Die OM System OM-5 tritt in große Fußstapfen. Sie ist der Nachfolger der beliebten Olympus OM-D E-M5 Mark III und positioniert sich im mittleren Preissegment. Nach dem erfolgreichen Start der OM System OM-1, die das Erbe der professionellen E-M1 Linie fortführte, stand die OM-5 unter genauer Beobachtung. Sie richtet sich an Enthusiasten, die eine leistungsfähige Kamera suchen, aber nicht das Budget für Top-Modelle haben. Besonders reizvoll ist ihre Kombination aus kompakten Abmessungen und einem umfangreichen Angebot an kleineren, erschwinglichen Micro Four Thirds Objektiven.

Eingeführt im November 2022, setzt die OM-5 die Tradition der E-M5 Serie fort. Sie behält das Gehäusedesign und Steuerungssystem ihres Vorgängers weitgehend bei, bringt aber entscheidende Verbesserungen mit, die sie zu einer attraktiven Option machen. Ihre Wetterversiegelung nach IP53 Standard, eine verbesserte Bildstabilisierung und erweiterte Foto- sowie Videofunktionen machen sie zu einem robusten und vielseitigen Werkzeug für unterschiedlichste fotografische Herausforderungen, besonders auf Reisen.
Kernmerkmale und Verbesserungen
Die OM System OM-5 nutzt denselben bewährten 20,4 MP Four Thirds Sensor wie die E-M5 Mark III, ergänzt durch Phasendetektions-AF und einen ISO-Bereich von 200-6400 (erweiterbar auf L64/100 bis 25.600). Obwohl das Gehäuse dem Vorgänger ähnelt, birgt die OM-5 signifikante Neuerungen:
- Verbesserte Wetterversiegelung: Jetzt nach IP53 Standard, was sie besonders widerstandsfähig gegen Staub und Spritzwasser macht – ein großer Vorteil für Outdoor-Fotografen.
- Überragende Bildstabilisierung: Bis zu 6,5 Stopps (CIPA) im Gehäuse, erweiterbar auf beeindruckende 7,5 Stopps mit kompatiblen Sync IS Objektiven. Dies ermöglicht scharfe Freihandaufnahmen bei sehr langen Belichtungszeiten.
- Neuer Bildprozessor: Der TruePix IX Prozessor, übernommen von der E-M1 Mark III, sorgt für schnellere Verarbeitung und neue Funktionen.
- Handheld Hi-Res: Ermöglicht die Aufnahme von 50 MP Bildern aus der Hand durch internes Zusammenfügen von 8 Aufnahmen. Mit Stativ sind sogar 80 MP möglich.
- Integrierter LiveND Filter: Simuliert einen ND-Filter mit bis zu 4 Stopps (ND16), ideal für Langzeitbelichtungen bei Tageslicht ohne physischen Filter.
- Verbesserter Autofokus: Verbesserte Gesichts- und Augenerkennung, die auch kleinere Gesichter erkennt.
- Starry Sky AF: Eine spezielle Funktion zum präzisen Fokussieren auf Sterne für Astrofotografie.
- Videofunktionen: Einführung des OM-Log400 Profils (8-bit), Unterstützung für vertikale Videos, unbegrenzte Aufnahmezeit (bis Akku/Karte voll), rote Aufnahmeanzeige.
- USB Webcam Funktion: Direkte Nutzung als Webcam über USB ohne zusätzliche Software.
- Intervallaufnahme mit Belichtungsglättung.
- Aufladen des Akkus in der Kamera über USB.
- MyMenu: Ein anpassbares Menü für schnellen Zugriff auf häufig genutzte Einstellungen.
Diese Updates machen die OM-5 zu einer deutlich leistungsfähigeren Kamera als ihren Vorgänger, insbesondere im Hinblick auf die Wetterbeständigkeit und die erweiterten Aufnahmefunktionen.
Design, Handhabung und Menüs
Wie erwähnt, gleicht das Gehäuse der OM-5 dem der E-M5 Mark III bis auf das Branding. Für eine spiegellose Kamera dieser Größe bietet sie eine gute Handhabung dank eines ausgeprägten Daumengriffs hinten und eines genügend tiefen Frontgriffs. Dies schafft eine gelungene Balance zwischen Kompaktheit und Bedienbarkeit. Optional ist auch ein größerer Griff erhältlich.
Die externe Bedienung ist durch eine Reihe von Tasten für Belichtungskorrektur, ISO und einen AEL/AFL-Button gut gelöst. Das 4-Wege-Pad kann standardmäßig zur Verschiebung des Fokuspunktes genutzt werden. Das Fehlen eines Joysticks zur Fokuspunktwahl mag in Anbetracht moderner Kameras etwas enttäuschen.
Das Super Control Panel bietet schnellen Zugriff auf viele wichtige Einstellungen, was das Eintauchen in die Menüs oft unnötig macht. Allerdings bleibt das Hauptmenü der OM-5 das alte, oft kritisierte Olympus-Menüsystem. Es erfordert Einarbeitungszeit, um sich zurechtzufinden. Glücklicherweise wurde das MyMenu hinzugefügt, das den Zugriff auf oft genutzte Einstellungen erheblich beschleunigt.
Die Kamera verfügt über einen seitlichen Speicherkartenslot, der UHS-II Karten unterstützt. Anschlüsse umfassen einen Mikrofonanschluss, Fernauslöseranschluss und MicroHDMI. Ein Kopfhöreranschluss fehlt, was für ernsthafte Videografen ein Nachteil sein kann.
Die OM-5 nutzt den BLS-50 Akku, der auch in anderen Olympus/OM System Kameras verwendet wird. Die Akkulaufzeit ist mit ca. 310 Aufnahmen pro Ladung eher durchschnittlich für spiegellose Kameras dieser Klasse. Positiv ist die Möglichkeit, den Akku in der Kamera per USB aufzuladen, wenn auch die Nutzung als USB-Stromquelle (Power Delivery) nicht unterstützt wird und die Kamera zum Laden ausgeschaltet sein muss.
Sucher und Bildschirm
Der elektronische Sucher (EVF) der OM-5 hat eine Auflösung von 2,36 Millionen Bildpunkten und eine Vergrößerung von 0,69x. Dies ist eine solide Leistung, die über einigen Konkurrenzmodellen in ähnlichen Preisbereichen liegt, wenngleich Top-Modelle oft höhere Auflösungen bieten. Der EVF liefert ein klares Bild mit guter Farbwiedergabe, die dem rückseitigen Bildschirm entspricht. Eine Dioptrienanpassung ist vorhanden.
Eine interessante Option ist der simulierte OVF-Modus (S-OVF), der eine neutralere Ansicht bietet, ähnlich dem Blick durch einen optischen Sucher.
Der Bildschirm ist ein 3 Zoll großer, dreh- und schwenkbarer Touchscreen mit 1,04 Millionen Bildpunkten – derselbe wie bei der E-M5 III. Die Farbwiedergabe und die Blickwinkel sind gut. Es ist bedauerlich, dass hier kein Update auf eine höhere Auflösung erfolgt ist, wie sie bei manchen günstigeren Kameras zu finden ist. Der Touchscreen kann für die Fokuspunktwahl (auch bei Video), die Bedienung des Super Control Panels und die Bildwiedergabe genutzt werden, jedoch nicht in den Hauptmenüs.
Autofokus-System
Das Autofokussystem basiert auf 121 Kreuzsensoren mit Phasendetektion, die einen Großteil des Bildfeldes abdecken. Anpassbare AF-Bereiche und voreingestellte Zonen sind verfügbar.
Gesichts- und Augenerkennung sowie Motivverfolgung sind implementiert. Allerdings fehlen die weiterentwickelten Motiv-Erkennungsfunktionen (z.B. für Tiere, Vögel, Autos) der Topmodelle E-M1X und OM-1.
Der Fokus ist schnell und zuverlässig, selbst bei schlechteren Lichtverhältnissen. Die Gesichts- und Augenerkennung funktioniert sehr gut, was besonders bei Porträts von großem Vorteil ist.
Bei kontinuierlichem Autofokus (C-AF) priorisiert die Kamera standardmäßig die Fokussiergenauigkeit über die Bildrate, was die Serienbildgeschwindigkeit beeinflussen kann. Dies lässt sich jedoch anpassen, wenn eine höhere Bildrate wichtiger ist.
Manuelles Fokussieren wird durch Funktionen wie Focus Peaking und Lupenansicht (bis 14x) unterstützt. Ein Schalter auf der Rückseite ermöglicht einen schnellen Wechsel zwischen AF und MF.
Bildqualität und Leistung
Kameras von Olympus (und nun OM System) sind bekannt für ihre exzellente Farbwiedergabe direkt aus der Kamera, und die OM-5 bildet hier keine Ausnahme. Die JPEGs überzeugen mit schönen Farben und einer sehr guten internen Verarbeitung.
Die automatische Weißabgleichleistung (AWB) ist extrem zuverlässig. Die Option „Warme Farben beibehalten“ sorgt oft für einen angenehmen Ton. Für Produktfotografie mit neutralem Weiß kann diese Option einfach deaktiviert werden.
Verschiedene Farbmodi wie „Vivid“ oder „Natural“ dienen als gute Ausgangspunkte. Darüber hinaus können Einstellungen wie Kontrast, Schärfe, Sättigung und Gradation angepasst werden. Die Möglichkeit, im RAW-Format zu fotografieren, bietet maximale Flexibilität bei der Nachbearbeitung.
Der Dynamikumfang der JPEGs ist gut, und die Belichtungsmessung arbeitet zuverlässig, um Details sowohl in Lichtern als auch in Schatten zu erhalten. Ein HDR-Modus ist ebenfalls vorhanden, der mehrere Aufnahmen in der Kamera kombiniert.
Das Auslösegeräusch der OM-5 wird oft als angenehm leise und hochwertig beschrieben.
Die Handheld Hi-Res Funktion, die 50 MP Bilder aus der Hand liefert, ist überraschend effektiv und einfach zu bedienen. Mit einem Stativ sind sogar 80 MP möglich. Bei bewegten Motiven können allerdings Artefakte auftreten.
Der integrierte LiveND Filter (bis ND16) ist ein praktisches Feature für Langzeitbelichtungen, z.B. von Wasserfällen, ohne einen physischen Filter mitführen zu müssen.

Spezielle Aufnahmemodi wie Live Time, Live Composite und Live Bulb im Bulb-Modus erlauben die Echtzeit-Ansicht der Belichtungsentwicklung auf dem Bildschirm, was besonders bei Nacht- und Langzeitbelichtungen nützlich ist.
Die Bildstabilisierung (IBIS) ist ein herausragendes Merkmal der OM-5. Sie ermöglicht scharfe Freihandaufnahmen bei Belichtungszeiten, die normalerweise unmöglich wären. Mit der OM-5 sind scharfe Bilder bei Belichtungszeiten von einer Sekunde oder länger aus der Hand möglich, abhängig von der persönlichen Stabilität.
ISO-Leistung und Rauschen
Die Rauschleistung der OM-5 ist für einen Micro Four Thirds Sensor gut. JPEGs zeigen bis ISO 1600 und oft auch noch bei ISO 3200 akzeptable Ergebnisse. Bei ISO 6400 wird das Rauschen deutlicher. ISO 12.800 und 25.600 sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Dank der effektiven Bildstabilisierung lässt sich die ISO-Empfindlichkeit jedoch oft niedriger halten als bei Kameras ohne IBIS.
Videofunktionen und Leistung
Die Videofunktionen der OM-5 wurden mit nützlichen Updates versehen. Dazu gehören Unterstützung für vertikale Videos, eine rote Rahmenanzeige während der Aufnahme und unbegrenzte Videoaufnahmezeit (bis Akku oder Karte voll sind). Tests zeigen, dass die Kamera problemlos über 1,5 Stunden in 4K aufnehmen kann, ohne zu überhitzen.
Die Kamera unterstützt 4K (UHD) mit 30/25/24 fps und CINE 4K mit 24 fps. Die Bitrate ist bei 4K fest auf 102 Mbps bzw. 237 Mbps (CINE 4K) eingestellt. Bitrate-Optionen sind seltsamerweise nur für Full HD verfügbar.
Full HD Videos können mit bis zu 120 fps aufgenommen werden, was Slow-Motion ermöglicht, aber nicht die höheren Bildraten mancher Konkurrenten erreicht.
Die Bildstabilisierung ist auch im Videomodus extrem effektiv und erzeugt Aufnahmen, die fast wie mit einem Gimbal stabilisiert aussehen. Es stehen verschiedene IS-Optionen zur Verfügung, einschließlich IS + Digitalstabilisierung.
Wie erwähnt, fehlt ein Kopfhöreranschluss, was für professionelle Videografen ein Nachteil ist. OM System bietet den externen Audiorecorder LS-P5 an, der Bluetooth-Kopfhörer unterstützt, aber dies ist eine zusätzliche Investition.
Die Webcam-Funktion über USB ist praktisch, aber auf 720p beschränkt. Für höhere Auflösungen ist ein MicroHDMI-Ausgang und eine Capture Card erforderlich.
Preis-Leistung und Wettbewerb
Die OM System OM-5 positioniert sich preislich attraktiv im Markt. Sie war bei Einführung mit ca. 1.199 € (Body only) bepreist, was nur geringfügig über dem Einführungspreis der E-M5 III lag und angesichts der weltweiten Preisentwicklungen fair erscheint. Aktuell ist sie oft günstiger zu finden.
Im Vergleich zu Rivalen wie der Fujifilm X-S20, Sony A6700, Panasonic Lumix G9 II oder Canon EOS R7 bietet die OM-5 eine unschlagbare Kombination aus kompakten Abmessungen, leistungsstarker IBIS und vor allem IP53 Wetterversiegelung zu einem oft niedrigeren Preis. Viele Konkurrenten bieten zwar IBIS, aber keine oder weniger robuste Wetterversiegelung, oder es fehlen entsprechende wetterfeste Objektive im APS-C oder Micro Four Thirds Bereich (außerhalb des OM/Olympus Systems).
Das umfangreiche Angebot an kompakten, wetterfesten Micro Four Thirds Objektiven, insbesondere die F4 PRO Serie (8-25mm, 12-45mm, 40-150mm), macht das Gesamtsystem der OM-5 besonders attraktiv für Reise- und Outdoor-Fotografen, die Wert auf geringes Gewicht legen.
Fazit
Die OM System OM-5 mag auf den ersten Blick wie eine leichte Überarbeitung der E-M5 III wirken, aber die Verbesserungen sind bedeutend und machen sie zu einer sehr überzeugenden Kamera. Die verbesserte Wetterversiegelung und die herausragende Bildstabilisierung sind für viele Anwender, insbesondere Reisende und Outdoor-Fotografen, allein schon den Aufpreis wert.
Features wie Handheld Hi-Res, LiveND und Starry Sky AF erweitern die kreativen Möglichkeiten erheblich. Die Bildqualität, insbesondere die JPEG-Farben, ist exzellent. Trotz kleinerer Schwächen wie dem alten Menüsystem, dem MicroUSB-Anschluss und dem fehlenden Kopfhöreranschluss bietet die OM-5 ein beeindruckendes Paket.
Sie ist vielleicht nicht das Flaggschiff wie die OM-1, aber zu einem deutlich geringeren Preis liefert sie professionelle Features in einem sehr kompakten und robusten Gehäuse. Für Fotografen, die eine leichte, wetterfeste Kamera mit exzellenter Stabilisierung und einem riesigen Objektivangebot suchen, ist die OM System OM-5 eine der besten Optionen auf dem Markt.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie hoch ist die Auflösung des OM-5 EVF?
Der elektronische Sucher (EVF) der OM System OM-5 hat eine Auflösung von 2,36 Millionen Bildpunkten.
Ist die OM System OM-5 wetterfest?
Ja, die OM System OM-5 verfügt über eine IP53 Wetterversiegelung, was sie widerstandsfähig gegen Staub und Spritzwasser macht.
Wer stellt OM System Kameras her?
OM System Kameras werden von der OM Digital Solutions Corporation (OMDS) hergestellt. Dieses Unternehmen hat im Januar 2021 die Kamera-, Audio- und Fernglassparten von Olympus übernommen.
Kann die OM-5 4K Video aufnehmen?
Ja, die OM System OM-5 kann 4K Video mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde (UHD) und CINE 4K mit 24 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Sie bietet auch unbegrenzte Aufnahmezeit (bis Akku/Karte voll).
Wie lange hält der Akku der OM-5?
Der Akku der OM-5 (BLS-50) ist nach CIPA-Standard für ca. 310 Aufnahmen pro Ladung ausgelegt. Er kann in der Kamera per USB geladen werden.
Unterstützt die OM-5 Handheld High-Res Aufnahmen?
Ja, die OM-5 verfügt über einen Handheld Hi-Res Modus, der 50 MP Bilder aus der Hand erstellt, sowie einen Stativ-Modus für 80 MP Bilder.
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