Gibt es bei Canon eine Kompaktkamera?

Die älteste Canon Kamera: Kwanon & Hansa Canon

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Canon ist heute ein globaler Gigant in der Welt der Bildgebung, bekannt für seine Kameras, Drucker und optischen Produkte. Doch jede große Geschichte hat einen Anfang, und die von Canon beginnt in den frühen 1930er Jahren in Japan. Die Frage, die sich viele stellen, ist: Welche Kamera war die allererste, die diesen Weg ebnete? Die Antwort führt uns zurück zu einem ambitionierten Projekt, das aus der Bewunderung für deutsche Kameratechnik entstand und den Grundstein für ein Weltunternehmen legte.

Was ist die älteste Canon-Kamera?
Im Juni 1934 brachten sie ihre erste Kamera auf den Markt, die Kwanon (ausgesprochen Kannon), benannt nach dem gleichnamigen buddhistischen Bodhisattva der Barmherzigkeit (観音, カンオン; auf Chinesisch Guān Yīn). Später wurde daraus die „Hansa Canon“, die erste kommerzielle Kamera des Unternehmens.

Die Geburt einer Vision: Seiki Kōgaku Kenkyūjo

Die Geschichte beginnt nicht direkt mit dem Namen Canon, sondern mit einem anderen Namen: Seiki Kōgaku Kenkyūjo (精機光学研究所), was übersetzt so viel wie „Labor für feinmechanische Optik“ bedeutet. Dieses Labor wurde 1933 gegründet. Hinter der Gründung standen Yoshida Gorō und sein Schwager Uchida Saburō. Finanziell unterstützt wurde das Vorhaben von Mitarai Takeshi, einem engen Freund Uchidas. Das erklärte Ziel war klar definiert: die Erforschung und Entwicklung hochwertiger Kameras.

Zu dieser Zeit waren deutsche Kameras, insbesondere die von Leica, weltweit führend in Qualität und Design. Yoshida Gorō war von der Leica II so fasziniert, dass er ein Exemplar komplett zerlegte, um ihre Funktionsweise bis ins kleinste Detail zu verstehen. Diese akribische Studie war die direkte Inspiration und Grundlage für die erste eigene Entwicklung des Labors.

Der Prototyp: Die Kwanon

Basierend auf den Erkenntnissen aus der Analyse der Leica II schufen die Entwickler des Seiki Kōgaku Kenkyūjo ihren ersten eigenen Kamera-Prototyp. Dieser wurde im Juni 1934 vorgestellt und trug den Namen Kwanon. Der Name war eine Hommage an den buddhistischen Bodhisattva der Barmherzigkeit (観音, Kannon), ein Zeichen der Hoffnung und des Wunsches nach Erfolg für das Projekt.

Die Kwanon war eine Messsucherkamera und wies deutliche Designmerkmale auf, die von der Leica inspiriert waren. Es handelte sich zunächst um einen Prototyp, ein Beweis für die Machbarkeit und das Können des jungen Labors, aber noch nicht um ein Produkt für den Massenmarkt.

Die erste kommerzielle Kamera: Die Hansa Canon

Aus dem Prototyp Kwanon entwickelte sich das erste Modell, das tatsächlich kommerziell vertrieben wurde: die Hansa Canon. Diese Kamera gilt als die erste kommerzielle Kamera des Unternehmens. Sie basierte auf dem Kwanon-Design, wurde aber für die Produktion und den Verkauf vorbereitet.

Interessanterweise hatte das Seiki Kōgaku Kenkyūjo zu Beginn noch keine eigene Objektivproduktion in großem Umfang. Daher wurden für die ersten Kameras, einschließlich der Hansa Canon, Objektive von Nikon bezogen. Erst später begann das Unternehmen mit der Entwicklung und Herstellung eigener Objektive unter der Marke Serenar.

Technische Einflüsse und frühe Innovationen

Die frühen Kameras des Seiki Kōgaku Kenkyūjo, einschließlich der Hansa Canon, übernahmen viele Konzepte von den Leica-Schraubgewinde-Messsucherkameras. Aufgrund von Patentbedenken und möglicherweise auch fehlender genauer Spezifikationen des Leica-Schraubgewindes wiesen diese ersten Canon-Kameras jedoch charakteristische Unterschiede auf. Echte Kopien kamen erst nach dem Krieg auf.

Nach dem Krieg stattete Seiki Kōgaku seine Kameragehäuse schnell mit einem kombinierten Sucher/Messsucher aus, der eine umschaltbare Vergrößerung für 50mm, 100mm und nur Messsucher bot. Dies war eine frühe Innovation, die die Benutzerfreundlichkeit verbesserte. Die Entwicklung eigener Objektive unter der Marke Serenar war ein weiterer wichtiger Schritt. Das Serenar 50mm f1.8 von 1951 wird oft als ein frühes Highlight dieser Entwicklung genannt.

Die Namensänderung: Von Kwanon zu Canon

Der Name der Kamera wurde bereits im Jahr nach der Einführung der Hansa Canon geändert. Aus dem religiös konnotierten Namen Kwanon wurde das säkularere und leichter auszusprechende „Canon“ (キャノン). Dieser Name sollte zum Synonym für hochwertige optische Produkte werden.

Das Unternehmen selbst änderte seinen Namen ebenfalls im Laufe der Zeit, um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen. 1947 wurde es in Canon Camera Company umbenannt und schließlich 1969 in Canon Inc., den Namen, unter dem das Unternehmen bis heute bekannt ist.

Ein Blick in die weitere Geschichte: Evolution der Canon Kameras

Von diesen bescheidenen Anfängen als Nachahmer mit eigenen Ideen entwickelte sich Canon zu einem der innovativsten Kamerahersteller der Welt. Nach den frühen Messsucherkameras wagte sich das Unternehmen in neue Bereiche:

  • SLR-Systeme: 1959 wurde das Canonflex SLR-System eingeführt. Es folgten legendäre Modelle wie die Canon F-1 (1971), die Canon EF mit Blendenautomatik und die revolutionäre Canon AE-1 (1976), eine der ersten computergesteuerten Spiegelreflexkameras.
  • Elektronische Kameras: 1986 war Canon nach Sony das zweite Unternehmen, das eine komplett elektronische Standbildkamera ohne Film vorstellte, die Canon RC-701. Sie basierte auf Videotechnologie und war die erste dieser Kameras mit wechselbaren Objektiven.
  • Digitale Ära: Mit der Canon EOS D30 im Jahr 2000 stieg Canon in den Markt der Amateur-DSLRs ein und wurde schnell führend. Später folgten spiegellose Systeme wie die EOS M (2012) und die Vollformat-EOS R (2018), die Canons Fähigkeit zur Anpassung und Innovation unter Beweis stellten.

Die Entwicklung von den ersten Prototypen und kommerziellen Modellen wie der Kwanon und Hansa Canon bis hin zu modernen digitalen Systemen zeigt die beeindruckende Reise, die Canon in der Welt der Fotografie zurückgelegt hat.

Vergleich: Kwanon vs. Hansa Canon vs. Leica II

Um die Position der Kwanon und Hansa Canon besser zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Vergleich:

MerkmalKwanonHansa CanonLeica II
TypPrototypErstes kommerzielles ModellInspiration, kommerzielles Modell
Vorstellung/ReleaseJuni 1934Kurz nach Juni 19341932
HerstellerSeiki Kōgaku KenkyūjoSeiki Kōgaku KenkyūjoLeitz (Deutschland)
ObjektiveNikon (wahrscheinlich für Tests)Initial Nikon, später SerenarLeitz (Elmar, Summar etc.)
NamensherkunftBuddhistischer BodhisattvaVon Kwanon abgeleitet, Markenname HansaGründer (Ernst Leitz) + Camera

Diese Tabelle verdeutlicht, dass die Kwanon der erste Schritt war, die Hansa Canon die Brücke zum Markt schlug und die Leica II das maßgebliche Vorbild darstellte.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Frage: War die Kwanon käuflich zu erwerben?

Antwort: Nein, die Kwanon war ein Prototyp, der Demonstrations- und Entwicklungszwecken diente. Die erste Kamera, die tatsächlich verkauft wurde, war die Hansa Canon.

Frage: Warum wurde die erste Kamera Kwanon genannt?

Antwort: Der Name Kwanon stammt vom buddhistischen Bodhisattva der Barmherzigkeit. Die Gründer wählten diesen Namen, um Segen für ihr Projekt zu erbitten und ihre Ambitionen auszudrücken.

Frage: Wann begann Canon, eigene Objektive zu produzieren?

Antwort: Anfangs nutzte Seiki Kōgaku Objektive von Nikon. Bald darauf begannen sie jedoch mit der Entwicklung eigener Objektive unter der Marke Serenar. Ein bekanntes frühes Beispiel ist das Serenar 50mm f1.8 aus dem Jahr 1951.

Frage: Wie unterschied sich die Hansa Canon von der Leica II?

Antwort: Obwohl stark von der Leica II inspiriert, wies die Hansa Canon Unterschiede auf, teilweise bedingt durch Patentüberlegungen. Spätere Canon-Modelle nach dem Krieg integrierten eigene Innovationen wie den kombinierten Sucher/Messsucher mit umschaltbarer Vergrößerung, was bei der Leica II nicht zu finden war.

Frage: Was war die erste Canon Spiegelreflexkamera (SLR)?

Antwort: Die erste Canon SLR war die Canonflex, die 1959 eingeführt wurde und einen neuen Meilenstein in der Produktentwicklung des Unternehmens darstellte.

Fazit

Die Suche nach der ältesten Canon-Kamera führt uns zum Prototyp Kwanon von 1934 und der daraus hervorgegangenen ersten kommerziellen Kamera, der Hansa Canon. Diese Kameras, geboren aus dem Wunsch, mit den besten der Welt zu konkurrieren und inspiriert von der deutschen Leica II, legten den Grundstein für Canons beeindruckenden Aufstieg. Sie sind nicht nur historische Artefakte, sondern Symbole für den Unternehmergeist, die technische Neugier und die Vision, die Canon zu dem gemacht haben, was es heute ist – ein Synonym für Qualität und Innovation in der Welt der Fotografie.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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