Der Eurovision Song Contest, seit 1956 jährlich von der European Broadcast Union (EBU) veranstaltet, ist einer der traditionsreichsten und meistgesehenen internationalen Musikwettbewerbe der Welt. Länder, hauptsächlich aus Europa, entsenden ihre Vertreter, die zuvor in nationalen Ausscheidungen gewählt wurden. Die Schweiz hat von Anfang an eine besondere Rolle in dieser glanzvollen Geschichte gespielt und kann auf einige bemerkenswerte Erfolge zurückblicken.

Die Regeln des Wettbewerbs haben sich im Laufe der Jahre leicht verändert, insbesondere in Bezug auf die Sprache. Früher mussten die Teilnehmer in einer Landessprache singen, heute entscheiden sich die meisten für Englisch, was zur globalen Popularität beiträgt. Doch die Schweiz hat auch mit Liedern in ihren Landessprachen brilliert. Eine Regel ist jedoch konstant geblieben: Jedes Land darf nur ein Lied pro Jahr einreichen.
Die glorreiche Geschichte der Schweiz beim ESC
Die Schweiz war nicht nur von Anfang an beim Eurovision Song Contest dabei, sondern schrieb auch direkt Geschichte. Die allererste Gewinnerin des Wettbewerbs im Jahr 1956 kam aus der Schweiz.
Die Siege im Detail
Insgesamt konnte die Schweiz den Wettbewerb dreimal für sich entscheiden:
- 1956: Der erste ESC überhaupt fand in Lugano in der italienischsprachigen Schweiz statt. Die Schweizerin Lys Assia gewann mit dem Lied „Refrain“. Ein historischer Moment, der die Schweiz für immer mit dem Beginn des ESC verbindet.
- 1988: Nach vielen Jahren des Wartens gelang der Schweiz ein weiterer Triumph. In Dublin siegte eine damals noch weniger bekannte Künstlerin, die später zum Weltstar aufstieg: Céline Dion. Mit ihrem emotionalen Chanson „Ne Partez Pas Sans Moi“ holte sie den Sieg für die Schweiz.
- 2024: Der jüngste Sieg liegt nur kurze Zeit zurück. In Malmö, Schweden, gewann Nemo mit dem Song „The Code“ und brachte den ESC damit zurück in die Schweiz.
Diese drei Siege markieren die Höhepunkte der Schweizer Beteiligung am ESC und zeigen die Vielfalt der Künstler und Songs, die das Land entsendet hat.
| Jahr | Künstler | Lied | Sprache | Austragungsort des ESC |
|---|---|---|---|---|
| 1956 | Lys Assia | Refrain | Französisch | Lugano, Schweiz |
| 1988 | Céline Dion | Ne Partez Pas Sans Moi | Französisch | Dublin, Irland |
| 2024 | Nemo | The Code | Englisch | Malmö, Schweden |
Céline Dion: Ein Weltstar für die Schweiz
Der Sieg von Céline Dion im Jahr 1988 ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zum einen war es der zweite Sieg für die Schweiz, zum anderen katapultierte er ihre Karriere auf eine internationale Ebene. Doch viele fragen sich: Warum vertrat eine Kanadierin die Schweiz beim ESC?
Die Regeln der Vertretung
Die EBU-Regeln schreiben zwar vor, dass die Teilnehmer ihr Land vertreten, aber sie schränken die Nationalität der Künstler oder Songwriter nicht ein. Dies ist der entscheidende Punkt. Länder wählen ihre Beiträge in nationalen Vorentscheidungen aus, und dabei ist es ihnen freigestellt, wen sie auswählen, unabhängig davon, woher der Künstler ursprünglich stammt. Daher konnte die in Kanada geborene Céline Dion die Schweiz beim ESC 1988 vertreten und zum Sieg führen.
Ihr Sieg mit einem französischsprachigen Lied („Ne partez pas sans moi“) zeigt auch, dass man beim ESC auch außerhalb der dominierenden englischen Sprache erfolgreich sein kann, obwohl dies in den letzten Jahren seltener geworden ist.

ESC 2025 in Basel: Zoë Më tritt an
Nach dem beeindruckenden Sieg von Nemo im Jahr 2024 ist die Schweiz Gastgeber des Eurovision Song Contest 2025. Das Großereignis findet in Basel statt. Für diesen besonderen Anlass hat der Schweizer Sender SRG SSR bereits die Künstlerin bekannt gegeben, die das Gastgeberland repräsentieren wird: Zoë Më.
Wer ist Zoë Më?
Zoë Anina Kressler, alias Zoë Më, wurde am 6. Oktober 2000 in Basel geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie teilweise in Deutschland, bevor die Familie in den zweisprachigen Kanton Freiburg zog. Schon früh begann sie, eigene Lieder zu schreiben, wobei ihre Liebe zur französischen Sprache ihre Musik prägte. Obwohl sie auch Erfahrungen mit Mobbing in der Schule machte, absolvierte sie eine Ausbildung zur Oberstufenlehrerin.
Ihre Leidenschaft für die Musik blieb. 2024 wurde sie mit den Preisen „SRF 3 Best Talent“ und „RTS Artiste Radar“ ausgezeichnet. Ihre EP „Dorienne Gris“ führte zu Auftritten bei renommierten Festivals wie dem Montreux Jazz Festival. Unter dem Pseudonym Rue More erkundet sie zudem elektronische Musik.
Ihr Künstlername Zoë Më ist ebenfalls bedeutungsvoll: Zoë bedeutet im Griechischen „das Leben“, und Më heißt im Japanischen „das Auge“. Dies spiegelt ihren Wunsch wider, das Leben in all seinen Facetten genau zu betrachten.
Der Song 'Voyage'
Mit ihrem Beitrag für den ESC 2025, dem Song „Voyage“, lädt Zoë Më zu einer Reise ein. Das Lied ist komplett auf Französisch gehalten und wurde von Emily Middlemas, Tom Oehler und Zoë Më selbst geschrieben. Es ist ein zarter, zerbrechlicher und märchenhafter Chanson, der sich bewusst von der oft rauen Realität, insbesondere in sozialen Medien, abhebt.
Der Song ist als Antwort auf Mobbing und Negativität gedacht und plädiert für mehr Menschlichkeit. Eine Textzeile lautet: „Les fleurs sont plus belles quand tu les arroses“ (Blumen sind schöner, wenn du sie gießt). Zoë Më erklärt dazu, dass Menschen wie Blumen seien und zur schönsten Version ihrer selbst werden können, wenn man einander mit Respekt begegnet.

Nachdem Gjon's Tears 2021 bereits mit „Tout l’univers“ auf Französisch angetreten war, kehrt die Schweiz mit Zoë Më und „Voyage“ erneut zu einer ihrer Landessprachen zurück. Für Zoë Më ist es eine riesige Ehre und ein surreales Erlebnis, das eigene Land beim ESC zu vertreten, während dieser in ihrer Geburtsstadt Basel stattfindet. Sie beschreibt es als einen Moment, in dem sich ein Kreis schließt, wie in einem Märchen, insbesondere da ihre Großeltern in Basel leben.
Tickets für den ESC 2025: Eine Herausforderung
Die Nachfrage nach Tickets für den Eurovision Song Contest ist traditionell riesig, und der ESC 2025 in Basel bildet da keine Ausnahme. Wer live dabei sein möchte, musste schnell sein und einige Hürden überwinden.
Der Ticketverkauf
Der Ticketverkauf für den ESC 2025 verlief in mehreren Phasen. Bereits beim ersten Verkaufsstart Ende Januar waren alle verfügbaren 42.000 Tickets für die Liveshows innerhalb weniger Minuten vergriffen. Auch die zweite Verkaufswelle, die am 27. März 2025 stattfand, war nach nur 22 Minuten ausverkauft.
Für alle, die leer ausgegangen sind, gibt es jedoch weiterhin eine offizielle Chance. Die Co-Produzenten des ESC verweisen auf die offizielle Wiederverkaufsplattform von Ticketcorner: fanSALE.ch. Hier können Ticketbesitzer, die nicht teilnehmen können, ihre Karten sicher und zum Originalpreis anbieten. Die EBU und die Veranstalter warnen eindringlich davor, Tickets auf dem Schwarzmarkt oder über inoffizielle Kanäle zu kaufen, da diese oft überteuert, gefälscht oder ungültig sein können. fanSALE.ch garantiert die Gültigkeit der angebotenen Tickets.
Um überhaupt Tickets über die offizielle Plattform kaufen zu können, war eine Vorab-Registrierung bis zum 10. Januar erforderlich. Ohne diese Registrierung war ein Kauf nicht möglich. Die Preise für die verschiedenen Shows und Kategorien liegen zwischen 40 und 350 Schweizer Franken. Die Registrierung sollte fairen Zugang ermöglichen und gewerbliche Käufer herausfiltern.
Die verschiedenen Shows
Der ESC besteht nicht nur aus den großen Liveshows am Abend. Es gibt insgesamt neun Shows, die man besuchen kann:
- Jury-Shows: Dies sind vollständige Durchläufe der jeweiligen Halbfinale und des Finales, die am Abend vor der Liveshow stattfinden. Hier geben die internationalen Jurys ihre Stimmen ab. Obwohl die Regeln besagen, dass in den Halbfinalen nur die Zuschauer abstimmen, sind die Jury-Shows dennoch wichtige Generalproben und eigenständige Events. Das Juryfinale des Finales ist besonders relevant für die Punktevergabe der Jurys.
- Familienshows: Ebenfalls vollständige Durchläufe, die aber am Nachmittag der jeweiligen Liveshow stattfinden. Sie sind die letzte Probe für alle Beteiligten und so getaktet, dass auch jüngere ESC-Fans teilnehmen können.
- Live-Shows: Dies sind die bekannten Shows am Abend, die im Fernsehen und online übertragen werden. Hier geben die Zuschauer ihre Stimmen ab (in den Halbfinalen 2025 ausschließlich, im Finale zusammen mit den Jurys).
Der Zeitplan für Basel 2025 sieht wie folgt aus:
- Montag, 12. Mai: Jury-Show erstes Halbfinale
- Dienstag, 13. Mai: Familienshow erstes Halbfinale, 21 Uhr Liveshow erstes Halbfinale
- Mittwoch, 14. Mai: Juryfinale zweites Halbfinale
- Donnerstag, 15. Mai: Familienshow zweites Halbfinale, 21 Uhr Liveshow zweites Halbfinale
- Freitag, 16. Mai: Juryfinale Finale
- Samstag, 17. Mai: Familienshow Finale, 21 Uhr Liveshow Finale
Mehr als nur Musik: Politik beim ESC
Obwohl die EBU Songs mit explizit politischem Inhalt verbietet, ist der ESC als Wettbewerb der Nationen nicht völlig frei von politischen Untertönen. Es gab immer wieder Vorwürfe von Blockabstimmungen oder Reaktionen auf internationale politische Ereignisse. Ein prominentes Beispiel dafür ist der ukrainische Beitrag von 2016.

Der Fall Jamala 2016
Im Jahr 2016 gewann die ukrainische Sängerin Jamala den Wettbewerb mit ihrem Lied „1944“. Die Texte des Liedes thematisieren die Deportation von über 190.000 Krimtataren durch die Sowjetunion unter Stalin im Jahr 1944. Diese wurden zwangsweise nach Usbekistan umgesiedelt, wobei Tausende starben. Jamalas Vater war Krimtatar, und ihre Verwandten erlebten diese Deportation und konnten erst Ende der 1980er Jahre zurückkehren.
Das Lied wurde kurz nach der russischen Annexion der Krim 2014 veröffentlicht. Jamala gab zu, dass das Lied sie an die heutige Situation ihrer Familie auf der Krim unter russischer Besatzung erinnerte. Obwohl der Song beschuldigt wurde, politische Botschaften gegen Russland zu senden, entschied die EBU, dass er nicht gegen die Regeln verstieß.
Die Verse des Liedes sind auf Englisch, während der Refrain auf Krimtatarisch ist und auf einem Volkslied basiert, das Jamala von ihrer Urgroßmutter lernte. Musikalisch integriert der Song regionale Einflüsse wie das Duduk (ein armenisches Instrument) und den Mugham-Stil aus Aserbaidschan.
Die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine beeinflussten auch die folgenden Jahre des Wettbewerbs. 2017 wurde die russische Teilnehmerin Yulia Samoylova von der Einreise in die Ukraine (als Gastgeberland) ausgeschlossen, da sie nach der Annexion ohne Genehmigung in der Krim aufgetreten war. 2019 zog die Ukraine ihre Teilnehmerin Maruv zurück, nachdem deren Patriotismus hinterfragt wurde, unter anderem wegen geplanter Auftritte in Russland.
Häufig gestellte Fragen zum ESC und der Schweiz
- Wie oft hat die Schweiz den Eurovision Song Contest gewonnen?
Die Schweiz hat den ESC bisher dreimal gewonnen: 1956 mit Lys Assia, 1988 mit Céline Dion und 2024 mit Nemo. - Warum durfte Céline Dion für die Schweiz singen, obwohl sie Kanadierin ist?
Die Regeln des ESC erlauben, dass Länder Künstler und Songwriter unabhängig von ihrer Nationalität auswählen. Daher konnte die kanadische Sängerin Céline Dion die Schweiz vertreten. - Wer vertritt die Schweiz beim ESC 2025 in Basel?
Die Schweiz wird beim Heim-ESC 2025 von der Sängerin Zoë Më vertreten. - Worum geht es im Song „Voyage“ von Zoë Më?
„Voyage“ ist ein Chanson auf Französisch, der als Einladung zu mehr Menschlichkeit dient und eine Antwort auf Mobbing und Negativität ist. Er nutzt das Bild von Blumen, die gegossen werden müssen, um zu wachsen, als Metapher für den respektvollen Umgang miteinander. - Kann man noch Tickets für den ESC 2025 in Basel bekommen?
Der offizielle Ticketverkauf ist abgeschlossen, da alle Tickets schnell ausverkauft waren. Es gibt jedoch eine Chance, Tickets sicher und zum Originalpreis über die offizielle Wiederverkaufsplattform fanSALE.ch von Ticketcorner zu erwerben. - Was sind Jury-Shows und Familienshows beim ESC?
Jury-Shows sind vollständige Generalproben am Abend vor den Liveshows, bei denen die internationalen Jurys abstimmen. Familienshows sind ebenfalls vollständige Durchläufe am Nachmittag der Liveshows, die als letzte Proben dienen und für jüngere Fans gedacht sind.
Die Schweiz blickt auf eine reiche und erfolgreiche Geschichte beim Eurovision Song Contest zurück, von der ersten Ausgabe bis zum jüngsten Sieg und der bevorstehenden Austragung in Basel. Die Mischung aus Tradition, Weltstars wie Céline Dion und aufstrebenden Talenten wie Zoë Më macht die Schweizer Beteiligung stets spannend und relevant in der Welt dieses einzigartigen Musikwettbewerbs.
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