Warum ging Max Bahr pleite?

Das Ende von Max Bahr: Eine Analyse der Insolvenz

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Die Baumarkt Max Bahr GmbH & Co. KG war über viele Jahrzehnte hinweg eine feste Größe im deutschen Einzelhandel für Bau- und Gartenbedarf. Doch im Jahr 2013 folgte das jähe Ende. Die Frage, warum ein scheinbar etabliertes Unternehmen in die Knie ging, ist komplex und eng mit der Geschichte seines Mutterkonzerns verbunden. Bis zum 25. Februar 2014 betrieb Max Bahr eine Kette von Bau- und Gartenmärkten in Deutschland, zuletzt unter dem Dach der Praktiker AG. Der Unternehmenssitz befand sich in Hamburg.

Wann schloss Max Bahr?
Max Bahr war ein Baumarkt in Cuxhaven. Der Baumarkt an der Grodener Chaussee wurde am 21. März 2007 eröffnet. Nach Insolvenz der Baumarktkette schloss die Cuxhavener Filiale im Februar 2014.

Von der Stellmacherei zum modernen Baumarkt

Die Wurzeln von Max Bahr reichen weit zurück. Im Jahr 1879 gründete Johann Jacob Heinrich Bahr im heutigen Hamburger Stadtteil Bramfeld eine Stellmacherei. Sein Geschäftszweck war die Produktion von Wagenrädern und Wagengestellen – ein Handwerk, das in der damaligen Zeit von großer Bedeutung war. Sein Sohn Max Bahr (1884–1956) übernahm 1906 den elterlichen Betrieb. Max Bahr war es, der 1927 den entscheidenden Schritt wagte, in den Holz-Einzelhandel einzusteigen. Dies erwies sich als ein zukunftsweisender Zug, der den Weg für die spätere Entwicklung ebnete.

Der entscheidende Impuls für das Wachstum zum modernen Baumarkt kam jedoch von Peter Möhrle. Er wurde 1956 Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Max Bahr Holzhandlung. Möhrle erkannte frühzeitig den aufkommenden Do-it-yourself-Trend, der immer mehr Menschen dazu bewegte, Renovierungs- und Bauprojekte selbst in die Hand zu nehmen. Unter seiner Führung wurde das Sortiment erheblich erweitert und der Grundstein für das Unternehmen in der Form gelegt, wie es bis zur Insolvenz existierte. 1963 eröffnete er die erste Filiale in Hamburg-Rissen. Peter Möhrle setzte in den folgenden Jahren ein neues Konzept aus den USA um, das auch von Wettbewerbern wie Bauhaus adaptiert wurde: großzügige Baumärkte mit einem sehr umfangreichen und breiten Sortiment. Die Expansion durch Filialisierung nahm nun rapide Fahrt auf.

Ein weiterer wichtiger Schritt war die Eröffnung des ersten Gartencenters in Lübeck im Jahr 1994. Mit diesem Schritt stellte Max Bahr die Weichen für die Kombination von Baumarkt- und Gartenangebot. Dieses Konzept war zu seiner Zeit zukunftsweisend für die gesamte Branche und wurde später von vielen Wettbewerbern übernommen. Nach dem 125-jährigen Firmenjubiläum zog sich die Familie Möhrle im Jahr 2004 aus dem operativen Geschäft zurück.

Die Ära Praktiker: Hoffnung und Niedergang

Seit dem 1. Februar 2007 gehörte Max Bahr zur Praktiker AG-Gruppe. Die Übernahme war Teil einer strategischen Neuausrichtung des Praktiker-Konzerns. Im Rahmen der sogenannten Zwei-Marken-Strategie der Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte Holding AG sollte Max Bahr als beratungs- und servicestarke Marke neben der eher preisorientierten Marke Praktiker positioniert und weitergeführt werden. Diese Strategie sah vor, die Stärken beider Marken zu nutzen und unterschiedliche Kundensegmente anzusprechen.

Max Bahr versuchte unter dem neuen Dach auch, den Herausforderungen des Umweltschutzes gerecht zu werden. Bereits im Jahr 2000 wurde das Umweltmanagement nach DIN EN ISO 14001 zertifiziert und regelmäßig vom TÜV überprüft. Ein besonderes Zeichen setzte das Unternehmen mit der Eröffnung des nach eigenen Angaben bundesweit ersten nachhaltigen Bau- und Gartenmarkts in Hamburg-Stellingen. Dieses innovative Marktkonzept umfasste eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zur Stromerzeugung, eine Holzpellet-Heizung für die Wärme, die Nutzung von Regenwasser, natürliche Beleuchtung und Belüftung sowie eine Dachbegrünung. Solche Initiativen zeigten, dass Max Bahr bemüht war, sich als moderner und verantwortungsbewusster Händler zu präsentieren.

Wann wurde Max Bahr aufgelöst?
Max Bahr war eine deutsche Baumarkt-Kette, welche 2014 aufgelöst wurde. Sie gehörte seit 2007 zur ebenfalls aufgelösten Praktiker-Kette. Aktuelle Nachrichten, Informationen, Bilder und Videos zur insolventen Baumarkt-Kette Max Bahr finden Sie hier.

Im Restrukturierungsprogramm der Praktiker AG war eine massive Umflaggungsaktion geplant. Etwa die Hälfte der bestehenden Praktiker-Märkte sollten auf Max Bahr umgeflaggt werden, um die Anzahl der Max-Bahr-Standorte deutlich zu erhöhen und die Praktiker-Märkte zu reduzieren. Bis April 2013 wurden bereits 57 Märkte umgeflaggt. Geplant war, die Anzahl der Max-Bahr-Märkte bis Ende 2013 von 80 auf etwa 200 zu steigern, während die Praktiker-Märkte von 236 auf etwa 120 reduziert werden sollten. Dieses ambitionierte Vorhaben sollte die Marktposition der Gruppe stärken und die Zwei-Marken-Strategie voll zur Geltung bringen.

Die Insolvenz: Eine Kettenreaktion

Doch die ehrgeizigen Pläne wurden durch finanzielle Schwierigkeiten des Mutterkonzerns durchkreuzt. Am 10. Juli 2013 erklärte sich die Praktiker AG für überschuldet und zahlungsunfähig und meldete Insolvenz an. Zu diesem Zeitpunkt war Max Bahr nach den damaligen Meldungen allerdings noch nicht direkt von der Insolvenz des Mutterkonzerns betroffen. Diese Einschätzung sollte sich jedoch schnell ändern.

Nur wenige Tage später, am 25. Juli 2013, meldete auch Max Bahr Insolvenz an. Der Grund, der für diesen Schritt genannt wurde, war die fehlende finanzielle Unterstützung der Lieferanten. Diese Unterstützung war weggefallen, weil ein Warenkreditversicherer seine Deckung für die Lieferungen an Max Bahr eingestellt hatte. Angesichts der Insolvenz des Mutterkonzerns Praktiker schätzten die Kreditversicherer das Risiko bei Max Bahr offenbar als zu hoch ein. Ohne die Absicherung durch die Warenkreditversicherung waren die Lieferanten nicht mehr bereit, Max Bahr auf Ziel zu beliefern, was zu einem Zusammenbruch der Warenversorgung und damit zur Zahlungsunfähigkeit führte. Die Insolvenz von Praktiker zog Max Bahr somit unweigerlich mit in den Abgrund.

Gescheiterte Übernahmen und die Zerschlagung

Nach der Insolvenzanmeldung wurde Jens-Sören Schröder als Insolvenzverwalter für Max Bahr bestellt. Es gab Hoffnungen, dass ein Wettbewerber das Unternehmen oder zumindest Teile davon übernehmen und so Arbeitsplätze und Filialen retten könnte. Der Konkurrent Hellweg bekundete Interesse an einer Übernahme. Die Verhandlungen scheiterten jedoch am 15. November 2013, angeblich wegen Streitigkeiten um die Max-Bahr-Immobilien. Die Royal Bank of Scotland, der Eigentümer der Immobilien, forderte von Hellweg eine Konzernbürgschaft, die das mittelständische Unternehmen nicht leisten wollte oder konnte. Nach dem Scheitern dieser Übernahme musste der Insolvenzverwalter die Abwicklung des Unternehmens bekanntgeben.

Kurz darauf meldete die saarländische Globus Fachmärkte GmbH & Co. KG erneut Interesse an Max Bahr an. Globus wollte 59 der zu diesem Zeitpunkt 73 Max-Bahr-Filialen (wobei die von Praktiker umgeflaggten Filialen ausgenommen waren) sowie die Zentrale in Kirkel weiterbetreiben. Voraussetzung hierfür war eine Einigung mit dem Eigentümer der Immobilien, der Royal Bank of Scotland. Am 26. November 2013 wurde eine Einigung zwischen Globus Fachmärkte und der Royal Bank of Scotland über den Kauf der 59 Filialen bekanntgegeben. Die Unterzeichnung der Verträge schien nur noch Formsache und war für den 27. November 2013 geplant.

Warum ging Max Bahr pleite?
November 2013 nach dem Scheitern einer Übernahme durch den Konkurrenten Hellweg wegen Streitigkeiten um die Max-Bahr-Immobilien die Abwicklung des Unternehmens bekannt. Die Royal Bank of Scotland hatte von Hellweg eine Konzernbürgschaft gefordert, die das mittelständische Unternehmen nicht leisten wollte.

Doch auch dieser Versuch schlug fehl. Am 27. November 2013 wurde bekannt, dass der Verkauf an Globus Fachmärkte gescheitert war. Die Gründe für das erneute Scheitern wurden nicht im Detail öffentlich gemacht, aber es war klar, dass es keine Rettung für Max Bahr als Ganzes geben würde. Stattdessen wurde die Zerschlagung des Unternehmens beschlossen.

Daraufhin erwarben verschiedene Wettbewerber die lukrativsten Standorte. Sowohl die Soltauer Hagebau als auch Bauhaus sicherten sich einen großen Teil der Max-Bahr-Märkte, insgesamt über die Hälfte der Filialen. Dies markierte das endgültige Ende von Max Bahr als eigenständige Baumarktkette.

Das Ende und die Nachnutzung der Standorte

Bis zum 25. Februar 2014 fand in den verbliebenen Filialen von Max Bahr ein großer Abverkauf der Waren statt. Danach wurden sämtliche Filialen geschlossen. Zum 1. März 2014 wurde die Gesellschaft offiziell aufgelöst. Die Immobilien und Standorte wurden anschließend an verschiedene Nachfolgeunternehmen verkauft. Insgesamt 63 Filialen, die zu den ursprünglichen Max-Bahr-Standorten gehörten, wurden an Wettbewerber übergeben, um sie in deren Filialsysteme zu integrieren.

Zu den Käufern der ehemaligen Max-Bahr-Filialen gehörten bekannte Namen der Baumarktbranche wie Bauhaus, Obi, Hagebau, toom und Hornbach. Darüber hinaus sicherten sich auch andere Handelsunternehmen Standorte, darunter Poco Domäne und XXXLutz aus dem Möbelbereich. Interessanterweise wurden einzelne Filialen auch an branchenfremde Unternehmen verkauft, beispielsweise an Möbelhäuser (wie Mömox in Hannover), Autohäuser (Filiale Bremerhaven) oder einen Farben- und Lackhersteller (eine Filiale in Münster). Eine Filiale in Elmshorn wurde sogar von Dirk Möhrle, dem Sohn des langjährigen Max-Bahr-Geschäftsführers Peter Möhrle, erworben. Anfang Juli 2014 waren alle 67 alten Filialen (die bereits vor dem Verkauf an Praktiker existierten) verkauft. Für die später auf Max Bahr umgeflaggten Praktiker-Märkte dauerte die Suche nach Käufern teilweise länger und war im Juli 2015 noch nicht vollständig abgeschlossen.

Die Insolvenz hatte auch Auswirkungen auf die Mitarbeiter. Transfergesellschaften wurden eingerichtet, um die ehemaligen Beschäftigten bei der Suche nach neuen Arbeitsstellen zu unterstützen. Die Statistik zeigte, dass rund zwei Drittel der Mitarbeiter eine neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigung oder den Weg in die Selbstständigkeit fanden. Ein Viertel blieb arbeitslos. Im Vergleich zur Insolvenz der Drogeriekette Schlecker, bei der die Wiedereingliederungsquote geringer war, stellte sich die Situation für die Max-Bahr-Mitarbeiter etwas besser dar.

Wer war der Inhaber von Max Bahr?
Jens Peter Möhrle (* 23. April 1932 in Hamburg; † 16. März 2020) war ein deutscher Unternehmer, er war von 1956 bis 2007 Inhaber der Baumarktkette Max Bahr und 1987 bis 1990 Präses der Handelskammer Hamburg.

Einige der ehemaligen Max-Bahr-Gebäude standen nach der Schließung leer und wurden erst nach einiger Zeit einer neuen Nutzung zugeführt. So wurde beispielsweise ein ehemaliger Max-Bahr-Baumarkt in Remscheid zu einem Fitnessstudio der Kette McFit umgebaut. Andere Standorte wurden für andere Einzelhandelsformate oder sogar temporär als Unterkünfte in Betracht gezogen, wie in Wesel, wo das leerstehende Gebäude als potenzielle Flüchtlingsunterkunft diskutiert wurde, auch wenn dies letztlich nicht umgesetzt wurde.

Häufig gestellte Fragen zur Max Bahr Insolvenz

Die Insolvenz und das Ende von Max Bahr werfen immer wieder Fragen auf. Hier sind einige der häufigsten:

Warum genau ging Max Bahr pleite?

Die direkte Ursache für die Insolvenz von Max Bahr war die Zahlungsunfähigkeit, die wiederum durch das Wegfallen der Unterstützung der Lieferanten ausgelöst wurde. Dies geschah, nachdem ein Warenkreditversicherer seine Deckung einstellte. Die Einstellung der Kreditversicherung war eine direkte Folge der Insolvenz des Mutterkonzerns, der Praktiker AG, im Juli 2013. Die finanzielle Schieflage von Praktiker strahlte somit direkt auf die Tochtergesellschaft Max Bahr aus und führte zum Vertrauensverlust bei den Lieferanten und deren Versicherern.

Wer war der Inhaber von Max Bahr vor der Insolvenz?

Zuletzt gehörte Max Bahr der Praktiker AG. Davor war das Unternehmen lange im Besitz der Familie Möhrle. Peter Möhrle, der 1956 Hauptgesellschafter wurde, prägte das Unternehmen maßgeblich und entwickelte es zum modernen Baumarkt. Er verkaufte die Betreibergesellschaft im Jahr 2007 an die Praktiker AG, während die Immobilien an einen britischen Investmentfonds, Moor Park, veräußert wurden.

Wann wurde Max Bahr aufgelöst bzw. wann schloss die letzte Filiale?

Max Bahr meldete am 25. Juli 2013 Insolvenz an. Der Abverkauf in den Filialen lief bis zum 25. Februar 2014. An diesem Tag schlossen die letzten Max-Bahr-Filialen endgültig. Die Gesellschaft Max Bahr GmbH & Co. KG wurde zum 1. März 2014 aufgelöst.

Zusammenfassung

Die Geschichte von Max Bahr ist ein Beispiel dafür, wie selbst etablierte Unternehmen in einem wettbewerbsintensiven Markt scheitern können. Von den Wurzeln als Stellmacherei über den Aufstieg zum modernen Baumarkt unter Peter Möhrle und die innovative Kombination von Bau- und Gartensortiment entwickelte sich Max Bahr zu einer wichtigen Größe. Die Übernahme durch die Praktiker AG im Jahr 2007 sollte eigentlich eine Stärkung bedeuten, führte aber letztlich zum Untergang. Die finanziellen Probleme des Mutterkonzerns, die zur Praktiker-Insolvenz führten, entzogen Max Bahr die notwendige finanzielle Basis und das Vertrauen der Lieferanten. Trotz Bemühungen des Insolvenzverwalters und Interesse von Wettbewerbern scheiterten die Übernahmeversuche, was zur Zerschlagung des Unternehmens und dem Verkauf der Standorte an verschiedene Akteure führte. Das Ende von Max Bahr im Frühjahr 2014 war somit eine direkte Konsequenz der Insolvenz des Mutterkonzerns Praktiker und der daraus resultierenden fehlenden Liquidität und Lieferfähigkeit.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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