Was war der ursprüngliche Golem-Film?

Golem: Legende, Film & Faszination

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Die Figur des Golems fasziniert die Menschheit seit Jahrhunderten. Als Geschöpf aus Lehm, erschaffen zur Rettung und zum Schutz, verkörpert er tiefe Sehnsüchte und Ängste. Seine Geschichte ist eng mit der jüdischen Mystik und der reichen Kultur Prags verbunden. Doch nicht nur in alten Legenden lebt der Golem fort; er hat auch einen festen Platz in der Filmgeschichte gefunden und insbesondere das frühe Horrorkino nachhaltig geprägt.

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Die Ursprünge der Golem-Legende

Die wohl bekannteste und einflussreichste Version der Golem-Legende stammt aus dem Prag des 16. Jahrhunderts. Hier soll Rabbi Judah Loew ben Bezalel, oft Rabbi Löw genannt, den Golem erschaffen haben. In einer Zeit, als die jüdische Gemeinde von Verfolgung und drohendem Unheil bedroht war, suchte der Rabbi nach einem Weg, seine Gemeinschaft zu schützen. Nach alter Überlieferung formte er aus Lehm eine menschenähnliche Gestalt – den Golem.

Woher stammt die Legende des Golems?
Eine Golem-Geschichte, in der Rabbi Elijahu aus Chelm im heutigen Polen einen Golem kreiert, war im 19. Jahrhundert ebenso populär wie die Prager Legende. Dennoch setzte sich um 1900 die Prager Version der Legende durch, die im 16. Jahrhundert unter der Regentschaft von Rudolf II.

Der Name „Golem“ selbst kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie „Klumpen“ oder „formlose Masse“. Dies beschreibt treffend seinen Zustand vor der Belebung. Laut der Legende wurde der Golem durch mystische Praktiken und die Anwendung der Kabbala zum Leben erweckt. Oft wird berichtet, dass ein magisches Amulett oder eine Buchstabenkombination, der hebräische Name Gottes oder das Wort „Emet“ (Wahrheit), in seine Stirn oder auf einen Zettel, der in seinen Mund gelegt wurde, geschrieben wurde. Dieses mystische Element verlieh der leblosen Figur die notwendige Lebenskraft, um als unermüdlicher Wächter und Helfer der Gemeinde zu dienen.

Die Golem-Figur ist somit ein Symbol für den Wunsch nach Schutz und Selbstbehauptung in schwierigen Zeiten. Sie repräsentiert die Macht der Schöpfung, aber auch die potenziellen Gefahren, die entstehen können, wenn Geschöpfe ohne eigene Seele oder freien Willen existieren und außer Kontrolle geraten.

Paul Wegeners Golem-Trilogie: Ein Meilenstein des Stummfilms

Die Faszination für den Golem übertrug sich im frühen 20. Jahrhundert auf das aufstrebende Medium Film. Der deutsche Schauspieler und Regisseur Paul Wegener war maßgeblich daran beteiligt, die Legende auf die Leinwand zu bringen. Er schuf eine Trilogie von Stummfilmen, die den Golem zu einer Ikone des frühen Horrorfilms machten.

Woher stammt die Legende des Golems?
Eine Golem-Geschichte, in der Rabbi Elijahu aus Chelm im heutigen Polen einen Golem kreiert, war im 19. Jahrhundert ebenso populär wie die Prager Legende. Dennoch setzte sich um 1900 die Prager Version der Legende durch, die im 16. Jahrhundert unter der Regentschaft von Rudolf II.

„Der Golem“ (1914) – Der erste Film

Der allererste Film dieser Reihe trug schlicht den Titel „Der Golem“ und wurde 1914 veröffentlicht. Er gilt als der ursprüngliche Golem-Film von Paul Wegener. Die Handlung dieses Films weicht von der klassischen Legende ab. Sie spielt in der damaligen Gegenwart und erzählt von einem Antiquitätenhändler, der in den Ruinen eines jüdischen Tempels einen Golem findet, der Jahrhunderte zuvor von einem Kabbalisten zum Schutz erschaffen wurde. Dieser Händler erweckt den Golem wieder zum Leben, um ihn als Diener zu nutzen. Doch die Geschichte nimmt eine tragische Wendung, als sich der Golem in die Tochter des Händlers verliebt. Als seine Liebe unerwidert bleibt, gerät der Golem außer Kontrolle, läuft Amok und begeht eine Reihe von Morden.

Paul Wegener spielte in diesem Film selbst die Rolle des Golems. Co-Autor und Co-Regisseur war Henrik Galeen, der später auch an Klassikern wie F. W. Murnaus „Nosferatu“ beteiligt war. Die Schauspielerin Lyda Salmonova, die die Tochter spielte, heiratete später Paul Wegener.

Leider ist dieser erste Golem-Film heute nur noch in Fragmenten erhalten. Obwohl einige Quellen behaupten, dass ein vollständiger Druck existiert, ist dies nicht gesichert. Die erhaltenen Szenenfragmente zeigen bereits Paul Wegener in einem Kostüm, das dem des späteren, berühmteren Films sehr ähnlich ist, und seine charakteristisch stolpernde Bewegung.

„Der Golem und die Tänzerin“ (1917)

Nach dem Erfolg des ersten Films folgte 1917 „Der Golem und die Tänzerin“. Dieser Film, ebenfalls mit Paul Wegener als Golem, soll eine komödiantische Note gehabt haben. Auch von diesem Film sind heute nur noch Fragmente erhalten.

Was ist der Golem in der jüdischen Sage?
Ein Golem ist ein aus unbelebter Materie wie Staub oder Erde geformtes Wesen, das durch rituelle Beschwörung und hebräische Buchstabenkombinationen zum Leben erweckt wird. Geschaffen von einem menschlichen Schöpfer, wird der Golem zum Helfer, zum Gefährten oder zum Retter einer jüdischen Gemeinde in Gefahr.

„Der Golem, wie er in die Welt kam“ (1920) – Das Meisterwerk

Der dritte und bei weitem bekannteste Film der Trilogie ist „Der Golem, wie er in die Welt kam“ aus dem Jahr 1920. Dieser Film erzählt die Vorgeschichte zu den beiden früheren Filmen und greift direkt auf die klassische Prager Legende zurück. Er schildert, wie Rabbi Löw den Golem erschafft, um die jüdische Gemeinde vor einem kaiserlichen Dekret zu schützen, das ihre Vertreibung anordnet.

Im Film nutzt Rabbi Löw nicht direkt die Kabbala, sondern astrologische und chemisch-alchemistische Kenntnisse, um den Golem zum Leben zu erwecken. Der Golem begleitet den Rabbi an den kaiserlichen Hof und rettet dort das Leben des Kaisers, woraufhin das Vertreibungsedikt zurückgenommen wird. Der Golem hat seinen Zweck erfüllt und soll wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Doch wie in der Legende gerät er außer Kontrolle und läuft Amok im Prager Ghetto.

Dieser Film ist ein herausragendes Beispiel für den deutschen Expressionismus im Film. Die Kulissen, entworfen von Hans Poelzig und Kurt Richter, stellen das Prager Ghetto als eine bedrückende, verwinkelte und architektonisch verzerrte Welt dar, die die innere Verzweiflung und die äußere Bedrohung widerspiegelt. Die schiefen Mauern, engen Gassen und winzigen Fenster schaffen eine einzigartige, unheimliche Atmosphäre, die perfekt zur Geschichte passt. Paul Wegener entwickelte die ikonische Erscheinung des Golems – die markante Haarform, den steinernen Kittel, die hohen Schuhsohlen – zusammen mit dem Bildhauer Rudolf Belling. Diese Darstellung wurde zum Vorbild für viele spätere Monsterfiguren im Film, einschließlich der frühen Frankenstein-Interpretationen.

Die Kameraarbeit von Karl Freund trug ebenfalls zur einzigartigen Ästhetik bei, indem sie Zauber- und Beschwörungsszenen durch ein Spiel aus Licht und Schatten unheimlich in Szene setzte. Der Film war nicht nur künstlerisch bedeutsam, sondern auch kommerziell erfolgreich und trug dazu bei, das deutsche Kino international bekannt zu machen. Er ist ein „Autorenfilm“, bei dem Paul Wegener nicht nur die Hauptrolle spielte und Regie führte (zusammen mit Carl Boese), sondern auch das Drehbuch schrieb.

In welcher Stadt spielt der Stummfilm
Prag, im 16. Jahrhundert. Rabbi Loew liest in den Sternen, dass der jüdischen Gemeinde Unheil droht.

Was ist der Golem?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Golem in der jüdischen Sage eine aus Lehm geformte, menschenähnliche Figur ist. Sein Name bedeutet „Klumpen“ oder „formlose Masse“. Er wird durch mystische Mittel (oft Kabbala) zum Leben erweckt, um die jüdische Gemeinschaft vor Verfolgung oder Gefahr zu schützen. Er besitzt keinen freien Willen oder eigene Emotionen (obwohl dies in einigen Erzählungen, wie dem Film von 1914, variiert). Seine Existenz ist an das magische Element gebunden, das ihm Leben verleiht. Wenn dieses Element entfernt wird, fällt er zurück in seine leblose Form. Die Figur verkörpert die Idee des erschaffenen Dieners oder Beschützers, aber auch die Gefahr, die von einer unkontrollierbaren Macht ausgeht.

Vergleich der Golem-Filme von Paul Wegener

Die drei Filme von Paul Wegener behandeln die Golem-Figur auf unterschiedliche Weise. Während „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (1920) als Prequel die berühmte Legende aus dem 16. Jahrhundert in Prag erzählt, sind die Filme von 1914 und 1917 in der damaligen Gegenwart angesiedelt.

MerkmalDer Golem (1914)Der Golem, wie er in die Welt kam (1920)
HandlungAntiquitätenhändler erweckt Golem im Hier und Jetzt; Golem verliebt sich und läuft Amok.Rabbi Löw erschafft Golem im Prag des 16. Jhd. zum Schutz; Golem rettet Kaiser, läuft dann Amok.
SettingGegenwart (der Entstehungszeit), unspezifische Ruinen eines jüdischen Tempels.Prag, 16. Jahrhundert, nachgebautes Ghetto-Set.
VerfügbarkeitNur in Fragmenten erhalten.Weitgehend erhalten, gilt als Klassiker.
Regie (Co-Regie)Henrik GaleenPaul Wegener, Carl Boese
Golem-DarstellerPaul WegenerPaul Wegener

Fragen und Antworten zum Golem

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Golem-Legende und den Filmen:

  • Woher stammt die Golem-Legende?
    Die bekannteste Version stammt aus dem Prag des 16. Jahrhunderts und wird Rabbi Judah Loew ben Bezalel zugeschrieben.
  • Was bedeutet das Wort „Golem“?
    Im Hebräischen bedeutet es „Klumpen“ oder „formlose Masse“.
  • Was war der ursprüngliche Golem-Film von Paul Wegener?
    Der erste Film war „Der Golem“ aus dem Jahr 1914, der heute nur noch fragmentarisch erhalten ist.
  • Spielt der Golem-Film von 1914 in Prag?
    Basierend auf den vorliegenden Informationen spielt der Film von 1914 in der damaligen Gegenwart an einem unspezifischen Ort (Ruinen eines jüdischen Tempels). Die Stadt wird in den bereitgestellten Texten nicht genannt. Der Film von 1920 ist derjenige, der im Prag des 16. Jahrhunderts spielt.
  • Welcher Golem-Film von Paul Wegener erzählt die ursprüngliche Legende?
    „Der Golem, wie er in die Welt kam“ aus dem Jahr 1920 erzählt die Vorgeschichte und basiert auf der Prager Legende.
  • Wer verkörperte den Golem in den Stummfilmen von Paul Wegener?
    In allen drei Filmen spielte Paul Wegener selbst die Rolle des Golems.
  • Welchen Einfluss hatten die Golem-Filme auf das Kino?
    Insbesondere der Film von 1920 beeinflusste durch seine visuelle Gestaltung (Kulissen, Golem-Design) das frühe Horror- und Kunstkino maßgeblich und diente als Vorbild für spätere Monsterdarstellungen, wie die des Frankensteins der 1930er Jahre.

Fazit

Der Golem bleibt eine faszinierende Figur an der Schnittstelle von Mythos, Religion und Kunst. Seine Legende, tief verwurzelt in der Geschichte der jüdischen Gemeinde Prags, fand in Paul Wegeners Stummfilm-Trilogie eine eindrucksvolle Adaption, die das Kino nachhaltig prägte. Besonders „Der Golem, wie er in die Welt kam“ ist nicht nur ein Meisterwerk des expressionistischen Films, sondern auch ein bewegendes Porträt einer zerrissenen Welt, das die zeitlosen Themen von Schöpfung, Schutz und Kontrolle aufgreift. Die Geschichte des Golems lehrt uns über die Macht und die Gefahren der Erschaffung und die ständige Suche nach Sicherheit in unsicheren Zeiten.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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