Wie kam das Christentum nach Indien?

Christentum in Indien: Eine reiche Geschichte

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Während in Regensburg junge Männer aus Indien zu Priestern geweiht werden, richtet sich unser Blick auf die Heimat dieser Kandidaten. Das Christentum in Indien hat eine weitaus längere und komplexere Geschichte, als viele vermuten würden. Es ist eine Erzählung von apostolischen Anfängen, Migration, Kolonialismus, sozialem Engagement und anhaltenden Herausforderungen.

Welcher Apostel ging nach Indien?
Der Apostel Thomas hätte sich also heimisch gefühlt, wenn er tatsächlich nach Indien gekommen ist – wie es der Volksmund und auch einige Historiker glauben.11. Apr. 2014

Die Wurzeln des Glaubens auf dem Subkontinent reichen tief zurück, lange bevor europäische Mächte die Seewege nach Indien fanden. Diese Geschichte ist geprägt von Legenden, historischen Fakten und dem unerschütterlichen Glauben einer Minderheit in einem Land, das von anderen großen Religionen dominiert wird.

Die Anfänge: Apostel Thomas und frühe Spuren

Die wohl bekannteste und tief verwurzelte Überlieferung besagt, dass das Christentum bereits im Jahr 52 n. Chr. durch den Apostel Thomas nach Indien gelangte. Laut dieser Tradition soll Thomas entlang der West- und Ostküste des Landes christliche Gemeinden gegründet haben. Diese frühen Gemeinschaften, bekannt als Thomaschristen, insbesondere im südlichen Bundesstaat Kerala, gelten heute als eine der ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt. Die Legende erzählt weiter, dass der Apostel Thomas in der Nähe der heutigen Großstadt Chennai im südlichen Bundesstaat Tamil Nadu den Märtyrertod erlitt. Bis heute wird das ursprüngliche Grab des Apostels in der Kathedrale von Chennai als heilige Stätte verehrt. Obwohl die apostolische Ankunft historisch nicht zweifelsfrei gesichert ist und es Theorien über mehrere Personen namens Thomas gibt, die in den ersten Jahrhunderten nach Indien kamen, hat diese Tradition die Identität und den Glauben der indischen Christen über Jahrhunderte geprägt.

Historisch gesichert ist hingegen die Ankunft christlicher Flüchtlinge aus Syrien und Mesopotamien ab dem vierten Jahrhundert. Diese Gruppen ließen sich entlang der Küste Südindiens nieder und trugen zur Festigung und Entwicklung der frühen christlichen Gemeinden bei, die oft syrische Riten und Traditionen pflegten. Es gab bereits vor der christlichen Zeitrechnung regen Austausch zwischen Indien und dem Nahen Osten, was die Ankunft früher Glaubensboten plausibel macht. Jüdische Gemeinden existierten in Indien sogar schon ab etwa 1000 v. Chr., was zeigt, dass die Küstenregionen offen für Zuwanderung und kulturellen Austausch waren.

Vor den großen europäischen Missionswellen gab es bereits einzelne Missionare, die nach Indien gelangten. Der Franziskaner Giovanni de Montecorvino missionierte ab 1293 in den Westghats. Im Jahr 1329 wurde der Dominikaner Jordanus Catalanus der Serverac zum ersten lateinischen Bischof des Bistums Quilon ernannt. 1348 kam der erste päpstliche Gesandte, Giovanni de Marignolli, ebenfalls nach Quilon. Diese frühen Bemühungen zeigten, dass das Interesse an Indien als Missionsgebiet schon früh bestand.

Die Großen Missionswellen der Kolonialzeit

Die eigentliche und flächendeckende Ausbreitung des christlichen Glaubens in Indien erfolgte jedoch erst durch mehrere intensive Missionswellen, die eng mit der Ära der europäischen Kolonisierung ab dem 15. Jahrhundert verbunden waren.

Erste Welle: Portugiesen, Spanier, Franzosen und Niederländer

Mit der Ankunft von Vasco da Gama im Jahr 1498 in Calicut (heute Kozhikode) begann eine neue Ära. Der portugiesische Seefahrer war überrascht, in Indien auf eine bereits existierende, pulsierende christliche Gemeinde zu treffen. Die Kolonialmächte, allen voran Portugal, sahen in der Missionierung ein Mittel zur Festigung ihrer Herrschaft und zur Ausbreitung ihres Einflusses. Die ersten Missionare aus katholischen Ländern wie Portugal, Spanien und Frankreich konnten auf den bereits existierenden, teils sehr wohlhabenden christlichen Gemeinden aufbauen. Die portugiesische Präsenz, besonders in Goa, ist eines der am besten dokumentierten Kapitel dieser Zeit. Sie unterstützten die Mission intensiv, allerdings nicht immer auf gewaltfreie Weise. Das rigide Militärregime, das ausbeuterische Wirtschaftssystem und die gefürchtete Inquisition in Gebieten wie Goa und Teilen Keralas hinterließen tiefe Spuren. Goa ist bis heute eine kulturelle Insel geblieben, die portugiesische und indische Elemente auf einzigartige Weise verbindet. Berühmte Missionare wie der Heilige Franz Xaver wirkten in dieser Zeit und gelten als Wegbereiter der christlichen Mission in Asien.

Ein bemerkenswertes Beispiel aus dieser Zeit ist der italienische Jesuit Roberto de Nobili (1577-1656), der sich in Tamil Nadu den Gewändern eines hinduistischen Predigers (Sadhu oder Sanyasin) anpasste und versuchte, Christus in der Muttersprache der Einheimischen zu verkünden, indem er kulturelle Brücken schlug.

Wie kam das Christentum nach Indien?
Das Christentum hat eine längere Geschichte in Indien als man denkt. Niemand Geringeres als der Apostel Thomas soll nach der Überlieferung 52 n. Chr. Indien erreicht und entlang der West- und Ostküste christliche Gemeinden gegründet haben.17. Juni 2022

Zweite Welle: Die Britische Herrschaft und ihre Folgen

England, eine weitere aufstrebende Seemacht, gründete 1600 die Ostindien-Kompanie. Schiffe mit anglikanischen Geistlichen erreichten bald Indien. Interessanterweise unterstützte die Ostindien-Kompanie die ersten anglikanischen Missionare zunächst kaum, möglicherweise aus Furcht, das Schicksal der Portugiesen zu teilen, deren Stellung auch durch übermäßigen missionarischen Eifer geschwächt worden sein mag. Dies zwang viele Missionare, in benachbarten niederländischen oder französischen Kolonien tätig zu werden.

Eine Schlüsselfigur dieser Zeit war William Carey, der als Vater der indischen Renaissance gilt. Er begann sein Werk 1801 in der niederländischen Kolonie Serampore und widmete sich der Übersetzung der Bibel in indische Sprachen wie Bengali und Sanskrit. Seine Arbeit hatte einen enormen Einfluss und verhalf ihm zu einem besonderen Platz in den Herzen indischer Christen.

Nach dem indischen Aufstand von 1857 und der direkten Übernahme der Herrschaft durch die britische Krone eröffnete sich eine neue Phase. Diese Periode war geprägt von Massenkonvertierungen, insbesondere in Regionen wie Tamil Nadu, Andhra, dem ungeteilten Punjab, den Stammesregionen von Chhota Nagpur und den schwer zugänglichen Gebieten im Nordosten an der Grenze zu Burma und China. Diese enge Verbindung des Christentums zur ausländischen Kolonialmacht führte nach der Unabhängigkeit zu einer Identitätskrise für viele indische Christen und wirkt bis heute nach. Die Methoden der Missionare, insbesondere ihre Haltung gegenüber indigenen Religionen und Bräuchen, werden von Historikern kritisch betrachtet. Selbst Mahatma Gandhi sah in der Arbeit einiger Missionare eine Verarmung der Kultur. Diese Debatte dauert an. Andere, wie der Parlamentarier Mani Shankar Aiyer, verteidigen die Arbeit der Missionare und verweisen auf Beispiele wie Mutter Teresa und den Erfolg der Mission in Regionen, die vom Hinduismus kaum erreicht wurden.

Christentum heute: Zahlen, Verteilung und soziale Stellung

Heute ist das Christentum nach Hinduismus und Islam die drittgrößte Religion in Indien. Die offizielle Volkszählung von 2001, die letzte verfügbare detaillierte religiöse Statistik, gab die Zahl der Christen mit rund 28 Millionen an, wovon 20 Millionen Katholiken sind. Dies entspricht lediglich etwa 2,3 Prozent der damaligen indischen Bevölkerung von 1,02 Milliarden. Zum Vergleich:

ReligionAnteil an der Bevölkerung (Zensus 2001)
Hinduismus80,5 %
Islam11,4 %
Christentum2,3 %
Sikhismus1,9 %
Buddhismus0,8 %
Jainismus0,4 %

Es gibt jedoch weit verbreitete Zweifel an der Genauigkeit dieser offiziellen Zahl. Viele Quellen, darunter Kirchenvertreter und Sozialwissenschaftler, gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Christen zwei- bis dreimal höher liegen könnte. Schätzungen reichen von 4,8 Prozent (ca. 58 Millionen) bis über 5,84 Prozent (ca. 71 Millionen) oder sogar bis zu neun Prozent. Gründe für die mögliche Untererfassung sind unter anderem die Angst vor Diskriminierung, der Verlust staatlicher Fördermaßnahmen für Dalits bei Konvertierung zum Christentum (die Verfassung gewährt diese Vorteile nur Hindus, Sikhs und Buddhisten), sowie das Phänomen der „Kryptochristen“, die ihren Glauben im Geheimen praktizieren. Hinzu kommen Gruppen wie die Kristu Bhaktas, die Christus verehren, aber auch hinduistische Gottheiten.

Die christliche Bevölkerung ist innerhalb Indiens sehr ungleich verteilt. Während sie in vielen Regionen eine zu vernachlässigende Minderheit darstellen, bilden sie in einigen Bundesstaaten und Bezirken die Mehrheit. Die stärkste Konzentration findet sich im Nordosten Indiens, in den kleinen Bundesstaaten Nagaland, Meghalaya und Mizoram, wo jeweils über 90 Prozent der Bevölkerung Christen sind. Im Süden Indiens gibt es ebenfalls bedeutende christliche Gemeinschaften, so sind in Kerala 35,5 Prozent und im benachbarten Tamil Nadu immerhin 19 Prozent der Einwohner Christen.

Soziale Stellung und das Kastensystem

Gesellschaftlich sind die Christen in Indien keinesfalls unbedeutend, trotz ihres geringen Bevölkerungsanteils. Sie sind beispielsweise im indischen Unterhaus (Lok Sabha) stark überrepräsentiert. Zudem betreiben christliche Organisationen viele der besten Bildungseinrichtungen des Landes, die auch von Mitgliedern der politischen und sozialen Oberschicht aller Religionen besucht werden.

Dennoch befinden sich die meisten Christen außerhalb des traditionellen indischen Kastensystems, das eine strikte soziale Hierarchie vorsieht. Mehr als die Hälfte der indischen Christen gehört zu den Dalits (den sogenannten Kastenlosen) und ist damit auf der untersten Stufe der sozialen Ordnung angesiedelt. Auch die indigene Bevölkerungsgruppe der Adivasi stellt einen großen Anteil der Christen dar. Obwohl es auch wohlhabende Christen gibt, insbesondere in den südlichen und nordöstlichen Regionen, ist die Mehrheit der indischen Christen sozial und wirtschaftlich benachteiligt. Interessanterweise halten einige Christen, trotz Konvertierung, an traditionellen Kastenzugehörigkeiten fest, was die Komplexität der sozialen Struktur Indiens zeigt.

Wer brachte das Evangelium nach Indien?
In den schriftlichen Aufzeichnungen der Thomaschristen wird erwähnt, dass das Christentum auf dem indischen Subkontinent durch den Apostel Thomas eingeführt wurde, der im Jahr 52 n. Chr. in die Malabar-Region (das heutige Kerala) segelte.

Herausforderungen und Verfolgung

Die Situation für Christen in Indien ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend schwieriger geworden. Vorurteile und Misstrauen haben zu Gewalt seitens hinduistischer Extremisten geführt. Diese angespannte Lage wird durch eine verstärkt nationalistisch ausgerichtete Politik verschärft. Die regierende Bharatiya Janata Party (BJP) vertritt einen konservativen Hindu-Nationalismus. Es kommt immer wieder zu politischen Vorstößen wie der Überwachung christlicher Missionare oder der Einführung von sogenannten Anti-Konvertierungsgesetzen, die Taufen von Konvertiten erschweren oder verbieten sollen.

In den letzten Jahren haben sich die Anschläge auf Christen und christliche Einrichtungen gehäuft. Jüngste Beispiele, wie Bombenanschläge auf eine katholische Schule und ein Geschäft im Nordosten des Landes, verdeutlichen die Gefahr. Laut der Organisation Open Doors, die sich für verfolgte Christen einsetzt, rangiert Indien auf Platz 10 der Länder mit der meisten Christenverfolgung. Besonders betroffen von Verfolgung und Gewalt sind demnach christliche Konvertiten hinduistischer Herkunft.

Vielfalt der Glaubensgemeinschaften

Die christliche Landschaft in Indien ist sehr vielfältig. Die römisch-katholische Kirche ist mit rund 17 Millionen Mitgliedern die größte Glaubensgemeinschaft. Sie gliedert sich in drei Riten: den lateinischen Ritus (ca. 10 Millionen Gläubige), die syro-malabarische Kirche (ca. 6 Millionen) und die syro-malankarische Kirche (ca. 1 Million), die beide östliche Riten pflegen und auf die Tradition der Thomaschristen zurückgehen.

Unter den protestantischen Kirchen ist die Church of South India mit rund zwei Millionen Mitgliedern die größte. Die Church of North India hat etwa 1,5 Millionen Anhänger. Weitere bedeutende Gemeinschaften mit jeweils ein bis zwei Millionen Mitgliedern sind die Vereinigten Lutherischen Kirchen, die Altorientalischen Kirchen, die Siebenten-Tags-Adventisten und die Believers Church. Religionswissenschaftler schätzen zudem, dass rund die Hälfte der indischen Christen mittlerweile evangelikalen Freikirchen, Pfingstkirchen, der Charismatischen Bewegung oder anderen unabhängigen Kirchen und Glaubensgemeinschaften angehört, was die dynamische Entwicklung des Christentums im Land zeigt.

Indische Christen in der Gesellschaft und ihre Identität

In der Geschichte des unabhängigen Indiens haben Christen bedeutende Beiträge in vielen Bereichen geleistet. Sie haben hohe Posten in Politik, Verwaltung und Militär bekleidet, waren Gouverneure, Ministerpräsidenten, Minister und Richter. Sie haben Heer, Luftwaffe und Marine kommandiert. Auch in Kunst und Kultur sind sie präsent und werden nach ihren Leistungen und nicht nach ihrer Religion beurteilt. Christliche Institutionen, insbesondere Schulen und Universitäten, leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft und stehen jungen Menschen aller Religionen offen.

Indische Christen legen Wert auf ihre indische Identität und wehren sich gegen Versuche, ihnen diese abzusprechen. Vorurteile und Klischees finden sich manchmal in der Populärkultur, etwa in Bollywood-Filmen, wo Christen stereotypisch dargestellt werden. Gefährlicher sind jedoch wiederholte Versuche, die Abneigung gegenüber Missionaren auszunutzen oder Christen pauschal extraterritorialer Loyalitäten zu beschuldigen. Obwohl die Kirche offiziell erklärt hat, dass die Missionierung im 21. Jahrhundert nicht mehr im Vordergrund steht, sondern Frieden, Gerechtigkeit und Familie Priorität haben, werden Geistliche manchmal unter dem Vorwand, Mission verhindern zu wollen, in ihrer Arbeit eingeschränkt.

Trotz der Herausforderungen und gewaltsamen Übergriffe, wie sie beispielsweise 2008 in Kandhamal (Orissa) oder Mangalore (Karnataka) stattfanden, haben die indischen Christen ihr Vertrauen in den säkularen indischen Staat und die offene Gesellschaft nicht verloren. Sie haben gelernt, konfessionelle Differenzen zu überwinden und gemeinsam Bedrohungen entgegenzutreten, und erfahren dabei oft Unterstützung von der Nation als Ganzes.

Wie kam das Evangelium nach Indien?
Es wird allgemein angenommen, dass das Christentum bereits 52 n. Chr. mit dem Heiligen Thomas nach Indien kam . Er soll in Kerala gelandet sein und die Religion dort Wurzeln schlagen.

Häufig gestellte Fragen zum Christentum in Indien

Kam der Apostel Thomas wirklich nach Indien?

Die Ankunft des Apostel Thomas im Jahr 52 n. Chr. ist eine tief verwurzelte und verehrte Tradition, die die Identität der Thomaschristen maßgeblich prägt. Historisch lässt sich dies jedoch nicht zweifelsfrei belegen. Es gibt Theorien, dass möglicherweise andere Personen namens Thomas im Laufe der ersten Jahrhunderte nach Indien kamen, wie Thomas von Kana im vierten Jahrhundert. Unabhängig von den exakten historischen Fakten hat der Glaube an die apostolische Gründung eine Patina des Glaubens über die Ereignisse gelegt, die für die Gläubigen von großer Bedeutung ist.

Wie viele Christen leben tatsächlich in Indien?

Die offizielle Volkszählung von 2001 nennt etwa 28 Millionen Christen, was 2,3 Prozent der damaligen Bevölkerung entspricht. Diese Zahl wird jedoch von vielen Seiten angezweifelt. Schätzungen gehen von einer zwei- bis dreimal höheren Zahl aus, die bis zu neun Prozent der Bevölkerung erreichen könnte. Gründe für diese Diskrepanz liegen unter anderem darin, dass viele Christen, insbesondere ehemalige Dalits, ihren Glauben nicht offen bekennen, um staatliche Fördermaßnahmen nicht zu verlieren oder Diskriminierung zu vermeiden. Sie leben als sogenannte "Kryptochristen" oder gehören zu Gruppen wie den Kristu Bhaktas.

Gehören indische Christen zum indischen Kastensystem?

Die meisten indischen Christen stehen formal außerhalb des hinduistischen Kastensystems. Das Christentum lehnt die Kastendiskriminierung ab. Dennoch sind die sozialen Realitäten komplex. Mehr als die Hälfte der indischen Christen gehört zur Gruppe der Dalits, die traditionell als Kastenlose galten und am unteren Ende der sozialen Hierarchie stehen. Einige Christen halten, trotz ihrer Konvertierung, an traditionellen Kastenzugehörigkeiten fest. Das Christentum bietet jedoch vielen Dalits und Adivasi eine Möglichkeit, soziale Würde und Gemeinschaft außerhalb der traditionellen Kastengrenzen zu finden, auch wenn sie deswegen oft von extremistischen Gruppen angefeindet werden.

Warum kommt es zu Verfolgung und Gewalt gegen Christen in Indien?

Die Verfolgung von Christen in Indien ist eng mit Vorurteilen, Misstrauen und dem Aufstieg des Hindu-Nationalismus verbunden. Extremistische Gruppen betrachten Konvertierungen als Bedrohung für die hinduistische Identität Indiens. Anti-Konvertierungsgesetze und politische Rhetorik schüren die Spannungen. Besonders Konvertiten aus hinduistischen Kasten sind Zielscheibe von Verfolgung und Gewalt. Open Doors zählt Indien zu den Ländern mit hoher Christenverfolgung. Die Angriffe richten sich gegen Einzelpersonen, Kirchen und christliche Einrichtungen.

Welche Rolle spielten die europäischen Kolonialmächte für das Christentum in Indien?

Die europäischen Kolonisierung, insbesondere durch Portugal und Großbritannien, führte zu massiven Missionsbemühungen und prägte die heutige Ausbreitung des Christentums in Indien entscheidend. Die Portugiesen unterstützten die Mission aggressiv, was zu Konvertierungen, aber auch zur Inquisition führte. Die Briten ermöglichten nach 1857 eine zweite Welle der Massenkonvertierungen. Während die Kolonialmächte dem Christentum zu breiterer Präsenz verhalfen, führte die enge Verbindung zur fremden Herrschaft auch zu einer Identitätskrise für indische Christen nach der Unabhängigkeit und nährt bis heute Misstrauen bei manchen Teilen der Bevölkerung.

Fazit

Die Geschichte des Christentums in Indien ist eine faszinierende Reise durch Jahrhunderte, beginnend mit den frühesten Spuren und Legenden bis hin zur heutigen komplexen Realität. Indiens Christen sind eine diverse Gemeinschaft, die trotz ihrer geringen Zahl einen bedeutenden Beitrag zur Gesellschaft leistet. Sie stehen jedoch auch vor erheblichen Herausforderungen, insbesondere durch soziale Ausgrenzung und wachsende Spannungen im politischen Klima. Ihre Widerstandsfähigkeit, ihre tiefe Verwurzelung in der indischen Kultur und ihr Engagement für Frieden und Gerechtigkeit sind Kennzeichen ihres Glaubenslebens auf dem Subkontinent.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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