Unihockey, oder Floorball, hat sich in wenigen Jahrzehnten von einer unbekannten Nischensportart zu einer der beliebtesten Teamsportarten der Schweiz entwickelt. Seine Geschichte ist geprägt von schnellem Wachstum, Engagement und beeindruckenden Erfolgen auf nationaler und internationaler Ebene. Doch wie begann diese Reise und wann genau fasste Unihockey Fuss in der Alpenrepublik?

Die Wurzeln des Unihockeys reichen zurück in die späten 1950er-Jahre in den USA, wo unter dem Namen „Floorhockey“ mit Plastikschlägern und einer leichten Scheibe gespielt wurde. Dieses Spiel fand später seinen Weg nach Europa, insbesondere nach Schweden in den frühen 1970er-Jahren. Hier wurde die Scheibe durch einen leichten Plastikball ersetzt, und das Spiel entwickelte sich rasch, zunächst vor allem in Schulen und Freizeitvereinen, oft auf kleine Tore und ohne Torhüter.
Die Schweizer Anfänge: Pionierarbeit und erste Strukturen
Parallel zur Entwicklung in Skandinavien leistete in der Schweiz der Turn- und Sportlehrer Rolf Wiedmer in den Jahren 1973 bis 1979 Pionierarbeit. Inspiriert vom Eishockey entwickelte er Regeln und Spielformen für eine Hallenhockeyart, die er zunächst mit seinen Schülern im Turnunterricht spielte. Aus diesen Anfängen entstanden bald die ersten Schulhausturniere.

Ein entscheidender Schritt war das Jahr 1980, als Rolf Wiedmer die ersten Spiele in einer Zeitung ausschrieb. Diese fanden grossen Anklang und wurden in der Hochschulsportanlage Zürich-Fluntern ausgetragen. Damals bezeichnete Wiedmer das Spiel noch als Hallenhockey, fand aber wenig später zur bis heute gültigen Bezeichnung Unihockey.
1981 wurde das Turnier in Zürich-Fluntern mit grosser Beteiligung wiederholt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde die Organisation „Unihockey Federation Suisse“ ins Leben gerufen. Im selben Jahr fand in Greifensee eine Qualifikationsmeisterschaft statt, mit dem Ziel, eine Nationalliga A (NLA) zu bilden. Eine erste Meisterschaft wurde schliesslich zwischen Februar und Mai 1983 ausgetragen. In der Saison 1983/84 konnte bereits zusätzlich eine Nationalliga B (NLB) gespielt werden.
Die formelle Gründung: Der Schweizerische Unihockey-Verband (SUHV)
Der wohl wichtigste Meilenstein in der formalen Etablierung des Unihockeys in der Schweiz war der Gründungstag des Schweizerischen Unihockey-Verbandes (SUHV). Am 20. April 1985 wurde der SUHV in Sarnen ins Leben gerufen, mit Sitz in Dietlikon. Mit dieser Gründung erhielt die Sportart eine zentrale Organisation, die fortan die offizielle Schweizer Meisterschaft ausrichtete und die Entwicklung des Sports massgeblich vorantrieb.
Nur ein Jahr später, am 12. April 1986, spielte der SUHV eine wichtige Rolle auf internationaler Ebene: Zusammen mit den Landesverbänden Schwedens und Finnlands gründete der SUHV den Internationalen Unihockey-Verband IFF in Huskvarna, Schweden. Dies unterstreicht die frühe Bedeutung der Schweiz in der globalen Unihockey-Familie.

Wachstum, Professionalisierung und Meilensteine
Nach der Verbandsgründung folgten rasch weitere wichtige Entwicklungsschritte:
- Herbst 1988: Einführung des Grossfeld-Unihockeys auf Stufe NLA und NLB Männer, was das Spiel in Richtung der heute bekannten Form veränderte.
- 18. November 1989: Aufnahme des Schweizerischen Unihockey-Verbandes in den Schweizerischen Landesverband für Sport (SLS), heute Swiss Olympic. Dies war ein wichtiger Schritt zur Anerkennung als etablierte Sportart.
- Juni 1990: Die Sektion Unihockey des Schweizerischen Landhockeyverbandes (SLHV) wird in den SUHV überführt, was zu einer Bündelung der Kräfte führte.
- Sommer 1993: Die Geschäftsstelle des Verbandes zieht nach Bern, was die Professionalisierung weiter vorantrieb.
Die wachsende Beliebtheit spiegelte sich auch in den Mitgliederzahlen wider. Die Zahl der Lizenzierten überschritt wichtige Marken:
- 1993/94: Über 10.000 lizenzierte Spielerinnen und Spieler.
- 1999/2000: Die Marke von 20.000 Lizenzierten wird geknackt.
- Frühjahr 2014: Erstmals über 30.000 Lizenzierte.
- 2020: 33.321 Lizenzierte.
Diese Entwicklung zeigt, wie schnell Unihockey in der Schweiz Fuss fassen und sich etablieren konnte.
Entwicklung der Team- und Vereinszahlen
Die Zahl der Teams und Vereine wuchs ebenfalls kontinuierlich:
| Saison | Vereine | Teams |
|---|---|---|
| 2019/2020 | 392 | 2203 |
| 2014/2015 | 418 | 2164 |
| 2009/2010 | 445 | 2066 |
| 2004/2005 | 434 | 1906 |
| 1999/2000 | 404 | 1471 |
| 1989/1990 | 203 | 300 |
| 1985/1986 | 60 | 80 |
Entwicklung der Lizenzierten
Die Zahl der Lizenzierten zeigt das beeindruckende Wachstum der Sportart:
| Jahr | Anzahl Lizenzierte |
|---|---|
| 2020 | 33 321 |
| 2015 | 30 500 |
| 2010 | 29 000 |
| 2005 | 27 000 |
| 2000 | 21 000 |
| 1990 | 4000 |
| 1985 | 1100 |
Mit über 30.000 Lizenzierten hat sich Unihockey heute nachhaltig in den Top-3 der Teamsportverbände in der Schweiz etabliert und dabei in den letzten Jahren Eishockey und Handball überholt.
Internationale Erfolge und Heim-Weltmeisterschaften
Die Schweiz etablierte sich schnell auch auf internationaler Ebene als Top-Nation. Schon bei der ersten Männer-Europameisterschaft 1994 erreichte die Schweiz den 3. Rang.
Höhepunkte waren die Erfolge bei Weltmeisterschaften:
- Mai 1998: An der zweiten Männer-WM holte sich die Schweiz mit der Silbermedaille die erste Medaille.
- 18. bis 24. Mai 2003: Der SUHV richtet erstmals eine Frauen-WM aus (Bern, Gümligen, Wünnewil). Die Schweizerinnen erreichen das Endspiel und gewinnen Silber.
- 16. bis 23. Mai 2004: Der SUHV ist Gastgeber der Männer-WM (Kloten, Zürich). Das Team wird Vierter.
- 5. Juni 2005: Das Schweizer Frauen-Nationalteam holt nach einem Sieg im WM-Final in Singapur über Finnland als erstes Schweizer Ballsportteam überhaupt Weltmeister-Gold. Ein historischer Moment!
- November 2007: swiss unihockey (seit Juni 2005 die neue Bezeichnung des Verbandes) richtet erfolgreich die U19-Männer-WM aus.
- 11. Mai 2008: Das Frauen-U19-Nationalteam gewinnt überraschend Gold bei der WM in Polen.
- 2. bis 9. Dezember 2012: swiss unihockey ist Gastgeber der Männer-WM in Bern und Zürich. Das Nationalteam gewinnt vor über 10.500 Fans im Hallenstadion Bronze.
Die Schweiz ist nicht nur ein erfolgreicher Teilnehmer, sondern auch ein erfahrener Gastgeber von Grossanlässen, was die Bedeutung des Landes für den internationalen Unihockeysport unterstreicht.

Innovationen und jüngste Entwicklungen
Der Schweizer Unihockeysport hat auch in den letzten Jahren wichtige Neuerungen eingeführt:
- Oktober 2013: Die Einführung des Superfinals wird beschlossen. Seit Frühjahr 2015 wird die Meisterschaft bei Männern und Frauen in einem einzigen Finalspiel entschieden – ein Novum im Schweizer Sport.
- 18. April 2015: Der erste Superfinal wird in Kloten ausgetragen.
- 16. September 2016: Mit swissunihockey.tv startet eine neue Video- und Livestreamplattform für NLA-Spiele.
- 7. bis 15. Dezember 2019: Erste Frauen-WM in der Romandie mit guter Einschaltquote und neuem Zuschauerrekord bei einer Frauen-WM.
- 5. bis 13. November 2022: Männer-WM in Zürich und Winterthur mit über 155.000 Fans – das bisher zweitgrösste Publikumsaufkommen bei einer Männer-WM.
- 21. April 2024: Erster Superfinal in der Romandie (Fribourg) mit neuem Zuschauerrekord von über 8.400 Personen.
Warum ist Unihockey so beliebt?
Die Beliebtheit von Unihockey in der Schweiz lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen:
- Zugänglichkeit und Kosten: Unihockey erfordert im Vergleich zu anderen Sportarten wie Eishockey oder Fussball relativ wenig und kostengünstige Ausrüstung (Schläger, Ball, Turnschuhe).
- Einfach zu lernen: Die Grundregeln sind schnell verstanden, und grundlegende Techniken lassen sich zügig erlernen, was den Einstieg erleichtert.
- Dynamisches Spiel: Der schnelle und flüssige Spielverlauf ist attraktiv für Spieler und Zuschauer.
- Geringeres Verletzungsrisiko: Im Vergleich zu anderen Kontaktsportarten ist das Verletzungsrisiko geringer, was es besonders für Kinder und Jugendliche attraktiv macht.
- Gesundheitliche Vorteile: Unihockey verbessert Fitness, Ausdauer, Koordination und Muskelkraft.
- Teamgeist und Gemeinschaft: Wie bei vielen Mannschaftssportarten fördert Unihockey den Teamgeist, die Kommunikation und das faire Spiel. Zudem bildet sich eine starke Community.
- Verankerung in Schulen: Unihockey ist dank seiner Einfachheit und der geringen Anforderungen an die Infrastruktur (eine Turnhalle reicht aus) fest im Schulsport verankert. Tausende Kinder lernen den Sport so kennen und lieben.
Unihockey ist in ländlichen Regionen ebenso verankert wie in städtischen Agglomerationen, auch wenn in der Deutschschweiz die Verbreitung noch grösser ist als in der West- und Südschweiz, wo noch Entwicklungspotenzial besteht.
Häufig gestellte Fragen zu Unihockey in der Schweiz
Hier beantworten wir einige gängige Fragen zur Geschichte und Bedeutung des Unihockeys in der Schweiz.
Wann kam Unihockey in die Schweiz?
Die Anfänge des Unihockeys in der Schweiz liegen in den frühen 1970er-Jahren, als Rolf Wiedmer mit der Entwicklung einer Hallenhockeyart begann. Die ersten organisierten Spiele fanden 1980 statt. Die formelle Struktur wurde mit der Gründung der Unihockey Federation Suisse 1981 geschaffen, und der Schweizerische Unihockey-Verband (SUHV) wurde am 20. April 1985 gegründet, was als offizieller Startpunkt des organisierten Verbandssports gilt.
Wie beliebt ist Unihockey in der Schweiz?
Unihockey ist sehr beliebt. Mit über 30.000 Lizenzierten zählt es zu den Top-3-Teamsportarten in der Schweiz und hat sich fest etabliert. Es ist sowohl im Leistungs- als auch im Breitensport weit verbreitet und besonders in Schulen populär.

Wo ist Unihockey am beliebtesten in der Schweiz?
Die Sportart ist in der gesamten Schweiz verbreitet, hat aber traditionell eine stärkere Verankerung in der Deutschschweiz. Auch in Schulen erfreut sich Unihockey landesweit grosser Beliebtheit.
Wie viel verdient ein Schweizer Unihockeyspieler?
Informationen zu den Verdiensten von Unihockeyspielern in der Schweiz sind in den bereitgestellten Daten nicht enthalten. Unihockey ist in der Schweiz zwar im Leistungssport auf hohem Niveau angesiedelt, die Verdienstmöglichkeiten variieren jedoch stark zwischen Profis und Amateuren.
Fazit
Die Geschichte des Unihockeys in der Schweiz ist eine beeindruckende Entwicklung von bescheidenen Anfängen im Schulsport bis hin zu einer etablierten Sportart mit nationalen Ligen, über 30.000 Lizenzierten und regelmässigen internationalen Erfolgen. Die Gründung des SUHV im Jahr 1985 war ein entscheidender Schritt, der den Weg für das rasante Wachstum ebnete. Heute ist Unihockey aus der Schweizer Sportlandschaft nicht mehr wegzudenken und begeistert Tausende von Aktiven und Fans.
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