Die GoPro Karma Drohne war einst ein vielversprechender Eintritt des Action-Kamera-Giganten in den florierenden Drohnenmarkt. Im September 2016 mit viel Pomp vorgestellt, sollte sie die perfekte Ergänzung für GoPro-Kameras sein und Nutzern ermöglichen, spektakuläre Luftaufnahmen zu machen. Speziell entwickelt, um mit den beliebten Hero-Kameras zu funktionieren, zielte die Karma auf die gleiche Zielgruppe ab: Abenteurer, Sportler und Kreative, die ihre Erlebnisse aus neuen Perspektiven festhalten wollten. Doch die Reise der Karma war kurz und turbulent.

Nur wenige Monate nach dem Verkaufsstart traten gravierende Probleme auf, die schnell zu einem globalen Rückruf führten. Dieses Ereignis markierte den Beginn des Endes für GoPros Drohnenambitionen, die schließlich im Januar 2018 mit der Einstellung der Produktion und dem Rückzug aus dem Markt gipfelten. Doch selbst Jahre nach ihrem Produktionsende sorgte die Karma Anfang 2020 noch einmal für Schlagzeilen, als ein technischer Fehler Tausende von Drohnen am Boden hielt.
Warum GoPro den Drohnenmarkt verlassen hat
Die Entscheidung von GoPro, den Drohnenmarkt zu verlassen, war ein strategischer Schritt, der aus einer Kombination von Faktoren resultierte. Der Markt wurde schnell von Konkurrenten dominiert, allen voran DJI, die schnellere Innovationszyklen und aggressivere Preisstrategien verfolgten. GoPro fand es zunehmend schwierig, in diesem hart umkämpften Umfeld profitabel zu agieren. Neben dem externen Druck gab es auch interne Herausforderungen.
Die Entwicklung und Produktion der Karma war mit hohen Kosten verbunden. Die anfänglichen technischen Probleme, die zu dem Rückruf führten, beschädigten das Vertrauen der Kunden und verursachten zusätzliche finanzielle Belastungen. Die Belegschaft, die an der Karma arbeitete, war beträchtlich, und im Rahmen der Umstrukturierung und des Rückzugs aus dem Drohnengeschäft musste GoPro Hunderte von Mitarbeitern entlassen. Dies war ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr das Drohnenprojekt das Unternehmen belastet hatte.
Letztlich entschied sich GoPro, sich wieder auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren: Action-Kameras und die dazugehörige Software und Services. Der Drohnenmarkt war für GoPro ein kostspieliges Experiment, das nicht die erwarteten Ergebnisse lieferte und das Unternehmen stattdessen von seinen Stärken ablenkte.
Ein holpriger Start: Das Problem der Stromversorgung
Das wohl einschneidendste Ereignis in der kurzen Geschichte der GoPro Karma war der globale Rückruf im Februar 2017. Nur wenige Wochen nach der Markteinführung häuften sich Berichte von Nutzern, deren Drohnen während des Fluges plötzlich die Stromversorgung verloren und unkontrolliert abstürzten. Dies stellte ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar und war für die betroffenen Besitzer natürlich äußerst frustrierend und potenziell kostspielig, falls die Drohne oder die darauf montierte GoPro-Kamera beschädigt wurde.
GoPro reagierte schnell und rief alle bis dahin verkauften rund 2.500 Karma-Drohnen zurück. Das Unternehmen arbeitete intensiv daran, die Ursache des Problems zu identifizieren und eine Lösung zu finden. Nach der Behebung des Fehlers (der Berichten zufolge mit der Batteriehalterung zusammenhing) wurde die Karma im Februar 2017 erneut auf den Markt gebracht. Doch der Schaden war bereits angerichtet. Das Vertrauen der Kunden war erschüttert, und die Konkurrenz hatte in der Zwischenzeit weitere Fortschritte gemacht.
Dieser anfängliche Rückschlag war ein entscheidender Faktor, der den Erfolg der Karma maßgeblich beeinträchtigte und GoPros Position im Drohnenmarkt schwächte, noch bevor sie richtig Fuß fassen konnten.
Das jüngste Problem: Der GPS-Glitch im Jahr 2020
Auch lange nachdem die Produktion der GoPro Karma eingestellt worden war, sorgte die Drohne Anfang Januar 2020 noch einmal für Aufsehen. Zahlreiche Besitzer meldeten, dass ihre Karma-Drohnen nicht mehr starten konnten. Das Problem äußerte sich typischerweise darin, dass die Drohne keine GPS-Verbindung herstellen konnte und die Kompasskalibrierung fehlschlug. Ohne ein funktionierendes GPS-Signal und eine erfolgreiche Kompasskalibrierung weigerten sich die Drohnen, abzuheben – ein eingebauter Sicherheitsmechanismus.
Nutzer berichteten in Online-Foren von Fehlermeldungen wie „Kalibrierung fehlgeschlagen“ oder Problemen, die Drohne überhaupt erst in den Kalibrierungsmodus zu bekommen. Die Drohne reagierte oft sofort mit der Fehlermeldung, noch bevor der Nutzer Zeit hatte, die erforderlichen Bewegungen für die Kalibrierung durchzuführen. Die Ursache lag tiefer als ein einfacher Bug.
Was ist ein GPS Clock Rollover?
Das Problem, das die Karma-Drohnen im Januar 2020 lahmlegte, war Berichten zufolge mit dem sogenannten GPS Clock Rollover Phänomen verbunden. Das GPS-System verwendet eine Zeitmessung, die auf Wochennummern basiert. Diese Wochennummern werden als 10-Bit-Zahl gespeichert, was bedeutet, dass sie von 0 bis 1023 reichen. Nach 1024 Wochen (ungefähr 19,7 Jahre) springt der Zähler wieder auf Null zurück. Dieses Ereignis wird als „Rollover“ bezeichnet.
Geräte, die GPS nutzen, müssen darauf programmiert sein, diesen Rollover korrekt zu verarbeiten. Wenn die Software nicht auf dieses Ereignis vorbereitet ist oder nicht entsprechend aktualisiert wurde, kann es zu Fehlern bei der Zeitberechnung oder der Positionsbestimmung kommen. Der jüngste GPS Clock Rollover fand im April 2019 statt, aber die Auswirkungen können sich je nach Implementierung und Software-Updates erst später zeigen.
Im Fall der GoPro Karma wurde die Software seit September 2018 nicht mehr aktualisiert. Viele andere Tech-Unternehmen hatten ihre Geräte im Vorfeld des Rollovers aktualisiert, um Probleme zu vermeiden. Da GoPro die Karma eingestellt hatte, war die Software der Drohne nicht mehr auf dem neuesten Stand, was sie anfällig für diesen spezifischen GPS-Glitch machte. Dies führte dazu, dass die Drohnen die notwendigen GPS-Daten nicht korrekt verarbeiten konnten, was wiederum die Kompasskalibrierung und damit den Start verhinderte.
GoPros Reaktion und der versprochene Fix
Nachdem sich die Beschwerden über den GPS-Glitch häuften, reagierte GoPro auf die Anfragen. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte gegenüber Medien, dass GoPro das Problem identifiziert habe. Es wurde als GPS-bezogen erkannt und das Unternehmen arbeitete an einer Lösung.

GoPro gab bekannt, dass sie dabei seien, ein Firmware-Update zu implementieren und zu testen, das das Problem beheben sollte. Sie erwarteten, das Update innerhalb einer Woche nach der Bestätigung des Problems veröffentlichen zu können. Obwohl dies Jahre nach der offiziellen Einstellung der Drohne geschah, zeigte es, dass GoPro seiner Zusage nachkam, bestehende Geräte weiterhin mit notwendigen Software-Updates zu unterstützen – zumindest bei kritischen Fehlern, die die Nutzung komplett verhinderten.
Diese späte Reaktion auf einen Fehler, der durch mangelnde Softwarepflege nach der Einstellung verursacht wurde, unterstreicht die Herausforderungen, denen sich Besitzer von eingestellten Technologieprodukten gegenübersehen. Auch wenn ein Unternehmen Support verspricht, ist die Priorisierung von Updates für alte Produkte oft gering.
Unterstützt GoPro die Karma noch?
Die offizielle Unterstützung für die GoPro Karma wurde mit der Einstellung der Produktion im Januar 2018 natürlich stark reduziert. Das bedeutet, dass keine neuen Drohnen mehr hergestellt oder verkauft werden, und der Fokus des Kundenservices liegt primär auf der Fehlerbehebung und nicht auf der Bereitstellung neuer Funktionen oder umfassendem Support wie bei aktuellen Produkten.
Basierend auf der Reaktion auf den GPS-Glitch im Januar 2020 hat GoPro jedoch gezeigt, dass sie bereit waren, kritische Softwareprobleme zu beheben, die die grundlegende Funktionalität der Drohne beeinträchtigten. Das versprochene Firmware-Update zur Behebung des GPS-Problems wurde veröffentlicht, was den Besitzern ermöglichte, ihre Drohnen wieder zu nutzen. Dies deutet darauf hin, dass GoPro zumindest bei schwerwiegenden, die Nutzung verhindernden Fehlern bereit war, minimale Unterstützung in Form von Software-Updates zu leisten.
Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass GoPro darüber hinaus noch signifikante Ressourcen in die Unterstützung der Karma investiert. Ersatzteile könnten schwer zu finden sein, und der technische Support über grundlegende Probleme hinaus ist wahrscheinlich nicht mehr verfügbar. Besitzer einer Karma müssen sich bewusst sein, dass sie ein eingestelltes Produkt besitzen, dessen zukünftige Funktionalität und Reparaturmöglichkeiten begrenzt sein könnten.
Das Erbe der GoPro Karma
Die GoPro Karma Drohne mag in Bezug auf Markterfolg und Langlebigkeit gescheitert sein, aber sie hinterließ dennoch ihre Spuren. Sie war ein ambitionierter Versuch eines bekannten Kameraherstellers, in einen neuen, wachsenden Markt einzusteigen. Ihr Design, insbesondere die Integration der GoPro-Kamera und der faltbare Formfaktor, sprach viele Nutzer an, die bereits im GoPro-Ökosystem verankert waren. Die Möglichkeit, die Kamera einfach von der Drohne zu nehmen und für andere Zwecke zu nutzen, war ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu Drohnen mit fest verbauten Kameras wie vielen DJI-Modellen.
Die Karma wurde auch mit dem praktischen Karma Controller geliefert, einem Fernsteuerungssystem, das für GoPro-Nutzer intuitiv sein sollte, sowie mit dem Karma Grip, einem Handheld-Stabilisator, der die gleiche Stabilisierungstechnologie wie die Drohne nutzte. Dieses modulare System war ein cleverer Ansatz, der theoretisch den Wert für den Kunden erhöhte.
Trotz dieser positiven Aspekte konnte die Karma die anfänglichen technischen Probleme und den harten Wettbewerb nicht überwinden. Ihr Scheitern diente GoPro als wichtige, wenn auch teure, Lektion über die Komplexität des Drohnenmarktes. Es bestätigte auch die Dominanz von Unternehmen wie DJI, die sich von Anfang an auf Drohnen spezialisiert hatten. Das Erbe der Karma ist somit eher eine cautionary tale über die Schwierigkeiten der Diversifizierung und die Bedeutung eines fehlerfreien Produktstarts in einem schnelllebigen Technologiemarkt.
Häufig gestellte Fragen zur GoPro Karma
War die GoPro Karma eine gute Drohne?
Die GoPro Karma hatte einige innovative Merkmale, wie das modulare Design und die Integration ins GoPro-Ökosystem. Ihre Flugleistung wurde oft als solide, wenn auch nicht führend im Vergleich zur Konkurrenz, beschrieben. Allerdings überschatteten die schwerwiegenden anfänglichen Probleme mit der Stromversorgung und der spätere GPS-Glitch ihre positiven Eigenschaften. Für viele Besitzer war die Zuverlässigkeit das größte Problem, was sie letztendlich zu einer weniger „guten“ Wahl im Vergleich zu stabileren Alternativen machte.
Warum wurde die GoPro Karma eingestellt?
Die Einstellung der GoPro Karma war eine strategische Entscheidung, die auf mehreren Faktoren basierte: gravierende technische Probleme kurz nach der Markteinführung, die zu einem Rückruf führten; starker Wettbewerb, insbesondere durch DJI; und die Erkenntnis, dass das Drohnengeschäft nicht so profitabel war wie erwartet. GoPro entschied sich, sich wieder auf sein profitableres Kerngeschäft, die Action-Kameras, zu konzentrieren.
Kann ich eine GoPro Karma heute noch benutzen?
Ja, prinzipiell kann eine GoPro Karma heute noch benutzt werden, vorausgesetzt, sie ist funktionsfähig. Das kritische GPS-Problem aus dem Jahr 2020 sollte durch ein Firmware-Update behoben worden sein. Allerdings müssen sich Besitzer bewusst sein, dass es sich um ein eingestelltes Produkt handelt. Offizieller Support ist minimal, und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen oder Reparaturdiensten ist sehr begrenzt. Zukünftige Softwareprobleme, die nicht behoben werden, könnten die Nutzung ebenfalls einschränken.
Bietet GoPro noch Support für die Karma?
GoPro hat nach der Einstellung der Karma zugesagt, notwendige Software-Updates bereitzustellen, wie das Beispiel des GPS-Glitch im Jahr 2020 zeigt. Ein kritisches Update wurde veröffentlicht, um dieses spezifische Problem zu beheben. Umfassender Kundensupport, Hardware-Reparaturen oder die Entwicklung neuer Features werden jedoch nicht mehr angeboten. Der Support beschränkt sich wahrscheinlich auf die Bereitstellung bestehender Ressourcen und möglicher Fixes für sehr kritische, die Nutzung verhindernde Fehler, falls überhaupt noch welche auftreten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die GoPro Karma ein faszinierendes, aber problematisches Kapitel in der Geschichte von GoPro und des Drohnenmarktes darstellt. Ihre Geschichte ist eine Erinnerung daran, wie wichtig Zuverlässigkeit und einwandfreie Funktion in der Technologiebranche sind und wie schnell sich der Markt wandeln kann.
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