auf.
  • Verwende ein Weitwinkelobjektiv für einen möglichst großen Bildausschnitt, der sowohl das Wasser als auch den Himmel oder andere Landschaftselemente zeigt.
  • Stelle die Blende so klein wie nötig ein (z.B. f/8 bis f/16), um eine gute Schärfentiefe zu erzielen und die Belichtungszeit zu verlängern.
  • Fokussiere manuell auf einen Punkt in der Landschaft oder stelle den Fokus auf unendlich ein, je nach Motiv.
  • Wähle den Bulb-Modus deiner Kamera aus bzw. verwende eine lange Verschlusszeit von 5-30 Sekunden oder mehr, je nach gewünschtem Effekt und Stärke des Wassers. Je länger die Belichtung, desto stiller und verwaschener erscheint die Wasseroberfläche.
  • Verwende auch hier den Selbstauslöser deiner Kamera oder wahlweise einen Fernauslöser, um Unschärfe zu vermeiden.

Achtung! Verwende hier auf keinen Fall den integrierten Blitz. Dieser Effekt könnte dein ruhiges Bild zerstören.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Hier beantworte ich einige der häufigsten Fragen zur Langzeitbelichtung:

Wozu wird Langzeitbelichtung verwendet?
Langzeitbelichtung macht das Fotografieren unabhängig von Tageszeit und Lichtverhältnissen möglich (in Kombination mit Filtern). Außerdem eignet sie sich hervorragend zum Aufnehmen von ästhetischer Bewegungsunschärfe bei gleichzeitig scharfer Umgebung (z.B. glattes Wasser, Lichtspuren, Wolkenbewegung).

Ab wann spricht man von Langzeitbelichtung?
Eine Verschlusszeit von 1/30 Sekunde oder länger gilt allgemein als Beginn der Langzeitbelichtung. Die Grenze nach oben ist allerdings weit offen und geht bis über mehrere Stunden.

Was sind die Schwierigkeiten der Langzeitbelichtung?
Ein häufiges Problem bei der Langzeitbelichtung ist die Empfindlichkeit für kleinste Erschütterungen und Verwacklungen, was ein stabiles Stativ und einen Fernauslöser unerlässlich macht. Außerdem braucht es für die instinktive Einschätzung der benötigten Belichtungszeit, besonders mit ND-Filtern, etwas Übung, auch wenn Tools wie Apps hier helfen.

Brauche ich spezielle Ausrüstung für das Fotografieren mit Langzeitbelichtung?
Ja, einige Ausrüstungsgegenstände sind dringend empfehlenswert oder sogar notwendig. Auf jeden Fall benötigst du ein stabiles Stativ. Ein Selbst- bzw. Fernauslöser ist sehr hilfreich, um Verwacklungen durch das Auslösen zu vermeiden. Ein ND-Filter ist oft notwendig, um auch bei hellem Licht lange Belichtungszeiten zu ermöglichen. In einigen Fällen kann auch ein Weitwinkelobjektiv von großem Nutzen sein.

Fazit Langzeitbelichtung

Ich hoffe, ich konnte dir das spannende Feld des Fotografierens mit Langzeitbelichtung etwas schmackhaft machen! Mithilfe dieser relativ einfachen und deshalb auch für Foto-Anfänger zugänglichen Methode können vielseitige, individuelle und höchst faszinierende Kunstwerke entstehen. Die Technik erfordert etwas Geduld und die richtige Ausrüstung, aber die Ergebnisse sind oft atemberaubend und eröffnen neue kreative Möglichkeiten.

Gib mir gerne ein Feedback, ob dir diese Tipps weitergeholfen haben und berichte uns von deinen liebsten Motiven für die Langzeitbelichtung oder zeige uns deine Ergebnisse!

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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