Wie viel verdient man als Fotograf in der Schweiz?

René Burri: Leben, Werk und Vermächtnis

Rating: 4.04 (1129 votes)

René Burri, ein Name, der in der Welt der Fotografie untrennbar mit beeindruckenden Reportagen und einem unermüdlichen Blick verbunden ist, war ein Schweizer Fotojournalist von Weltruf. Sein Tod im Jahr 2014 im Alter von 81 Jahren markierte das Ende einer langen und erfüllten Karriere, die ihn rund um den Globus führte, aber auch immer wieder zu seinen Wurzeln in der Schweiz zurückkehren liess. Er war nicht nur ein Beobachter, sondern ein teilnehmender Chronist seiner Zeit, dessen Werk bis heute inspiriert und Zeugnis ablegt von den Umbrüchen und Gesichtern des 20. und frühen 21. Jahrhunderts.

Welcher Schweizer Fotograf starb 2014?
Der Schweizer Fotojournalist René Burri starb 2014 nach einer langen Karriere im Alter von 81 Jahren. Für seine Reportagen war er schon früh unterwegs, und er blieb ein Reisender bis an sein Lebensende.

Burris Leben war geprägt vom ständigen Unterwegssein, einer Notwendigkeit und Leidenschaft, die ihn antrieb. Als Fotojournalist im klassischen Sinne suchte er die Geschichten dort, wo sie passierten, und dokumentierte sie mit seiner Kamera. Dieses Leben als Reisender begann früh und setzte sich bis an sein Lebensende fort. Doch trotz aller Ferne und der vielen Orte, die er besuchte und fotografierte, vergass Burri nie, woher er stammte. Die besondere Prägung durch ein Leben, das sich zwischen zwei Ländern entfaltete – seiner Heimat, der Schweiz, und seiner zweiten Heimat, Frankreich – spielte für seine Arbeit stets eine Rolle. Diese doppelte kulturelle Verankerung mag seinen Blick geschärft und ihm eine einzigartige Perspektive auf die Welt verliehen haben.

Die "Explosion des Sehens": Ein Titel mit Bedeutung

Ein besonders treffender Titel für eine seiner Ausstellungen war „Explosion des Sehens“. Dieser Name ist mehr als nur eine Bezeichnung; er deutet auf etwas Gewaltiges, vielleicht sogar auf das Bestreben hin, die Grenzen des Sichtbaren oder des technisch Machbaren zu sprengen. Er spiegelt offenbar Burris tiefen Wunsch wider, aus den technischen Einschränkungen auszubrechen, die dem Medium der Fotografie naturgemäss innewohnen können. Fotografie ist an den Moment gebunden, an Licht und Zeit, an den Bildausschnitt und die Perspektive. Eine „Explosion des Sehens“ könnte das Verlangen nach einem umfassenderen, ungezügelteren Blick symbolisieren, der über die reine Abbildung hinausgeht und das Wesen der Dinge erfasst.

Seit 2013 beherbergt das renommierte Musée de l'Elysée in Lausanne einen bedeutenden Teil von René Burris Vermächtnis: sein privates Archiv. Dieses Archiv ist von immensem Umfang und umfasst beeindruckende 30.000 Bilder. Es ist ein Schatzhaus seiner Karriere, eine Sammlung, die die Vielfalt seiner Themen, Orte und Stile dokumentiert. Die Tatsache, dass ein so umfangreiches Werk systematisch bewahrt und zugänglich gemacht wird, unterstreicht die historische und künstlerische Bedeutung von René Burri. Eine Ausstellung, die dieses Archiv beleuchtete, bot (oder bot bis zum 3. Mai) im Musée de l'Elysée die Gelegenheit, in die Welt Burris einzutauchen und die „Explosion des Sehens“ selbst zu erleben.

Prägung durch Bildung: Die Zürcher Schule

René Burris Weg zur Fotografie war auch ein Weg durch eine prägende Ausbildung. Er besuchte die Fachklasse für Fotografie an der Kunstgewerbeschule Zürich, die zu jener Zeit von Hans Finsler geleitet wurde. Dieses Umfeld war wegweisend für die Entwicklung der Fotografie als Kunstform. Es war eine Periode, in der die Fotografie begann, sich stärker und selbstbewusster in die etablierte Welt der Kunst einzubetten. Die neuen, dynamischen Möglichkeiten, die das Medium bot, standen hier noch in direktem Dialog mit den traditionellen Formen der bildenden Kunst.

Besonders bemerkenswert an dieser Ausbildung war die Vermittlung von Zeichnen und Skizzieren als komplementäre Fähigkeiten zur Fotografie. Dies wurde nicht als nebensächliche Übung betrachtet, sondern als eine veritable „Schule des Sehens“. Die Idee dahinter war, dass das genaue Beobachten, das Zerlegen und Wiederzusammensetzen von Formen und Licht durch das Zeichnen, die Fähigkeit des Fotografen schärfen würde, die Welt durch die Linse zu sehen, Kompositionen zu erkennen und Momente intuitiv zu erfassen. René Burri konnte sich dabei an Vorbildern aus seinem näheren Umfeld orientieren. Es ist bekannt, dass auch ein anderer bedeutender Schweizer Fotoreporter seiner Zeit, Werner Bischof, stets einen Skizzenblock bei sich trug. Diese Praxis zeigt, wie wichtig die Handzeichnung als Werkzeug zur visuellen Analyse und Vorbereitung für viele Fotografen jener Generation war, einschliesslich Burri.

Einblick in die Schaffenswelt: Die Kuba-Anekdote

Ein besonders lebendiges Bild von René Burri als Mensch und Künstler liefert eine Anekdote von Marco Meier, einem Redaktor der Kulturzeitschrift DU. Für ein Projekt der Zeitschrift reiste Burri 1993 nach Kuba. Meier traf ihn dort und schilderte seine Ankunft in Havanna, wo Burri ihn am Flughafen abholte. Die Beschreibung von Burris Zimmer im Hotel Inglaterra ist aufschlussreich. Meier empfand die Ankunft, „als käme ich nach Hause“, was auf die herzliche und väterliche Art Burris hindeutet, der bereits vieles vorbereitet hatte. Das Zimmer war hergerichtet, „als wäre es seine heimische Stube“ – ein Beweis dafür, wie er sich auch in der Fremde einen vertrauten Raum schuf.

Die Details des Zimmers erzählen viel über ihn: Überall lagen Bücher, was auf seinen breiten Interessenshorizont und seine Gelehrsamkeit schliessen lässt. Fotos seiner zweiten Frau zeigten seine private Seite inmitten seines Berufslebens. Zigarren, Notizbücher, Skizzenbücher für seine Collagen, Wasserfarben, Pinsel und natürlich die unvermeidlichen Limonen und der Rum für einen ersten Mojito – all diese Gegenstände zeichnen das Bild eines Mannes, der das Leben genoss, sich von der Umgebung inspirieren liess und seine kreativen Werkzeuge stets griffbereit hielt. Die Mischung aus Arbeitsmaterialien (Notizbücher, Skizzenbücher, Farben) und Genussmitteln (Zigarren, Mojito-Zutaten) in einem Raum, der sich wie ein Zuhause anfühlte, illustriert eindrücklich, wie eng bei Burri Leben, Reisen und künstlerisches Schaffen miteinander verwoben waren.

Vielfalt im Fokus: Eine Auswahl seiner Motive

Die lange Karriere von René Burri führte ihn an unzählige Orte und brachte ihn mit Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zusammen. Sein Blick war universell, aber stets auch auf das Einzigartige im Moment gerichtet. Die bereitgestellten Informationen lassen erahnen, wie vielfältig sein Werk war, indem sie eine Reihe von Beispielen für seine Fotografien nennen. Diese reichen von Porträts, die zu Ikonen wurden, bis hin zu Momentaufnahmen des städtischen und ländlichen Lebens weltweit. Zu den erwähnten Motiven gehören:

  • Das weltberühmte Porträt von El Che.
  • Lebendige Szenen aus Rio de Janeiro, Brasilien.
  • Einblicke in China, von den poetischen Trockenen Lotusblüten auf dem See von Kunmiung bis hin zu den dokumentarischen Bildern der chinesischen Fernsehprozesse gegen Studenten nach den Protesten am Tiananmen-Platz.
  • Zeitlose Impressionen aus Paris.
  • Architektonische Studien wie in Brasilia, Brasilien.
  • Bilder aus seiner Heimat Schweiz, beispielsweise das Dorf Juf, die höchstgelegenste Gemeinde des Landes.
  • Künstlerische Arbeiten wie Collagen aus Serien wie "Culture à l'étranger".
  • Die ikonische Aufnahme der "Vier Männer auf dem Dach" in Sao Paulo.
  • Gruppenporträts, wie das der Mitglieder der Agentur Magnum Photos.
  • Reportagebilder aus Regionen wie Chiapas, Mexiko.
  • Seine persönlichen, nicht-fotografischen Arbeiten wie Zeichnungen und Aquarelle, die er auch unterwegs schuf (z.B. im TGV).
  • Spätere Arbeiten aus Orten, die ihn immer wieder anzogen, wie Havanna, Kuba oder Brasilien.
  • Auch Selbstporträts gehörten zu seinem Werk.

Diese Aufzählung, die nur einen kleinen Teil seines Schaffens repräsentiert, zeigt die enorme Bandbreite von Burris Interessen und seiner Fähigkeit, die Essenz unterschiedlichster Orte und Situationen einzufangen. Sein Werk ist eine visuelle Chronik der Welt, gesehen durch die Augen eines meisterhaften Beobachters.

Häufig gestellte Fragen zu René Burri

Basierend auf den uns vorliegenden Informationen beantworten wir hier einige der wichtigsten Fragen zu René Burri:

Wann ist René Burri gestorben?

Der Schweizer Fotojournalist René Burri ist im Jahr 2014 im Alter von 81 Jahren verstorben.

Wo wird sein fotografisches Archiv aufbewahrt?

Seit 2013 beherbergt das Musée de l'Elysée in Lausanne René Burris umfangreiches privates Archiv, das rund 30.000 Bilder umfasst.

Was bedeutet der Titel seiner Ausstellung "Explosion des Sehens"?

Der Titel deutet auf Burris Wunsch hin, aus den technischen Grenzen der Fotografie auszubrechen und eine umfassendere, tiefere Art des Sehens zu ermöglichen.

Wo hat René Burri Fotografie studiert?

Er besuchte die Fachklasse für Fotografie an der Kunstgewerbeschule Zürich, die von Hans Finsler geleitet wurde.

Hat René Burri auch gezeichnet?

Ja, an der Kunstgewerbeschule Zürich wurde Zeichnen als wichtige Ergänzung zur Fotografie gelehrt ("Schule des Sehens"), und Burri nutzte auch später Notiz- und Skizzenbücher für seine Arbeit und schuf Aquarelle.

Fazit

René Burri war weit mehr als nur ein Fotograf, der auf Reisen ging; er war ein visueller Geschichtenerzähler, ein Chronist globaler Ereignisse und ein Künstler, dessen Blick sowohl scharf als auch tiefgründig war. Sein Leben als unermüdlicher Reisender, seine fundierte Ausbildung, die auch das Zeichnen als essentielle Sehschule umfasste, und sein Bestreben, die Möglichkeiten des Mediums Fotografie voll auszuschöpfen, prägten ein Werk von aussergewöhnlicher Vielfalt und bleibender Bedeutung. Das umfangreiche Archiv im Musée de l'Elysée in Lausanne stellt sicher, dass sein reiches Schaffen für zukünftige Generationen erhalten bleibt und studiert werden kann. René Burris Vermächtnis als einer der bedeutendsten Schweizer Fotojournalisten seiner Zeit ist unbestritten und sein Beitrag zur Welt der Fotografie von unschätzbarem Wert.

Hat dich der Artikel René Burri: Leben, Werk und Vermächtnis interessiert? Schau auch in die Kategorie Fotografie rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!

Avatar photo

Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

Go up