Licht ist das A und O in der Fotografie. Oft reicht das vorhandene Licht nicht aus, oder es hat nicht die gewünschte Qualität. Hier kommen Blitze ins Spiel. Kameras verfügen häufig über einen eingebauten, internen Blitz. Doch wer seine fotografischen Möglichkeiten erweitern möchte, kommt an einem externen Aufsteckblitz kaum vorbei. Aber wann genau lohnt sich diese zusätzliche Investition, und worin liegen die entscheidenden Unterschiede?
Der interne Kamerablitz ist praktisch. Er ist immer dabei, kostet nichts extra und ist denkbar einfach zu bedienen – die Kamera regelt fast alles von allein. Das klingt verlockend, doch die Einfachheit hat ihren Preis. Die Anpassungsmöglichkeiten sind extrem begrenzt. Der interne Blitz leuchtet das Motiv immer direkt von vorne an. Das Ergebnis ist oft ein flaches, hartes Licht mit unschönen Schlagschatten hinter Personen oder Objekten. Außerdem kann der interne Blitz den Akku der Kamera stark belasten, da er seine Energie direkt von dort bezieht. Für schnelle Schnappschüsse bei wenig Licht mag er ausreichen, aber für qualitativ anspruchsvolle Fotos stößt er schnell an seine Grenzen.

Der externe Aufsteckblitz: Ein Werkzeug für kreative Lichtgestaltung
Im Gegensatz dazu bietet der externe Aufsteckblitz eine Fülle von Möglichkeiten. Er wird auf den Blitzschuh der Kamera gesteckt und verfügt über eine eigene Energieversorgung, meist durch Batterien oder Akkus. Das schont den Kameraakku erheblich. Doch der größte Vorteil liegt in seiner Flexibilität und der damit verbundenen kreativen Kontrolle über das Licht.
Ein externer Blitzkopf ist schwenkbar und neigbar. Das bedeutet, Sie können das Licht nicht nur direkt nach vorne richten, sondern auch nach oben, zur Seite oder sogar nach hinten. Diese Fähigkeit ist entscheidend für die Lichtqualität. Indem Sie den Blitz beispielsweise gegen eine Decke oder eine Wand richten, wird das Licht reflektiert. Die Decke oder Wand fungiert dann als große, weiche Lichtquelle. Das Ergebnis ist ein viel natürlicheres und schmeichelhafteres Licht, das harte Schatten vermeidet und Details besser herausarbeitet. Dieses „indirekte Blitzen“ oder „Bouncing“ ist eine der wichtigsten Techniken, die mit einem externen Blitz möglich sind und die mit einem internen Blitz schlichtweg unmöglich ist.
Neben der Richtung lässt sich bei den meisten externen Blitzen auch die Leistung manuell einstellen. Sie können die Blitzstärke von voller Leistung bis hin zu sehr geringen Stufen regeln. Dies ermöglicht eine präzise Belichtung und feinere Abstimmung des Lichts auf die Umgebung und das Motiv. Moderne externe Blitze unterstützen zudem TTL (Through The Lens) Blitzmessung, bei der die Kamera die benötigte Blitzleistung automatisch ermittelt – oft jedoch mit der Möglichkeit zur manuellen Korrektur. Diese Kombination aus Automatik und manueller Eingriffsmöglichkeit bietet maximale Flexibilität.
Wann ist ein externer Blitz unverzichtbar?
Es gibt zahlreiche Situationen, in denen ein externer Blitz seine Überlegenheit gegenüber dem internen Blitz voll ausspielt:
- Porträtfotografie: Hartes Frontallicht eines internen Blitzes führt oft zu unschönen Glanzstellen, roten Augen und harten Schatten, die das Gesicht unvorteilhaft abbilden. Ein externer Blitz, der indirekt (z.B. über die Decke) eingesetzt wird, erzeugt weiches, diffuses Licht, das Falten und Hautunreinheiten mildert und ein natürlicheres Aussehen schafft.
- Fotografie in Innenräumen: In schlecht beleuchteten Räumen reicht die geringe Leistung des internen Blitzes oft nicht aus, um den ganzen Raum oder weiter entfernte Motive ausreichend zu beleuchten. Externe Blitze verfügen über eine deutlich höhere Leistung (ausgedrückt durch die Leitzahl), die es ermöglicht, auch größere Distanzen zu überbrücken und größere Bereiche auszuleuchten.
- Aufhellblitzen bei Gegenlicht: Bei starkem Gegenlicht, z.B. bei Porträts im Freien mit der Sonne im Rücken des Motivs, kann der interne Blitz als Aufhellblitz dienen, um das Gesicht aufzuhellen. Seine geringe Leistung reicht aber oft nicht aus, um gegen helles Sonnenlicht anzukommen. Ein leistungsstärkerer externer Blitz kann hier effektiv Schatten im Gesicht aufhellen und so eine ausgewogene Belichtung erzielen.
- Veranstaltungs- und Reportagefotografie: Bei Hochzeiten, Konzerten oder anderen Veranstaltungen ändern sich die Lichtverhältnisse ständig und sind oft schlecht. Ein externer Blitz mit schneller Ladezeit und hoher Leistung ist hier unerlässlich, um entscheidende Momente festzuhalten. Die Möglichkeit, das Licht zu steuern (indirekt, mit Diffusor), hilft, eine angenehme Atmosphäre zu erhalten und die Bilder nicht „nach Blitz“ aussehen zu lassen.
- Kreative Lichteffekte: Über das einfache Aufhellen hinaus ermöglicht ein externer Blitz kreative Techniken wie das Blitzen auf den zweiten Vorhang (für Bewegungsunschärfe mit scharfem Motiv), das Stroboskop-Blitzen (mehrere Blitze während einer Langzeitbelichtung) oder die Verwendung von Farbfolien (Gelen), um die Farbtemperatur des Blitzlichts anzupassen oder kreative Farbeffekte zu erzielen.
- Off-Camera-Blitzen: Viele externe Blitze können drahtlos von der Kamera ausgelöst werden. Dies eröffnet völlig neue Dimensionen der Lichtsetzung, da der Blitz unabhängig von der Kameraposition platziert werden kann. So lassen sich Schatten gezielt setzen oder vermeiden und das Licht genau dort positionieren, wo es benötigt wird.
Vergleich: Interner vs. Externer Blitz
| Merkmal | Interner Blitz | Externer Blitz |
|---|---|---|
| Kosten | Immer dabei (keine Zusatzkosten) | Zusätzliche Anschaffungskosten |
| Portabilität | Integriert, sehr kompakt | Zusätzlich, größer & schwerer |
| Leistung | Sehr gering | Deutlich höher (unterschiedlich je Modell) |
| Steuerung / Flexibilität | Sehr limitiert (meist nur frontal) | Sehr hoch (schwenkbar, neigbar, Leistung regelbar) |
| Lichtqualität | Hart, frontal, oft unschöne Schatten & Rote Augen | Kann weich und natürlich sein (indirektes Blitzen, Diffusoren) |
| Energieversorgung | Nutzt Kameraakku | Eigene Energiequelle (Batterien/Akkus) |
| Zubehör | Nicht erweiterbar | Vielfältiges Zubehör (Diffusoren, Softboxen, Farbfolien) |
Wie die Tabelle zeigt, ist der interne Blitz primär eine Notlösung, während der externe Blitz ein vollwertiges Werkzeug zur Lichtgestaltung darstellt.
Die Vorteile des externen Blitzes im Detail
Verbesserte Lichtqualität
Der wohl wichtigste Vorteil ist die Möglichkeit, die Lichtqualität zu beeinflussen. Direktes Licht vom internen Blitz ist hart, ähnlich einer kleinen, nackten Glühbirne. Es erzeugt scharfe, definierte Schatten. Indem man den externen Blitz gegen eine große, diffuse Fläche wie eine weiße Decke oder Wand richtet, wird diese Fläche zur eigentlichen Lichtquelle. Eine größere Lichtquelle erzeugt weichere, fließendere Schatten. Dies ist besonders wichtig für die Porträtfotografie, da weiches Licht schmeichelhafter ist und Details sanfter darstellt. Auch die Verwendung von Diffusoren, kleinen Aufsätzen für den Blitzkopf, hilft, das Licht zu streuen und weicher zu machen, selbst wenn direkt geblitzt werden muss.
Mehr Leistung und Reichweite
Die Leistung eines Blitzes wird oft mit der Leitzahl (LZ) angegeben. Eine höhere Leitzahl bedeutet, dass der Blitz bei einer bestimmten Empfindlichkeit (ISO) und Blende eine größere Distanz überbrücken kann. Interne Blitze haben typischerweise eine sehr niedrige Leitzahl (oft um die 5-12 bei ISO 100). Externe Blitze erreichen problemlos Leitzahlen von 30, 50, 60 oder sogar mehr. Diese höhere Leistung ermöglicht es Ihnen, auch weiter entfernte Motive ausreichend zu beleuchten oder kleinere Blenden zu verwenden, um mehr Schärfentiefe zu erzielen, selbst bei schlechten Lichtverhältnissen.
Kreative Kontrolle
Die Möglichkeit, die Blitzrichtung und die Leistung zu steuern, eröffnet unzählige kreative Möglichkeiten. Sie können entscheiden, ob das Licht von vorne, von der Seite, von oben oder als Streiflicht kommt. Sie können die Intensität anpassen, um das Blitzlicht subtil als Aufhellung einzusetzen oder als Hauptlichtquelle zu nutzen. Die Wahl zwischen TTL-Automatik und manueller Einstellung gibt Ihnen die volle Kontrolle über die Belichtung des Blitzlichts. Dies ist der Schlüssel, um nicht nur technisch korrekte, sondern auch visuell ansprechende Bilder zu schaffen.

Eigene Stromversorgung
Wie bereits erwähnt, bezieht der interne Blitz seine Energie direkt aus dem Kameraakku. Häufiges Blitzen kann den Akku schnell entleeren, was besonders bei längeren Fotoshootings oder Veranstaltungen problematisch ist. Externe Blitze verwenden in der Regel AA-Batterien oder spezielle Blitz-Akkus. Dies entlastet den Kameraakku erheblich und sorgt dafür, dass Ihre Kamera länger einsatzbereit bleibt. Zudem haben externe Blitze oft schnellere Ladezeiten zwischen den Blitzen als interne Blitze, was bei Serienaufnahmen oder schnell aufeinanderfolgenden Motiven von Vorteil ist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist ein externer Blitz schwierig zu bedienen?
Die Bedienung eines externen Blitzes mag auf den ersten Blick komplexer erscheinen als die des internen Blitzes. Moderne Blitze mit TTL-Funktion machen den Einstieg jedoch relativ einfach, da die Kamera die Belichtung automatisch regelt. Das volle Potenzial erschließt sich jedoch erst, wenn man sich mit den manuellen Einstellungen und Techniken wie dem indirekten Blitzen beschäftigt. Es erfordert etwas Übung, aber die Grundlagen sind schnell erlernt, und die Ergebnisse sind die Mühe wert.
Brauche ich einen teuren Blitz für den Anfang?
Nein, für den Einstieg muss es nicht gleich das teuerste Modell vom Kamerahersteller sein. Es gibt viele gute und deutlich günstigere externe Blitze von Drittanbietern, die bereits die wichtigsten Funktionen wie Schwenk- und Neigbarkeit, TTL-Messung und manuelle Leistungsregelung bieten. Achten Sie darauf, dass der Blitz mit Ihrer Kameramarke und Ihrem Modell kompatibel ist.
Kann ich einen externen Blitz auch drahtlos nutzen?
Viele moderne externe Blitze unterstützen die drahtlose Kommunikation, entweder über optische Signale oder per Funk. Dies ermöglicht das sogenannte Off-Camera-Blitzen, bei dem der Blitz nicht auf der Kamera sitzt, sondern separat platziert wird. Diese Technik eröffnet fortgeschrittene Möglichkeiten der Lichtgestaltung und ist ein wichtiger Schritt für ambitionierte Fotografen.
Welche Zubehörteile sind nützlich?
Für externe Blitze gibt es eine Vielzahl von Zubehörteilen. Zu den nützlichsten gehören Diffusoren und kleine Softboxen, die das Licht weicher machen. Farbfolien (Gele) können verwendet werden, um das Blitzlicht an das Umgebungslicht anzupassen oder kreative Farbeffekte zu erzielen. Stativadapter oder kleine Stative sind hilfreich, wenn Sie den Blitz drahtlos abseits der Kamera positionieren möchten.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Während der interne Blitz eine bequeme Notlösung ist, ist der externe Aufsteckblitz ein leistungsstarkes Werkzeug, das die Möglichkeiten Ihrer Fotografie revolutionieren kann. Er bietet mehr Leistung, Flexibilität und vor allem die kreative Kontrolle, um Licht bewusst zu gestalten und so Bilder zu schaffen, die weit über das hinausgehen, was mit einem internen Blitz möglich ist. Wenn Sie ernsthaft fotografieren möchten und Wert auf gute Lichtqualität legen, ist die Investition in einen externen Blitz definitiv empfehlenswert.
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