Wenn Sie durch die Säle eines Museums schlendern, begegnen Ihnen unzählige Kunstwerke. Eine besonders prominente Form sind die Bilder, die an den Wänden hängen. Diese Werke werden sehr häufig als Gemälde bezeichnet. Der Begriff hat eine lange Geschichte und eine interessante Entwicklung durchlaufen, die eng mit der Entwicklung der Maltechniken und dem Verständnis von Kunst verbunden ist.

Ein Gemälde (abgeleitet vom althochdeutschen Wort gimālidi, mittelhochdeutsch gemǣlde, das ursprünglich „mit Zeichen versehen“ bedeutete) ist ein Bild, das unter Verwendung einer spezifischen Maltechnik auf einem Bildträger aufgebracht wurde. Dieser Träger kann vielfältig sein, wobei Leinwand ein sehr bekanntes Beispiel ist. Ein Gemälde gilt als ein Werk der Malerei und gehört somit zu den bildenden Künsten. Gelegentlich wird ein Gemälde auch schlicht als Malerei bezeichnet, was die enge Verbindung zwischen dem Prozess (Malerei) und dem Ergebnis (Gemälde) unterstreicht.
Die historische Entwicklung des Begriffs Gemälde
Die Bedeutung des Wortes Gemälde war nicht immer so eng gefasst wie heute. Bis ins frühe 16. Jahrhundert umfasste der Begriff eine breitere Palette von Darstellungen. Dazu zählten beispielsweise auch Bilder, die auf Münzen zu finden waren, sowie Kupferstiche. Diese frühen Formen des „Gemäldes“ zeigen, dass der Fokus zunächst weniger auf der spezifischen Maltechnik als vielmehr auf der bildlichen Darstellung selbst lag, unabhängig vom Medium oder der Herstellungsmethode.
Eine entscheidende Wende in der Definition und Wahrnehmung des Gemäldes brachte die Entwicklung und rasche Verbreitung der Ölmalerei im 15. und 16. Jahrhundert. Mit dem Aufkommen dieser Technik, die neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnete und haltbarere sowie farbintensivere Bilder ermöglichte, entwickelte sich allmählich die Vorstellung vom Gemälde als einem Bild, das spezifisch mit malerischen Techniken hergestellt wurde und nunmehr als eigenständiges Kunstwerk angesehen wurde. Die Ölmalerei auf Leinwand oder Holztafeln wurde in der westlichen Kunstgeschichte für lange Zeit zum Inbegriff des Gemäldes.
Die Fokussierung auf bestimmte Trägermaterialien prägte die westliche Kunstgeschichte über Jahrhunderte. Unter Gemälden wurden fast ausschließlich Werke verstanden, die in Ölmalerei auf Leinwänden oder Holztafeln ausgeführt waren. Werke, die auf Papier oder anderen Trägern geschaffen wurden, wurden oft anders klassifiziert, häufig als „Zeichnungen“ bezeichnet, und dies unabhängig davon, welches Medium tatsächlich verwendet wurde. Diese historische Sichtweise führte zu einer etwas eurozentrischen Definition, nach der beispielsweise Werke der traditionellen östlichen Malerei, die fast ausschließlich Papier oder Seide als Träger verwenden, nach diesem engen Verständnis keine Gemälde wären.
Bestandteile und Techniken der Malerei
Die malerischen Techniken, die bei der Anfertigung von Gemälden zum Einsatz kommen, setzen in der Regel die Verwendung von drei grundlegenden Komponenten voraus. Diese Bestandteile arbeiten zusammen, um die Farbe zu erzeugen, sie auf den Träger aufzubringen und dort zu fixieren:
- Pigment: Dies ist die Substanz, die dem Gemälde seine Farbe verleiht. Pigmente sind feine Pulver, die aus natürlichen Mineralien, Pflanzen oder synthetisch hergestellt werden können. Sie sind für die optischen Eigenschaften des Bildes verantwortlich.
- Bindemittel: Das Bindemittel ist eine flüssige oder pastöse Substanz, die die Pigmente zusammenhält und sie auf dem Bildträger fixiert. Es umhüllt die einzelnen Pigmentpartikel und sorgt dafür, dass sie nach dem Trocknen eine feste Schicht bilden. Beispiele für Bindemittel sind Leinöl (bei Ölmalerei), Gummiarabikum (bei Aquarell) oder Acrylpolymere (bei Acrylfarben).
- Verdünnungsmittel: Das Verdünnungsmittel dient dazu, die Farbe auf die gewünschte Konsistenz zu bringen, um sie malen zu können. Es verdampft in der Regel während des Trocknungsprozesses. Bei der Ölmalerei können Terpentin oder Testbenzin als Verdünnungsmittel dienen, bei Aquarell- oder Acrylfarben ist es Wasser.
Das Zusammenspiel dieser drei Komponenten ist entscheidend für die spezifischen Eigenschaften einer Farbe und die Technik, mit der sie angewendet wird. Die Wahl des Pigments, des Bindemittels und des Verdünnungsmittels beeinflusst das Aussehen, die Haltbarkeit und die Textur des fertigen Gemäldes.
Definitionen: Träger oder Medium?
Wie bereits erwähnt, gab es historisch eine Tendenz, Gemälde über den verwendeten Träger zu definieren, insbesondere in der westlichen Kunstgeschichte, wo Leinwand und Holz bevorzugt wurden. Heute ist es jedoch gängiger, Gemälde über das verwendete Medium zu definieren, also über die Art und Weise, wie die Farbe beschaffen ist und wie sie aufgetragen wird.
Ein Großteil der Kunstwerke, die heutzutage gemeinhin als Gemälde klassifiziert werden, wurden mit Pigmenten geschaffen, die in einer Flüssigkeit suspendiert sind. Diese Flüssigkeit dient als Bindemittel oder enthält das Bindemittel in Lösung. Zu den gängigen flüssigen Medien gehören Öl, Wasser, Acrylbindemittel oder Mischungen von Lösungsmitteln, wie es beispielsweise bei Tusche der Fall ist, auch wenn Tusche oft separat betrachtet wird.
Diese Definition, die auf dem flüssigen Medium basiert, ist weit verbreitet, stößt aber in bestimmten Fällen an ihre Grenzen. So werden beispielsweise Arbeiten in Pastell, obwohl sie aus denselben Pigmenten bestehen wie viele flüssige Farben, nach dieser Definition vollständig von Gemälden abgegrenzt. Bei Pastellen liegen die Pigmente in gebundener, aber fester Form vor (als Stifte oder Kreiden) und werden trocken aufgetragen, auch wenn sie nachträglich fixiert werden können. Auch manche Formen der Tuschezeichnung passen nicht immer eindeutig in diese Definition, da Tusche zwar flüssig ist, die Technik und der Ausdruck aber oft eher dem Zeichnen zugeordnet werden.
Herausforderungen bei der Klassifizierung
Die Grenzen zwischen verschiedenen Kunstformen und -medien sind nicht immer scharf. Insbesondere durch moderne, grenzüberschreitende und interdisziplinäre künstlerische Praktiken verschwimmen die feinen Linien zwischen Gemälden und verwandten Medien häufig. Künstler experimentieren mit Materialien, Techniken und Trägern auf Weisen, die traditionelle Kategorisierungen in Frage stellen. Ist ein Werk, bei dem Farbe nicht mit Pinseln, sondern durch Schütten oder Sprühen aufgetragen wird, immer noch ein Gemälde? Was ist mit Mischtechniken, die Malerei mit Collage, Fotografie oder digitalen Elementen verbinden?
Schon vor langer Zeit wurde die Komplexität der Definition erkannt. Bereits im Jahr 1890 formulierte der französische Maler Maurice Denis eine Definition des Gemäldes, in der Materialien und Maltechniken bewusst nicht im Vordergrund standen. Dies deutet darauf hin, dass die Essenz eines Gemäldes auch in anderen Aspekten gesehen werden kann, jenseits der reinen technischen Ausführung oder der materiellen Beschaffenheit.
Vergleich verschiedener Definitionsansätze
| Kriterium | Historische Westliche Definition | Definition basierend auf Medium | Herausforderung/Ausnahme |
|---|---|---|---|
| Fokus | Trägermaterial (Leinwand, Holz) | Bindemittel & Pigmente in Flüssigkeit | Moderne Praktiken, interdisziplinäre Kunst |
| Eingeschlossene Werke (typisch) | Ölmalerei auf Leinwand/Holztafeln | Werke mit Pigmenten in Öl, Wasser, Acryl etc. | Mischtechniken |
| Ausgeschlossene Beispiele (oft) | Werke auf Papier/Seide (oft als Zeichnungen klassifiziert) | Pastelle, manche Tuschezeichnungen | Werke, die nicht eindeutig in eine Kategorie passen |
| Historischer Kontext | Dominant bis ins 20. Jahrhundert | Heute weit verbreitet | Kontinuierliche Evolution des Kunstbegriffs |
Häufig gestellte Fragen
Sind Pastellbilder Gemälde?
Nach der gängigen Definition, die ein flüssiges Medium voraussetzt, werden Pastellbilder oft nicht als Gemälde klassifiziert, obwohl sie dieselben Pigmente wie flüssige Farben verwenden. Die trockene Auftragung der Pastellkreide unterscheidet sie technisch von vielen als Gemälde definierten Werken.
Waren früher auch andere Darstellungen Gemälde?
Ja, bis ins frühe 16. Jahrhundert umfasste der Begriff Gemälde auch Darstellungen auf Münzen und Kupferstiche, bevor sich die Definition stärker auf Werke konzentrierte, die mit malerischen Techniken hergestellt wurden.
Warum gelten manche Werke auf Papier nicht als Gemälde?
Dies liegt primär an der historischen, engen westlichen Definition, die Gemälde oft auf Träger wie Leinwand oder Holz beschränkte. Werke auf Papier wurden, selbst wenn sie gemalt waren, häufig als „Zeichnungen“ kategorisiert. Heute wird diese Unterscheidung oft weniger streng gehandhabt, insbesondere wenn das Medium (z.B. Aquarell, Gouache) dem Malen entspricht.
Gilt eine Tuschezeichnung als Gemälde?
Die Klassifizierung von Tuschezeichnungen kann je nach Definition variieren. Da Tusche aus Pigmenten (oder Farbstoffen) in einem flüssigen Medium besteht, könnte sie technisch als Malerei betrachtet werden. Allerdings werden Tuschezeichnungen oft aufgrund der spezifischen Zeichentechniken und des visuellen Ausdrucks separat klassifiziert oder als Grenzfall zwischen Zeichnung und Malerei gesehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bilder, die wir in Museen als Gemälde bewundern, das Ergebnis einer langen Geschichte der Kunst, Technik und Definition sind. Der Begriff selbst ist dynamisch und spiegelt die sich ständig weiterentwickelnde Landschaft der bildenden Künste wider.
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