Was wurde zu Beginn der Kaffeehauskultur in Wien?

Die Wiener Kaffeehauskultur: Mehr als nur Kaffee

Rating: 4.24 (2067 votes)

Die Wiener Kaffeehauskultur ist weltberühmt und zählt zum Herzstück der österreichischen Hauptstadt. Sie ist weit mehr als nur das Trinken eines Heißgetränks; sie ist eine Lebensform, ein sozialer Raum und ein Ort, an dem Geschichte geschrieben wurde und wird. Auch wenn Wien nicht die erste Stadt der Welt war, die ein Kaffeehaus besaß – Mekka im 12. Jahrhundert, Venedig 1647, England 1650/1652 waren früher dran – so hat Wien doch über die Jahrhunderte eine Kaffeetradition etabliert, die ihresgleichen sucht.

Warum wurde in Wiener Kaffeehäusern ursprünglich ein Glas Wasser zum Kaffee serviert?
Das Glas Wasser zum Kaffee hatte ursprünglich den Zweck, den benutzten Kaffeelöffel im Wasserglas abzulegen. Später wollten die Cafetiers damit die Wassergüte für die Kaffeezubereitung zeigen. Das wurde 1873 mit der Weltausstellung in Wien besonders wichtig.

Die Geschichte der Wiener Kaffeehauskultur ist eng mit dem Ende der zweiten Wiener Türkenbelagerung im Jahr 1683 verbunden. Eine weit verbreitete Legende besagt, dass der Wiener Bürger Georg Franz Kolschitzky (1640-1694) nach seinen heldenhaften Taten während der Belagerung als Erster die Lizenz zum Ausschank von Kaffee erhielt, wobei die von den Türken zurückgelassenen Bohnen die Grundlage seines Erfolgs bildeten. Eine Straße im 4. Bezirk und eine Statue an der Ecke Favoritenstraße/Kolschitzkygasse erinnern heute an ihn.

Die historische Wahrheit sieht jedoch etwas anders aus. Das erste Wiener Kaffeehaus wurde tatsächlich von einem armenischen Spion namens Johannes Diodato eröffnet. Er diente am Wiener Kaiserhof und war ein Mann voller Geheimnisse. Aus seiner Heimat kannte er die dunklen Bohnen und die Kunst der Kaffeezubereitung. Der Johannes-Diodato-Park im 4. Wiener Gemeindebezirk ist ihm gewidmet.

Die ersten Kaffeehäuser in Wien wiesen bereits einige Merkmale auf, die bis heute typisch für ein Wiener Kaffeehaus sind. Die Kellner servierten zu jeder Tasse Kaffee ein Glas Wasser, und den Gästen standen Kartenspiele und Billardtische zur Verfügung. Im Jahr 1720 war das Kramersches Kaffeehaus im Stadtzentrum das erste, das Zeitungen für seine Gäste auslegte. Dies war ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Kaffeehauses als Ort der Information und des sozialen Austauschs.

Ein weiterer großer Schritt in der Wiener Kaffeehausgeschichte war die erstmalige Erlaubnis, warme Speisen und Alkohol zu servieren. Doch die Entwicklung war nicht immer geradlinig. Im Jahr 1808 hatte Napoleons Kontinentalsperre gegen England auch Auswirkungen auf Österreich, wo der Preis für Kaffeebohnen stark anstieg. Kaffeehausbesitzer mussten nach Alternativen suchen, um nicht bankrottzugehen, was zur Entwicklung der Café-Restaurants führte.

Nach dem Wiener Kongress 1814/15 blühte die Kaffeehauskultur in der Stadt wieder auf. Während der Biedermeierzeit wurde das Wiener Kaffeehaus zum Inbegriff einer hohen Lebensqualität in ganz Europa. Wiener Kaffeehäuser eröffneten in Städten wie Prag, Zagreb, Verona, Triest und Venedig. Große Räume, Sitze mit rotem Samt und prächtige Kronleuchter waren typische Merkmale, die für jedes renommierte Kaffeehaus unerlässlich waren.

Wer brachte den Kaffee nach Wien?
Der Legende nach erhielt der Wiener Georg Franz Kolschitzky (1640–1694) nach seinen heldenhaften Taten während der Belagerung Wiens als Erster die Konzession zum Kaffeeausschank in der Stadt. Grundlage seines Erfolgs waren die von den Türken zurückgelassenen Kaffeebohnen.

Ein wichtiger sozialer Wandel ereignete sich 1856: Frauen war es endlich nicht mehr verboten, Kaffeehäuser zu besuchen. Zuvor waren die Kassiererinnen die einzigen Frauen, die sich dort aufhalten durften.

Um 1890 wurde das Café Griensteidl zum regelmäßigen Treffpunkt einer Gruppe von Literaten namens „Jung Wien“. Eine illustre Gruppe junger Schriftsteller wie Hugo von Hofmannsthal, Karl Kraus und Arthur Schnitzler traf sich im Café und begründete die Kaffeehausliteratur. Die Schriftsteller beschränkten ihre Aufmerksamkeit jedoch nicht auf nur ein Kaffeehaus. Sie wählten regelmäßig verschiedene Kaffeehäuser zu ihren Favoriten: Auf das Café Griensteidl folgte das Café Central, dem wiederum das Café Herrenhof als beliebtester Treffpunkt junger Literaten folgte. Auch andere Künstler hatten ihre bevorzugten Kaffeehäuser: Das Café Museum zum Beispiel wurde zu einem beliebten Treffpunkt für Maler.

Generell betrachteten die Wiener, die zumeist in winzigen, überfüllten Wohnungen lebten, die eleganten Kaffeehäuser als ihr „erweitertes Wohnzimmer“ oder zweites Zuhause, wo sie Freunde und andere Menschen treffen konnten. Nach dem Ersten Weltkrieg eröffneten die ersten Tanzcafés, in denen beliebte amerikanische Jazzmusik gespielt wurde. Während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren wurden Kaffeehäuser zunehmend als Handelsplätze genutzt, an denen begehrte Güter unter den Tischen getauscht wurden.

Eine dunkle Zeit für die Kaffeehauskultur brach 1938 an, als die Nationalsozialisten Kaffeehäuser jüdischer Besitzer beschlagnahmten, hauptsächlich im 2. Bezirk Wiens. Diese Kaffeehäuser waren ein lebendiges Gegenstück zu den prunkvolleren Kaffeehäusern des ersten Bezirks und ein zweites Zuhause für viele jüdische Intellektuelle und Künstler. Ihre Zerstörung war ein schwerer Schlag für die kulturelle Vielfalt der Stadt.

In den 1950er Jahren gerieten die Wiener Kaffeehäuser in eine Krise. Espresso-Bars im italienischen Stil wurden immer beliebter, und traditionelle Kaffeehäuser galten zunehmend als altmodisch. Bis in die 1980er Jahre mussten viele alteingesessene Wiener Kaffeehäuser schließen.

Im Jahr 1983 wurde die Tradition jedoch wiederbelebt, als die Wiener Kaffeehäuser ihr 300-jähriges Bestehen feierten und viele Wiener begannen, sich an die einzigartigen Qualitäten ihrer Kaffeehäuser zu erinnern. Die UNESCO ernannte die Wiener Kaffeehauskultur 2011 sogar zum „Immateriellen Kulturerbe“. Die Begründung der UNESCO-Kommission unterstreicht die besondere Atmosphäre: „Die Kaffeehäuser sind ein Ort, in dem Zeit und Raum konsumiert werden, aber nur der Kaffee auf der Rechnung steht.“

Die Tradition der Wiener Kaffeehauskultur ist durch eine ganz spezielle Atmosphäre geprägt. Typisch für ein Wiener Kaffeehaus sind Marmortischchen, auf denen der Kaffee serviert wird, Thonetstühle, Logen, Zeitungstischchen und Details der Innenausstattung im Stil des Historismus. Die Kaffeehäuser bieten eine Vielfalt an Kaffee-Kreationen, köstlichen Torten und Mehlspeisen. Das Personal in Wiens Kaffeehäusern wird oft für seine Freundlichkeit gelobt, selbst bei hohem Andrang.

Wie heißt das älteste Original Wiener Kaffeehaus Österreichs heute?
Wiener Kaffeehäuser: Das Café Schwarzenberg Das Café Schwarzenberg wurde 1860 eröffnet und ist damit das älteste, heute noch existierende Ringstrassencafé der Stadt.

Heute gibt es mehr als 2.000 Cafés in Wien, von traditionellen Institutionen bis hin zu modernen Interpretationen. Einige der berühmtesten und historisch bedeutendsten sind das Café Central im Palais Ferstel, bekannt für seine Architektur und Patisserie; das Café Landtmann, ein beliebter Treffpunkt von Politikern, Schauspielern und Journalisten in der Nähe des Burgtheaters; das Café Sacher, berühmt für die Original Sacher-Torte; das denkmalgeschützte Café Imperial mit seiner Imperial-Torte; das Café Prückel mit seinem Ambiente aus den Fünfzigerjahren; das Café Sperl, eines der schönsten Kaffeehäuser Wiens mit Interieur aus dem 19. Jahrhundert; das Café Schwarzenberg, das älteste noch existierende Ringstraßencafé; das K.u.K. Hofzuckerbäckerei Demel, bekannt für Süßigkeiten und das ausschließlich weibliche Personal, die Demelinerinnen; das Café Gerstner mit Blick auf die Oper; und das Café Mozart hinter der Oper.

Neben den bekannten Namen gibt es auch weniger typische Orte, wie ein Kaffeehaus auf dem Wiener Zentralfriedhof oder das Café Schopenhauer mit einer Discokugel. Selbst auf der Mariahilfer Straße gibt es ein Café Ritter, während ein weiteres im Arbeiterbezirk Ottakring ein prächtiges Juwel darstellt.

Ein besonders kurioses Detail und eine tief verwurzelte Tradition ist das Glas Wasser, das zum Kaffee serviert wird. Ursprünglich diente es dazu, den benutzten Kaffeelöffel darin abzulegen. Später, insbesondere ab 1873 mit der Inbetriebnahme der I. Wiener Hochquellenleitung und der Wiener Weltausstellung im selben Jahr, wollten die Cafetiers damit die hervorragende Qualität des Wiener Hochquellwassers demonstrieren, das für die Zubereitung von Speisen und Getränken verwendet wurde. Diese Geste wurde international bekannt und von vielen anderen Ländern übernommen.

Eine weitere typische Wiener Kaffeespezialität ist der Einspänner. Der Name geht auf Pferdefuhrwerke zurück: Der Kutscher auf dem Kutschbock benötigte einen Kaffee, der lange warm blieb. Ein Mokka (doppelter Espresso) wurde daher mit einer riesigen Schlagobershaube (Sahne) versehen, die isolierend wirkte. Heute wird der Einspänner stilgerecht in einem durchsichtigen Glas mit Henkel serviert.

Untrennbar mit dem Wiener Kaffeehaus verbunden ist der Thonet-Stuhl. Der Sessel-Klassiker Nr. 14 von Thonet, heute unter der Nummer 214 geführt, gilt als traditioneller Wiener Kaffeehaus-Stuhl. Seine Rückenlehne besteht nur aus zwei Holzbögen und ist ein Paradebeispiel für die Bugholzmöbel der Firma Thonet. Er zählt zu den meistproduzierten Sitzmöbeln der Welt und ist in zahlreichen Wiener Kaffeehäusern zu finden, darunter auch in sehr alten wie dem Café Frauenhuber oder modernen wie dem Adlerhof.

Der Charme eines Wiener Kellners, manchmal grantig, aber unvergesslich, gehört ebenfalls zum Erlebnis. In manchen Kaffeehäusern scheint die Zeit wirklich stehen geblieben zu sein, was sie zu einer echten Wiener Sehenswürdigkeit macht.

Wer brachte den Kaffee nach Wien?
Der Legende nach erhielt der Wiener Georg Franz Kolschitzky (1640–1694) nach seinen heldenhaften Taten während der Belagerung Wiens als Erster die Konzession zum Kaffeeausschank in der Stadt. Grundlage seines Erfolgs waren die von den Türken zurückgelassenen Kaffeebohnen.

Häufig gestellte Fragen zur Wiener Kaffeehauskultur:

Wer brachte den Kaffee nach Wien?

Entgegen der Legende von Georg Franz Kolschitzky war der armenische Spion Johannes Diodato derjenige, der das erste Wiener Kaffeehaus im Jahr 1683 eröffnete und die Kunst der Kaffeezubereitung nach Wien brachte.

Was war zu Beginn der Kaffeehauskultur in Wien typisch?

Zu Beginn war es typisch, dass die Kaffeehäuser ein Glas Wasser zum Kaffee servierten und den Gästen Spiele wie Karten oder Billard zur Verfügung stellten. Später kamen Zeitungen hinzu.

Warum wurde in Wiener Kaffeehäusern ursprünglich ein Glas Wasser zum Kaffee serviert?

Ursprünglich diente das Wasserglas dazu, den benutzten Kaffeelöffel darin abzulegen. Später, ab 1873, diente es auch dazu, die Qualität des Wiener Hochquellwassers zu demonstrieren, das für die Zubereitung des Kaffees verwendet wurde.

Wie heißt das älteste Original Wiener Kaffeehaus Österreichs heute?

Das Café Schwarzenberg, 1860 eröffnet, gilt als das älteste noch existierende Ringstraßen-Café. Das Café Frauenhuber wird oft als eines der ältesten Kaffeehäuser Wiens genannt, während das Café Landtmann 1873 zur Zeit der Weltausstellung eröffnete und bis heute existiert.

Die Wiener Kaffeehauskultur ist eine lebendige Tradition, die sich ständig weiterentwickelt, aber ihre Wurzeln und ihren einzigartigen Charakter bewahrt hat. Sie ist ein Ort der Begegnung, der Reflexion und des Genusses – ein unverzichtbarer Teil des Wiener Lebensgefühls.

Hat dich der Artikel Die Wiener Kaffeehauskultur: Mehr als nur Kaffee interessiert? Schau auch in die Kategorie Ogólny rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!

Avatar photo

Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

Go up