Kamera richtig scharfstellen: Ein Leitfaden

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Gerade als Beginner ist der Kamera Fokus eine sehr wichtige Technik in der Fotografie, deren Konzept du unbedingt verstehen solltest. Wenn du nicht richtig fokussierst, werden deine Fotos am Ende verschwommen, auch wenn alle anderen Kameraeinstellungen korrekt sind. Das Scharfstellen kann je nach Motiv einfach oder schwierig sein, zum Beispiel bei einer sich nicht bewegenden Landschaft im Vergleich zu einem sich schnell bewegenden Vogel im Flug. Diese Anleitung enthält alles, was du wissen musst, um richtig zu fokussieren und scharfe Bilder aufzunehmen.

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Die Fähigkeit, den Fokuspunkt präzise zu setzen und zu halten, ist fundamental für die Bildwirkung. Unscharfe Bilder können die beste Komposition oder Belichtung zunichtemachen. Deshalb ist es essenziell, die verschiedenen Methoden und Werkzeuge kennenzulernen, die dir deine Kamera und dein Objektiv bieten.

Wie kann ich meine Kamera scharfstellen?
Autofokus-Systeme verwenden einen Motor in der Kamera oder im Objektiv, um auf ein manuell oder automatisch ausgewähltes Motiv zu fokussieren. Du drückst also einfach den Auslöseknopf an deiner Kamera und die Kamera stellt das gewählte Motiv scharf. Oder du wählst es selbst aus, wenn dir das lieber ist.

Was ist Fokus in der Kamera?

In jedem deiner Fotos gibt es eine Schärfen-Ebene. Das ist der Bereich des Fotos, der so scharf wie nur irgend möglich ist. Manche finden es nützlich, sich die Schärfe-Ebene wie ein Fenster vorzustellen, das sich mit der Szene überschneidet. Jedes Objekt auf deinem Foto, das dieses Fenster berührt, ist «scharf». Wenn du die Ebene vorwärts und rückwärts bewegst, um das gewünschte Bild mit maximaler Schärfe zu erzielen, nennt man das Scharfstellen. Diese Schärfen-Ebene ist nicht unendlich tief; die Tiefe des scharfen Bereichs wird als Schärfentiefe bezeichnet und hängt von verschiedenen Faktoren wie Blende, Brennweite und Abstand zum Motiv ab.

Bei moderner Ausrüstung erfolgt die Scharfstellung üblicherweise im Objektiv. Dieses hat Glaselemente im Inneren, die sich vorwärts und rückwärts bewegen können, um den optischen Weg des Lichts zu verändern. Wenn du dein Objektiv weiter von der Kamera wegbewegst, ändert sich die Position der Schärfe-Ebene (so funktionieren auch Verlängerungen für Makro-Objektive). Die Präzision dieser Bewegung ist entscheidend für die Schärfe des endgültigen Bildes.

Die Scharfstellung erfolgt entweder automatisch oder manuell. Der automatische Kamera Fokus oder Autofokus ist Teil eines Kamerasystems. Dieses hat einen Motor, der die Elemente im Objektiv bewegt, wodurch sich dann auch der Fokus verändert. Um manuell zu fokussieren, musst du einen Ring oder einen ähnlichen Mechanismus am Objektiv drehen.

Manueller Fokus im Vergleich zum Autofokus

In den frühen Tagen der Fotografie musste man noch alle Objektive manuell scharfstellen (das trifft auch auf viele moderne Objektive zu, insbesondere solche, die für Video oder spezielle Effekte konzipiert sind). Der automatische Kamera Fokus ist eine vergleichsweise neue und bis heute wichtige Erfindung in der Geschichte der Fotografie, die 1977 erstmals auf dem Markt erschien. Autofokus-Systeme verwenden einen Motor in der Kamera oder im Objektiv, um auf ein manuell oder automatisch ausgewähltes Motiv zu fokussieren. Du drückst also einfach den Auslöseknopf an deiner Kamera und die Kamera stellt das gewählte Motiv scharf. Oder du wählst es selbst aus, wenn dir das lieber ist. Ziemlich nützlich, da es den Prozess erheblich beschleunigt.

Die meisten Fotografen verwenden den Autofokus öfter als den Manueller Fokus. Der Hauptgrund dafür ist einfach die Bequemlichkeit, denn es ist einfacher als das manuelle Fokussieren. Zudem ist der Autofokus in der Regel schneller und in vielen Fällen auch genauer (z.B. beim Nachführen des Kamera Fokus auf ein sich bewegendes Motiv). Aus diesem Grund verlassen sich Sport- und Tierfotografen in der Regel stark auf den Autofokus, da hier schnelle und präzise Fokussierung auf sich bewegende Ziele unerlässlich ist.

Dennoch blieb der manuelle Fokus aus gutem Grund erhalten. Wenn deine Kamera Probleme mit der Scharfstellung hat, (besonders bei Dunkelheit, wenn du z.B. Sterne fotografierst oder bei sehr kontrastarmen Motiven) kannst du mit dem manuellen Kamera Fokus alle Probleme lösen und selbst präzise Einstellungen vornehmen, die die Kamera möglicherweise selbst nicht hinbekommen hätte. Bei der Makrofotografie oder in Situationen, wo der Autofokus Schwierigkeiten hat, den genauen Punkt zu finden, bietet der manuelle Fokus oft mehr Kontrolle. Und wenn du das Objektiv auf manuellen Fokus einstellst, kannst du den Fokus für eine Reihe von aufeinanderfolgenden Fotos fixieren, was bei statischen Motiven oder für kreative Effekte nützlich sein kann. Obwohl die meisten Fotografen den Autofokus öfter als den manuellen Fokus verwenden, ist es besser, wenn du mit beidem vertraut bist und weißt, wann du welchen Modus einsetzen solltest.

Hat deine Kamera einen Autofokus?

Damit du den automatischen Kamera Fokus verwenden kannst, muss entweder deine Kamera oder dein Objektiv über einen Autofokus-Motor verfügen. Das klingt selbstverständlich – aber Autofokus-Objektive haben nicht immer einen eingebauten Motor, genauso wenig wie jede Kamera einen hat. Insbesondere wenn du mit einer Nikon D3500 oder D5600 (oder einem älteren Modell der gleichen Linie) fotografierst, musst du beim Kauf von Objektiven genau hinsehen. Wenn du einen Autofokus brauchst, solltest du ein Objektiv mit der Bezeichnung AF-S oder AF-P kaufen; vermeide jedoch AF-D, da diese Objektive einen Motor in der Kamera benötigen, den diese speziellen Modelle nicht besitzen. Andere Hersteller haben ähnliche Bezeichnungen, die auf das Vorhandensein eines eingebauten Motors hinweisen. Es lohnt sich immer, die Spezifikationen von Kamera und Objektiv vor dem Kauf zu prüfen.

Wie funktioniert Autofokus technisch?

Wie funktioniert der Autofokus auf technischer Ebene? Du musst die Wissenschaft dahinter nicht im Detail verstehen (außer es interessiert dich), aber du solltest trotzdem mit den beiden Haupttypen von Autofokus-Systemen vertraut sein: Phasenerkennung und Kontrasterkennung. Jede hat ihre eigenen Stärken und Schwächen, die bestimmen, für welche Situationen sie am besten geeignet sind.

Phasenerkennung

Die Phasenerkennung ist sehr schnell und gut bei der Verfolgung von sich bewegenden Objekten, weil sie nicht viel Rechenarbeit von der Kamera erfordert. Sie funktioniert, indem sie das Licht in zwei separate Bilder aufteilt und diese vergleicht, um festzustellen, ob das Motiv scharf ist und, falls nicht, in welche Richtung und wie weit die Fokussierung angepasst werden muss. Allerdings ist sie auch anfälliger für Fehler und interne Ausrichtungsprobleme (Back-/Frontfokus). Bei einigen Kameras kannst du das Phasenerkennungssystem kalibrieren (oft als AF-Feinabstimmung bezeichnet), um diese Fehler zu minimieren.

Kontrasterkennung

Bei der Kontrasterkennung muss die Kamera mehr Daten verarbeiten, deswegen dauert es im Allgemeinen länger, den Fokus zu fixieren. Das System analysiert das Bild direkt vom Sensor und sucht nach Bereichen mit maximalem Kontrast – diese gelten als scharf. Folglich ist sie nicht dazu geeignet, sich schnell bewegende Objekte zu verfolgen, da die Analyse Zeit benötigt. Die Kontrasterkennung ist aber tendenziell präziser, da das Autofokussystem die Daten des Kamerasensors direkt misst und keine separate Hardware für die Fokussierung benötigt. Das ist gut für unbewegliche Objekte, wie du sie in der Landschaftsfotografie, Architekturfotografie oder bei statischen Porträts oft hast.

Das ist alles gut zu wissen, aber wie stellt man das eine oder andere für ein bestimmtes Foto ein? Eigentlich ist es simpel. Bei den meisten DSLR-Kameras kommt die Phasenerkennung immer dann zum Zug, wenn du den Autofokus über den Sucher betätigst, da hierfür spezielle Sensoren im Spiegelkasten verbaut sind. Die Kontrasterkennung hingegen erfolgt immer dann, wenn du über den LCD-Bildschirm scharfstellst (Live View) oder du generell eine spiegellose Systemkamera verwendest. Spiegellose Kameras nutzen fast ausschließlich die Kontrasterkennung, oft in Kombination mit einer Phasenerkennung direkt auf dem Bildsensor (Hybrid-AF-Systeme), um die Geschwindigkeit der Phasenerkennung mit der Präzision der Kontrasterkennung zu vereinen. Folglich musst du also nur den Sucher oder die Live-Ansicht der Situation entsprechend einsetzen. Für schnelle Action nutze den Sucher (bei DSLRs) oder ein schnelles Hybrid-System (bei spiegellosen), für präzise Schärfe bei statischen Motiven nutze Live View (bei DSLRs) oder verlasse dich auf die hohe Präzision spiegelloser Systeme.

Denk daran, dass es immer eine „ideale Schärfe-Ebene“ in einem Foto gibt – normalerweise im Schnittpunkt mit deinem Hauptmotiv. Sowohl die Phasenerkennung als auch die Kontrasterkennung können dich zum Ziel bringen. Bei bewegten Motiven ist die Phasenerkennung (oder Hybrid-AF) schneller und führt besser nach, während die Kontrasterkennung bei statischen Motiven präziser arbeitet.

Autofokus-Modi: Kontinuierlich vs. Einzelbild

Eine weitere wichtige Entscheidung im Bereich Autofokus ist die Wahl des Fokussiermodus. Die beiden wichtigsten und gebräuchlichsten Optionen sind der kontinuierliche- und der Einzel-Servo-Autofokus. Einige Kameras bieten auch einen automatischen Modus, der versucht, zwischen diesen beiden zu wählen.

Einzelbild-Autofokus (Single-Servo / One-Shot / AF-S)

Single-Servo kennt man auch als One-Shot (Canon) und AF-S (Nikon). In diesem Fall stellt die Kamera scharf, wenn du die Schärfentaste (Fokustaste / Auslöser halb gedrückt) betätigst, und korrigiert den Fokus erst wieder, wenn du die Schärfentaste loslässt und es erneut versuchst. Der Fokus wird also auf dem einmal gefundenen Punkt fixiert. Das funktioniert gut, wenn das Motiv und die Kamera völlig ruhig sind und du nicht von Zeit zu Zeit nachjustieren musst, beispielsweise bei Landschafts-, Architektur- oder Stilllebenfotografie. Wenn das Motiv oder du dich nach dem Fokussieren bewegst, wird das Bild wahrscheinlich unscharf.

Kontinuierlicher Autofokus (Continuous Servo / AI-Servo / AF-C)

Der Serien-Servo (Continuous Servo) wird auch als AI-Servo (Canon) und AF-C (Nikon) bezeichnet. Im Wesentlichen bedeutet dies, dass deine Kamera die Schärfe kontinuierlich anpasst, solange du die Schärfentaste (Fokustaste / Auslöser) gedrückt hältst. Die Kamera versucht, die Distanz zum Motiv zu verfolgen und die Fokusebene entsprechend anzupassen. Das ist ideal, wenn du ein sich bewegendes Motiv fotografierst und seine Position verfolgen willst, wie zum Beispiel bei Sport, Tierfotografie oder spielenden Kindern.

Auto-Servo-Autofokus (AF-A)

Einige Kameras verfügen über einen dritten Modus – den Auto-Servo-Autofokus (oft als AF-A bezeichnet). Er analysiert das Motiv und wählt dann automatisch zwischen den beiden oben erklärten Optionen (AF-S oder AF-C), je nachdem, ob sich das Motiv bewegt oder nicht. Auch wenn deine Kamera über diesen Modus verfügt, ist es wichtig zu wissen, was die einzelnen Modi können. Es ist nämlich immer möglich, dass die Automatik einen Fehler macht und zum Beispiel bei einem kurz stillstehenden Motiv auf AF-S umschaltet, obwohl es sich gleich wieder bewegen wird. Für maximale Kontrolle und Zuverlässigkeit ist es oft besser, den Modus manuell zu wählen.

ModusNikonCanonBeschreibungIdeal für
EinzelbildAF-SOne-ShotFokus wird einmalig eingestellt und fixiertStatische Motive (Landschaft, Porträt, Architektur)
KontinuierlichAF-CAI-ServoFokus wird kontinuierlich nachgeführtBewegte Motive (Sport, Tiere, Action)
AutomatischAF-A-Kamera wählt automatisch zwischen Einzelbild und KontinuierlichSituationen mit gemischten Motiven (weniger Kontrolle)

Wenn du den Autofokus verwendest, empfehlen wir für typische Landschafts- und Architekturfotografie die Single-Servo-Funktion (AF-S) und für andere Bilder, wie z.B. Tier- oder Sportfotografie, die Continuous-Servo-Funktion (AF-C). Das manuelle Umschalten gibt dir die Sicherheit, dass die Kamera genau das tut, was du von ihr erwartest.

Autofokus-Messfeldsteuerungen (AF Area Modes)

Ein wichtiger Teil der Fokussierung ist die Wahl des richtigen Autofokus-Bereichsmodus, auch Messfeldsteuerung genannt. Du teilst deiner Kamera so mit, welche Art von Fokussierungsstrategie du anwenden möchtest, damit sie dann entscheiden kann, wie sie dem Motiv «folgen» soll. Wichtig ist, dass dein Autofokussystem aus Fokussierpunkten besteht, die den Bereichen entsprechen, auf die die Kamera fokussieren kann. Die Anzahl und Anordnung dieser Punkte variiert stark zwischen den Kameramodellen. Je mehr Fokussierungspunkte, desto besser ist in der Regel die Fähigkeit der Kamera, das Motiv zu verfolgen oder den Fokus präzise zu setzen. Ebenso ist eine grössere Streuung (Gesamterfassungsbereich der Punkte) besser, um Motive auch am Bildrand zuverlässig zu erfassen.

Du musst der Kamera aber trotzdem sagen, wie diese Punkte verwendet werden sollen, sonst ist es nicht besonders hilfreich. An dieser Stelle kommen die Autofokus-Bereichsmodi ins Spiel:

Einzelpunkt-Autofokus (Single-Point AF)

Die Kamera verwendet nur einen einzigen Fokussierpunkt für den Autofokus; nämlich genau den Punkt, den du ausgewählt hast. Dieser Modus bietet die präziseste Kontrolle darüber, wohin die Kamera fokussiert. Er eignet sich gut, wenn sich Motiv und Kamera nicht bewegen und du den Fokus nicht nachführen musst, z.B. bei Porträts, wo der Fokus genau auf das Auge gelegt werden soll. Der Modus funktioniert auch mit dem kontinuierlichen Autofokus (AF-C), jedoch folgt die Kamera dann keinen sich schnell bewegenden Objekten über mehrere Fokuspunkte hinweg – sie versucht lediglich, das Motiv unter dem *einen* ausgewählten Punkt scharf zu halten, was bei schnellen Bewegungen schwierig ist.

Wie kann ich meine Kamera scharfstellen?
Autofokus-Systeme verwenden einen Motor in der Kamera oder im Objektiv, um auf ein manuell oder automatisch ausgewähltes Motiv zu fokussieren. Du drückst also einfach den Auslöseknopf an deiner Kamera und die Kamera stellt das gewählte Motiv scharf. Oder du wählst es selbst aus, wenn dir das lieber ist.

Dynamische Messfeldsteuerung (Dynamic-Area AF)

Du wählst einen einzelnen Fokussierpunkt für die Kamera aus. In diesem Fall kann sie das Motiv jedoch verfolgen, wenn es sich kurzzeitig von diesem Punkt wegbewegt und auf umliegende Fokuspunkte ausweicht. Du kannst normalerweise festlegen, auf wie viele umliegende Punkte die Kamera achten soll (z.B. 9, 21 oder 51 Punkte bei Nikon). Dieser Bereichsmodus eignet sich gut für die Tierfotografie oder Sportarten, bei denen das Motiv sich nicht extrem unvorhersehbar bewegt, aber gelegentlich vom zentralen Punkt abweicht.

3D-Tracking (3D-Tracking AF)

Die Kamera folgt dem Motiv, während es sich über die Fokussierpunkte und auch in der Tiefe bewegt (daher "3D"). Im Gegensatz zum normalen dynamischen AF-Messfeld-Modus musst du die Kamera nicht unbedingt mit dem Motiv mitbewegen, um dieses so nahe wie möglich am ursprünglich gewählten Fokuspunkt zu halten. Du wählst einen Punkt aus, und die Kamera versucht, Farbe und Muster des Motivs zu erkennen und es über den gesamten AF-Bereich zu verfolgen. Dieser Modus ist gut für die Tierfotografie (z.B. Vogelfotografie) geeignet, obwohl er nicht immer so schnell und genau wie der einfachere Dynamic-AF-Bereich-Modus ist, insbesondere bei Motiven mit geringem Kontrast oder in komplexen Umgebungen.

Gruppenbereich-Autofokus (Group-Area AF)

Die Kamera verwendet mehrere Autofokuspunkte gleichzeitig, normalerweise eine feste Gruppe von Punkten (z.B. fünf Punkte in einer Raute oder einem Quadrat). Sie gibt allen Punkten in dieser Gruppe die gleiche Priorität und fokussiert auf das nächstgelegene Objekt, das sich auf einem der Punkte befindet. Das ist nützlich für knifflige Autofokus-Situationen, wie z.B. bei einem sich schnell bewegenden Vogel im Flug vor einem unruhigen Hintergrund, da die Gruppe von Punkten die Wahrscheinlichkeit erhöht, das Motiv überhaupt zu erfassen, auch wenn ein einzelner Punkt es verfehlen würde. Es ist jedoch weniger präzise als der Einzelpunkt-AF, da die Kamera auf das nächstgelegene Objekt innerhalb der Gruppe fokussiert.

Automatische Messfeldsteuerung (Auto-Area AF)

In diesem Fall scannt die Kamera automatisch die Szene und entscheidet über das Motiv (oft das der Kamera am nächsten gelegene Objekt oder ein Gesicht, falls Gesichterkennung aktiv ist). Wir empfehlen diesen Modus nicht, da er dir am wenigsten Kontrolle gibt und die Kamera oft nicht auf das fokussiert, was du eigentlich scharf haben möchtest, sondern auf das, was sie für das "wichtigste" Motiv hält. Es kann für Schnappschüsse nützlich sein, aber für bewusste Fotografie ist mehr Kontrolle wünschenswert.

Nicht alle Kameras verfügen über alle dieser Optionen. Einige haben möglicherweise noch zusätzliche Bereichsmodi, insbesondere für den Video-Autofokus (z.B. Flächen-AF, Motivverfolgung). Die genauen Bezeichnungen können auch je nach Kamerahersteller (Nikon, Canon, Sony, Fuji etc.) unterschiedlich sein, aber das ist so die generelle Struktur, die du bei den meisten finden wirst.

Du wirst jedenfalls schnell merken, welche Modi dir gefallen und welche die besten Bilder produzieren. Das vollständige Beherrschen aller Modi erfordert jedoch viel Zeit und Übung, sowas lernst du nicht über Nacht. Experimentiere mit verschiedenen Modi in unterschiedlichen Situationen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welcher am besten funktioniert.

Der AF-On Knopf: Warum er wichtig ist

Standardmäßig stellen die meisten Kameras den Autofokus ein, wenn du den Auslöser halb drückst. Das ist zwar eine nette Funktion, aber manchmal willst du vielleicht diese beiden Vorgänge – Fokussieren und Fotografieren – voneinander getrennt haben. Bei vielen Kameras kannst du das bewerkstelligen, indem du den Kamera Fokus einer anderen Taste (oft «AF-On» genannt) zuweist und so vom Auslöser trennst. Dies wird als "Back Button Focus" (Fokus auf hinterer Taste) bezeichnet.

Der AF-On Knopf bewirkt genau dasselbe wie das halbe Drücken des Auslösers (bezüglich des Fokus), nur eben an einer anderen Stelle (typischerweise auf der Rückseite der Kamera, gut erreichbar mit dem Daumen). Das hört sich vielleicht nicht nach einer großen Sache an, aber es gibt viele Situationen, in denen du nicht möchtest, dass die Kamera beim Drücken des Auslösers nachfokussiert. Es handelt sich hier also um eine entscheidende Funktion, die die Flexibilität und Kontrolle über den Fokus massiv erhöht. Wir empfehlen dir dringend, wenn möglich AF-On anstelle des Auslösers zu benutzen. Es gibt praktisch keine Nachteile und dafür einige potenzielle Vorteile.

In welchen Situationen hilft dir „AF-On“ nun?

  • Wenn du den Kamera Fokus über mehrere Fotos hinweg fixieren möchtest: Stell dir vor, du fotografierst eine Reihe von Porträts, bei denen sich die Person nicht bewegt. Anstatt für jedes Foto den Auslöser halb zu drücken und neu zu fokussieren (oder den Fokusmodus auf AF-S umzustellen und dann wieder auf AF-C, falls du zwischendurch bewegte Motive fotografierst), drückst du einfach die AF-On-Taste einmal, um den Kamera Fokus zu aktivieren und auf dem Motiv zu fixieren. Dann kannst du so viele Fotos machen, wie du möchtest, indem du nur den Auslöser betätigst, ohne dass die Kamera versucht, den Fokus erneut zu finden. Das geht schneller und ist flexibler, als wenn du für jede Bilderserie den Fokus am Objektiv auf manuell umstellen musst.
  • Wenn du fokussieren und anschließend die Bildkomposition verändern möchtest: Mal angenommen du wählst eine Komposition, bei der sich dein Motiv am äußersten Rand des Fotos befindet. Es ist in diesem Fall sehr unwahrscheinlich, dass deine Autofokuspunkte so weit reichen. Du stellst also einfach mit einem der vorhandenen Punkte (z.B. dem zentralen) scharf, indem du die AF-On-Taste drückst, während sich das Motiv unter diesem Punkt befindet. Sobald der Fokus fixiert ist (AF-On loslassen), kannst du die Kamera neu positionieren, um den gewünschten Bildausschnitt zu erzielen, ohne dass die Kamera den Fokus auf etwas anderes verschiebt. Dieser Vorgang ist mit der AF-On-Taste viel natürlicher, weil du sie nach dem Scharfstellen loslassen kannst. Ansonsten müsstest du die ganze Zeit den Auslöser halb gedrückt halten, was umständlich ist und leicht zu ungewollten Auslösungen führen kann.
  • Wenn du warten musst, bevor du das Foto schießen kannst: Du findest dich vielleicht mal in einer Situation wieder, in der du dich konzentrieren und eine Zeit lang warten musst, bevor du abdrücken kannst. Vielleicht fotografierst du zum Beispiel einen Fuchsbau und wartest darauf, dass der Fuchs seinen Kopf rausstreckt. Mit der AF-On-Taste kannst du an der richtigen Stelle (z.B. dem Eingang des Baus) scharfstellen, warten und dann im richtigen Moment so schnell wie möglich abdrücken, sobald der Fuchs erscheint. Währenddessen kannst du trotzdem schon darauf vorbereiten, schnell neu zu fokussieren, falls nötig, indem du einfach die AF-On-Taste erneut drückst.

Unter anderem aus diesen Gründen empfehlen wir dir dringend, deine Kamera vom Auslöser-Fokus auf AF-On-Fokus umzustellen. Wenn du schon immer den Auslöser als Autofokus verwendet hast, kann es in den ersten Tagen nach der Umstellung etwas mühsam sein und Gewöhnung erfordern, aber du wirst es am Ende nicht bereuen, da es dir mehr Kontrolle und Flexibilität beim Fotografieren gibt. Einige Kameras haben keinen expliziten AF-On-Knopf, aber du kannst fast immer einen beliebigen Knopf (z.B. AE-L/AF-L oder einen programmierbaren Fn-Knopf) im Kameramenü für den gleichen Zweck verwenden.

Worauf soll ich fokussieren?

In den meisten Fällen solltest du einfach auf dein Hauptmotiv fokussieren. Das klingt trivial, aber es ist der wichtigste Schritt, um sicherzustellen, dass das Wichtigste im Bild scharf ist. Wenn du eine Person fotografierst, setz den Kamera Fokus auf eines ihrer Augen. Dies ist besonders wichtig bei Porträts mit geringer Schärfentiefe, da die Augen der Punkt sind, auf den der Betrachter zuerst blickt. Dasselbe gilt für die Tierfotografie, die Eventfotografie und so weiter – fokussiere auf das Auge des Motivs. Wenn Augen nicht sichtbar sind oder es sich um ein Objekt handelt, wähle den wichtigsten oder interessantesten Punkt des Motivs.

Manchmal bleibt dir aber auch ein wenig künstlerische Freiheit beim Fokussieren. Angenommen, du fotografierst eine Blume. Fokussierst du jetzt auf das vorderste Blütenblatt oder auf die farbenfrohe Mitte? Keine der beiden Möglichkeiten ist falsch. Es kommt auf den Effekt an, den du in einem Bild vermitteln willst und darauf, welcher Teil der Blume für dich am interessantesten ist. Vielleicht möchtest du die Textur eines bestimmten Blattes hervorheben oder die feinen Staubfäden in der Mitte. Die Entscheidung liegt bei dir und dient deiner kreativen Vision.

Die schärfsten Objekte auf deinem Foto fallen auf und ziehen die Aufmerksamkeit des Betrachters an. Das kannst du zu deinem Vorteil nutzen. Wenn du möchtest, kannst du den Fokus irgendwo hinsetzen, wo ihn keiner erwartet, um die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Teil des Fotos zu lenken. Nimm beispielsweise ein „Porträt„-Foto auf, bei dem du den Fokus auf die Hände und nicht auf die Augen der Person richtest, auch wenn das Gesicht auf dem Foto sichtbar ist. Dies könnte eine Geschichte über Handwerk oder Arbeit erzählen. Es gibt keine unumstößlichen Regeln dafür, wo der Fokus hin soll. Es ist eine kreative, künstlerische Entscheidung, die zur Aussage deines Bildes beitragen kann.

Fokus-Stacking (Fokusvariation)

Von dieser Technik hast du vielleicht hin und wieder mal gehört – dem Fokus-Stacking (dt. Stapelung). Bei dieser Methode nimmst du mehrere Fotos auf, die an verschiedenen Punkten in der Tiefe scharf gestellt werden, und kombinierst dann die schärfsten Teile jedes Fotos in einer Nachbearbeitungssoftware miteinander. In einer perfekten Welt wird das Ergebnis überall da scharf sein, wo du es gerne hättest, was eine viel größere Schärfentiefe ermöglicht, als mit einer einzelnen Aufnahme möglich wäre.

Das Fokus-Stacking kann nützlich sein, insbesondere bei der Makro- und Landschaftsfotografie. Gerade da kann es schwierig sein, mit einer anderen Methode ein vorne bis hinten scharfes Bild zu bekommen, da die Schärfentiefe bei geringem Aufnahmeabstand (Makro) oder großer Weite (Landschaft mit nahem Vordergrund) sehr begrenzt sein kann. Durch das Stapeln mehrerer Aufnahmen mit unterschiedlichen Fokuspunkten kannst du die Schärfe von Vordergrund bis Hintergrund oder über das gesamte komplexe Motiv ausdehnen.

Es gibt jedoch auch einige Nachteile. Wenn sich etwas auf dem Foto bewegt (z.B. Blätter im Wind, fließendes Wasser, Tiere), wird richtiges Fokus-Stacking nämlich fast unmöglich, da die einzelnen Aufnahmen nicht perfekt übereinstimmen. Obendrauf ist es vor Ort (mehrere Aufnahmen machen, oft mit Stativ) und in der Nachbearbeitung recht zeitaufwendig, selbst unter besten Bedingungen, da die Bilder präzise ausgerichtet und überblendet werden müssen. Aber manchmal ist es die einzige Möglichkeit, genügend Schärfentiefe in einem Foto einzufangen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Vielleicht eher ein Zeitvertreib für einen regnerischen Tag oder für sorgfältig geplante Aufnahmen, bei denen Bewegung ausgeschlossen ist.

Häufig gestellte Fragen zum Kamera Fokus

Was bedeutet Fokus in der Fotografie?
Fokus bezieht sich auf den Bereich im Bild, der am schärfsten dargestellt wird. Es ist die Ebene, auf die das Objektiv eingestellt ist, um das Licht von diesem Punkt optimal auf den Sensor zu bündeln.
Was ist der Unterschied zwischen manuellem Fokus und Autofokus?
Beim manuellen Fokus stellen Sie die Schärfe durch Drehen eines Rings am Objektiv selbst ein. Beim Autofokus übernimmt die Kamera dies automatisch, indem sie Sensoren nutzt, um den optimalen Fokuspunkt zu finden und das Objektiv entsprechend anzupassen.
Wann sollte ich manuellen Fokus verwenden?
Manueller Fokus ist nützlich bei schlechten Lichtverhältnissen, sehr kontrastarmen Motiven, Makrofotografie, Sternenfotografie oder wenn Sie den Fokus bewusst auf einen bestimmten Punkt legen möchten, den der Autofokus möglicherweise nicht erkennt oder für den Sie eine kreative Entscheidung treffen.
Wie funktionieren Phasenerkennung und Kontrasterkennung?
Phasenerkennung teilt das Licht auf und vergleicht die Bilder, um schnell die Richtung und Distanz der Fokuskorrektur zu bestimmen. Kontrasterkennung analysiert das Bild direkt vom Sensor und sucht nach maximalem Kontrast, was präziser, aber langsamer ist.
Wann wird Phasenerkennung bzw. Kontrasterkennung verwendet?
Bei DSLRs wird Phasenerkennung meist über den Sucher genutzt, Kontrasterkennung im Live View über den Bildschirm. Spiegellose Kameras nutzen oft Kontrasterkennung oder Hybrid-Systeme (Phasenerkennung auf dem Sensor).
Was ist der Unterschied zwischen AF-S und AF-C?
AF-S (Single-Servo) stellt den Fokus einmalig ein und fixiert ihn. AF-C (Continuous Servo) passt den Fokus kontinuierlich an, solange der Auslöser (oder die AF-On-Taste) gedrückt ist, ideal für bewegte Motive.
Welchen Autofokus-Modus sollte ich für Landschaftsfotografie wählen?
Für statische Motive wie Landschaften ist der Einzelbild-Autofokus (AF-S) in der Regel am besten geeignet, da das Motiv sich nicht bewegt und Sie den Fokus einmal präzise einstellen können.
Welchen Autofokus-Modus sollte ich für Sport- oder Tierfotografie wählen?
Für sich schnell bewegende Motive wie bei Sport oder Tierfotografie ist der kontinuierliche Autofokus (AF-C) unerlässlich, da die Kamera das Motiv verfolgt und den Fokus konstant anpasst.
Was sind Autofokus-Messfeldsteuerungen?
Messfeldsteuerungen bestimmen, wie die Kamera ihre verfügbaren Fokuspunkte nutzt, um das Motiv zu finden und zu verfolgen. Beispiele sind Einzelpunkt, Dynamisch, 3D-Tracking oder Gruppenbereich.
Was ist der Vorteil des AF-On Knopfs?
Der AF-On Knopf trennt das Fokussieren vom Auslösen. Das ermöglicht es, den Fokus auf einem Punkt zu fixieren, unabhängig davon, wie oft Sie den Auslöser drücken, oder die Komposition nach dem Fokussieren zu ändern, ohne den Fokus zu verlieren. Es bietet mehr Kontrolle und Flexibilität.
Worauf soll ich bei einem Porträt fokussieren?
Bei Porträts fokussieren Sie in der Regel auf eines der Augen des Modells, da die Augen der wichtigste Blickpunkt im Bild sind.
Was ist Fokus-Stacking und wofür wird es verwendet?
Fokus-Stacking ist eine Technik, bei der mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Fokuspunkten kombiniert werden, um eine größere Schärfentiefe zu erzielen, als mit einer einzelnen Aufnahme möglich wäre. Es wird oft bei Makro- und Landschaftsaufnahmen verwendet.

Fazit

Der Kamera Fokus ist ein sehr tiefgehendes Thema in der Fotografie und es zu verstehen ist äußerst wichtig für die Erstellung scharfer und ansprechender Bilder. Wenn du deine Fotos richtig fokussierst, werden sie scharf und detailliert, was dem Betrachter einen Eindruck deines Geschicks und deiner Absicht gibt. Dies gilt für jede Art von Fotografie, von Sport bis zu Landschaften. Durch das Erlernen und Üben der verschiedenen Fokussierungsmethoden – sei es manuell oder automatisch – sowie der unterschiedlichen AF-Modi und Messfeldsteuerungen, erlangst du die volle Kontrolle über deine Bildgestaltung.

Das Experimentieren mit den verschiedenen Einstellungen deiner Kamera wird dir helfen, herauszufinden, welche Techniken in welchen Situationen am besten funktionieren. Die Umstellung auf den AF-On Knopf kann anfangs ungewohnt sein, aber die zusätzliche Kontrolle, die er bietet, ist für viele Fotografen unverzichtbar geworden. Auch fortgeschrittene Techniken wie das Fokus-Stacking können in spezifischen Szenarien zu beeindruckenden Ergebnissen führen.

Es ist am besten, die Dinge so früh wie möglich auf die richtige Art und Weise zu lernen. So verfällst du auf deinem Weg nicht in schlechte Gewohnheiten und entwickelst schnell ein Gefühl dafür, wie du den Fokus gezielt einsetzen kannst, um deine kreativen Ideen umzusetzen. Nimm dir Zeit, übe und beobachte, wie sich die verschiedenen Einstellungen auf deine Bilder auswirken. Eine präzise Fokussierung ist ein Schlüsselelement für herausragende Fotografie.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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