Wenn es um das Thema Spiele geht, dann ist die Grafikkarte heute wohl die wichtigste Komponente des gesamten PCs. Bei den allermeisten Spielen bestimmt die GPU letztendlich darüber, welche Grafikdetails und Auflösungen das System flüssig bewältigt und welche nicht. Aus diesem Grund sollte man sich vor dem Kauf einer neuen Grafikkarte ausgiebig informieren. Mit diesem Artikel möchten wir Gamern eine ausführliche Kaufberatung bieten, die die Auswahl einer geeigneten Grafikkarte anhand der individuellen Anforderungen erleichtert, basierend auf dem Stand vom März 2018.

Die Bedeutung der Grafikkarte für die Spieleleistung eines Computers hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Während früher die CPU oft der limitierende Faktor war, verschieben sich die Anforderungen heutiger Spiele immer stärker in Richtung der grafischen Berechnung. Immer realistischer aussehende Grafiken, komplexe Lichteffekte, detaillierte Texturen und die steigende Beliebtheit höherer Auflösungen wie WQHD (1440p) und UHD (4K) erfordern eine enorme Rechenleistung, die speziell für parallele Operationen optimiert ist. Genau hier kommen dedizierte Grafikkarten ins Spiel.

Warum die Grafikkarte für Spiele so wichtig ist
Aufgrund von immer realistischer aussehenden Grafiken und immer größeren Bildschirm-Auflösungen steigt die benötigte Grafik-Power bei Spiele-PCs seit jeher stetig an. Heute ist es üblich, dass die benötigte Rechenleistung von spezialisierter Hardware in Form einer dedizierten Grafikkarte zur Verfügung gestellt wird. Grafikkarten sind für die aufwändigen mathematischen Berechnungen optimiert, die zum Darstellen von realistischen 3D-Grafiken nötig sind. Sie übernehmen Aufgaben wie das Rendern von Polygonen, das Anwenden von Texturen und Shadern, die Berechnung von Beleuchtung und Schatten sowie Post-Processing-Effekte. Diese Prozesse sind hochparallel und können von der spezialisierten Architektur einer Grafikkarte weitaus effizienter bearbeitet werden als von einer Allzweck-CPU.
Mit der 3D-Leistung der Grafikkarte steht und fällt also die Spiele-Performance des gesamten Systems, da der Prozessor, der Arbeitsspeicher oder die Festplatte – sofern halbwegs aktuell – hier nur eine untergeordnete Rolle spielen. Wenn die neuesten Spiele nicht vernünftig laufen, dann ist die Wahrscheinlichkeit somit groß, dass die Grafikkarte den sogenannten Flaschenhals darstellt. Das bedeutet, dass selbst eine schnelle CPU nicht ihre volle Leistung entfalten kann, weil sie auf die Ergebnisse der langsameren Grafikkarte warten muss. Eine leistungsstarke Grafikkarte ist daher die Grundvoraussetzung für ein flüssiges und optisch ansprechendes Spielerlebnis, insbesondere bei hohen Auflösungen und Detaileinstellungen.
Leistung und Preis: Die richtige Balance finden
In der Theorie ist die schnellste Grafikkarte natürlich auch die beste. Doch Leistung hat auch ihren Preis. High-End-Modelle können schnell mehrere hundert Euro oder sogar über tausend Euro kosten. In der Praxis ist das Budget beim Kauf einer Grafikkarte in den allermeisten Fällen wohl nicht unendlich, weshalb auch der Preis in die Betrachtung aufgenommen werden muss. Die Kunst besteht darin, eine Grafikkarte zu finden, die die individuellen Leistungsanforderungen zu einem fairen Preis erfüllt. Es bringt wenig, eine teure 4K-Grafikkarte zu kaufen, wenn man nur auf einem FullHD-Monitor spielt, genauso wenig wie eine günstige Einsteigerkarte, wenn man anspruchsvolle Spiele in hoher Auflösung genießen möchte.
Nun benötigt nicht jeder Gamer automatisch die Grafikkarte mit der besten Leistung, sondern die benötigte Leistung ist in erster Linie von den individuellen Anforderungen abhängig. Diese Anforderungen lassen sich oft anhand der gewünschten Bildschirmauflösung und der angestrebten Bildrate pro Sekunde (FPS - Frames Per Second) definieren. Für eine sinnvolle Grafikkarten-Kaufberatung macht es deshalb wohl am meisten Sinn, typische Gamer-Profile festzulegen und die aktuelle Marktsituation (Stand März 2018) anhand dieser zu analysieren.
Die besten Grafikkarten für jeden Gamer-Typ (Stand März 2018)
Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, haben wir die relevanten Grafikkartenmodelle nach typischen Anwendungsfällen und den damit verbundenen Leistungsanforderungen gruppiert. Beachten Sie, dass die Preise im Grafikkartenmarkt im März 2018 aufgrund verschiedener Faktoren, wie z.B. der Nachfrage durch Kryptowährungs-Mining, stark schwanken konnten. Die hier genannten Empfehlungen basieren auf dem damals üblichen Preis-Leistungs-Verhältnis.
Einsteiger: Flüssiges Gaming in FullHD (1080p) bei 30 FPS
Dieses Profil umfasst in erster Linie Gaming-Einsteiger und Gelegenheitszocker. Die Ansprüche in Sachen Grafik und Bildschirmauflösungen sind nicht so hoch, in etwa Konsolen-Niveau sollte es aber schon sein (= FullHD @ 30 FPS). Gleichzeitig ist das Budget hier meistens sehr begrenzt, weshalb das Preis-Leistungs-Verhältnis eine sehr große Bedeutung erhält. Spieler in dieser Kategorie möchten aktuelle Spiele in spielbaren Einstellungen erleben können, ohne ein Vermögen auszugeben. Eine stabile Bildrate um die 30 FPS wird als ausreichend empfunden.
Unsere Empfehlung: NVIDIA GeForce GTX 1050 Ti
Analyse: An der NVIDIA GeForce GTX 1050 Ti führt momentan kein Weg vorbei. Im Einsteiger-Bereich bis etwa 150 Euro bietet die GTX 1050 Ti im Durchschnitt klar die beste Leistung und liegt vor der in etwa gleichteuren AMD Radeon RX 560. Sie bietet genügend Leistung, um die meisten aktuellen Spiele in 1080p mit mittleren bis hohen Einstellungen flüssig darzustellen und dabei meist über 30 FPS zu bleiben. Ihre Effizienz und der moderate Preis machen sie zur idealen Wahl für preisbewusste Gamer.
Untere Mittelklasse: 1080p Gaming mit 60 FPS und mehr
Zu diesem Profil werden alle diejenigen gezählt, die schon regelmäßig zocken und / oder bereits mehr Wert auf die Grafik in Spielen legen. Das Konsolen-Niveau wird hier schon nicht mehr unterschritten und 60 FPS werden bei einer FullHD-Auflösung erwartet. Eine Bildrate von 60 FPS wird von vielen Spielern als deutlich flüssiger und reaktionsschneller empfunden als 30 FPS. Gamer dieses Profils möchten Spiele in 1080p mit hohen bis sehr hohen Einstellungen genießen.
Unsere Empfehlung: NVIDIA GeForce GTX 1060 6GB
Analyse: Eine NVIDIA GeForce GTX 1050 Ti bietet in diesem Bereich schon zu wenig Leistung, da sie nicht in allen Spielen die geforderten 60 FPS schafft. Im Leistungs-Ranking folgen die AMD Radeon RX 470/570, AMD Radeon RX 480/580 und die NVIDIA GeForce GTX 1060. Aus dieser Auswahl ragt die NVIDIA GeForce GTX 1060 6GB mit dem derzeit besten Preis-Leistungs-Verhältnis heraus. Leistungstechnisch liegt die GTX 1060 in etwa gleichauf mit der AMD Radeon RX 580, kostet dabei aber knapp 40 Euro weniger. Die 6GB Videospeicher sind für 1080p-Gaming gut gerüstet und erlauben hohe Texturdetails. Die 3GB-Version der GTX 1060 ist zwar günstiger, aber der größere Speicher der 6GB-Version ist für moderne Spiele oft vorteilhaft und zukunftssicherer.
Obere Mittelklasse: Anspruchsvolles Gaming in WQHD (1440p)
Dieses Profil umfasst alle ambitionierteren Gamer. Das Grafikerlebnis rückt in diesem Bereich immer stärker in der Vordergrund und mit einer FullHD-Auflösung ist es deshalb auch nicht mehr getan. Die WQHD-Auflösung (2560x1440 Pixel) bringt im Vergleich zu 1080p noch einmal ein deutliches Plus in Sachen Bilddetails und Schärfe. Zu bedenken gibt es dabei allerdings, dass auch die Anzahl der Pixel, die bearbeitet werden muss, um fast 80 % ansteigt. Für flüssiges WQHD-Gaming ist also schon wesentlich mehr Grafik-Power Pflicht. Ziel ist hier oft eine flüssige Darstellung mit hohen Einstellungen, idealerweise ebenfalls in Richtung 60 FPS, auch wenn dies nicht in jedem Spiel konstant erreicht werden kann.
Unsere Empfehlung: NVIDIA GeForce GTX 1070 Ti
Analyse: In dieser Leistungsklasse ist AMD mit der RX Vega 56 vertreten. Auf Seiten von NVIDIA kommen die GeForce GTX 1070 und die GeForce GTX 1070 Ti infrage. Leistungsmäßig liegt die GTX 1070 Ti knapp vor der AMD-Konkurrenz, die sich ihrerseits knapp vor der GTX 1070 ansiedelt. Die Leistungsunterschiede sind beim WQHD-Gaming insgesamt relativ gering, so dass der Preis der Grafikkarten stärker in den Fokus rückt. Hier hat die RX Vega 56 gegenüber der NVIDIA-Konkurrenz momentan deutlich das Nachsehen, weshalb wir für WQHD-Gaming derzeit die NVIDIA GeForce GTX 1070 Ti empfehlen. Sie bietet eine exzellente Leistung für 1440p und ist im März 2018 oft die preislich attraktivste Option im obersten Mittelklasse-Segment.
High-End-Klasse: Maximale Grafikpracht in UHD (4K)
In diesem Profil versammeln sich alle Gaming-Enthusiasten und Profi-Zocker. 4K-Gaming ist derzeit technisch gesehen das Maß aller Dinge, denn die Rechenleistung, die für eine flüssige Darstellung des Grafikspektakels nötig ist, ist enorm. Mit viermal so vielen Pixeln wie FullHD stellt 4K (3840x2160 Pixel) die ultimative Herausforderung für jede Grafikkarte dar. Gamer dieses Profils akzeptieren keine Kompromisse bei Grafikqualität und Auflösung und streben nach der bestmöglichen Bildrate, idealerweise nahe oder bei 60 FPS, auch wenn dies bei den anspruchsvollsten Titeln oft nur mit reduzierten Einstellungen möglich ist.
Unsere Empfehlung: NVIDIA GeForce GTX 1080 Ti
Analyse: Flüssiges Spielen in 4K-Auflösung bringt aktuelle Grafikkarten komplett an ihre Grenzen, so dass hier maximale Grafik-Power einfach Pflicht ist. Grundsätzlich kommen in dieser Leistungsklasse deshalb die AMD RX Vega 64, die NVIDIA GeForce GTX 1080 und die NVIDIA GeForce GTX 1080 Ti infrage. Während die RX Vega 64 und die GTX 1080 beim 4K-Gaming absolut an ihre Grenzen gebracht werden und je nach Spiel und Einstellungen auch keine 60 FPS mehr schaffen, ist die GTX 1080 Ti mit dieser Aufgabe deutlich weniger beeindruckt. Leistungstechnisch ist sie noch immer das Maß der Dinge, weshalb sie auch weiterhin unsere Empfehlung der High-End-Klasse bleibt. Sie ist die einzige Karte im März 2018, die eine passable 4K-Performance in den meisten Spielen ermöglicht, oft nahe an der 60-FPS-Marke, wenn auch manchmal mit leichten Abstrichen bei den Ultra-Einstellungen. Ihre Leistung und der große Videospeicher (11 GB GDDR5X) machen sie zur besten Wahl für kompromissloses 4K-Gaming.
Grafikkarten-Vergleichstabelle (Stand März 2018)
Zur besseren Übersicht haben wir die empfohlenen Grafikkarten und ihre typischen Einsatzbereiche in einer Tabelle zusammengefasst:
| Gamer-Typ | Ziel-Auflösung & FPS | Empfohlene Grafikkarte | Alternative(n) | Typisches VRAM |
|---|---|---|---|---|
| Einsteiger | FullHD (1080p) @ 30+ FPS | NVIDIA GeForce GTX 1050 Ti | AMD Radeon RX 560 | 4 GB |
| Untere Mittelklasse | FullHD (1080p) @ 60+ FPS | NVIDIA GeForce GTX 1060 6GB | AMD Radeon RX 580 | 6 GB |
| Obere Mittelklasse | WQHD (1440p) @ 60+ FPS angestrebt | NVIDIA GeForce GTX 1070 Ti | AMD Radeon RX Vega 56, NVIDIA GeForce GTX 1070 | 8 GB |
| High-End | UHD (4K) @ 60+ FPS angestrebt | NVIDIA GeForce GTX 1080 Ti | AMD Radeon RX Vega 64, NVIDIA GeForce GTX 1080 | 11 GB |
Diese Tabelle dient als schnelle Orientierungshilfe, sollte aber immer im Kontext der detaillierten Analysen der einzelnen Gamer-Profile betrachtet werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Beim Kauf einer Grafikkarte tauchen oft ähnliche Fragen auf. Hier beantworten wir einige davon, bezogen auf die Situation im März 2018:
Was bedeutet VRAM und wie viel brauche ich?
VRAM (Video Random Access Memory) ist der Speicher auf der Grafikkarte, der für Texturen, Framebuffer und andere grafische Daten verwendet wird. Je höher die Auflösung und je detaillierter die Texturen in einem Spiel sind, desto mehr VRAM wird benötigt. Für FullHD (1080p) reichen meist 4 GB VRAM aus, wobei 6 GB für anspruchsvollere Spiele und Einstellungen besser sind. Für WQHD (1440p) sind 8 GB empfehlenswert, und für 4K sind 8 GB das Minimum, während 11 GB wie bei der GTX 1080 Ti ideal sind, um Engpässe bei sehr hohen Texturdetails zu vermeiden.
Was ist der Unterschied zwischen FPS und der Bildwiederholrate meines Monitors?
FPS (Frames Per Second) ist die Anzahl der Bilder, die die Grafikkarte pro Sekunde berechnet und ausgibt. Die Bildwiederholrate (Hertz, Hz) Ihres Monitors gibt an, wie oft der Monitor pro Sekunde sein Bild aktualisieren kann. Eine hohe FPS-Zahl ist nur dann wirklich nutzbar, wenn der Monitor eine entsprechend hohe Bildwiederholrate hat (z.B. 144 Hz für über 60 FPS). Ist die FPS-Zahl höher als die Hz-Zahl des Monitors, können Effekte wie Tearing (Bildrisse) auftreten, es sei denn, Technologien wie VSync, G-Sync (NVIDIA) oder FreeSync (AMD) werden verwendet.
Kann meine CPU die Grafikkarte ausbremsen?
Ja, das ist das Konzept des Flaschenhalses. Wenn die CPU nicht schnell genug ist, um die notwendigen Daten für die Grafikkarte aufzubereiten (z.B. Spielmechaniken, KI, Physikberechnungen), muss die Grafikkarte warten, obwohl sie eigentlich schneller rendern könnte. Dies ist besonders in CPU-lastigen Spielen und bei niedrigeren Auflösungen der Fall. Bei höheren Auflösungen wie WQHD und 4K wird die Grafikkarte fast immer zum limitierenden Faktor, sodass die CPU-Leistung weniger kritisch ist, solange sie nicht extrem langsam ist.
Lohnt sich eine teure High-End-Grafikkarte für einen FullHD-Monitor?
Im Allgemeinen nicht. Eine sehr schnelle Grafikkarte wie die GTX 1080 Ti ist für 4K-Auflösungen konzipiert. Auf einem FullHD-Monitor wird ihre volle Leistung nicht abgerufen, da die geringere Pixelanzahl die Karte weniger fordert. Eine günstigere Karte wie die GTX 1060 oder GTX 1070 Ti bietet bereits weit über 60 FPS in FullHD bei maximalen Einstellungen und stellt ein weitaus besseres Preis-Leistungs-Verhältnis dar. Eine High-End-Karte für FullHD wäre überdimensioniert und eine Verschwendung von Budget, das besser in andere Komponenten oder einen höher auflösenden Monitor investiert werden könnte.
Wie wichtig ist die Marke (ASUS, MSI, Gigabyte etc.) bei Grafikkarten?
Die eigentliche GPU (z.B. GTX 1060, RX 580) wird von NVIDIA oder AMD hergestellt. Dritthersteller wie ASUS, MSI, Gigabyte, ZOTAC, EVGA etc. kaufen diese GPUs und bauen sie auf eigene Platinen mit individuellen Kühllösungen und oft leicht erhöhten Taktraten. Die Leistung verschiedener Modelle derselben GPU-Klasse ist in der Regel sehr ähnlich (innerhalb weniger Prozentpunkte). Unterschiede gibt es hauptsächlich bei der Lautstärke und Effizienz des Kühlers, der Verarbeitungsqualität, den Anschlüssen und den Garantieleistungen. Modelle mit besseren Kühlern sind oft etwas teurer, aber leiser und kühler im Betrieb.
Ein Blick nach vorn (Stand März 2018)
Der Grafikkarten-Markt ist wie die gesamte IT-Welt ständigen Veränderungen unterworfen. So kommen regelmäßig neue Grafikkarten auf den Markt und gleichzeitig verändern sich auch die Preise beinahe täglich. Unsere Kaufberatung ist somit stets nur eine Momentaufnahme, basierend auf der Verfügbarkeit und den Preisen im März 2018. Neue Generationen von Grafikkarten werden in Zukunft die Leistung weiter steigern und die hier empfohlenen Modelle potenziell in niedrigere Preisklassen verschieben oder ersetzen. Es lohnt sich daher immer, vor einem Kauf aktuelle Tests und Preisentwicklungen zu prüfen.
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