In der deutschen Sprache gibt es immer wieder Wörter und Wendungen, bei denen wir uns unsicher sind, wie sie richtig geschrieben werden. Gehört ein Ausdruck zusammen oder wird er getrennt? Eine besonders häufige Fehlerquelle, oder besser gesagt, eine Quelle der Unsicherheit, ist die Wendung rund um das Wort „Frage“ in Verbindung mit der Präposition „in“. Konkret geht es um Ausdrücke wie „infrage stellen“, „infrage kommen“ oder „infrage stehen“. Schreibt man diese nun zusammen als „infrage“ oder doch getrennt als „in Frage“?
Die gute Nachricht gleich zu Beginn: In den meisten Fällen haben Sie die Wahl! Die deutsche Rechtschreibung erlaubt hier tatsächlich beide Varianten, die Zusammen- und die Getrenntschreibung.

Zusammen oder getrennt: Wann beides richtig ist
Wenn die Wendung „in Frage“ oder „infrage“ in Verbindung mit einem Verb verwendet wird, um eine Redewendung zu bilden, dann sind in der Regel beide Schreibweisen korrekt. Das betrifft vor allem die sehr gebräuchlichen Verbindungen mit den Verben „stellen“, „kommen“ und „stehen“.
„Infrage stellen“ oder „In Frage stellen“?
Diese Wendung bedeutet, die Gültigkeit, Richtigkeit oder den Wert von etwas anzweifeln oder anzweifeln zu lassen. Man hinterfragt etwas kritisch oder bestreitet es. Hier sind sowohl die Zusammen- als auch die Getrenntschreibung zulässig.
Beispiele:
- Seine Aussage stellte die Glaubwürdigkeit des Zeugen infrage. (Zusammenschreibung)
- Seine Aussage stellte die Glaubwürdigkeit des Zeugen in Frage. (Getrenntschreibung)
- Wir müssen unsere bisherigen Annahmen infrage stellen. (Zusammenschreibung)
- Wir müssen unsere bisherigen Annahmen in Frage stellen. (Getrenntschreibung)
- Die neuen Erkenntnisse stellen die alte Theorie infrage. (Zusammenschreibung)
- Die neuen Erkenntnisse stellen die alte Theorie in Frage. (Getrenntschreibung)
Wie Sie sehen, hat die Wahl der Schreibweise keinen Einfluss auf die Bedeutung der Aussage.
„Infrage kommen“ oder „In Frage kommen“?
Diese Wendung bedeutet, in Betracht gezogen werden, eine Option sein, geeignet sein oder überhaupt erst erwogen werden können. Auch hier sind beide Schreibweisen korrekt.
Beispiele:
- Für die Beförderung kommen mehrere Kandidaten infrage. (Zusammenschreibung)
- Für die Beförderung kommen mehrere Kandidaten in Frage. (Getrenntschreibung)
- Eine Reise nach Italien kommt für uns dieses Jahr nicht infrage. (Zusammenschreibung)
- Eine Reise nach Italien kommt für uns dieses Jahr nicht in Frage. (Getrenntschreibung)
- Seine Erfahrung ließ ihn für die Position infrage kommen. (Zusammenschreibung)
- Seine Erfahrung ließ ihn für die Position in Frage kommen. (Getrenntschreibung)
Auch hier bleibt die Bedeutung unverändert.
„Infrage stehen“ oder „In Frage stehen“?
Diese Wendung bedeutet, ungewiss sein, bezweifelt werden, gefährdet sein oder zur Disposition stehen. Auch in diesem Fall sind beide Schreibweisen korrekt.
Beispiele:
- Die Zukunft des Unternehmens steht infrage. (Zusammenschreibung)
- Die Zukunft des Unternehmens steht in Frage. (Getrenntschreibung)
- Ob der Plan aufgeht, steht noch infrage. (Zusammenschreibung)
- Ob der Plan aufgeht, steht noch in Frage. (Getrenntschreibung)
- Die Finanzierung des Projekts steht infrage. (Zusammenschreibung)
- Die Finanzierung des Projekts steht in Frage. (Getrenntschreibung)
Egal, ob Sie sich für die zusammen- oder die getrennte Schreibung entscheiden, die Aussage bleibt dieselbe.
Die Empfehlung des Dudens und die Praxis
Obwohl beide Schreibweisen – „infrage“ und „in Frage“ – in Verbindung mit Verben wie „stellen“, „kommen“ und „stehen“ grammatisch korrekt sind, gibt es eine Tendenz in der Verwendung. Der Duden, als maßgebendes Nachschlagewerk für die deutsche Sprache, empfiehlt die Zusammenschreibung. Dies führt dazu, dass die Form „infrage“ in Texten häufiger anzutreffen ist als „in Frage“. Wenn Sie unsicher sind oder einfach auf Nummer sicher gehen möchten, können Sie sich an der Duden-Empfehlung orientieren. Allerdings begegnen Ihnen beide Formen und beide sind, wie gesagt, richtig.
Wann nur die Zusammenschreibung korrekt ist: Der Fall der Nomen
Es gibt jedoch einen Fall, in dem die Getrenntschreibung definitiv falsch ist und nur die Zusammenschreibung korrekt ist. Dies ist der Fall, wenn die Wendung „infrage“ als Teil eines Nomens verwendet wird. Solche Nomen werden aus den oben genannten Verbindungen gebildet und großgeschrieben.
Beispiele für solche Nomen sind:
- das Infragestellen (vom Verb „infrage stellen“)
- das Infragekommen (vom Verb „infrage kommen“)
- das Infragestehen (vom Verb „infrage stehen“)
Sie erkennen diese Nomen daran, dass man in der Regel einen Artikel (wie „das“) davor setzen kann oder sie an anderer Stelle im Satz als Subjekt oder Objekt fungieren, wo normalerweise Nomen stehen.
Beispiele:
- Das ständige Infragestellen der Regeln führte zu Konflikten. (Richtig ist nur Zusammenschreibung)
- Sein Infragekommen für die Rolle überraschte viele. (Richtig ist nur Zusammenschreibung)
- Das Infragestehen seiner Loyalität belastete die Beziehung. (Richtig ist nur Zusammenschreibung)
In diesen Fällen ist die Getrenntschreibung („In Frage stellen“, „In Frage kommen“, „In Frage stehen“) falsch, da es sich um substantivierte Verben handelt, die als feste Begriffe zusammengeschrieben werden.

Vergleichstabelle: Zusammen vs. Getrennt
Um die Regeln zu verdeutlichen, hier eine kleine Übersicht:
| Form | Kontext | Zusammenschreibung | Getrenntschreibung | Empfehlung Duden | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|---|
| infrage / in Frage + Verb (stellen, kommen, stehen) | Verbale Redewendung | Richtig | Richtig | Zusammenschreibung | Anzweifeln, in Betracht kommen, ungewiss sein |
| Infragestellen, Infragekommen, Infragestehen | Substantiv (Nomen) | Richtig | Falsch | Zusammenschreibung | Der Vorgang des Anzweifelns, das Inbetrachtkommen, der Zustand der Ungewissheit |
Ähnliche Fälle in der deutschen Rechtschreibung
Der Fall von „infrage“ und „in Frage“ ist kein Einzelfall in der deutschen Rechtschreibung, bei dem sowohl die Zusammen- als auch die Getrenntschreibung korrekt sein kann, zumindest in bestimmten Kontexten. Es gibt weitere Wendungen, bei denen ähnliche Regeln gelten oder galten (manche Regeln haben sich über die Zeit verändert). Einige bekannte Beispiele, bei denen ebenfalls Unsicherheit bestehen kann, sind:
- aufgrund / auf Grund: Beide Schreibweisen sind korrekt. „aufgrund“ (zusammen) ist die häufigere und oft empfohlene Form.
- mithilfe / mit Hilfe: Auch hier sind beide Varianten zulässig. „mithilfe“ (zusammen) wird ebenfalls oft bevorzugt.
- kennenzulernen / kennen zu lernen: Nach der aktuellen Rechtschreibung sind beide Schreibweisen erlaubt, wenn „kennenlernen“ im Infinitiv mit „zu“ steht.
Diese Beispiele zeigen, dass die deutsche Rechtschreibung an einigen Stellen Wahlmöglichkeiten bietet. Dies kann zwar zu Unsicherheit führen, bedeutet aber auch, dass man in vielen Fällen keinen Fehler macht, solange man sich an die grundlegenden Regeln hält (z. B. die Großschreibung bei Nomen).
Die Bedeutung der Redewendungen im Detail
Um das Thema abzurunden und die Anwendung der Schreibweisen besser zu verstehen, lohnt es sich, die Bedeutung der einzelnen Redewendungen noch einmal genauer zu betrachten.
Was bedeutet „etwas infrage stellen“?
Wenn Sie etwas „infrage stellen“, dann äußern Sie Zweifel daran oder fordern eine Begründung oder Überprüfung. Es geht darum, den Status quo zu hinterfragen oder eine Behauptung nicht einfach hinzunehmen. Es ist ein Ausdruck kritischen Denkens oder des Anzweifelns.
Beispiele:
- Der Journalist stellte die offiziellen Angaben infrage. (Er zweifelte sie an.)
- Ihre plötzliche Krankheit stellte die Durchführung der Veranstaltung in Frage. (Sie machte die Durchführung unsicher/zweifelhaft.)
- Kinder stellen oft die Autorität ihrer Eltern infrage. (Sie zweifeln an ihrer Autorität oder hinterfragen sie.)
Was bedeutet „etwas/jemand kommt infrage“?
Wenn etwas oder jemand „infrage kommt“, bedeutet das, dass es oder er als Möglichkeit oder Option in Betracht gezogen wird. Es ist eine potenzielle Wahl oder Lösung.
Beispiele:
- Für die Stelle als Teamleiter kommen mehrere Bewerber infrage. (Sie sind mögliche Kandidaten.)
- Als Reiseziel für den Sommer kommt nur das Meer in Frage. (Andere Ziele sind keine Option.)
- Diese Methode kommt für unser Experiment nicht infrage, sie ist zu ungenau. (Sie ist keine geeignete Methode.)
Was bedeutet „etwas steht infrage“?
Wenn etwas „infrage steht“, dann ist seine Existenz, seine Fortsetzung oder sein Erfolg unsicher. Es ist gefährdet oder seine Zukunft ist ungewiss.
Beispiele:
- Nach dem Skandal steht sein Ruf infrage. (Sein Ruf ist gefährdet/zweifelhaft.)
- Die Finanzierung des Projekts steht in Frage. (Es ist unsicher, ob die Finanzierung zustande kommt.)
- Ob die Verhandlungen erfolgreich sein werden, steht noch völlig infrage. (Der Erfolg ist ungewiss.)
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was bedeutet die Redewendung „in Frage stellen“?
„In Frage stellen“ (oder „infrage stellen“) bedeutet, etwas anzweifeln, seine Richtigkeit oder Gültigkeit hinterfragen oder bestreiten.
Ist „infrage gestellt“ oder „in Frage gestellt“ richtig?
In der Verbindung mit dem Verb „stellen“ sind beide Schreibweisen korrekt: „infrage gestellt“ und „in Frage gestellt“. Die Zusammenschreibung wird vom Duden empfohlen.
Wann muss man „infrage“ zusammenschreiben?
Die Zusammenschreibung ist zwingend vorgeschrieben, wenn „Infrage“ Teil eines Nomens ist, wie bei „das Infragestellen“, „das Infragekommen“ oder „das Infragestehen“.
Kann ich immer die Zusammenschreibung „infrage“ verwenden?
Wenn Sie die Wendung mit einem Verb (stellen, kommen, stehen) verwenden, ja, die Zusammenschreibung ist immer korrekt und wird vom Duden empfohlen. Wenn es sich um ein Nomen handelt (z.B. das Infragestellen), müssen Sie die Zusammenschreibung verwenden.
Gibt es einen Bedeutungsunterschied zwischen „infrage“ und „in Frage“?
Nein, wenn die Wendung mit einem Verb verwendet wird, gibt es keinen Bedeutungsunterschied zwischen der zusammen- und der getrennten Schreibung.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rechtschreibung von „infrage“ und „in Frage“ einfacher ist, als viele denken. Bei den gängigen Redewendungen mit Verben wie „stellen“, „kommen“ und „stehen“ haben Sie die Wahl zwischen der Zusammen- und der Getrenntschreibung. Beide sind richtig, auch wenn der Duden die Zusammenschreibung „infrage“ bevorzugt. Die einzige Ausnahme, bei der Sie unbedingt die Zusammenschreibung verwenden müssen, ist, wenn „Infrage“ Teil eines Nomens ist, wie bei „das Infragestellen“. Mit dieser einfachen Regel können Sie nun sicher sein, die richtige Form zu verwenden, egal ob Sie etwas infrage stellen oder ob etwas infrage kommt!
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