Was bedeutet das Wort Kama?

Die Vielschichtigkeit des Wortes Kama

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Das Wort „Kama“ ist faszinierend, da es in verschiedenen Kontexten völlig unterschiedliche Bedeutungen tragen kann. Es ist ein Begriff, der sowohl tiefe philosophische Konzepte berührt als auch geografische Realitäten beschreibt. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf zwei prominente Bedeutungen dieses Wortes, die uns in die Welt des Hinduismus und in die Weiten Russlands führen.

Was bedeutet das Wort Kama?
Kama (Sanskrit: काम, IAST: kāma) ist das Konzept von Vergnügen, Genuss und Verlangen im Hinduismus, Buddhismus, Jainismus und Sikhismus .

Einerseits ist Kama ein zentrales Konzept im Hinduismus, während es andererseits der Name eines bedeutenden Flusses in Russland ist. Obwohl diese Bedeutungen nichts miteinander zu tun haben, zeigen sie die reiche Vielfalt, die ein einzelnes Wort in verschiedenen Kulturen und Zusammenhängen annehmen kann.

Kama im Hinduismus: Ein grundlegendes Lebensziel

Im Hinduismus ist Kama eines der vier grundlegenden und notwendigen Ziele oder Bestrebungen des menschlichen Lebens, bekannt als die Purusharthas. Diese vier Ziele bilden einen Rahmen für ein erfülltes und sinnvolles Leben. Die anderen drei Purusharthas neben Kama sind Dharma, Artha und Moksha.

Dharma steht für ein tugendhaftes, korrektes und moralisches Leben. Es bezieht sich auf die Pflichten, die Ethik und die soziale Ordnung. Artha repräsentiert materiellen Wohlstand, Einkommenssicherheit und die Mittel zum Leben. Es geht um den Aufbau einer stabilen materiellen Basis. Moksha schließlich bedeutet Befreiung, Erlösung oder Selbstverwirklichung – das Streben nach Transzendenz und dem Ende des Kreislaufs von Geburt und Tod.

Die vier Purusharthas im Hinduismus
PurusharthaBedeutung
DharmaTugend, Moral, Pflicht
ArthaMaterieller Wohlstand, Mittel zum Leben
KamaVerlangen, Lust, Genuss
MokshaBefreiung, Erlösung

Die alten indischen Schriften betonen, dass Dharma den anderen Zielen, insbesondere Artha und Kama, vorausgeht und für ihre richtige Ausrichtung unerlässlich ist. Wenn Dharma ignoriert wird, können Artha und Kama zu sozialem Chaos führen. Vatsyayana, der Autor des berühmten Kama Sutra, erkennt die relative Bedeutung dieser drei Ziele an: Artha geht Kama voraus, während Dharma sowohl Kama als auch Artha vorausgeht. Das bedeutet, dass ein moralisches Fundament (Dharma) und die notwendigen materiellen Mittel (Artha) vorhanden sein sollten, um Kama in angemessener Weise zu verfolgen.

Im zweiten Kapitel des Kama Sutra geht Vatsyayana auf philosophische Einwände gegen Kama ein und widerlegt diese. Ein häufiger Einwand war die Sorge, dass Kama, also Vergnügen und Genuss, ein Hindernis für ein moralisches Leben, für religiöse Bestrebungen, für harte Arbeit und für das Streben nach Wohlstand sei. Kritiker behaupteten, dass das Streben nach Vergnügen zu unrechtmäßigen Taten führe, die später im Leben Kummer, Sorglosigkeit, Leichtfertigkeit und Leid bringen würden. Vatsyayana entgegnete diesen Einwänden, indem er erklärte, dass Kama für den Menschen genauso notwendig sei wie Nahrung und dass Kama ganzheitlich mit Dharma und Artha verbunden sei.

So wie gute Nahrung für das Wohlbefinden des Körpers notwendig ist, sei auch angemessenes Vergnügen für eine gesunde Existenz des Menschen erforderlich, argumentiert Vatsyayana. Ein Leben ohne Vergnügen und Genuss – sei es sexueller, künstlerischer oder naturbezogener Art – sei hohl und leer. Er zieht einen Vergleich: So wie niemand die Landwirtschaft aufgeben sollte, nur weil Hirsche die Ernte fressen könnten, so sollte man auch das Streben nach Kama nicht aufgeben, nur weil Gefahren existieren. Kama sollte mit Bedacht, Sorgfalt, Vorsicht und Enthusiasmus verfolgt werden, genau wie die Landwirtschaft oder jede andere Lebensaufgabe.

Obwohl das Kama Sutra in Teilen der Welt oft fälschlicherweise als reines Handbuch für kreative sexuelle Stellungen angesehen wird, machen diese tatsächlich nur etwa 20 % des Buches aus. Der Großteil des Buches, so stellt Jacob Levy fest, beschäftigt sich mit der Philosophie und Theorie der Liebe, damit, was Verlangen auslöst, was es aufrechterhält und wie und wann es gut oder schlecht ist. Das Kama Sutra präsentiert Kama als einen wesentlichen und freudvollen Aspekt der menschlichen Existenz.

Vatsyayana behauptet, dass Kama niemals im Widerspruch zu Dharma oder Artha stehe, sondern dass alle drei koexistieren und Kama oft aus den anderen beiden resultiert. Ein Mensch, der Dharma, Artha und Kama praktiziert, genießt Glück im Diesseits und im Jenseits. Jede Handlung, die zur gleichzeitigen Ausübung von Dharma, Artha und Kama oder von zweien oder auch nur einem von ihnen beiträgt, sollte ausgeführt werden. Aber eine Handlung, die zur Ausübung von einem von ihnen auf Kosten der beiden anderen führt, sollte nicht ausgeführt werden.

In der hinduistischen Philosophie ist Vergnügen im Allgemeinen und sexuelles Vergnügen im Besonderen weder schändlich noch schmutzig. Es wird als notwendig für das menschliche Leben, wesentlich für das Wohlbefinden jedes Einzelnen und als heilsam angesehen, wenn es unter gebührender Berücksichtigung von Dharma und Artha verfolgt wird. Im Gegensatz zu den Lehren einiger Religionen wird Kama im Hinduismus gefeiert, als ein Wert an sich. Zusammen mit Artha und Dharma ist es ein Aspekt eines ganzheitlichen Lebens. Alle drei Purusharthas – Dharma, Artha und Kama – werden als gleichermaßen und gleichzeitig wichtig betrachtet.

Einige Texte in der alten indischen Literatur stellen fest, dass die relative Bedeutung von Artha, Kama und Dharma für verschiedene Menschen und Altersgruppen natürlich unterschiedlich ist. Bei einem Baby oder Kind haben Bildung und Kama (künstlerische Wünsche) Vorrang; in der Jugend haben Kama und Artha Vorrang; während im Alter Dharma an erster Stelle steht.

Kama wird auch als Gottheit Kamadeva und seine Gemahlin Rati verehrt. Die Gottheit Kamadeva ist vergleichbar mit der griechischen Gottheit Eros – beide lösen menschliche sexuelle Anziehung und sinnliches Verlangen aus. Kamadeva reitet auf einem Papagei und ist mit Pfeil und Bogen bewaffnet, um Herzen zu durchbohren. Der Bogen besteht aus einem Zuckerrohrstiel, die Bogensehne ist eine Reihe von Bienen, und die Pfeile sind mit fünf Blumen bestückt, die fünf emotionsgesteuerte Zustände der Liebe repräsentieren.

Die fünf Blumen auf Kamas Pfeilen sind die Lotusblume (Verliebtheit), die Ashokablume (Rausch durch Gedanken an die andere Person), die Mangoblume (Erschöpfung und Leere in Abwesenheit des anderen), die Jasminblume (Sehnsucht nach dem anderen) und die blaue Lotusblume (Lähmung durch Verwirrung und Gefühle). Diese fünf Pfeile haben auch Namen, von denen der letzte und gefährlichste Sammohanam ist, die Verliebtheit. Kamadeva ist auch als Ananga bekannt (wörtlich „der Körperlose“), weil das Verlangen formlos zuschlägt, durch Gefühle auf unsichtbare Weise. Weitere Namen für die Gottheit Kama sind Madan (derjenige, der mit Liebe berauscht), Manmatha (derjenige, der den Geist aufwühlt), Pradyumna (derjenige, der alle besiegt) und Kushumesu (derjenige, dessen Pfeile Blumen sind).

Wo ist der Fluss Kama?
Sie entspringt in den bis zu 336 m hohen Kamahöhen, die westlich von Perm liegen, ihre Quelle liegt beim Dorf Kuliga in Udmurtien. Zunächst fließt die Kama etwa 200 km nach Norden. Etwa ab dem Dorf Loino strömt der Fluss für weitere 200 km in Richtung Osten, bevor er sich bei Tscherdyn nach Süden wendet.

Die Kama: Ein mächtiger Fluss in Russland

Neben seiner Bedeutung im Hinduismus ist Kama auch der Name eines der wichtigsten Flüsse in Russland. Die Kama (russisch: Кама) ist ein 1805 Kilometer langer, linker und nordöstlicher Nebenfluss der Wolga. Sie ist nicht nur der größte Nebenfluss der Wolga, sondern auch der fünftlängste Fluss Europas.

Die Kama entspringt in den bis zu 336 Meter hohen Kamahöhen westlich von Perm, in der Nähe des Dorfes Kuliga in Udmurtien. Von ihrer Quelle aus fließt sie zunächst etwa 200 Kilometer nach Norden. Ab dem Dorf Loino ändert der Fluss seine Richtung und strömt weitere 200 Kilometer nach Osten, bevor er sich bei Tscherdyn nach Süden wendet. Hier mündet die Wischera in die Kama.

Am linken Ufer der Kama liegen die Industriestädte Solikamsk und Beresniki. Hinter Beresniki beginnt der beeindruckende Kamastausee (Kamskoje), der eine Fläche von 1.720 Quadratkilometern umfasst und bis zu 20 Meter tief ist. Dieser Stausee wird bei der Stadt Perm aufgestaut. Perm ist mit rund einer Million Einwohnern die größte Stadt an der Kama und die Hauptstadt der gleichnamigen Verwaltungsregion (Krai).

Weiter flussabwärts, bei der Stadt Tschaikowski, wird die Kama erneut aufgestaut, diesmal zum Wotkinsker Stausee. Direkt unterhalb dieses Staudamms schließt sich der Nischnekamsker Stausee an, in den aus Baschkirien kommend die Belaja mündet. Von hier an fließt die Kama hauptsächlich in südwestlicher Richtung. Der Nischnekamsker Stausee wird bei der Industriestadt Nabereschnyje Tschelny aufgestaut, einem wichtigen Standort, wo das Unternehmen KAMAZ seit 1976 Lastwagen produziert. Flussabwärts mündet bei Nischnekamsk von rechts die Wjatka ein.

Schließlich mündet die Kama bei Tschistopol in Tatarstan in den Kuibyschewer Stausee, durch den auch das Wasser der Wolga fließt. Die Mündung der Kama in die Wolga erfolgt somit in einem riesigen Stausee, der die beiden größten Flüsse des europäischen Russlands verbindet.

Interessanterweise gab es in der Geschichte Versuche, den Fluss Kama für die Schifffahrt weiter zu vernetzen. Die Südliche Keltma, ein linker Nebenfluss der Kama, wurde durch den von 1785 bis 1822 erbauten, etwa 18 Kilometer langen Nord-Katharinenkanal mit der Nördlichen Keltma verbunden. Die Nördliche Keltma entwässert über die Wytschegda in die Nördliche Dwina, wodurch theoretisch eine Verbindung zwischen dem Kaspischen Meer (über Wolga und Kama) und dem Weißen Meer (über Nördliche Dwina) geschaffen wurde. Dieser Kanal wurde jedoch nur 16 Jahre lang genutzt und verfiel danach weitestgehend, was die Bedeutung der Kama als Teil des russischen Wasserstraßensystems unterstreicht, aber auch die Herausforderungen solcher Projekte aufzeigt.

Häufig gestellte Fragen zu Kama

Was sind die vier Purusharthas im Hinduismus?

Die vier Purusharthas sind Dharma (Tugend, Moral), Artha (materieller Wohlstand), Kama (Verlangen, Genuss) und Moksha (Befreiung).

Worum geht es im Kama Sutra wirklich?

Das Kama Sutra ist ein altes indisches Werk, das sich mit der Philosophie und Theorie der Liebe, des Verlangens und zwischenmenschlicher Beziehungen befasst. Nur ein kleiner Teil behandelt sexuelle Stellungen; der Großteil behandelt die Natur von Verlangen und seine Rolle im Leben.

Wo entspringt der Fluss Kama?

Der Fluss Kama entspringt in den Kamahöhen in der Nähe des Dorfes Kuliga in Udmurtien, Russland.

Ist der Fluss Kama ein Nebenfluss der Wolga?

Ja, die Kama ist der größte und längste linke Nebenfluss der Wolga und mündet in den Kuibyschewer Stausee, der von der Wolga durchflossen wird.

Wie lang ist der Fluss Kama?

Der Fluss Kama ist 1805 Kilometer lang.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Wort Kama zwei völlig unterschiedliche, aber jeweils bedeutende Konzepte beschreibt: ein tiefes philosophisches und psychologisches Konzept im Hinduismus, das sich auf Verlangen und Genuss als notwendigen Teil eines erfüllten Lebens konzentriert, und einen wichtigen geografischen Bestandteil Russlands in Form eines langen und mächtigen Flusses. Diese Dualität zeigt, wie ein einzelnes Wort in verschiedenen Welten unterschiedliche Geschichten erzählen kann.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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