Die Schweiz wird oft als Land der Berge bezeichnet, und das aus gutem Grund. Rund ein Drittel der Landesfläche besteht aus dieser beeindruckenden Topografie. Diese Bergwelten sind nicht nur landschaftlich prägend, sondern spielen auch eine zentrale Rolle für die Geschichte, Geopolitik und insbesondere den Tourismus des Landes. Doch was macht die Schweizer Bergwelt so einzigartig und wie viele Gipfel ragen tatsächlich in den Himmel?

Zahlen und Fakten zur Schweizer Bergwelt
Wenn wir über die Schweizer Berge sprechen, sprechen wir über eine schier unglaubliche Anzahl an Erhebungen. Während die berühmten Viertausender oft im Mittelpunkt stehen, gibt es weit mehr Gipfel, die beachtliche Höhen erreichen. Konkret zählen wir in der Schweiz:
- 48 Berge über 4000 Meter Höhe
- 1161 Berge über 3000 Meter Höhe
- Und beeindruckende 2131 Berge über 2000 Meter Höhe
Diese Zahlen verdeutlichen die Dichte und Vielfalt der alpinen Landschaft in der Schweiz. Von sanften Hügeln, die die 2000-Meter-Marke knapp überschreiten, bis hin zu den eisbedeckten Giganten der Alpen bietet die Schweiz eine unvergleichliche Bergkulisse.
Die höchsten Gipfel der Schweiz
Die höchsten Erhebungen des Landes konzentrieren sich vor allem im Westen, insbesondere im Kanton Wallis. Hier finden sich die ikonischsten und höchsten Berge. Angeführt wird die Liste vom höchsten Punkt des Landes.

Die Top 10 der höchsten Berge der Schweiz (mit Höhenangabe in Metern über Meer und Kanton/Region):
- Dufourspitze | 4634 m ü. M. (Wallis)
- Nordend | 4609 m ü. M. (Wallis)
- Zumsteinspitze | 4563 m ü. M. (Wallis)
- Signalkuppe | 4554 m ü. M. (Wallis)
- Dom | 4545 m ü. M. (Wallis)
- Liskamm | 4527 m ü. M.
- Weisshorn | 4505 m ü. M. (Wallis)
- Täschhorn | 4490 m ü. M. (Wallis)
- Liskamm Westgipfel | 4479 m ü. M. (Wallis)
- Matterhorn | 4478 m ü. M. (Wallis/Italien)
Einige der Giganten im Detail
Diese Liste umfasst einige der berühmtesten Berge der Alpen. Schauen wir uns einige der höchsten genauer an:
Die Dufourspitze
Mit 4634 Metern ist die Dufourspitze nicht nur der höchste Berg der Schweiz, sondern auch der höchste Punkt im gesamten deutschsprachigen Raum. Sie liegt in den Walliser Alpen an der Grenze zu Italien, wobei der höchste Punkt auf Schweizer Boden liegt. Sie wurde 1863 zu Ehren des Schweizer Generals Guillaume-Henri Dufour umbenannt.
Der Dom
Der Dom erreicht eine Höhe von 4545 Metern und ist damit der zweithöchste Berg der Schweiz. Eine Besonderheit des Dom ist, dass er im Gegensatz zur Dufourspitze vollständig auf Schweizer Territorium liegt. Er gehört zur eindrucksvollen Mischabelgruppe. Seine Benennung geht auf den Domherrn von Sion, Joseph Anton Brechthold, zurück.
Der Liskamm
Der Liskamm, 4527 Meter hoch, befindet sich westlich der Monte-Rosa-Gruppe. Dieser Berg ist leider auch für seine tragische Geschichte bekannt. Aufgrund fehlender Sicherheitskenntnisse im 19. Jahrhundert ereigneten sich hier viele Unfälle, was ihm den Beinamen «Menschenfresser» einbrachte. Trotz dieser Geschichte ist er heute ein beliebtes Ziel für Bergsteiger.
Das Weisshorn
Das 4505 Meter hohe Weisshorn zählt zu den wichtigsten Viertausendern der Alpen. Obwohl es nicht die weltberühmte Form des Matterhorns hat, überragt es dieses mit seinen drei scharfen Graten. Viele betrachten das Weisshorn aufgrund seiner eleganten Gestalt als einen der schönsten Berge der Schweizer Alpen. Für Bergsteiger stellt es jedoch eine bedeutende Herausforderung dar.
Das Matterhorn
Das 4478 Meter hohe Matterhorn ist wohl der bekannteste Berg der Schweiz und gilt als deren Wahrzeichen. Seine charakteristische Pyramidenform ist auf der ganzen Welt bekannt. Interessanterweise trug der Berg vor 1682 den Namen «Mont Cervin». Trotz seiner Popularität und der jährlich Tausenden von Besteigungen gehört das Matterhorn aufgrund seiner Unfallstatistik auch zu den tödlichsten Bergen der Welt. Auch die Eiger-Nordwand ist für ihre Gefährlichkeit berüchtigt, zählt aber mit 3970 Metern nicht zu den höchsten Gipfeln des Landes.
Der Grösste Gletscher der Alpen
Nicht nur die Gipfel beeindrucken. Die Schweizer Alpen beherbergen auch den grössten Gletscher der gesamten Alpen: den Grossen Aletschgletscher. Mit einer Länge von rund 23 Kilometern und einer Fläche von 79 Quadratkilometern ist er ein gewaltiges Eismeer, das Teil des UNESCO-Welterbes Jungfrau-Aletsch ist. Er erstreckt sich von der Jungfrau bis ins Rhonetal und ist ein eindrückliches, aber auch besorgniserregendes Beispiel für die Auswirkungen des Klimawandels, da sich seine Zunge in den letzten Jahrzehnten stark zurückgezogen hat.
Die Tierwelt der Alpen
Die alpine Landschaft bietet Lebensraum für eine erstaunliche Vielfalt an Tieren, von winzigen Insekten bis hin zu Grossraubtieren. Viele Arten haben sich perfekt an die rauen Bedingungen angepasst.
Säugetiere der Berge
Einige Säugetiere sind untrennbar mit dem Bild der Schweizer Alpen verbunden:
Gämse
Die Gämse ist wohl das bekannteste alpine Säugetier. Diese eleganten und extrem wendigen Kletterer bewegen sich mit Leichtigkeit im steilen, felsigen Gelände. Schätzungen zufolge leben über 90'000 Gämsen in der Schweiz.
Steinbock
Der Steinbock hat eine bemerkenswerte Geschichte hinter sich. Einst wegen angeblich medizinischer Wirkungen gejagt, wurde er im 19. Jahrhundert in der Schweiz ausgerottet. Dank Wilderern, die unter Lebensgefahr Kitze aus dem italienischen Gran Paradiso schmuggelten, und einem Zuchtprogramm, unter anderem im Wildpark Peter und Paul in St. Gallen, konnte der Steinbock erfolgreich wiederangesiedelt werden. Heute leben wieder rund 15'000 Steinböcke in der Schweiz.
Murmeltier
Murmeltiere sind die putzigen Bewohner unterirdischer Baue. Sie sind oft auf Alpweiden zu sehen, wo sie nach Futter suchen. Charakteristisch ist ihr unüberhörbares Pfeifen, das sie zur Warnung ihrer Artgenossen ausstossen, wenn Gefahr naht. Sie leben in Kolonien mit bis zu 15 Mitgliedern.
Luchs
Der Luchs ist die grösste Wildkatze Europas und ein wichtiger Regulator im Ökosystem, da er kleine Paarhufer wie Rehe und Gämsen jagt. Heute leben rund 300 Luchse in den Schweizer Wäldern, ein stabiler Bestand, obwohl die Art in Mitteleuropa noch als bedroht gilt.
Wolf
Nach rund 250 Jahren Abwesenheit kehrt der Wolf seit etwa 25 Jahren in die Schweiz zurück. Die Tiere wandern aus Italien und Frankreich ein. Erste Rudel bildeten sich um 2012, und inzwischen gibt es etwa 35 Rudel. Die Schweiz fördert den Wolf nicht aktiv, muss sich aber mit seiner natürlichen Wiederansiedlung auseinandersetzen, wofür das Konzept Wolf Schweiz entwickelt wurde.
Braunbär
Auch der Braunbär, nach über hundertjähriger Abwesenheit, wandert seit 2005 wieder vereinzelt aus dem italienischen Trentino in die Schweiz ein. Ähnlich wie beim Wolf gibt es kein Ansiedlungsprojekt; die Bären kehren auf natürliche Weise zurück.
Vögel der Lüfte
Auch am Himmel der Schweizer Alpen gibt es faszinierende Bewohner:
Die Alpendohle mit ihrem schwarzen Gefieder, gelben Schnabel und orange-roten Beinen ist wohl der bekannteste Vogel der Bergwelt und lebt typischerweise oberhalb der Baumgrenze zwischen 1500 und 3000 Metern Höhe.

Seltener, aber ebenso eindrucksvoll sind der Steinadler, einer der grössten Greifvögel der Schweiz, der Bartgeier, der sich auf Knochenverwertung spezialisiert hat, das Birkhuhn der subalpinen Zone (1200-2200m) und der Tannenhäher, der eine entscheidende Rolle für die Verbreitung der Arve spielt.
Die Welt der Insekten
Die Alpen sind auch Lebensraum für schätzungsweise 40'000 bis 60'000 Insektenarten, die für ein funktionierendes Ökosystem unerlässlich sind. Leider ist ihre Situation besorgniserregend. Ein Bericht von 2021 zeigte, dass Vielfalt und Bestände zurückgehen, nicht nur im Mittelland, sondern zunehmend auch im Jura und in den Alpen. Fast 60 Prozent der untersuchten Arten auf den Roten Listen gelten als gefährdet. Interessanterweise werden aufgrund der Klimaerwärmung auch Arten wie der Weissdolch-Bläuling, die früher nur in tieferen Lagen lebten, vermehrt in den Alpen gesichtet. Ein 12-Punkte-Programm soll helfen, den Insektenbestand langfristig zu sichern.
Die Pflanzenwelt der Berge
Die alpine Flora hat sich ebenfalls perfekt an die extremen Bedingungen angepasst. Rund 600 Blütenpflanzenarten kommen ausschliesslich in den Alpen vor oder haben hier ihren Verbreitungsschwerpunkt.
Das Edelweiss
Das Edelweiss gilt neben dem Matterhorn als das klassische Symbol der Schweiz. Obwohl es zart aussieht, ist es hervorragend an Wind, Kälte und UV-Strahlung angepasst. Seine filzigen Hochblätter reduzieren die Verdunstung. Interessanterweise hat das Edelweiss seinen Ursprung nicht in der Schweiz, sondern im Himalaja und in Sibirien. Erst im späten 19. Jahrhundert erlangte die Pflanze, die zuvor unspektakulär als «Wollblume» bezeichnet wurde, in der Schweiz Kultstatus.
Die Arve – Königin der Alpen
Die Arve (auch Zirbe oder Zirbelkiefer genannt) mag unscheinbar wirken, ist aber die wahre Königin der Alpen. Sie ist meisterhaft an das raue Gebirgsklima angepasst und widersteht Temperaturen von -40 bis +40 °C. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt im subalpin-kontinentalen Raum zwischen 1300 und 2500 Metern. Die Arve ist ein Beispiel für eine faszinierende ökologische Beziehung: Sie trägt erst nach etwa 60 Jahren erstmals Blüten und ist für ihre Vermehrung fast ausschliesslich auf den Tannenhäher angewiesen. Die Samen der Arve haben im Gegensatz zu vielen anderen Nadelbäumen keine Flügel, sind schwer und die Zapfen öffnen sich nicht von selbst. Der Tannenhäher hackt die Zapfen auf, um an die nahrhaften Samen zu gelangen. Er ernährt sich fast ausschliesslich von ihnen und legt für den Winter Vorräte an, indem er die Samen im Boden versteckt. Durch dieses Verhalten trägt er entscheidend zur Verbreitung der Arve bei, auch an Standorten, die weit vom Mutterbaum entfernt oder höher gelegen sind.
Die Alpenrose
Auch die Alpenrose gehört zu den bekannten Alpenpflanzen. Obwohl ihr Name es vermuten lässt, handelt es sich nicht um eine Rose, sondern um eine Rhododendron-Art. Am häufigsten ist der Rostblättrige Alpenrose («Rhododendron ferrugineum») mit rostfarbenen Flecken auf der Blattunterseite zu finden, der von Juni bis August blüht. Die seltenere Bewimperte Alpenrose («Rhododendron hirsutum») wächst in höheren Lagen, oft auf Kalkgestein. Im Gegensatz zum geschützten Edelweiss dürfen Alpenrosen auf Bergwiesen gepflückt werden, da sie zahlreich vorkommen. Allerdings ist Vorsicht geboten: Blüten, Blätter und Samenhülsen der Alpenrose sind giftig.
Schutz der Alpenlandschaft
Die Schönheit und Einzigartigkeit der Schweizer Bergwelt zu erhalten, ist eine wichtige Aufgabe. Verschiedene Organisationen setzen sich dafür ein, darunter der Schweizer Alpen-Club (SAC) sowie Natur- und Alpenschutzorganisationen wie Mountain Wilderness oder CIPRA Schweiz. Das 1987 gegründete Bergwaldprojekt leistet ebenfalls wertvolle Arbeit, indem Freiwillige bei der Pflege und dem Erhalt des schützenden Bergwaldes helfen.
Internationaler Tag der Berge
Die globale Bedeutung der Bergregionen wird auch international anerkannt. Am 11. Dezember wird weltweit der Internationale Tag der Berge (International Mountain Day) begangen. Dieser Tag soll die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Wichtigkeit der Berggebiete für das Leben auf der Erde und ihre nachhaltige Entwicklung lenken.
Häufig gestellte Fragen
Hier sind Antworten auf einige häufige Fragen zur Schweizer Bergwelt:
Wie viele Berge in der Schweiz sind über 2000 Meter hoch?
Es gibt genau 2131 Berge in der Schweiz, die höher als 2000 Meter sind.
Welches ist der höchste Berg der Schweiz?
Der höchste Berg der Schweiz ist die Dufourspitze mit einer Höhe von 4634 Metern über Meer.
Welche bekannten Tiere leben in den Schweizer Alpen?
Die Alpen beherbergen eine reiche Tierwelt, darunter Gämse, Steinböcke, Murmeltiere, Luchse, Wölfe, Braunbären sowie Vögel wie Alpendohlen, Steinadler und Bartgeier.
Ist das Edelweiss nur in der Schweiz heimisch?
Nein, das Edelweiss hat seinen Ursprung im Himalaja und in Sibirien und wurde erst später in der Schweiz populär.
Darf man Alpenrosen in der Schweiz pflücken?
Ja, im Gegensatz zum geschützten Edelweiss dürfen Alpenrosen gepflückt werden. Man sollte jedoch wissen, dass Teile der Pflanze giftig sind.
Die Schweizer Bergwelt ist ein komplexes und faszinierendes Ökosystem, das weit mehr bietet als nur hohe Gipfel. Ihre Vielfalt an Flora und Fauna sowie ihre landschaftliche Schönheit machen sie zu einem unschätzbaren Wert, der Schutz und Bewunderung verdient.
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