Smartphones haben eine beeindruckende Entwicklung hinter sich: vom ersten iPhone bis zu den High Tech-Geräten, die wir heute kennen und lieben. Mit jeder Generation wurden sie leistungsstärker, vielseitiger und intelligenter. Doch wer hat das Smartphone erfunden? Seit wann gibt es Smartphones und welche Errungenschaften waren wegweisend? Und wann wurden sie eigentlich für jedermann zugänglich? In diesem Beitrag reisen wir zurück in die Vergangenheit, um genau das herauszufinden. Anschließend wagen wir einen Ausblick in die Zukunft – denn: Die Geschichte des Smartphones ist noch längst nicht vorbei!
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Der Weg zum allgegenwärtigen Mobiltelefon war lang und begann in einer Zeit, in der mobile Kommunikation noch ein unerreichbarer Luxus war.
Die Anfänge: Vom Ziegel zum Klapphandy (1980er & 1990er Jahre)
Die ersten Handys wurden vor mehr als 30 Jahren erfunden – genauer gesagt 1983, als Motorolas DynaTAC 8000X auf den Markt kam. Zugegeben: Mit heutigen Handys hatte dieses Gerät wenig zu tun. Das DynaTAC war groß, klobig und ganze 1 kg schwer. Nicht umsonst trug es den Spitznamen „The Brick“ (der Ziegel). Auch über die Laufzeit kann man heute nur schmunzeln. Nach 30 Minuten Telefonieren musste das DynaTAC ganze 10 Stunden an die Steckdose. Dazu kam der stolze Preis von 4.000 Dollar!
Für Otto Normalverbraucher war das DynaTAC ohnehin nie bestimmt. Eher galt es als Status-Symbol für Banker, Firmenbosse und Yuppies – spätestens seit Gordon Gecko dieses Handy im Film „Wall Street“ berühmt machte. Doch der Grundstein war gelegt.

Kleiner und etwas günstiger präsentierte sich das 1989 erschienene Motorola MicroTAC: erstmals ein Handy zum Aufklappen. Das Gerät passte sogar in die Hemdtasche. Es war nur halb so groß wie seine Konkurrenten. Auch die Antenne wurde bereits intern verbaut. Außen prangte eine Plastik-Attrappe, die ausschließlich der Optik diente.
In den 90ern folgte ein wichtiger Schritt: Der Wechsel von analog zu digital. Radio-Telefonie wurde durch den GSM-Standard (2G) abgelöst. Dieser erlaubte es Nutzern erstmals, Text-Nachrichten zu verschicken: die guten alten SMS. Handy-Displays wurden größer. Erstmals konnte man Klingeltöne herunterladen und simple Spiele á la Snake und Tetris spielen. Auch die Akkulaufzeit verbesserte sich. Spätestens ab 1991 setzten Hersteller leichte, wieder aufladbare Lithium-Ionen-Batterien ein – denselben Typ Akku, der noch heute verwendet wird.
Sinkende Produktionskosten machten die Handys der zweiten Generation deutlich günstiger. Dementsprechend konnten Hersteller mit verschiedenen Designs experimentieren. Handys zum Aufklappen und Aufschieben dominierten die frühen 2000er-Jahre. Dazu gehörten Klassiker wie das Nokia N95, Motorola Razr V3 oder Nokia 7200. Diese drei Firmen erlebten ihre Sternstunde – die jedoch nicht mehr lang dauern sollte.
Mobile Kommunikation in Deutschland um 1990
Die Verfügbarkeit und die Wahrnehmung von Mobiltelefonen in Deutschland spiegelten Anfang der 90er Jahre noch stark deren Status als teure und klobige Geräte wider:
Ein Siemens C3 aus dem Jahr 1990 war ein Kunststoffkoffer mit einem Hörer dran, wog rund 2,5 Kilogramm (plus Zubehör) und kostete etwa 8000 Mark. Es war ein Werkzeug für Berufstätige in Regionen mit schlechter Festnetzabdeckung und ein klares Statussymbol, dessen Zeitwert den eines Gebrauchtwagens übersteigen konnte.
Selbst Mitte der 2000er Jahre gab es noch Handy-Verweigerer, die den Nutzen von Mobiltelefonen für alltägliche Gespräche in unmittelbarer Nähe anzweifelten. Doch der Druck durch die Verbreitung von SMS und die Notwendigkeit, flexibel erreichbar zu sein, wuchs. Ältere Modelle wie das Siemens S55 galten bereits als nicht mehr „der neueste Schrei“, waren aber robust und zuverlässig mit langer Akkulaufzeit – Eigenschaften, die bei modernen Smartphones oft vermisst werden.
Für viele war das erste Handy ein Geschenk oder wurde aus Notwendigkeit angeschafft, oft als abgelegtes Gerät von Familienmitgliedern. Die Größe der frühen Geräte konnte durchaus unpraktisch sein und Fragen aufwerfen. Der Übergang vom reinen Telefonieren zur Nutzung für E-Mails und andere Dienste wurde von einigen Nutzern zunächst kritisch gesehen.
Anfang der 90er Jahre, vor der flächendeckenden Verbreitung von Mobilfunk, waren Reporter auf Telefonzellen angewiesen und trugen Säcke voller Münzen bei sich. Die Einführung tragbarer Autotelefone oder der ersten wirklich mobilen Geräte wie dem Mobira Senator (1982, 10 kg Autotelefon) oder dem Mobira Cityman 900 (1987, erstes wirklich tragbares Nokia) war eine Sensation. Selbst kiloschwere Testgeräte erregten Aufsehen auf einer Obstwiese. Diese persönlichen Einblicke zeigen, wie weit die Technologie gekommen ist und wie stark sich die mobile Kommunikation von einem seltenen, bewunderten Werkzeug zu einem alltäglichen Begleiter für jedermann entwickelt hat.
Der Weg zum „Smart Phone“ (2000er Jahre)
Fragt man heute nach dem ersten Smartphone, nennen viele selbstverständlich Apples iPhone. Doch nur wenige wissen: Der Begriff „Smartphone“ reicht noch weiter zurück. Wer ihn erfunden hat, lässt sich nur schwer bestimmen.
Ein Anwärter ist der IBM Simon Personal Communicator aus dem Jahr 1992. Dieses Handy hatte bereits einen Touch-Screen, der per Stylus bedient wurde. Ein Browser war zwar nicht vorhanden – dafür aber Kalender, Taschenrechner, Notizen und ein Email-Programm. Man könnte von den ersten „Apps“ sprechen. Leider hielt dieser Hybrid aus Handy und PDA nur 60 Minuten durch. Ein Kassenschlager wurde aus dem Simon Personal Communicator übrigens nicht. Im ersten Jahr verkauften sich gerade einmal 50.000 Exemplare.
Auch andere Hersteller versuchten, das Handy „smart“ zu machen. Mit dem Nokia 9000 Communicator konnte man Faxe und Emails versenden. 1999 erfand Toshiba das Foto-Handy, und im selben Jahr erschien das Ericsson R380. Als smartes Phone beworben, trumpfte dieses Handy mit einem Touch-Screen, Internet-Browser und Kalender auf – Kriterien, die auch Smartphones von heute besitzen. Allerdings prangte weiterhin eine physische Tastatur unter dem Display.
Aufschwung erhielten diese Handys durch einen neuen Mobilfunk-Standard: 3G. Die Übertragungsraten von 2G wurden noch einmal übertroffen, sodass Nutzer unterwegs surfen, downloaden und sogar Video-Anrufe tätigen konnten.
Nokias Aufstieg, Fall und Wiederkehr
Nokia ist ein Urgestein der Mobilfunkbranche. Gegründet bereits 1865 als Zellstofffabrik, wandelte sich das finnische Unternehmen über Jahrzehnte von einem Mischkonzern mit Gummistiefeln und Kabeln im Portfolio hin zum Telekommunikationsriesen. Nokia leistete bedeutende Beiträge zur Entwicklung der GSM-, 3G- und LTE-Standards. Zwischen 1998 und 2011 war Nokia der weltweit größte Anbieter von Mobiltelefonen und Smartphones.
Die ersten mobilen Telefone von Nokia waren Autotelefone für das skandinavische NMT-Netz, beginnend 1982 mit dem fast 10 kg schweren Mobira Senator. 1987 folgte das Mobira Cityman 900, das als erstes wirklich tragbares Mobilfunktelefon von Nokia gilt. 1992 präsentierte Nokia mit dem Nokia 1011 sein erstes GSM-Mobiltelefon.
Mit der Mitgründung von Symbian Ltd. 1998 und der Veröffentlichung des Nokia 9210 Communicator (2001) sowie der Einführung der Symbian Series 60-Plattform (mit dem ersten Kamerahandy, dem Nokia 7650) wurde Nokia auch zu einem führenden Hersteller von Smartphone-Hardware und -Software. 1998 überholte Nokia Motorola und verkaufte weltweit 41 Millionen Handys. Der Erfolg im Handy-Geschäft führte dazu, dass Nokia bis Mitte der 2000er Jahre nahezu alle anderen Geschäftsbereiche abstieß.

Trotz dieses Erfolgs im klassischen Handy-Segment geriet Nokia mit dem Aufkommen des modernen Smartphones ins Hintertreffen. Nach dem iPhone (2007) und dem ersten Android Phone (2008) musste Nokia aufgrund strategischer Fehlentscheidungen, wie dem späten Umstieg auf ein modernes Betriebssystem, einen drastischen Rückgang seines Marktanteils hinnehmen. Ein Versuch mit dem eigenen Betriebssystem MeeGo (Nokia N9, 2011) war kurzlebig. Anfang 2011 ging Nokia eine Partnerschaft mit Microsoft für das Betriebssystem Windows Phone ein, was jedoch die Trendwende nicht brachte.
Die Partnerschaft mit Microsoft endete 2014 mit dem Verkauf der Nokia-Mobiltelefonsparte an Microsoft Mobile. Microsoft stellte die Produktion der Lumia-Reihe 2016 ein. Gemäß der Vereinbarung durfte Nokia selbst bis Ende 2015 keine Smartphones und bis 2024 keine Einfach-Handys unter eigenem Namen auf den Markt bringen, ausgenommen Tablets.
Nur ein Jahr später, 2017, kehrte die Marke Nokia durch eine Lizenzvereinbarung mit dem finnischen Elektronikhersteller HMD Global auf den Handy- und Smartphone-Markt zurück. HMD Global, gegründet von ehemaligen Nokia-Managern, bietet seitdem unter der Marke Nokia Smartphones (basierend auf Android) und Feature-Phones an, die von Foxconn produziert werden. Nokia Technologies erhält dafür Lizenzgebühren.
Im März 2024 wurde bekannt, dass HMD Global künftig keine Geräte mehr unter dem Namen Nokia bauen, sondern unter dem eigenen Markennamen HMD verkaufen wird. Nokia selbst konzentriert sich heute als B2B-Technologie-Innovationsführer auf Netzwerktechnologien (5G, 6G), kritische Netze und die Forschung der Bell Labs. Die Marke Nokia wird weiterhin für andere Consumer-Produkte wie Fernseher, Laptops und Kopfhörer an diverse Unternehmen lizenziert.
2007: Das iPhone verändert alles
Heute gilt Apple oft als Erfinder des Smartphones, auch wenn der Begriff älter ist. 2007 rechneten die wenigsten damit, dass ausgerechnet dieses Unternehmen den Mobilfunk-Kosmos für immer verändern würde. Apple war vor allem für Computer bekannt.
Mit der Rückkehr von Steve Jobs änderte sich vieles. Innovationen wie iMac und iPod ebneten den Weg für Apples ambitioniertestes Projekt: ein Handy mit Kamera, eingebautem iPod und Internet-Zugang. Am meisten staunten Experten jedoch über den kapazitiven Touchscreen.
Das iPhone verzichtete komplett auf eine Tastatur. Auch der Stylus-Pen früherer PDAs war nicht mehr nötig. Stattdessen konnten Nutzer Elemente mit dem Finger auswählen, über das Display wischen (swipen) und Inhalte vergrößern.
Völlig neu war dieses Konzept nicht. Bereits ein Jahr zuvor hatte LG ein Smartphone mit dem Namen „Prada“ veröffentlicht. Dessen Touch-Screen funktionierte ebenfalls ohne Stylus. Warum also eroberte Apples iPhone den Markt, während das LG Prada in Vergessenheit geriet?
Da wäre zum einen die Verarbeitung. Mit seinem Mix aus Glas und Metall sowie (damals) ultra-schlanken Displayrändern war das iPhone ein echter Hingucker. LGs Plastik-Handy wirkte dagegen weit weniger opulent, als der Name „Prada“ vermuten ließ. Auch bei den inneren Werten hatte Apple die Nase vorn. Während das LG Prada nur 8 MB Speicher besaß, konnte das iPhone ganze 4 GB vorweisen. Sein Akku hielt im Alltag doppelt so lang durch.
Dazu kam die Software. Bereits 2008 startete Apple seinen App Store. Schon bald konnten Nutzer Millionen von Apps herunterladen: von Messengern über Spiele bis zu Social Media. Apples enorme Bekanntheit, die Zusammenarbeit mit Stars und Sternchen und nicht zuletzt das Charisma von Steve Jobs taten ihr Übriges: Tausende Menschen standen vor den Apple Stores Schlange, um ein iPhone zu ergattern. Im ersten Jahr verkaufte sich das Smartphone ganze 1,4 Millionen Mal – 2008 sogar 11 Millionen Mal.
Das Ende des klassischen Handys war eingeläutet. Stattdessen eiferten so gut wie alle Hersteller dem Design des iPhone nach. Wer sich dagegen sträubte, wurde vom Markt verdrängt – wie die Beispiele BlackBerry, Palm und Nokia zeigen. Nur wenige schafften ein Comeback.
Details zum iPhone der ersten Generation (iPhone 2G)
Das erste iPhone, auch inoffiziell iPhone 2G genannt (wegen seiner GSM/EDGE-Mobilfunktechnologie, nicht der Gerätegeneration), wurde am 9. Januar 2007 von Steve Jobs vorgestellt und kam am 29. Juni 2007 in den USA auf den Markt, im November 2007 in drei europäischen Ländern, darunter Deutschland (zunächst exklusiv bei T-Mobile).
Es nutzte Apples Betriebssystem iOS (damals iPhone OS genannt), startete mit Version 1.0.0 und unterstützte maximal Version 3.1.3. Die Bedienung erfolgte hauptsächlich über den Multi-Touch-Bildschirm, der bis zu fünf Berührungspunkte gleichzeitig verarbeiten konnte. Es gab nur wenige physische Tasten: Home, Lautstärke (+/-), Stummschalter und Standby. Texteingaben erfolgten über eine eingeblendete Bildschirmtastatur. Das Display hatte eine Auflösung von 320 × 480 Pixeln.
Das Gerät verfügte über drei Sensoren: einen Näherungssensor (schaltet Display/Eingabe bei Annäherung ans Ohr ab), einen Drei-Achsen-Beschleunigungssensor (wechselt Anzeige zwischen Hoch- und Querformat) und einen Helligkeitssensor (passt Bildschirmhelligkeit an Umgebungslicht an).
Die Mobilfunkverbindung erfolgte ausschließlich über GSM (Quadband: 850, 900, 1800, 1900 MHz) mit Datenübertragung per EDGE. Es gab keine Unterstützung für UMTS oder HSDPA. Vernetzung war per WLAN (802.11b/g) oder Bluetooth möglich, wobei die Bluetooth-Unterstützung anfangs sehr begrenzt war (kein A2DP für Stereo-Audio, kein Datenaustausch mit anderen Geräten). Ein GPS-Empfänger war nicht verbaut; die Ortsbestimmung erfolgte über die Trilateration von Mobilfunkzellen und bekannten WLAN-Hotspots.

Das iPhone integrierte umfassende Medienwiedergabefunktionen des iPods, einschließlich Cover Flow und Videowiedergabe (H.264 bis 640x480 Pixel). MMS für Audio und Video wurde nicht unterstützt. Das mitgelieferte Headset enthielt ein Mikrofon und einen „Klicker“ zur Steuerung.
Eine 2-Megapixel-Kamera auf der Rückseite konnte nur einzelne Bilder aufnehmen, keine Videos (dies war eine Software-Beschränkung). Der interne NAND-Flash-Speicher war 4 GB, 8 GB oder 16 GB groß; ein Erweiterungssteckplatz fehlte. Der Arbeitsspeicher betrug 128 MB DRAM.
Der 1400 mAh Lithium-Polymer-Akku war fest verbaut und konnte vom Nutzer nicht selbst ausgetauscht werden. Apple bot einen Akkuwechsel als Service an, der anfangs kritisiert wurde, da der Akku angelötet war (beim iPhone 3G wurde dies geändert).
Anschlüsse gab es in Form des 30-poligen Dock-Connectors (ähnlich dem iPod, unterstützte Videoausgabe) und einer 3,5-mm-Klinkenbuchse (mit vier Kontakten für Stereo-Audio und Mikrofon).
Die Preise waren anfangs hoch (499/599 USD in den USA, 399 Euro mit Zweijahresvertrag und SIM-Lock in Deutschland), was die Zielgruppe zunächst einschränkte. Eine Preissenkung in den USA kurz nach Verkaufsstart führte zu Unmut bei Erstkäufern.
Die Ära Android beginnt (2008)
Es dauerte nicht lange, bis das iPhone Konkurrenz bekam: und zwar von Android. Das Unternehmen wurde bereits 2003 gegründet und 2005 von Google übernommen. Zusammen mit einem Konsortium aus Tech- und Mobilfunkunternehmen entstand Android, wie wir es heute kennen. Die Philosophie: ein offenes, kostenloses Betriebssystem, das nach eigenen Wünschen angepasst werden konnte. Damit stand Android im Kontrast zu Apples streng gehütetem iOS.
Der Titel „erstes Android-Phone“ gebührt dem HTC Dream. Ironischerweise handelte es sich nicht um ein reinrassiges Smartphone. Unter dem Touch-Display zum Hochschieben prangte eine physische Tastatur. Trotzdem ebnete das HTC Dream den Weg. Bereits 2011 hatte Android Konkurrenten wie Apple und Microsoft überflügelt. Seitdem wird kein Betriebssystem von mehr Smartphone-Herstellern verwendet.
Wichtige Meilensteine für die Massentauglichkeit
Die Entwicklung des Smartphones zur Technologie für jedermann war ein schrittweiser Prozess, der von verschiedenen Herstellern und technologischen Fortschritten vorangetrieben wurde:
2010: Das erste Samsung Galaxy Phone
Im Juni 2010 – also drei Jahre nach dem ersten iPhone – erschien das wohl wichtigste Android-Phone. Die Rede ist vom Samsung Galaxy S1. Seine Werte mögen heute kaum noch beeindrucken. Doch damals waren sie wegweisend. Nicht nur fiel das S1 mit 9,9 mm schlanker aus als alle Konkurrenten. Samsung ersetzte auch erstmals den LCD-Screen durch AMOLEDs. Die selbstleuchtenden Dioden ließen Kontraste und Farben in nie gekannter Pracht erstrahlen. Dazu kamen ein SD Karten-Slot und ein austauschbarer Akku – zwei Features, die sich viele Nutzer heute zurückwünschen.
Anders als Apple hatte Samsung eine breitere Zielgruppe im Blick. Statt nur ein oder zwei hochpreisige Modelle anzubieten, stellten die Koreaner zwei Dutzend Varianten des Samsung Galaxy her, die verschiedene Preisklassen abdeckten. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Bis 2013 wurden über 25 Millionen Exemplare verkauft. Das Galaxy S gehört noch heute zu den erfolgreichsten Smartphone-Reihen überhaupt.
2011: Das erste Xiaomi Smartphone
Smartphones waren anfangs noch ein Luxusprodukt. Dass sie auch für die Masse immer erschwinglicher wurden, ist vor allem einer Firma zu verdanken: Xiaomi. Die Chinesen rangieren heute unter den vier größten Smartphone-Herstellern weltweit. Bereits ihr erstes Smartphone, das Xiaomi Mi1, begeisterte mit exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis. Bald kamen auch internationale Kunden in den Genuss von Xiaomi-Phones. Der Hersteller mauserte sich zur ernstzunehmenden Alternative zu Samsung, Apple und Co. Mittlerweile produziert Xiaomi Smartphones im günstigen, mittleren und gehobenen Preissegment.
2013: Das erste faire Smartphone
Spätestens 2011 war der Siegeszug des Smartphones nicht mehr aufzuhalten. In diesem Jahr überstiegen die Verkaufszahlen erstmals die von klassischen Handys. Doch trotz aller Euphorie gab es Kritik. Um Smartphones herzustellen, waren (und sind) Rohstoffe wie Zinn, Kobalt, Gold und Wolfram nötig, die unter problematischen Bedingungen abgebaut werden. Der Begriff „Konflikt-Mineralien“ tauchte im öffentlichen Bewusstsein auf. Zulieferer und Hersteller standen im Verdacht, mit ihren Geräten Menschenrechts-Verletzungen und Bürgerkriege zu unterstützen.
Eine Reaktion auf diese Missstände war das Fair Phone. Dieses Smartphone erschien erstmals im Jahr 2013 und galt als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Nicht nur setzte der Hersteller, wo möglich, recycelte und fair gehandelte Materialien ein. Fair Phones wurden auch modular designet, sodass Nutzer sie selbst reparieren konnten. Mittlerweile sind sie in der 5. Generation verfügbar.
2014: Aus 3G wird 4G
Wir schreiben das Jahr 2014. Nahezu 30 % aller Deutschen besitzen ein Smartphone. Hersteller wie Apple, Samsung, Huawei und Xiaomi haben sich auf dem Markt etabliert und Smartphones werden immer erschwinglicher.
Gleichzeitig erblickt ein neuer Mobilfunkstandard das Licht der Welt: 4G – hierzulande auch LTE genannt. Damit sind ungekannte Übertragungsraten möglich. Während der Vorgänger 3G höchstens 42,2 MBit/s erlaubte, unterstützt 4G bis zu 300 MBit/s. Die Auswirkungen auf die Smartphone-Nutzung ließen nicht lange auf sich warten. Erstmals war es möglich, unterwegs Videos zu streamen und aufwändige Online-Spiele zu spielen. Der 4G-Standard ist nach wie vor relevant.

2016: Start der Google Pixel Reihe
Bis zum Jahr 2016 war Google vor allem als Software-Entwickler bekannt. Die Kalifornier steuerten das Betriebssystem Android bei – andere Hersteller lieferten die Smartphones. Alles änderte sich mit dem Release des „Pixel“. Das erste Google-Phone schlug hohe Wellen im Smartphone-Kosmos. Grund war nicht nur eine Verzahnung von Hardware und Software, die man sonst nur von Apple kannte. Endlich erhielten Nutzer die „pure“ Android-Erfahrung ohne unnötige Apps und Bloatware. Auch in Sachen Kamera-Qualität, Rechenpower und Akkulaufzeit konnte das Google Pixel begeistern. Seine Nachfolger knüpften an diesen Erfolg an. So revolutionierte das Pixel 3 die nächtliche Fotografie mit Googles Night Mode und unterstützte erstmals kabelloses Laden. Die Pixel-Reihe kann mittlerweile auf 9 Generation zurückblicken.
2018: Aus einer Kamera mach drei – das Huawei P20 Pro
Seit dem Release des ersten iPhone legten Smartphone-Kameras eine bemerkenswerte Entwicklung hin. Größere Sensoren und Pixel, Bildstabilisierung und Autofokus sorgten dafür, dass Nutzer immer detailliertere Fotos knipsen konnten. Ein echter Meilenstein war das Huawei P20 Pro. Zum ersten Mal prangten drei Kameras auf der Rückseite. Interessanterweise verfügte das P20 Pro noch nicht über eine Ultraweitwinkel-Linse. Der Hersteller verbaute stattdessen eine monochrome Kamera, um die Bildqualität der anderen beiden Linsen zur verbessern. Zwar konnte sich dieses Design nicht durchsetzen. Doch die klassische Triple-Kamera finden wir noch heute in so gut wie allen Smartphones.
2019: Foldables und 5G
Faltbare Handys sind nichts Neues. Bereits in den frühen 2000er Jahren erfreuten sich Geräte wie das Motorola Razr oder Nokia N90 großer Beliebtheit. Bis dieses Design seinen Weg in moderne Smartphones fand, sollte es jedoch dauern. Das Royole Flexpai erschien 2018. Richtig massentauglich wurden faltbare Smartphones dann im Jahr 2019, als Samsung das Galaxy Fold vorstellte. Nun erhielten Nutzer eine gigantische 7,3 Zoll-Diagonale – perfekt für Filmgenuss und Multi-Tasking. Zusammengeklappt schrumpfte das Gerät auf handliche 4,6 Zoll zusammen. Der Siegeszug von Foldables war nicht mehr aufzuhalten. Heute bietet fast jeder Smartphone-Hersteller ein Gerät zum Aufklappen an.
2019 folgte eine weitere Revolution: 5G wurde eingeführt. Dieser Standard ermöglichte Übertragungsraten, von denen LTE-Nutzer nur träumen konnten. So war es erstmals möglich, HD-Filme und riesige Datenmenge in Sekunden zu downloaden. Auch Video-Telefonie und Online-Gaming gingen dank 5G weitaus flüssiger von der Hand. Bis sich dieser Standard hierzulande durchsetzte, sollte es jedoch dauern. Ende 2021 waren erst 53 % des Bundesgebiets abgedeckt. 90 % wurden 2024 erreicht. 5G-fähige Smartphones – 2020 noch ein echtes Novum – sind inzwischen zum Standard geworden.
2023: Smartphones werden wirklich „smart“
Smartphones und künstliche Intelligenz – diese Kombination ist nichts Neues. Doch mit dem Aufkommen immer stärkerer Chips und schnellerer Verbindungen erreichen KI-Anwendungen ungekannte Höhen. Nun können wir Texte übersetzen, Telefongespräche transkribieren, Bilder wie von Zauberhand retuschieren und uns mit cleveren Sprachassistenten unterhalten. Als erstes KI-Smartphone gilt vielen das Google Pixel 8 Pro. Sein leistungsstarker Tensor G3-Chip wurde speziell für Künstliche Intelligenz optimiert. So bewältigte das Pixel 8 Pro viele KI-Tools sogar ohne Internet. Anfang 2024 folgte das Samsung Galaxy S24 mit Galaxy AI. Auch Apple mischt mittlerweile im KI-Kosmos mit. Apple Intelligence verspricht, künstliche Intelligenz nicht nur cleverer, sondern auch nutzerfreundlicher und sicherer zu machen.
Vergleich: Vom „Ziegel“ zum modernen Smartphone
| Merkmal | Motorola DynaTAC 8000X (1983) | Nokia 3310 (2000) | iPhone 1. Gen (2007) | Modernes Smartphone (ca. 2024) |
|---|---|---|---|---|
| Größe & Gewicht | Sehr groß, 1 kg | Kompakt, ca. 100-150 g | Mittelgroß, ca. 135 g | Groß, ca. 150-250 g |
| Preis (inflationsbereinigt) | Sehr hoch (ca. 10.000+ USD heute) | Erschwinglich (Mittelklasse) | Hoch (Premium) | Sehr breit gefächert (Einstieg bis Premium) |
| Display | Kein Display im modernen Sinn (nur Ziffernanzeige) | Monochrom-Grafikdisplay | Touchscreen (kapazitiv), Farbe | Großes Farb-Touch-Display (OLED/LCD) |
| Bedienung | Physische Tasten | Physische Tasten | Touchscreen, wenige physische Tasten | Touchscreen, wenige physische Tasten |
| Mobilfunk | 1G (Analog) | 2G (GSM) | 2G (GSM/EDGE), WLAN | 4G/5G, WLAN |
| Internet | Nein | Sehr begrenzt (WAP) | Eingeschränkt (EDGE), WLAN | Schnell (LTE/5G), WLAN |
| Apps/Funktionen | Nur Telefonieren | SMS, Spiele (Snake), Klingeltöne | Kalender, Notizen, E-Mail, Browser, iPod-Funktion, erster App Store | Millionen Apps, Multimedia, Navigation, KI etc. |
| Kamera | Nein | Nein (spätere Modelle) | 2 MP (nur Fotos) | Mehrere hochauflösende Kameras, Video |
| Speicher | Kein Datenspeicher für Nutzer | Begrenzt für SMS, Kontakte | 4/8/16 GB (intern) | Viele GB bis TB (intern, z.T. erweiterbar) |
| Akku | 30 Min Sprechzeit, 10 Std laden | Mehrere Tage Standby | Bis zu 8 Std Sprechzeit | 1-2 Tage typische Nutzung |
Was bringt die Zukunft für Smartphones?
Auch, wenn die Zukunft des Smartphones ungewiss ist – eines steht fest: Die Entwicklung bleibt nicht stehen! In den nächsten Jahren und Jahrzehnten dürfen wir auf bahnbrechende Innovationen gespannt sein.
Viel Potenzial sehen Experten in der künstlichen Intelligenz. Bereits jetzt sind Smartphones erstaunlich clever. Zukünftig sollen sie darüber hinaus emphatisch werden. Mithilfe ausgeklügelter Sensoren erfasst das Handy den Gemütszustand seines Nutzers – und passt sich daran an. Smartphones als emotionale Begleiter könnten zum Alltag werden.
Auch beim Design erwarten uns Änderungen. Bereits jetzt arbeiten Hersteller wie Samsung und Tecno an „Rollable Smartphones“, die ihre Größe wie von Zauberhand ändern. Auf- und Zuklappen wäre dann nicht mehr nötig. Noch futuristischer wirken dehnbare Displays. Sie könnten in jede erdenkliche Form gebracht werden und sich dank Nano-Technologie sogar selbst reparieren.
Apropos Display: Eventuell haben wir in 10 Jahren gar keinen flachen Bildschirm mehr vor uns. Holografische Screens könnten 3D-Modelle kreieren, die sich aus allen Richtungen betrachten lassen. Der Holoprojektor aus Star Wars scheint nicht mehr fern!
Natürlich brauchen die Technologien der Zukunft Energie. Smartphone-Akkus stehen bereits jetzt unter Dauerstress. Sollen sie stärker ausfallen, müssen Entwickler die Größe nach oben schrauben – keine beliebte Lösung. Abhilfe versprechen neuartige Materialien wie Graphen und Silikon. Diese liefern bei gleicher Größe und gleichem Gewicht wesentlich mehr Laufzeit.
Du siehst also: Der Höhepunkt des Smartphones ist noch lange nicht erreicht. Wir sind gespannt, welche Innovationen uns in den nächsten Jahren noch erwarten.
Seit wann gibt es Smartphones – FAQ
Seit wann gibt es Smartphones in Deutschland?
Der 1992 erschienene IBM Simon Personal Communicator gilt vielen Experten als erstes Smartphone der Welt – vor allem aufgrund seines Touchscreens und der Internet-Funktion. Gezielt als „Smart Phone“ beworben wurde das Ericsson R380 im Jahr 1999. Doch erst 2007 erschien mit Apples iPhone ein Smartphone, das den Massenmarkt in Deutschland und anderen Ländern eroberte und die moderne Smartphone-Ära einleitete.
Seit wann gibt es Smartphones mit Internet?
Mobiles Internet entstand in den späten 1990er Jahren, als sich der 2G-Standard (GSM) durchsetzte. Als erstes Handy mit Internetzugang gilt der Nokia Communicator. Dieses Gerät hatte bereits Merkmale eines Smartphones: allen voran einen Touch-Screen und die Möglichkeit, E-Mails zu verschicken.
Seit wann gibt es Smartphones mit Touch-Screen?
Handys mit resistivem Touchscreen gab es bereits in den 90er Jahren. Allerdings mussten diese noch per Stylus-Pen bedient werden. 2006 erschien das LG Prada. Dieses Smartphone verfügte erstmals über einen kapazitiven Touchscreen, der Fingergesten ermöglichte. Richtig bekannt wurden Touchscreens dann mit dem Apple iPhone im Jahr 2007.
Seit wann gibt es Smartphones mit Kamera?
Bereits das 1999 erschiene Toshiba Camesse konnte Bilder aufnehmen und versenden. Als frühestes Kamera-Smartphone gilt jedoch das LG Prada mit 2 MP-Objektiv aus dem Jahr 2006. Auch das erste iPhone von 2007 besaß eine 2 MP-Kamera.
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