Alamy hat sich als bedeutender Akteur auf dem globalen Markt für Stockfotografie etabliert. Mit einer riesigen Bibliothek an Bildern, Videos und Vektorgrafiken zieht die Plattform Nutzer aus verschiedensten Branchen an, vom Verlagswesen über die Werbung bis hin zur allgemeinen Öffentlichkeit. Doch neben dem Angebot an visuellem Material ist Alamy in der Digitalbranche auch für einen anderen, weitaus kontroverseren Aspekt bekannt: aggressive Abmahnungen wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen, die oft von der dänischen Firma Copyright Agent im Auftrag von Alamy versendet werden. Diese Praxis wirft Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf die geforderten Summen, die in keinem Verhältnis zu den regulären Lizenzkosten der Bilder auf Alamy selbst stehen.

Was sind Alamy Bilder und woher stammen sie?
Alamy ist ein britischer Anbieter von Stockfotografie, der 1999 gegründet wurde und seit 2020 zur renommierten PA Media Group gehört. Die Plattform zeichnet sich durch eine außerordentlich umfangreiche Bibliothek aus, die weit über 200 Millionen visuelle Medien umfasst. Darunter finden sich Fotos, Vektorgrafiken, Videos und sogar 360-Grad-Panoramabilder. Diese riesige Sammlung wird gespeist aus den Beiträgen eines globalen Netzwerks von über 100.000 Fotografen, zahlreichen Bildagenturen und Archiven aus rund 150 Ländern. Täglich laden Teilnehmer bis zu 100.000 neue Inhalte hoch.
Interessanterweise nimmt Alamy auch Dateien auf, die aus Wikimedia Commons kopiert wurden und unter sogenannten „public domain“-Lizenzen stehen, also frei verwendet werden dürfen. Dies ist ein Punkt, der im Zusammenhang mit den späteren Abmahnungen noch relevant wird. Die Kunden von Alamy kommen aus den Bereichen Bildredaktion, Verlagswesen, Design, Werbung und den Massenmedien weltweit.
Alamy unterhält Büros in Großbritannien (Hauptsitz), Indien (Entwicklung und Betrieb) und den USA (Vertrieb). Die Geschichte des Unternehmens ist geprägt von Wachstum, technologischen Innovationen wie virtuellen CDs und mobilen Bildübertragungen, sowie der Auszahlung von über 100 Millionen Dollar an seine Bildgeber bis 2012.
Die wahren Kosten: Was kostet ein Bild bei Alamy?
Bevor wir uns den Abmahnungen zuwenden, ist es wichtig zu verstehen, welche Kosten für die legale Nutzung eines Bildes von Alamy auf der Plattform selbst anfallen. Die Preisstruktur bei Alamy ist transparent, zumindest wenn man eine Lizenz direkt erwirbt. Die Kosten hängen in der Regel von der Art der Nutzung und der Bildgröße ab, aber Alamy bietet auch Pauschalpreise an, insbesondere für einzelne Lizenzen oder Bildpakete.
Für die Einzelplatz-Lizenzierung eines Bildes, also wenn man ein Bild gezielt auswählt und erwirbt, beträgt der Pauschalpreis auf der Website von Alamy aktuell EUR 40.00. Dieser Preis gilt für die Nutzung in bestimmten Kontexten, wie zum Beispiel auf einer Website.
Wer einen größeren Bedarf hat, kann von Bildpaketen profitieren. Als „Best Value“ wird oft das „25 Image Pack“ beworben. Beim Kauf dieses Pakets reduziert sich der Preis pro Bild erheblich. Hier fallen pauschal EUR 9.20 pro Bild an.
Diese Preise spiegeln die Kosten wider, die ein Nutzer für die legale, lizenzierte Verwendung eines Bildes auf der Alamy-Plattform entrichten würde. Sie dienen als wichtiger Referenzpunkt, wenn man die Forderungen betrachtet, die im Rahmen von Abmahnungen gestellt werden.
Die Kehrseite: Abmahnungen durch Copyright Agent
Die Bekanntheit von Alamy rührt leider nicht nur von seiner umfangreichen Bildbibliothek her, sondern auch von den eingangs erwähnten Abmahnungen. Alamy beauftragt die dänische Firma Copyright Agent damit, potenzielle Urheberrechtsverletzungen im Internet aufzuspüren und die betreffenden Nutzer abzumahnen. Diese Abmahnungen werden typischerweise per E-Mail versendet.
In den E-Mails von Copyright Agent wird dem Empfänger vorgeworfen, geschütztes Bildmaterial verwendet zu haben, an dem Alamy die Vertriebsrechte hält. Es wird behauptet, dass Alamy die exklusiven Rechte zur Vergütung des betreffenden Bildes besitzt. Die E-Mail dient dazu, festzustellen, ob eine erforderliche Lizenz für die Nutzung des Bildes erworben wurde, da angeblich kein Verkauf einer Lizenz für die Nutzung auf der betreffenden Domain ausfindig gemacht werden konnte.
Gleichzeitig erhebt Copyright Agent sofort „Ansprüche […] auf Beseitigung, Unterlassung der Nutzung und Zahlung eines Entschädigungsbetrages“, falls keine gültige Lizenz vorliegt. Die rechtlichen Erläuterungen in den Schreiben sind oft knapp und standardisiert. Es wird lediglich pauschal auf das Urheberrechtsgesetz verwiesen, wonach das Bildmaterial die Anforderungen einer „geistigen Schöpfung“ erfülle und geschützt sei.
Das Vorgehen erinnert stark an das anderer Akteure im Bereich der Bildrechtsverfolgung wie COPYTRACK oder PicRights. Abgewickelt werden die Forderungen über ein spezielles Online-Portal von Copyright Agent.

Wie begründet Alamy die hohen Forderungen?
Der springende Punkt, der die Abmahnungen von Copyright Agent im Auftrag von Alamy so kontrovers macht, sind die geforderten Summen. Diese bewegen sich häufig im dreistelligen Frankenbereich (oder äquivalent in anderen Währungen) und liegen damit signifikant über den Preisen, die Alamy selbst für die Lizenzierung der Bilder verlangt.
Alamy versucht, die Höhe dieser Forderungen zu begründen, allerdings oft in fehlerhaftem Deutsch. Die Erklärung läuft auf eine „Fiktive Lizenz Berechnung“ hinaus. Diese Berechnung soll sich angeblich nach der Art der Webseite und der Dauer der Veröffentlichung des Bildes zusammensetzen. Als Grundlage werden die Kosten aus der Liste der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (mfm-Liste) herangezogen. Weiter wird behauptet, dass laut den AGBs deutscher Bildagenturen Verstöße normalerweise mit dem 5-fachen der Kosten der mfm-Liste oder nach dem ursprünglichen Honorar berechnet werden.
Diese Begründung ist aus mehreren Gründen fragwürdig. Erstens ist die Heranziehung der mfm-Liste, die eher Richtwerte für professionelle Fotografie in Deutschland liefert, nicht zwingend für eine britische Bildagentur mit globalen Kunden und variierenden Lizenzmodellen. Zweitens steht die Forderung, das 5-fache der mfm-Liste oder ein fiktives ursprüngliches Honorar zu zahlen, in krassestem Widerspruch zu den tatsächlichen Preisen, die Alamy für dasselbe Bild auf seiner eigenen Website anbietet. Wie wir gesehen haben, kostet ein einzelnes Bild dort EUR 40,00 oder im Paket sogar nur EUR 9,20. Die von Copyright Agent geforderten dreistelligen Beträge bedeuten, dass das Bildmaterial im Rahmen der Abmahnung plötzlich um das Zehnfache oder sogar mehr „wertvoller“ sein soll als bei einem regulären Kauf. Dies erweckt den Eindruck, dass bewusst ein hoher Betrag gefordert wird, um den Abgemahnten unter Druck zu setzen und zur schnellen Zahlung zu bewegen.
Fragwürdige Praktiken und Zweifel an den Rechten
Die Praktiken von Alamy und Copyright Agent stehen in der Kritik. Neben den überzogenen Forderungen gibt es auch Zweifel an der Legitimation und den Rechten, die Alamy geltend macht.
Alamy behauptet, die Rechte am abgemahnten Bildmaterial zu besitzen und zur Geltendmachung von Ansprüchen berechtigt zu sein, oft untermauert durch einen sogenannten „Letter of Authorisation“. Dieser Brief wird von einer Person unterzeichnet, die bei Alamy als „Infringements Manager“ oder „Additional Revenues Manager“ geführt wird. Es bleibt jedoch unklar, inwieweit eine Person in einer solchen Position tatsächlich zeichnungsberechtigt ist, um rechtliche Schritte oder Forderungen in diesem Ausmaß im Namen des Unternehmens oder der Muttergesellschaft PA Media Group zu autorisieren. Ein solcher Brief stellt zunächst nur eine Behauptung in eigener Sache dar und ist kein unwiderleglicher Beweis für die Berechtigung der Forderung.
Hinzu kommt die in der deutschsprachigen Wikipedia erwähnte Problematik, dass die Inhaber der Urheberrechte oft nicht klar erkennbar sind. Dies führt dazu, dass unklar sein kann, ob Alamy überhaupt rechtmäßig die Vertriebsrechte hält und Gebühren für das jeweilige Bild erheben darf. Für Nutzer besteht dadurch das Risiko, dass sie möglicherweise von den eigentlichen Urheberrechtsinhabern verklagt werden könnten, selbst wenn sie an Alamy gezahlt haben, oder dass sie Gebühren für Bilder zahlen, für die gar keine Copyright-Ansprüche bestehen oder die sogar gemeinfrei sind. Die englischsprachige Wikipedia geht noch weiter und berichtet, dass Alamy manchmal Geld für Bilder fordert, die frei verwendet werden dürfen (Public Domain). Dies wird als Copyfraud bezeichnet und wäre eine besonders problematische Praxis.
Diese Umstände – die überhöhten Forderungen, die fragwürdige Begründung, die unklare Berechtigung und die potenzielle Geltendmachung von Rechten an gemeinfreiem Material – tragen zum Ruf von Alamy als Anbieter mit fragwürdigen Geldforderungen bei.
Wie reagiere ich auf eine Abmahnung von Copyright Agent?
Wenn Sie eine Abmahnung von Copyright Agent im Auftrag von Alamy erhalten, ist es entscheidend, besonnen und strukturiert zu reagieren. Panik oder eine überstürzte Zahlung sind in den meisten Fällen nicht ratsam und können Ihnen schaden.
- Nichts überstürzen! Leisten Sie keinesfalls sofort die geforderte Zahlung und geben Sie auch keine unnötigen Informationen an Copyright Agent weiter. Jede unbedachte Handlung oder Aussage kann gegen Sie verwendet werden.
- Sachverhalt dokumentieren! Wenn Sie das abgemahnte Bild tatsächlich verwendet haben, sichern Sie Beweise. Speichern Sie das Bildmaterial selbst und machen Sie Screenshots von der Stelle, an der es verwendet wurde (z.B. auf Ihrer Website). Dokumentieren Sie, wann und wo das Bild verwendet wurde. Löschen Sie das Bildmaterial danach vorsorglich und vollständig von Ihrer Website oder anderen Plattformen.
- Abmahnung sorgfältig prüfen! Die Abmahnungen von Copyright Agent basieren oft auf standardisierten Texten und berücksichtigen den Einzelfall nicht ausreichend. Die rechtlichen Argumente können schwach sein. Prüfen Sie die Vorwürfe und die Höhe der Forderung genau. Stimmen die Angaben zum Bild? Stimmt die angebliche Nutzungsdauer? Wurde das Bild tatsächlich von Ihnen verwendet?
- Unterstützung rechtzeitig suchen! Die rechtliche Materie des Urheberrechts kann komplex sein. Wenn Sie nicht über die nötige Erfahrung und das Fachwissen verfügen, um die Rechtmäßigkeit und Angemessenheit der Forderung zu beurteilen, riskieren Sie, ungerechtfertigt zu zahlen oder Fehler in der Kommunikation mit Copyright Agent zu machen. Es ist in den meisten Fällen ratsam, sich frühzeitig von einer erfahrenen und unabhängigen Fachperson, idealerweise einem auf Urheberrecht spezialisierten Anwalt, beraten und unterstützen zu lassen. Ein Anwalt kann die Abmahnung juristisch prüfen, die Berechtigung der Forderung einschätzen und die Kommunikation mit Copyright Agent übernehmen.
Vergleich der Kosten: Alamy Website vs. Abmahnung
Um die Diskrepanz zwischen den offiziellen Preisen und den Abmahnungsforderungen zu verdeutlichen, hier eine kleine Tabelle:
| Szenario | Kosten pro Bild bei Alamy.com | Geforderte Kosten pro Bild bei Abmahnung (Schätzung) |
|---|---|---|
| Einzelbild-Lizenz | ca. EUR 40.00 | Dreistelliger CHF-Bereich (oft EUR 300+), Faktor 10+ |
| Bild aus 25er Paket | ca. EUR 9.20 | Dreistelliger CHF-Bereich (oft EUR 300+), Faktor 30+ |
Diese Tabelle macht deutlich, dass die via Copyright Agent geforderten Summen in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Preisen stehen, die Alamy selbst für die legale Nutzung seiner Bilder verlangt.
Häufig gestellte Fragen zu Alamy Abmahnungen
- Wer ist Copyright Agent?
Copyright Agent ist eine dänische Firma, die von Bildagenturen wie Alamy beauftragt wird, das Internet nach unlizenziert genutztem Bildmaterial zu durchsuchen und die vermeintlichen Verletzer abzumahnen und zur Zahlung aufzufordern. - Warum sind die Forderungen in den Abmahnungen so viel höher als die Alamy-Preise?
Alamy begründet dies mit einer „Fiktiven Lizenz Berechnung“ basierend auf der mfm-Liste und einem Strafzuschlag (z.B. 5x mfm Kosten). Kritiker sehen darin den Versuch, durch überhöhte Forderungen Druck auf die Abgemahnten auszuüben und eine schnelle Zahlung zu erzwingen, da die geforderten Summen weit über den tatsächlichen Lizenzkosten liegen. - Ist der „Letter of Authorisation“ von Alamy immer gültig?
Der Letter of Authorisation ist eine interne Behauptung von Alamy, dass die unterzeichnende Person berechtigt ist, Ansprüche geltend zu machen. Die rechtliche Gültigkeit und ob die unterzeichnende Person tatsächlich umfassend zeichnungsberechtigt ist, kann im Einzelfall unklar sein und sollte geprüft werden. - Was passiert, wenn das abgemahnte Bild aus Wikimedia Commons stammt oder gemeinfrei ist?
Alamy nimmt auch gemeinfreie Bilder in seine Datenbank auf. Wenn das abgemahnte Bild tatsächlich gemeinfrei ist oder unter einer freien Lizenz steht, die die Nutzung erlaubt, ist die Abmahnung unberechtigt. Dies ist ein Beispiel für potenziellen Copyfraud. Eine sorgfältige Prüfung des Bildes und seiner Herkunft ist daher wichtig. - Muss ich sofort zahlen, wenn ich eine Abmahnung von Copyright Agent erhalte?
Nein. Es ist ratsam, die Abmahnung nicht zu überstürzen, sondern den Sachverhalt sorgfältig zu prüfen, Beweise zu sichern, das Bild zu entfernen und gegebenenfalls rechtliche Beratung einzuholen, bevor Sie auf die Forderung reagieren oder zahlen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Alamy zwar eine beeindruckende Bildbibliothek anbietet, aber die Praxis der Abmahnungen durch Copyright Agent mit überhöhten Forderungen und fragwürdigen Begründungen Anlass zur Sorge gibt. Nutzer, die eine solche Abmahnung erhalten, sollten sich nicht einschüchtern lassen, sondern den Sachverhalt genau prüfen und im Zweifelsfall professionelle Hilfe suchen, um ihre Rechte zu wahren und ungerechtfertigte Zahlungen zu vermeiden.
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