Die Namen Lumière sind untrennbar mit den Anfängen der Fotografie und vor allem des Kinos verbunden. Auguste und Louis Lumière waren nicht nur geniale Erfinder, sondern auch erfolgreiche Unternehmer, die das visuelle Medium revolutionierten. Ihre Geschichte beginnt im Schatten des väterlichen Betriebs, wächst zu einem florierenden Geschäft heran und mündet schließlich in Erfindungen, die unsere Art, Bilder festzuhalten und zu erleben, grundlegend veränderten.

Ihr Vater, Claude Antoine Lumière, begann seine Laufbahn als Schriftenmaler, wandte sich aber bald der aufkommenden Fotografie zu. 1870 ließ sich die Familie in Lyon nieder, wo Claude Antoine erfolgreich als Porträtfotograf arbeitete. Er erkannte das Potenzial verbesserter fotografischer Materialien und experimentierte mit der Herstellung von Gelatine-Trockenplatten. Die entscheidende Lösung fand jedoch sein Sohn Louis, der nach nur fünf Monaten Arbeit eine deutlich empfindlichere Platte entwickelte als die damals verfügbaren. Diese Innovation war der Grundstein für ihren späteren Erfolg.
Vom Fotoplatten-Geschäft zum Weltruhm
Die Nachfrage nach Louis' verbesserten Platten wuchs schnell. Ab 1882 stiegen Louis und Auguste gemeinsam in die Fabrikation fotografischer Platten ein – genau das Geschäft, das ihrem Vater vorschwebte. Ihr Unternehmen florierte. Bis 1894 hatten die Brüder Lumière eine beeindruckende Produktion von rund 15 Millionen Fotoplatten pro Jahr erreicht und beschäftigten bereits 300 Arbeiter. Dieser wirtschaftliche Erfolg verschaffte ihnen die Basis für weitere Forschungen und Entwicklungen.
Es war in diesem Jahr, 1894, als die Brüder durch den Chefmechaniker ihrer Fabrik, Charles Moisson, mit Thomas Edisons Kinetoskop in Berührung kamen. Die Beschreibung dieser Guckkastenmaschine inspirierte Louis und Auguste dazu, über die Kombination von Animation und Projektion nachzudenken. Sie wollten bewegte Bilder nicht nur für einzelne Betrachter zugänglich machen, sondern einem Publikum auf einer Leinwand präsentieren.
Die Geburt des Kinos: Der Cinématographe
Louis Lumière fand die technische Lösung für dieses Problem. Seine Erfindung, der Cinématographe, war ein bemerkenswert vielseitiges Gerät. Es diente nicht nur als Kamera zum Aufnehmen bewegter Bilder, sondern auch als Kopiermaschine und, was am wichtigsten war, als Projektor. Dieses Multifunktionsgerät revolutionierte die Möglichkeiten, Filme zu erstellen und vorzuführen.
Die erste Vorführung des Cinématographe fand am 22. März 1895 statt. Es war eine Präsentation vor einem geschlossenen Publikum in der Société d’encouragement pour l’industrie nationale in Paris. Gezeigt wurde eine frühe Fassung des Films „Arbeiter verlassen die Lumière-Werke“.
Es folgten weitere private Vorführungen. Am 10. Juni 1895 präsentierten die Brüder auf dem „Congrès des Sociétés photographiques de France“ bereits acht Kurzfilme, darunter Titel wie „Place des Cordeliers à Lyon“, „Schmiede an der Arbeit“, „Bébé beim Fischfang“, „Eine Feuersbrunst“ und „Babys Frühstück“. Diese frühen Filme zeigten alltägliche Szenen und dokumentierten das Leben ihrer Zeit.
Die erste öffentliche, zahlende Vorstellung
Der historische Moment, der oft als Geburtsstunde des Kinos gilt, ereignete sich am 28. Dezember 1895. Im Grand Café am Boulevard des Capucines in Paris fand die erste öffentliche Filmvorführung vor zahlendem Publikum statt. Angestellte der Brüder Lumière zeigten mit dem Cinématographe zehn selbstgedrehte Kurzfilme. Die gesamte Vorstellung dauerte etwa 20 Minuten, wobei jeder Film durchschnittlich eine Minute lang war.
Zu den gezeigten Filmen gehörten erneut „Arbeiter verlassen die Lumière-Werke“ sowie der berühmte Streifen „Der begossene Gärtner“, eine frühe Form der Filmkomödie.

Der Zug, der Panik auslöste?
Ein weiterer Film, der an diesem Abend im Grand Café gezeigt wurde und Legendenbildung befeuerte, war „Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat“. Es wird oft berichtet, dass Zuschauer in Panik aus dem Saal flüchteten, weil sie glaubten, der auf sie zufahrende Zug würde gleich in das Café krachen. Diese Geschichte gilt heute jedoch eher als moderne Sage oder Ausschmückung, möglicherweise zu Werbezwecken.
Medienwissenschaftler wie Johannes Binotto, in Anlehnung an den Filmhistoriker Tom Gunning, argumentieren, dass die Wirkung des Films weniger auf der Furcht vor einem realen Zug beruhte, sondern vielmehr auf der schieren Attraktion und dem Schrecken, den das neue Medium selbst hervorrief. Das Publikum war fasziniert und zugleich überwältigt von der realistischen Darstellung eines offensichtlich irrealen Bildes.
Unter den Zuschauern dieser historischen Vorstellung im Grand Café befand sich auch Georges Méliès, ein Theaterbetreiber, der später selbst zu einem Pionier des Films, insbesondere des narrativen und Trickfilms, werden sollte.
Die öffentliche Vorführung in Paris war ein durchschlagender Erfolg. In den folgenden Wochen strömten täglich Tausende von Zuschauern in das Café, um die bewegten Bilder zu sehen. Die Brüder Lumière schickten bald geschulte Kameramänner und Vorführer in Städte auf der ganzen Welt, um ihre Filme zu zeigen und neue Szenen aufzunehmen. So entstanden frühe Wochenschauen und Dokumentationen.
Nachdem sie das Kino etabliert hatten, verkauften die Brüder Lumière 1905 ihr Patent für den Cinématographe an Charles Pathé, der die Industrialisierung der Filmproduktion und -distribution weiter vorantrieb.
Ein weiterer Meilenstein: Die Farbfotografie
Obwohl der Cinématographe ihre berühmteste Erfindung ist, leisteten die Brüder Lumière auch bedeutende Beiträge zur Fotografie abseits des Films. Bereits seit 1903 entwickelten sie ein Verfahren zur Farbfotografie, das sie 1907 vorstellten: die Autochromplatten.
Dieses Verfahren basierte auf einem additiven Rasterverfahren, dessen Prinzip ursprünglich von Henri Joseph Joly 1893 entwickelt worden war. Die Autochromplatten waren mit mikroskopisch kleinen, eingefärbten Stärkekörnchen aus Kartoffeln beschichtet – in den Farben Orangerot, Grün und Violett. Diese Körnchen dienten als feiner Farbfilter. Darüber befand sich eine Bromsilber-Gelatine-Emulsion.
Beim Fotografieren passierte das Licht zunächst die farbigen Stärkekörnchen, bevor es auf die Emulsion traf. Nach der Entwicklung (einer Umkehrentwicklung) entstand ein positives Bild, bei dem jedes Körnchen wie ein winziger Farbpunkt wirkte und so ein farbiges Gesamtbild erzeugte. Die Autochromplatten waren das erste wirklich praktikable und kommerziell erfolgreiche Verfahren der Farbfotografie.

Die Herstellung der Autochromplatten wurde erst 1932 eingestellt, als neuere Technologien wie Dreischichtenfarbfilme (Agfa, Kodak Kodachrome ab 1914) auf den Markt kamen, die einfacher zu handhaben waren.
Fazit
Die Gebrüder Lumière waren Pioniere, deren Arbeit sowohl die Fotografie als auch das Kino nachhaltig prägte. Von der Verbesserung der Fotoplatten, über die Erfindung des Cinématographe und die Etablierung der ersten Filmvorführungen bis hin zur Entwicklung der Autochromplatten für die Farbfotografie – ihre Beiträge sind Meilensteine in der Geschichte der visuellen Medien. Sie legten den Grundstein für das, was wir heute als Film und moderne Farbfotografie kennen.
Häufig gestellte Fragen zu den Gebrüdern Lumière
Was haben die Brüder Lumière erfunden?
Die Gebrüder Lumière haben mehrere wichtige Dinge erfunden oder maßgeblich weiterentwickelt. Ihre bekannteste Erfindung ist der Cinématographe, ein Gerät, das gleichzeitig als Kamera, Kopiermaschine und Projektor für bewegte Bilder diente und die Grundlage für das Kino legte. Sie entwickelten auch verbesserte Gelatine-Trockenplatten für die Fotografie und waren maßgeblich an der Entwicklung und Einführung der Autochromplatten beteiligt, dem ersten kommerziell erfolgreichen Verfahren der Farbfotografie.
Wofür sind die Brüder Lumière berühmt?
Sie sind vor allem berühmt als Pioniere des Kinos. Sie entwickelten den Cinématographe und organisierten die erste öffentliche, zahlende Filmvorführung der Welt im Grand Café in Paris am 28. Dezember 1895. Ihr Film „Arbeiter verlassen die Lumière-Werke“ wird oft als der erste Film überhaupt angesehen. Darüber hinaus sind sie auch für ihre Autochromplatten bekannt, die einen wichtigen Schritt in der Geschichte der Farbfotografie darstellten.
Was war der berühmteste Film der Lumière-Brüder?
Zwei ihrer frühen Filme sind besonders berühmt geworden: „Arbeiter verlassen die Lumière-Werke“ (La Sortie des ouvriers de l’usine Lumière), oft als erster Film der Geschichte bezeichnet, und „Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat“ (L’Arrivée d’un train en gare de La Ciotat). Letzterer ist besonders bekannt wegen der Legende, dass er beim Publikum Panik auslöste, obwohl seine tatsächliche Wirkung wohl eher in der Faszination für das neue Medium lag.
Wann fand die erste öffentliche Filmvorführung der Lumière-Brüder statt?
Die erste öffentliche Vorführung vor zahlendem Publikum fand am 28. Dezember 1895 im Grand Café in Paris statt.
Wann wurden die Autochromplatten eingeführt?
Die Autochromplatten für die Farbfotografie, die die Brüder Lumière entwickelten, wurden 1907 vorgestellt, basierend auf Entwicklungsarbeiten, die bereits 1903 begonnen hatten.
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