Die Verschlusszeit ist eines der mächtigsten Werkzeuge in der Fotografie, um Kreativität auszudrücken und die gewünschte Bildwirkung zu erzielen. Mit Ihrer Canon EOS 700D haben Sie die volle Kontrolle darüber, wie lange der Sensor dem Licht ausgesetzt ist. Das Verständnis und die bewusste Einstellung der Verschlusszeit eröffnen Ihnen neue Möglichkeiten, von gestochen scharfen Action-Aufnahmen bis hin zu verträumten Bildern mit fließendem Wasser oder Lichtspuren.

In diesem Artikel führen wir Sie Schritt für Schritt durch die Einstellung der Verschlusszeit an Ihrer Canon 700D und erklären, wie Sie dieses Element der Belichtung gezielt einsetzen können, um Ihre fotografischen Visionen umzusetzen.
Was ist die Verschlusszeit?
Die Verschlusszeit, oft auch Belichtungszeit genannt, ist die Dauer, für die der Verschluss Ihrer Kamera geöffnet ist und Licht auf den Bildsensor fällt. Sie wird in Sekunden oder Bruchteilen von Sekunden gemessen (z.B. 1/125 s, 1 s, 30 s). Eine kurze Verschlusszeit bedeutet, dass der Sensor nur für einen sehr kurzen Moment belichtet wird, während eine lange Verschlusszeit eine längere Belichtung ermöglicht.
Gemeinsam mit der Blende und dem ISO-Wert bildet die Verschlusszeit das sogenannte Belichtungsdreieck. Diese drei Elemente beeinflussen nicht nur die Helligkeit des Bildes, sondern auch Aspekte wie Tiefenschärfe (Blende) und Bewegungsunschärfe (Verschlusszeit). Die richtige Balance zwischen ihnen ist entscheidend für ein korrekt belichtetes und gestalterisch ansprechendes Foto.
Warum ist die Verschlusszeit wichtig?
Die Verschlusszeit hat zwei Hauptwirkungen auf Ihr Bild:
- Kontrolle der Helligkeit: Eine längere Verschlusszeit lässt mehr Licht auf den Sensor, was das Bild heller macht. Eine kürzere Verschlusszeit lässt weniger Licht durch, was zu einem dunkleren Bild führt.
- Darstellung von Bewegung: Hier liegt die kreative Kraft der Verschlusszeit.
Mit einer kurzen Verschlusszeit (z.B. 1/500 s oder kürzer) können Sie Bewegungen einfrieren. Dies ist ideal für Sportaufnahmen, schnelle Tiere oder spritzendes Wasser, um den entscheidenden Moment festzuhalten.
Mit einer langen Verschlusszeit (z.B. 1/30 s oder länger) können Sie Bewegungsunschärfe erzeugen. Dies wird oft verwendet, um Wasser weich und seidig darzustellen, Lichtspuren von Fahrzeugen bei Nacht zu erzeugen oder die Bewegung eines sich bewegenden Objekts zu betonen (Mitziehen/Panning).
Modi zur Einstellung der Verschlusszeit an der Canon 700D
Die Canon 700D bietet verschiedene Aufnahmemodi, in denen Sie die Verschlusszeit beeinflussen oder direkt einstellen können. Die wichtigsten für die Kontrolle der Verschlusszeit sind:
- Zeitautomatik (Tv - Time Value): In diesem Modus wählen Sie die Verschlusszeit, und die Kamera wählt automatisch die passende Blende, um eine korrekte Belichtung zu erzielen. Dies ist der direkteste Weg, um die Kontrolle über die Bewegungsdarstellung zu übernehmen.
- Manuell (M): In diesem Modus haben Sie die volle Kontrolle über Verschlusszeit, Blende und ISO-Wert. Sie müssen alle drei Einstellungen selbst vornehmen, was maximale kreative Freiheit bietet, aber auch mehr Übung erfordert.
- Blendenautomatik (Av - Aperture Value): Hier wählen Sie die Blende, und die Kamera wählt die Verschlusszeit. Obwohl Sie die Verschlusszeit nicht direkt einstellen, wird sie von Ihrer Blendenwahl beeinflusst und ist wichtig für das Verständnis des Belichtungsdreiecks.
Einstellung der Verschlusszeit im Zeitautomatik-Modus (Tv)
Der Tv-Modus ist ideal, wenn Ihr Hauptziel darin besteht, die Bewegung im Bild zu kontrollieren. So stellen Sie die Verschlusszeit in diesem Modus ein:
- Stellen Sie das Moduswahlrad oben auf Ihrer Kamera auf Tv.
- Schauen Sie auf das LCD-Display auf der Rückseite der Kamera oder durch den Sucher. Sie sehen die aktuellen Aufnahmeeinstellungen, einschließlich Verschlusszeit und Blende.
- Verwenden Sie das Wahlrad (das Rädchen neben dem Auslöser), um die Verschlusszeit zu ändern. Drehen Sie es nach rechts für kürzere Zeiten (z.B. von 1/60 s zu 1/125 s, 1/250 s usw.) oder nach links für längere Zeiten (z.B. von 1/125 s zu 1/60 s, 1/30 s usw.).
- Während Sie die Verschlusszeit ändern, sehen Sie, wie sich die angezeigte Blende (der f/-Wert) ebenfalls ändert. Die Kamera passt die Blende automatisch an, um die Belichtung konstant zu halten. Achten Sie darauf, dass die Blende nicht blinkt. Wenn die Blende blinkt (entweder der kleinste oder größte mögliche Wert), bedeutet dies, dass die Kamera die Belichtung mit der gewählten Verschlusszeit nicht korrekt ausgleichen kann. In diesem Fall müssen Sie die Verschlusszeit anpassen oder den ISO-Wert ändern.
- Der ISO-Wert kann in diesem Modus entweder automatisch von der Kamera gewählt (Auto ISO) oder von Ihnen manuell eingestellt werden, um die Belichtung weiter zu beeinflussen.
Einstellung der Verschlusszeit im Manuellen Modus (M)
Im M-Modus haben Sie die volle Kontrolle. Dies ist nützlich in schwierigen Lichtsituationen oder wenn Sie eine ganz bestimmte Kombination aus Verschlusszeit und Blende wünschen.
- Stellen Sie das Moduswahlrad auf M.
- Schauen Sie auf das LCD-Display oder durch den Sucher. Sie sehen die aktuellen Einstellungen für Verschlusszeit, Blende und ISO.
- Verwenden Sie das Wahlrad, um die Verschlusszeit zu ändern. Drehen Sie es nach rechts für kürzere Zeiten und nach links für längere Zeiten, genau wie im Tv-Modus.
- Um die Blende zu ändern, müssen Sie die Av-Taste (neben dem LCD-Bildschirm) gedrückt halten und gleichzeitig das Wahlrad drehen.
- Den ISO-Wert können Sie durch Drücken der ISO-Taste (oben auf der Kamera) und anschließendes Drehen des Wahlrads oder Verwenden der Pfeiltasten ändern.
- Im M-Modus müssen Sie das Belichtungsdreieck selbst ausbalancieren. Achten Sie auf die Belichtungsskala im Sucher oder auf dem LCD-Display (eine Skala mit Werten wie -2, -1, 0, +1, +2). Wenn der Marker bei '0' steht, ist das Bild voraussichtlich korrekt belichtet. Wenn er im Minusbereich ist, ist es unterbelichtet; im Plusbereich ist es überbelichtet. Passen Sie Verschlusszeit, Blende und/oder ISO an, bis der Marker bei '0' oder dem gewünschten Belichtungsniveau steht.
Einstellung der Verschlusszeit im Blendenautomatik-Modus (Av)
Obwohl Sie im Av-Modus die Blende und nicht die Verschlusszeit direkt wählen, ist es wichtig zu verstehen, wie die Kamera die Verschlusszeit in diesem Modus bestimmt. Sie wählen die Blende (für die Tiefenschärfe), und die Kamera wählt eine passende Verschlusszeit. Wenn die von der Kamera gewählte Verschlusszeit blinkt, bedeutet dies, dass sie zu kurz oder zu lang ist, um eine gute Belichtung zu gewährleisten (z.B. bei sehr wenig Licht wird die Zeit sehr lang und es besteht Verwacklungsgefahr).
Um die Blende im Av-Modus einzustellen, drehen Sie einfach das Wahlrad. Die Kamera passt die Verschlusszeit automatisch an.
Praktische Anwendung der Verschlusszeit
Bewegung einfrieren
Möchten Sie einen Sportler in voller Aktion scharf abbilden oder einen Wassertropfen in der Luft festhalten? Sie benötigen eine kurze Verschlusszeit. Die benötigte Zeit hängt von der Geschwindigkeit des Motivs und seiner Entfernung ab. Hier sind einige Richtwerte:
- Gehende Personen: 1/125 s
- Rennende Personen, spielende Kinder: 1/250 s
- Sport (Fußball, Basketball): 1/500 s
- Schnelle Autos, Vögel im Flug: 1/1000 s oder kürzer
Bei sehr schnellen Bewegungen oder wenn Sie sehr nah am Motiv sind, sind oft Zeiten von 1/2000 s oder noch kürzer erforderlich. Stellen Sie Ihre Kamera auf Tv oder M und wählen Sie eine entsprechend kurze Zeit. Achten Sie darauf, dass die Blende (im Tv-Modus) oder ISO (im M-Modus) nicht zu extrem werden (z.B. sehr hohe ISO-Werte führen zu Bildrauschen).
Bewegungsunschärfe erzeugen
Um die Bewegung zu betonen oder weiche Effekte zu erzielen, benötigen Sie eine lange Verschlusszeit. Beispiele hierfür sind:
- Fließendes Wasser seidig machen: 1/4 s bis mehrere Sekunden
- Lichtspuren bei Nacht: Mehrere Sekunden bis Minuten
- Mitziehen (Panning): 1/30 s bis 1/8 s (abhängig von der Geschwindigkeit des Motivs und Ihrer Fähigkeit, die Kamera mitzuführen)
- Sterne als Striche am Himmel: Mehrere Minuten
Bei langen Belichtungszeiten ist oft ein Stativ unerlässlich, um Verwacklungen der Kamera selbst zu vermeiden. Im Tv- oder M-Modus können Sie die gewünschte lange Verschlusszeit einstellen. Bei Tageslicht benötigen Sie möglicherweise einen Neutraldichtefilter (ND-Filter), um auch bei langer Belichtungszeit eine korrekte Helligkeit zu erzielen, da sonst das Bild überbelichtet wäre.
Fotografieren bei wenig Licht
Bei schlechten Lichtverhältnissen benötigen Sie mehr Licht, um den Sensor zu belichten. Dies kann durch eine größere Blende, einen höheren ISO-Wert oder eine längere Verschlusszeit erreicht werden. Oft ist eine längere Verschlusszeit die bevorzugte Methode, um Rauschen (durch hohe ISO) zu vermeiden und eine ausreichende Belichtung zu erzielen. Auch hier ist ein Stativ oft notwendig, um Verwacklungen zu verhindern.
Belichtungsdreieck im Überblick
| Einstellung | Auswirkung auf Helligkeit | Auswirkung auf Bild |
|---|---|---|
| Verschlusszeit (kürzere/längere) | Weniger/Mehr Licht | Bewegung einfrieren/Bewegungsunschärfe |
| Blende (kleiner f-Wert / größer f-Wert) | Mehr/Weniger Licht | Geringe/Hohe Tiefenschärfe |
| ISO (niedriger/höher) | Weniger/Mehr Licht | Weniger/Mehr Bildrauschen |
Das Verständnis, wie diese drei Elemente zusammenarbeiten, ist der Schlüssel zur bewussten Steuerung der Belichtung und des Aussehens Ihrer Fotos.
Tipps für die Auswahl der richtigen Verschlusszeit
- Faustregel gegen Verwacklung: Um Aufnahmen aus der Hand nicht zu verwackeln, sollte die Verschlusszeit nicht länger sein als der Kehrwert der Brennweite. Bei einem 50mm-Objektiv sollten Sie also eine Verschlusszeit von 1/50 s oder kürzer wählen. Bei der Canon 700D mit ihrem APS-C-Sensor müssen Sie den Crop-Faktor (ca. 1.6x) berücksichtigen. Ein 50mm-Objektiv verhält sich wie ein 80mm-Objektiv an Vollformat, daher sollten Sie eher 1/80 s oder kürzer wählen. Bei einem 200mm-Objektiv wäre es 1/(200*1.6) = 1/320 s oder kürzer.
- Nutzen Sie den Bildstabilisator: Wenn Ihr Objektiv einen Bildstabilisator (IS) hat, können Sie oft etwas längere Verschlusszeiten aus der Hand verwenden, als die Faustregel vorschlägt.
- Üben Sie das Mitziehen (Panning): Wählen Sie eine relativ lange Verschlusszeit (z.B. 1/30 s bis 1/8 s), folgen Sie dem sich bewegenden Motiv mit Ihrer Kamera und lösen Sie während der Bewegung aus. Mit etwas Übung erhalten Sie ein scharfes Motiv vor einem unscharfen Hintergrund.
- Prüfen Sie das Ergebnis: Machen Sie nach der Aufnahme eine Probeaufnahme und überprüfen Sie das Bild am Kameradisplay, idealerweise mit Vergrößerung, um sicherzustellen, dass die Bewegung wie gewünscht dargestellt ist und keine ungewollte Verwacklung vorliegt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist eine 'schnelle' und eine 'langsame' Verschlusszeit?
Eine 'schnelle' Verschlusszeit ist typischerweise ein Bruchteil einer Sekunde, z.B. 1/250 s, 1/1000 s oder kürzer. Sie friert Bewegung ein. Eine 'langsame' Verschlusszeit ist länger als ein Bruchteil einer Sekunde oder mehrere Sekunden lang, z.B. 1/30 s, 1 s, 10 s. Sie erzeugt Bewegungsunschärfe.
Kann ich die Verschlusszeit im Automatik-Modus (grünes Kästchen) einstellen?
Nein, im vollautomatischen Modus trifft die Kamera alle Entscheidungen für Sie, einschließlich der Verschlusszeit. Um die Verschlusszeit selbst zu steuern, müssen Sie in einen der Kreativmodi wechseln (Tv, Av, M, P).
Warum sind meine Fotos verwackelt, obwohl ich eine kurze Verschlusszeit gewählt habe?
Selbst mit einer kurzen Verschlusszeit kann ein Bild verwackelt sein, wenn die Kamera selbst während der Belichtung bewegt wurde (Kamerabewegung). Achten Sie auf eine ruhige Hand, nutzen Sie die Faustregel für die minimale Verschlusszeit basierend auf der Brennweite oder verwenden Sie ein Stativ, insbesondere bei längeren Zeiten.
Welchen Bereich an Verschlusszeiten bietet die Canon 700D?
Die Canon 700D bietet typischerweise Verschlusszeiten von 1/4000 Sekunde bis 30 Sekunden. Zusätzlich gibt es den Bulb-Modus (B), bei dem der Verschluss so lange geöffnet bleibt, wie Sie den Auslöser gedrückt halten (oder ein Fernauslöser verwendet wird), was für sehr lange Belichtungen nützlich ist.
Beeinflusst die Brennweite des Objektivs die Wahl der Verschlusszeit?
Ja, absolut. Längere Brennweiten verstärken Kamerabewegungen, was die Gefahr von Verwacklungen erhöht. Daher benötigen Sie bei längeren Brennweiten eine kürzere Verschlusszeit, um scharfe Bilder aus der Hand zu erhalten (siehe Faustregel gegen Verwacklung).
Fazit
Die Verschlusszeit ist ein grundlegendes Element der Fotografie und mit Ihrer Canon EOS 700D einfach zu meistern. Indem Sie die Modi Tv und M nutzen, können Sie gezielt steuern, wie Bewegungen in Ihren Bildern dargestellt werden und wie hell Ihre Fotos sind. Experimentieren Sie mit verschiedenen Verschlusszeiten, um die Effekte zu verstehen, und nutzen Sie die Faustregeln und Tipps, um Verwacklungen zu vermeiden und die gewünschten kreativen Ergebnisse zu erzielen. Mit Übung werden Sie schnell ein Gefühl dafür entwickeln, welche Verschlusszeit für jede Situation am besten geeignet ist, und Ihre Fotografie auf ein neues Level heben.
Nehmen Sie Ihre Canon 700D in die Hand, stellen Sie das Wahlrad auf Tv oder M und beginnen Sie zu experimentieren!
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