In welchem Modus sollte man als Anfänger Fotografieren?

Fotografie für Anfänger: 5 häufige Fehler

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Jeder, der neu in der Welt der Fotografie ist, kennt das Gefühl: Man ist begeistert von den unzähligen Möglichkeiten, die eine Kamera bietet, und kann es kaum erwarten, beeindruckende Bilder zu schaffen. Doch auf dem Weg zum perfekten Foto lauern einige Fallen, in die fast jeder Anfänger tappt. Auch ich habe meine ersten Schritte in der Fotografie autodidaktisch gemacht und dabei viele Gelegenheiten verpasst oder Fotos gemacht, die im Nachhinein enttäuschten. Diese Fehler sind jedoch völlig normal und vor allem: vermeidbar! Aus meinen eigenen Erfahrungen habe ich die fünf häufigsten Stolpersteine identifiziert und zeige dir, wie du sie ganz einfach umgehen kannst.

Wie stellt man sich zum Fotografieren hin?
Fotogen werden mit der richtigen Körperhaltung Positioniere deinen Körper also leicht abgewandt zur Kamera (maximal 45°). Drehe dann dein Gesicht in Richtung Kamera, sodass du dein Kinn leicht zur Schulter ziehst, die am nächsten zur Kamera positioniert ist.

1. Zu wenige Fotos machen

In der Ära der digitalen Fotografie, in der das Auslösen praktisch nichts kostet, mag es paradox klingen, aber einer der größten Fehler, den ich gemacht habe, war, nicht genug Fotos zu machen. Man sieht eine Szene, drückt ein- oder zweimal ab und denkt: „Das war's“. Später, beim Durchsehen der Bilder, stellt man fest, dass die Schärfe nicht ganz sitzt, jemand im Hintergrund geblinzelt hat oder der Ausdruck im Gesicht nicht optimal war. Und man hat keine Alternative.

Der Vorteil digitaler Kameras ist, dass Speicherkarten viel Platz bieten und die „Kosten“ pro Bild gleich null sind. Es ist weitaus besser, von einem Motiv eine Vielzahl von Aufnahmen zu haben, aus denen man die beste auswählen kann, als nur eine oder zwei, die dann vielleicht nicht perfekt sind. Gerade bei sich schnell ändernden Szenen, wie zum Beispiel bei der Street-Fotografie oder beim Festhalten spielender Kinder oder Tiere, ist die Wahrscheinlichkeit, den entscheidenden Moment zu erwischen, umso höher, je mehr Aufnahmen man macht.

Die Lösung: Sei großzügig mit dem Auslöser! Wenn du denkst, du hast das Bild im Kasten, mach noch ein paar mehr. Variiere dabei leicht: Ändere deinen Standpunkt, gehe einen Schritt näher heran oder weiter weg, versuche einen anderen Winkel (von oben, von unten). Experimentiere mit verschiedenen Einstellungen, falls die Szene es zulässt (andere Blende für mehr oder weniger Tiefenschärfe, andere Belichtungszeit). Sei geduldig und warte ab, ob sich die Szene verändert oder etwas Unerwartetes passiert. Vielleicht läuft eine interessante Person durchs Bild oder das Licht ändert sich kurz. Je mehr Varianten du hast, desto größer ist die Auswahl bei der Nachbearbeitung und desto höher die Chance auf ein wirklich herausragendes Bild. Betrachte das Fotografieren einer Szene nicht als einmaliges Ereignis, sondern als einen Prozess des Erkundens und Festhaltens aus verschiedenen Perspektiven.

2. Fehlendes Subjekt oder Blickpunkt

Besonders bei Landschaftsaufnahmen oder Szenen in der Stadt neigen Anfänger oft dazu, zu viel in ein Bild packen zu wollen. Das Ergebnis ist ein Foto, das zwar viel zeigt, aber dem Betrachter keinen klaren Ankerpunkt bietet. Das Auge wandert ziellos umher, und das Bild wirkt unruhig oder langweilig. Ich habe oft Landschaften fotografiert, die zwar schön waren, denen aber das gewisse Etwas fehlte, oder Straßenszenen, die so überladen waren, dass man nicht wusste, worauf man eigentlich schauen sollte.

Ein gutes Foto erzählt eine Geschichte oder lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters auf etwas Bestimmtes. Dieses „Etwas“ ist das Subjekt oder der Blickpunkt (Point of Interest). Es kann eine Person, ein Objekt, eine interessante Form, eine Farbe oder sogar ein Lichtspiel sein. Ohne einen klaren Blickpunkt fehlt dem Bild Struktur und Aussagekraft.

Die Lösung: Bevor du abdrückst, frage dich: Was ist das Wichtigste in dieser Szene? Was hat meine Aufmerksamkeit gefesselt? Stelle sicher, dass dieses Subjekt oder dieser Blickpunkt im Bild hervorsticht und nicht von anderen Elementen überlagert wird. Bei Landschaftsaufnahmen könnte ein markanter Felsen im Vordergrund, ein einzelner Baum am Horizont oder ein Gebäude, das sich vom Himmel abhebt, der Blickpunkt sein. Nutze Linien oder Formen im Bild, um das Auge des Betrachters zu diesem Punkt zu führen. Bei Street-Fotografie geht es oft darum, eine einzelne Person oder eine kleine Gruppe in den Fokus zu rücken und den Rest der Umgebung so zu gestalten, dass er das Subjekt unterstützt, anstatt abzulenken. Vereinfache den Bildausschnitt und entferne unnötige oder störende Elemente, indem du deinen Standpunkt änderst oder näher herangehst. Sorge dafür, dass dein Subjekt klar vom Hintergrund abgegrenzt ist, sei es durch Schärfe, Kontrast oder Farbe.

3. Den Hintergrund vernachlässigen

Dieser Fehler ist eng verwandt mit dem vorherigen. Man konzentriert sich so sehr auf das Hauptsubjekt – sei es eine Person bei einem Porträt oder ein interessantes Detail in der Stadt –, dass man den Hintergrund völlig vergisst. Doch ein störender Hintergrund kann ein ansonsten großartiges Bild ruinieren. Bildelemente, die unpassend hinter dem Kopf einer Person „wachsen“ (wie Bäume oder Laternenpfähle), oder grelle, ablenkende Objekte (wie bunte Mülleimer, Verkehrsschilder oder überfüllte Regale) ziehen die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Subjekt ab und machen das Bild unruhig. Oft merkt man diese Störungen erst am Computerbildschirm, und die einzige Möglichkeit, sie zu entfernen, ist mühsames Retuschieren in Programmen wie Photoshop oder das Bild gleich ganz zu löschen.

Die Lösung: Trainiere dein Auge, immer auch den Hintergrund und die Ränder deines Bildausschnitts zu scannen, bevor du abdrückst. Nimm dir einen Moment Zeit, um die gesamte Szene zu erfassen. Achte auf alles, was hinter deinem Subjekt liegt oder am Bildrand „hineinragt“. Siehst du etwas, das stört? Dann handle! Oft reicht es schon, deinen Standpunkt leicht zu verändern, ein paar Schritte zur Seite zu gehen oder die Kamera etwas höher oder tiefer zu halten, um störende Elemente aus dem Bild zu bewegen oder sie so zu positionieren, dass sie nicht mehr ablenken. Manchmal kannst du den Hintergrund auch unscharf machen, indem du eine offene Blende wählst (kleine Blendenzahl), um das Subjekt stärker hervorzuheben und den Hintergrund in einem weichen Bokeh verschwimmen zu lassen. Das Wichtigste ist, bewusst wahrzunehmen, was im Hintergrund passiert, und sicherzustellen, dass er das Subjekt ergänzt und nicht mit ihm konkurriert oder ablenkt.

4. Schlechtes Licht

Licht ist das A und O der Fotografie. Es formt die Szene, schafft Stimmungen, erzeugt Tiefe durch Schatten und bestimmt, wie Farben und Details wiedergegeben werden. Anfänger glauben oft, dass viel Licht immer gut ist, und fotografieren daher gerne zur Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht. Tatsächlich ist das harte Mittagslicht für die meisten Motive eher ungünstig. Die Sonne wirft dann harte Schatten, die Gesichter unvorteilhaft aussehen lassen (Stichwort „Waschbärenaugen“ durch Schatten in den Augenhöhlen), Farben wirken ausgewaschen, und der hohe Kontrast zwischen Lichtern und Schatten ist für die Kamera schwer zu bewältigen, was oft zu ausgefressenen Lichtern oder zugelaufenen Schatten führt.

Die Lösung: Lerne, das Licht zu „lesen“ und zu deinem Vorteil zu nutzen. Vermeide, wenn möglich, das Fotografieren im direkten, harten Mittagslicht. Nutze stattdessen den Schatten (zum Beispiel unter Bäumen oder in Gebäudevorsprüngen), wo das Licht weicher und diffuser ist. Oder fotografiere an bewölkten Tagen – die Wolkendecke wirkt wie eine riesige Softbox und sorgt für ein sehr weiches, gleichmäßiges Licht, das ideal für Porträts und Detailaufnahmen ist und Farben satt erscheinen lässt.

Die beste Zeit zum Fotografieren im Freien ist jedoch die sogenannte „Goldene Stunde“. Das ist die Zeit kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang. Das Licht ist dann weich, warm und kommt in einem flacheren Winkel, was lange Schatten wirft und den Bildern Tiefe und eine magische Atmosphäre verleiht. Achte auf die Richtung des Lichts: Seitenlicht kann Texturen und Formen betonen, Gegenlicht kann Silhouetten oder schöne Lichtränder erzeugen. Experimentiere mit verschiedenen Lichtsituationen und beobachte, wie sich die Wirkung auf deine Bilder ändert.

5. Überbearbeitung von Bildern

Die Nachbearbeitung ist ein wichtiger Schritt im modernen digitalen Workflow, besonders wenn man im RAW-Format fotografiert. Kameras erfassen die Realität nie genau so, wie unser Auge sie sieht, und Software wie Lightroom oder Photoshop ermöglicht es uns, das Beste aus unseren Bildern herauszuholen, Farben zu korrigieren, Kontraste anzupassen und unsere kreative Vision umzusetzen. Doch gerade Anfänger neigen dazu, es mit den Reglern zu übertreiben. Man ist fasziniert von den Möglichkeiten, schiebt Schieberegler wie Sättigung, Klarheit oder HDR-Effekte bis zum Anschlag und landet am Ende bei unnatürlich wirkenden, übersättigten oder surrealen Bildern, die wenig mit der ursprünglichen Szene zu tun haben.

Die Lösung: Betrachte die Nachbearbeitung als Werkzeug zur Verbesserung und Verfeinerung, nicht zur kompletten Verfremdung. Beginne mit grundlegenden Anpassungen: Belichtung korrigieren, Weißabgleich einstellen, Kontrast und Sättigung leicht anheben. Oft reichen schon diese wenigen Schritte, um ein flaches Bild zum Leben zu erwecken. Sei vorsichtig mit Effekten, die das Bild unnatürlich aussehen lassen. Ein guter Tipp ist, nach der Bearbeitung eine Pause einzulegen. Steh auf, mach etwas anderes, und schau dir das Bild nach ein paar Stunden oder am nächsten Tag noch einmal mit frischen Augen an. Oft erkennt man dann erst, ob man über das Ziel hinausgeschossen ist. Wenn du dich mit den Grundlagen sicher fühlst, kannst du komplexere Techniken ausprobieren, aber behalte immer im Hinterkopf, wie die Szene in Wirklichkeit aussah und ob die Bearbeitung das Bild verbessert oder verschlechtert. Weniger ist oft mehr, und ein natürlich wirkendes Bild ist meist ansprechender als ein übermäßig bearbeitetes.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wie viele Fotos sollte ich von einer Szene machen?

Es gibt keine feste Regel, aber mache immer mehr als nur ein oder zwei. Bei statischen Motiven reichen vielleicht 5-10, bei bewegten Szenen oder Porträts, bei denen Ausdrücke wichtig sind, können es auch Dutzende sein. Das Ziel ist, Auswahl zu haben.

Was macht einen guten Blickpunkt aus?

Ein guter Blickpunkt ist etwas, das die Aufmerksamkeit des Betrachters sofort auf sich zieht und dem Bild eine klare Aussage gibt. Es kann ein Objekt, eine Person, ein starker Kontrast, eine ungewöhnliche Form oder eine interessante Farbe sein, die sich vom Rest der Szene abhebt.

Wie erkenne ich störende Hintergründe?

Schau bewusst nicht nur auf dein Subjekt, sondern scanne den gesamten Bildausschnitt, besonders die Ränder und den Bereich direkt hinter dem Subjekt. Achte auf helle Flecken, unruhige Muster, grelle Farben oder Linien, die unpassend aussehen oder vom Subjekt ablenken.

Wann genau ist die Goldene Stunde?

Die Goldene Stunde ist grob die erste Stunde nach Sonnenaufgang und die letzte Stunde vor Sonnenuntergang. Die genaue Zeit hängt von deinem Standort und der Jahreszeit ab. Es gibt Handy-Apps und Webseiten, die dir die genauen Zeiten für deinen Standort anzeigen können.

Wie viel Nachbearbeitung ist "zu viel"?

Nachbearbeitung ist zu viel, wenn das Bild unnatürlich aussieht. Wenn Farben übersättigt sind, Details durch starke Filter verloren gehen, Kontraste so hoch sind, dass Lichter und Schatten keine Zeichnung mehr haben, oder das Bild bearbeitet aussieht, anstatt verbessert.

Zusammenfassung der Fehler und Lösungen

FehlerProblemLösung
Zu wenige FotosKeine Auswahl, Chance auf das perfekte Bild geringer.Mache viele Aufnahmen, variiere Winkel und Einstellungen.
Fehlendes SubjektBild wirkt langweilig oder unruhig, dem Betrachter fehlt Orientierung.Identifiziere und betone einen klaren Blickpunkt im Bild.
Hintergrund vernachlässigenStörende Elemente lenken vom Subjekt ab.Prüfe den Hintergrund bewusst und ändere den Standpunkt oder die Einstellungen.
Schlechtes LichtHartes Licht, flache Bilder, unvorteilhafte Schatten.Vermeide Mittagslicht, nutze Schatten, bewölkte Tage oder die Goldene Stunde.
ÜberbearbeitungBilder sehen unnatürlich und künstlich aus.Beginne mit grundlegenden Anpassungen, sei zurückhaltend mit Effekten, nimm Pausen.

Das Wichtigste beim Erlernen der Fotografie ist Übung und Geduld. Jeder macht Fehler, aber indem du dir dieser häufigen Fallen bewusst bist, kannst du sie gezielt vermeiden und deine Fortschritte beschleunigen. Nimm dir Zeit, die Tipps umzusetzen, experimentiere und vor allem: Hab Spaß am Fotografieren! Mit jedem Bild wirst du besser und sicherer, und bald werden diese anfänglichen Fehler der Vergangenheit angehören.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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