Warum wurden Tote fotografiert?

Fotografie im Viktorianischen Zeitalter

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Die Fotografie ist heute so allgegenwärtig, dass wir die Komplexität und den Aufwand, der in ihren Anfängen nötig war, leicht vergessen. Eine alte Plattenkamera, die kürzlich in einer Museumssammlung meine Aufmerksamkeit erregte, war der Auslöser für eine Reise in die Vergangenheit, genauer gesagt, in das viktorianische Zeitalter. Dieses beeindruckende Stück Technik aus dem späten 19. Jahrhundert, das einst der schottischen Maschinenbaufirma Clifton & Baird gehörte, lässt uns erahnen, wie revolutionär und gleichzeitig mühsam das Fotografieren damals war. Es ist faszinierend zu sehen, wie diese Kameras funktionierten und welche Ergebnisse man damit erzielen konnte.

Wie war die Fotografie im viktorianischen Zeitalter?
Im Gegensatz zu modernen Filmen wurden Fotografien bis ins späte 19. Jahrhundert meist auf starren Glas- oder Metallplatten belichtet, obwohl bei einigen Verfahren auch Papier zum Einsatz kam . Das bedeutet, dass man nicht einfach drauflos knipsen kann, sondern die Kamera nach jedem Bild neu laden muss.

Die besagte Kamera stammt aus einer Zeit, als die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte, aber bereits wichtige Schritte nach vorne gemacht hatte. Sie wurde möglicherweise verwendet, um die Produkte des Unternehmens im Werk in Johnstone zu dokumentieren und für Kataloge abzulichten. Man stellte die Maschinen vor einem provisorischen Hintergrund auf und platzierte oft den kleinsten Angestellten daneben, um die Größe und Imposanz hervorzuheben. Solche Fotografien waren entscheidend für den Vertrieb, da sie potenziellen Kunden das verfügbare Sortiment zeigten. Darüber hinaus könnte die Kamera auch für wissenschaftliche Zwecke genutzt worden sein, etwa angebracht an einem Mikroskop zur Analyse der Struktur von Stahlproben. Ihr Fundort zusammen mit einer Planpausmaschine lässt auch eine Nutzung im Zeichenbüro der Firma vermuten.

Was genau ist eine Plattenkamera?

Wenn man an eine alte Kamera denkt, hat man oft das Bild einer Plattenkamera vor Augen: ein großes, klobiges Gerät mit einem Balgen, der an ein Akkordeon erinnert. Selbst das moderne Verkehrsschild für Geschwindigkeitskameras zeigt immer noch ein Symbol mit Balgen. Der Name „Plattenkamera“ leitet sich von den Glas- oder Metallplatten ab, auf denen die Bilder belichtet wurden. Im Gegensatz zu modernem Film wurden Fotos bis in die späten 1800er Jahre typischerweise auf starren Platten aufgenommen, obwohl auch einige Verfahren Papier nutzten. Das bedeutete, dass man nicht einfach drauflosknipsen konnte; nach jeder Aufnahme musste die Kamera neu geladen werden. Der Prozess des Fotografierens war erheblich langsamer, was paradoxerweise auch Vorteile haben konnte – es zwang zur bewussten Komposition und sorgfältigen Vorbereitung.

Plattenkameras gehören zur Kategorie der Großformatkameras oder genauer gesagt, der Laufbodenkameras (eine Art View Camera). Der Name „View Camera“ rührt daher, dass man auf der Mattscheibe genau das sieht, was später auf der Platte oder dem Film landen wird. Die hier betrachtete Kamera stammt aus der Ära der „Trockenplatten“, die in den 1870er Jahren begann. Ein neues Verfahren, das Gelatine-beschichtete Platten verwendete, löste den umständlichen und nassen „Nassplatten-Kollodium“-Prozess ab, der zuvor populär war.

Die Entwicklung: Von der Nassplatte zur Trockenplatte

Der Nassplatten-Prozess, der ab den 1850er Jahren sehr erfolgreich war, basierte auf Platten, die mit einer viskosen Lösung aus in Alkohol und Ether gelöstem Kollodium beschichtet und dann in einer Silbernitratlösung sensibilisiert wurden. Dieser Prozess vereinte die hohe Qualität des Daguerreotyps mit der Reproduzierbarkeit des Kalotyps. Sein großer Nachteil war jedoch, dass die Nassplatte innerhalb kurzer Zeit nach der Sensibilisierung belichtet und entwickelt werden musste, bevor sie austrocknete. Dies zwang Fotografen, die im Freien arbeiteten, ihr Dunkelkammer-Equipment mitzunehmen, oft in Form eines Zeltes oder eines speziell ausgestatteten Wagens.

Nassplatten benötigten auch längere Belichtungszeiten als Trockenplatten. Dies war besonders problematisch bei Porträts, wo die zu fotografierende Person selbst bei hellem Licht mehrere Sekunden lang absolut stillhalten musste. Hier kamen dann oft Stützen und Klemmen zum Einsatz, um Bewegungsunschärfe zu vermeiden. Die Trockenplatten hingegen waren lichtempfindlicher (oder „schneller“) und konnten lange im Voraus präpariert und gelagert werden. Dies revolutionierte die Porträtfotografie und machte die Fotografie insgesamt zugänglicher.

Nicht lange nach der Herstellung unserer Kamera begann Kodak mit der Produktion von Zelluloidfilm, was einen weiteren großen Fortschritt darstellte. Die flexible Filmbasis revolutionierte bald die Fotografie durch die Erfindung der Rollfilmkamera, die mehrere Aufnahmen zwischen den Filmwechseln ermöglichte. Trotz dieser Innovation wurden Glasplatten für Spezialanwendungen noch weit ins 20. Jahrhundert hinein verwendet, hauptsächlich aufgrund ihrer überlegenen Planlage und Haltbarkeit.

Bestandteile einer Plattenkamera

Die Plattenkamera hat ein bemerkenswert einfaches, aber geniales Design. Sie besteht im Wesentlichen aus einem flachen Bett, das eine vordere Standarte (den vorderen Aufrecht), die das Objektiv hält, und eine hintere Standarte, die den Film oder die Platte hält, trägt. Diese beiden Standarten sind durch einen Balgen verbunden. Der Balgen sorgt dafür, dass das Innere der Kamera dunkel bleibt und nur Licht durch das Objektiv auf die Platte gelangt. Das Ziehharmonika-ähnliche Design des Balgens ermöglicht es, den Abstand zwischen den vorderen und hinteren Standarten zu variieren, was für die Fokussierung genutzt wird.

Die hier beschriebene Kamera ist eine sogenannte „Tailboard Camera“. Diesen Namen trägt sie, weil die vordere Standarte fest positioniert ist, während die hintere Standarte – oder, wie die Viktorianer sie nannten, das „Tailboard“ (Schwanzbrett) – bewegt wird, um das Bild scharfzustellen.

Kamerabewegungen: Mehr als nur Fokussieren

Trotz ihrer scheinbaren Einfachheit bieten Plattenkameras einige raffinierte Funktionen, die man bei modernen Digitalkameras oft nicht findet. Sogenannte „Kamerabewegungen“ ermöglichen es, das Bild noch vor der Aufnahme zu manipulieren. Zum Beispiel kann man hohe Gebäude (oder Maschinen) fotografieren, ohne die Kamera nach oben neigen zu müssen. Das Neigen würde eine „perspektivische Verzerrung“ verursachen, bei der vertikale Linien konvergieren (zusammenlaufen). Man vermeidet dies, indem man die vordere Standarte (und damit das Objektiv) parallel zur Platte nach oben verschiebt (Shift-Bewegung).

Ein weiterer cleverer Trick, der durch Bewegungen der vorderen Standarte ermöglicht wird, ist die Seitenverschiebung (Side-Shift). Damit kann man einen Spiegel (oder eine andere reflektierende Oberfläche) frontal fotografieren, ohne dass die Kamera selbst in der Reflexion erscheint!

Das Objektiv

Die Kamera kann verschiedene Objektive verwenden, die auf Holzplatten montiert sind und in die vordere Standarte passen. Das aktuell montierte Objektiv ist ein wunderschönes Exemplar mit Messingfassung von Taylor, Taylor & Hobson mit einer Brennweite von 11,8 Zoll (ca. 300 mm). Das klingt sehr lang, und an einer modernen Digitalkamera wäre es sicherlich ein Teleobjektiv. Da das Objektiv jedoch auf eine Platte projiziert, die um ein Vielfaches größer ist als ein digitaler Sensor, wirkt diese Brennweite eher wie ein „langes Normalobjektiv“, vergleichbar vielleicht mit einem 70mm-Objektiv an einer „Vollformat“-Digitalkamera. Dies bedeutet, dass man deutlich kleinere Blendenöffnungen verwenden muss als bei einer Kamera mit kleinerem Format, um eine brauchbare Schärfentiefe zu erzielen.

Taylor-Taylor Hobson, wie sie später bekannt wurden, ist ein Unternehmen aus Leicester, das noch heute existiert. Sie wurden 1886 gegründet, sodass wir wissen, dass unser Objektiv nicht älter sein kann. Die Objektivfassung ist mit einer weiteren wichtigen Information graviert: der Seriennummer 1056. Es gibt nicht viele Informationen über frühe T-TH-Seriennummern, und möglicherweise begannen sie 1895 eine neue Sequenz, als sie ihre neue „Cooke“-Objektivserie einführten. Unseres scheint älter zu sein, nicht zuletzt, weil es keine Irisblende zur Änderung der Blendenöffnung besitzt.

Stattdessen hat unser Objektiv einen Schlitz an der Oberseite, in den man eine Messing-„Stop“ einfügt. Hier kommt der Begriff „f-stop“ (Blendenstufe) her: Jede Blende stoppt buchstäblich eine bestimmte Lichtmenge daran, durch das Objektiv zu gelangen. Dieses Merkmal reicht zurück bis zu den Daguerreotypie-Kameras der 1840er Jahre. Ein Vergleich mit den Seriennummern anderer online veröffentlichter T-TH-Objektive deutet auf eine Datierung in die späten 1880er Jahre hin. Clifton & Baird nahmen ihren Geschäftsbetrieb erst 1908 auf, sodass es wahrscheinlich ist, dass sie sowohl Kamera als auch Objektiv gebraucht erworben haben.

Es gibt ein kleines Zubehörkästchen, das Blenden verschiedener Größen enthält. Je größer das Loch in der Blende, desto mehr Licht lässt sie herein. Die Löcher sind in Abständen von zwei Blendenstufen abgestuft, es gibt also zum Beispiel eine f4-Blende und eine f8, aber keine f5.6. Eine Sache, die man in einer Kamera erwarten würde, fehlt hier: ein Verschluss.

Ab etwa den 1890er Jahren hatten Objektive für Kameras wie diese oft einen in die Objektivfassung integrierten Verschluss. Bei älteren Objektiven wie dem hier gezeigten hatte man jedoch zwei Möglichkeiten: entweder einen separaten Verschluss vorne am Objektiv anbringen oder den Objektivdeckel als Verschluss verwenden.

In einer relativ dunklen Umgebung wie der Fabrik von Clifton & Baird wären lange Belichtungszeiten an der Tagesordnung gewesen. Es wäre einfach genug gewesen, den Objektivdeckel für ein paar Sekunden zu entfernen und dann wieder aufzusetzen. Ein weiterer Trick, den viktorianische Fotografen anwandten, war, ihren Hut als provisorischen Verschluss zu nutzen!

Die Fassung des Objektivs ist mit seiner Brennweite, der Plattengröße, für die es ausgelegt war, dem Herstellernamen und auch dem Namen des Händlers, der es verkauft hat, graviert: „J. White / Glasgow“. Dies ist vermutlich James White, der in den 1880er und 90er Jahren von Adressen in der Sauchiehall Street und der Cambridge Street (später nur noch letztere) aus handelte, was uns leider nicht hilft, das Datum genauer einzugrenzen.

Plattenhalter und Filmhalter

Die Kamera verfügt in ihrem Tragekoffer über zwei Plattenhalter. Jeder kann zwei Platten oder Filmblätter aufnehmen, eine auf jeder Seite. Sie werden als „Buchhalter“ bezeichnet, weil sie sich wie ein Buch aufklappen lassen, sodass die Glasplatten hineingelegt werden können.

Selbstverständlich muss dies in einer Dunkelkammer geschehen, allerdings nicht unbedingt im Dunkeln: In den frühen 1900er Jahren waren Fotoplatten noch „Orthochromatisch“. Das bedeutet, dass sie nicht auf das gesamte sichtbare Lichtspektrum empfindlich waren. Solche Platten „sahen“ normalerweise nur Blau und Grün, was bedeutete, dass sie unter rotem Sicherheitslicht gehandhabt und entwickelt werden konnten. Die meisten modernen Filme sehen das gesamte sichtbare Spektrum (manchmal darüber hinaus) und werden als „Panchromatisch“ bezeichnet.

Fotoplatten gab es in verschiedenen Größen, deren Standards von Land zu Land unterschiedlich waren. Diese Kamera verwendet das „Whole Plate“-Format, das, wie der Name schon sagt, eine der größeren gängigen Größen der damaligen Zeit war. Britische Whole Plates maßen 8,5 x 6,5 Zoll (165 x 216 mm).

Um den Filmhalter für die Aufnahme anzubringen, muss man zunächst die gläserne Mattscheibe aushaken, die sich zur Seite klappt. Wenn ein Filmhalter an ihrer Stelle eingeschoben wird, befindet sich der Film (oder die Oberfläche der Glasplatte) genau an derselben Position wie die Fokussierfläche der Mattscheibe. Dies stellt sicher, dass alles, was auf der Mattscheibe scharf war, auch auf dem Film scharf wird.

Nachdem wir uns mit der Kamera vertraut gemacht haben, sind wir bereit, ein Foto zu machen.

Der Prozess des Fotografierens

Das Bild auf der Mattscheibe ist sehr dunkel, daher benötigt man ein Dunkeltuch, um es richtig sehen zu können. Das Tuch wird über den Kopf gelegt und blockiert Licht von überall her außer von der Mattscheibe. Sobald man die Mattscheibe klar sehen kann, entdeckt man etwas Weiteres: Das Bild steht auf dem Kopf! Daran muss man sich erst gewöhnen, obwohl einige Fotografen festgestellt haben, dass es ihnen tatsächlich hilft, eine starke Komposition zu erstellen, indem sie das Motiv abstrahieren.

Es ist einfacher, die Kamera zu fokussieren, bevor man eine Blende in das Objektiv einsetzt, da die Blende das Bild auf der Mattscheibe deutlich dunkler macht, insbesondere wenn man eine hohe Blendenzahl wie f128 verwendet. Sobald man mit der Fokussierung zufrieden ist, kann man das Objektiv abblenden und den Filmhalter einsetzen.

Die Mattscheibe schwingt zur Seite, sodass der Plattenhalter an ihre Stelle geschoben werden kann. Sobald der Plattenhalter sitzt, kann der Schieber, der das Fenster an der Vorderseite des Halters abdeckt, entfernt werden. Das Objektiv muss dabei abgedeckt sein, sonst beginnt die Kamera sofort mit der Belichtung.

Die Kamera verfügt über keinen eingebauten Belichtungsmesser, daher muss man einen Handbelichtungsmesser verwenden oder aus Erfahrung die Belichtung schätzen. Abhängig davon, wie nah das Motiv ist, muss möglicherweise auch eine zusätzliche Belichtungszeit berechnet werden, um die Ausdehnung des Balgens zu berücksichtigen.

Um das Bild aufzunehmen, entfernt man schnell den Objektivdeckel (dabei vorsichtig sein, um keine Vibrationen zu verursachen) und zählt die Sekunden, bevor man den Deckel wieder aufsetzt. Es ist unerlässlich, den Schieber wieder einzusetzen, bevor man den Filmhalter entfernt, da sonst Streulicht eindringt und das Bild ruiniert wird.

Nutzung der Kamera heute: Eine Herausforderung

Nun, das war die Theorie, aber wie einfach ist es, die Kamera heute zu verwenden? Die Filmhalter haben bereits leere Glasplatten darin, sodass es möglich ist, ein Blatt Film vor das Glas zu legen. Dies im Dunkeln zu tun, ohne die empfindliche Oberfläche des Films zu beschädigen, ist jedoch leichter gesagt als getan! Ich stellte auch fest, dass einer der Filmhalter eine lockere Ecke hatte. Das führte dazu, dass ich den Film ein paar Mal nicht richtig einsetzen konnte und dies erst bemerkte, als der Film aus dem Halter sprang, als ich den Schieber schloss!

Die gläserne Mattscheibe ist nicht so hell wie bei einer modernen Großformatkamera, daher ist ein Dunkeltuch ein unerlässliches Zubehör für die Bildkomposition. Ich benötigte auch eine Lupe, um das Bild präzise zu fokussieren. Die gute Nachricht ist jedoch, dass sie tatsächlich funktioniert!

Welches Motiv wäre besser geeignet, um die Kamera zu testen, als unsere Clifton und Baird Kaltsägemaschine, aus derselben Fabrik, in der die Kamera verwendet wurde? Ich fotografierte sie im Museumsdepot, wo das Licht hell genug war, dass die benötigte Belichtungszeit nur etwa 4 Sekunden betrug. Das resultierende Bild war jedoch sehr flach. Es half nicht, dass ich einen kontrastarmen Film (Ilford HP5+) verwendete und dass das Objektiv keine der modernen Vergütungen besaß, die Fotos mehr Kontrast verleihen.

Das Hinzufügen von gerichtetem Licht von ein paar Leuchtstoffröhren half. Ich versuchte dann ein Porträt während eines Kurses im Photomedia Studio im Summerlee. Mit den Einstelllichtern des Studios war es möglich, ein einigermaßen scharfes Bild mit einer Belichtungszeit von 5 Sekunden zu erhalten. Die helle horizontale Linie im Foto unten ist ein Schaden, der an der empfindlichen Oberfläche des Films durch die gleitende Holzabdeckung eines beschädigten Plattenhalters verursacht wurde. Wir versuchten auch eine Belichtung von 8 Sekunden, aber die Unschärfe, die durch die Bewegung meines (sehr geduldigen) Modells verursacht wurde, wurde zu stark. Das ist der Grund, warum die Viktorianer Klemmen verwendeten, um den Kopf der sitzenden Person perfekt stillzuhalten!

Die Fotos wurden alle in Schalen in der Dunkelkammer des Photomedia Studios entwickelt und die resultierenden Negative gescannt. Alles in allem war es wirklich interessant, diese alte Kamera kennenzulernen und zu verstehen, wie es für die Techniker, die sie benutzten, gewesen sein muss. Davon abgesehen ist es keine Kamera, die viele Menschen regelmäßig verwenden möchten. Obwohl ich mit Großformatkameras nicht unbekannt bin, hatte ich wirklich Mühe mit dieser – ich bleibe vielleicht bei meinem Handy!

Vergleichstabelle: Nassplatte vs. Trockenplatte

MerkmalNassplatte (Collodium)Trockenplatte (Gelatine)
EinführungCa. 1850er JahreCa. 1870er Jahre
EmpfindlichkeitGeringer (längere Belichtungen)Höher (kürzere Belichtungen)
VorbereitungMuss unmittelbar vor der Belichtung sensibilisiert werdenKann lange im Voraus vorbereitet und gelagert werden
VerarbeitungMuss feucht belichtet und sofort entwickelt werden (Dunkelkammer vor Ort nötig)Kann trocken belichtet und später entwickelt werden (keine Dunkelkammer vor Ort nötig)
MobilitätSehr eingeschränkt (komplettes Labor nötig)Verbessert (nur Kamera und Platten nötig)
PorträtfotografieSchwierig (langes Stillhalten erforderlich)Erleichtert (kürzere Belichtungszeiten)

Häufig gestellte Fragen

F: Warum haben alte Kameras einen Balgen?
A: Der Balgen dient dazu, das Innere der Kamera dunkel zu halten und gleichzeitig den Abstand zwischen Objektiv und Platte/Film zu verändern. Diese Verstellung ermöglicht die Fokussierung auf unterschiedlich weit entfernte Objekte.

F: Was ist der Unterschied zwischen Nass- und Trockenplatten?
A: Nassplatten mussten unmittelbar vor der Aufnahme chemisch sensibilisiert und feucht belichtet sowie entwickelt werden, was eine Dunkelkammer vor Ort erforderte. Trockenplatten waren bereits bei der Herstellung sensibilisiert, konnten trocken gelagert und belichtet sowie später entwickelt werden, was das Fotografieren erheblich vereinfachte und mobil machte.

F: Wie wurde die Belichtung bei einer Plattenkamera ohne Belichtungsmesser eingestellt?
A: Die Belichtung wurde entweder anhand von Erfahrungswerten geschätzt oder mit einem separaten Handbelichtungsmesser gemessen. Bei langen Belichtungszeiten, wie sie in Innenräumen oder bei geringem Licht nötig waren, diente oft der Objektivdeckel oder sogar ein Hut als Verschluss, der für die geschätzte Dauer der Belichtung entfernt und wieder aufgesetzt wurde.

F: Warum ist das Bild auf der Mattscheibe einer Plattenkamera auf dem Kopf?
A: Das liegt an der Optik des Objektivs. Ein einfaches Objektiv projiziert ein umgekehrtes und seitenverkehrtes Bild auf die Fokussierfläche. Da es sich um eine direkte Projektion handelt, sieht man auf der Mattscheibe genau dieses umgekehrte Bild.

F: Wozu dienen die Kamerabewegungen (Shift, Tilt, Swing)?
A: Kamerabewegungen ermöglichen die Manipulation der Schärfeebene und der Perspektive. Mit Shift-Bewegungen (Verschieben der Standarten parallel zur Platte) kann man zum Beispiel stürzende Linien bei Architekturaufnahmen vermeiden oder Reflexionen umgehen. Tilt- und Swing-Bewegungen (Kippen oder Schwenken der Standarten) verändern die Lage der Schärfeebene (Scheimpflug-Prinzip).

F: Was bedeutet es, dass eine Platte orthochromatisch ist?
A: Orthochromatische Platten waren nur für blaues und grünes Licht empfindlich, aber nicht für rotes. Dies ermöglichte die Handhabung und Entwicklung unter rotem Sicherheitslicht in der Dunkelkammer. Panchromatische Filme oder Platten sind dagegen für das gesamte sichtbare Lichtspektrum empfindlich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Fotografie im viktorianischen Zeitalter eine Mischung aus wissenschaftlichem Experiment, handwerklichem Geschick und beträchtlichem Aufwand war. Die Entwicklung von der Nassplatte zur Trockenplatte und später zum Rollfilm waren entscheidende Schritte, die die Fotografie zugänglicher machten. Die Arbeit mit einer Plattenkamera wie der von Clifton & Baird gibt einen tiefen Einblick in die Herausforderungen und die Faszination dieser frühen Ära. Es ist eine Erinnerung daran, wie weit die Technologie gekommen ist und wie viel einfacher es heute ist, ein Bild aufzunehmen, auch wenn die grundlegenden Prinzipien der Optik und Belichtung über die Jahrhunderte dieselben geblieben sind.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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