In der Geschichte der Raumfahrt gibt es viele Pioniere – Menschen, die die Grenzen des Möglichen verschoben haben. Doch lange bevor Menschen die Erde verließen, waren es Tiere, die den Weg ebneten und die Gefahren des Weltraums testeten. Unter diesen tierischen Astronauten nimmt eine Katze eine ganz besondere Stellung ein: Félicette. Sie war die erste Katze im Weltraum und bis heute die einzige, die ihren Flug lebend überstand. Ihre Geschichte ist ein faszinierendes, wenn auch oft übersehenes Kapitel des Wettlaufs ins All.

Der Wettlauf ins All, der in den 1950er und 1960er Jahren zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion stattfand, war eine Ära intensiver Forschung und gewagter Experimente. Beide Nationen sandten Tiere ins All, um die Auswirkungen von Schwerelosigkeit, Beschleunigung und Strahlung zu verstehen, bevor sie menschliche Astronauten riskierten. Bereits im November 1957 hatte die Sowjetunion die Hündin Laika mit Sputnik 2 in die Erdumlaufbahn geschickt. Laika überlebte den Flug leider nicht und starb an Bord des Satelliten. Auf amerikanischer Seite gab es ebenfalls frühe tierische Raumfahrer. Im Januar 1961 absolvierte der Schimpanse Ham einen 16-minütigen suborbitalen Flug an Bord von Mercury-Redstone 2 und kehrte lebend zurück. Diese frühen Missionen lieferten wichtige Daten und ebneten den Weg für die ersten menschlichen Raumfahrer: Juri Gagarin im April 1961 für die Sowjetunion und Alan Shepard im Mai 1961 für die USA.
Frankreichs eigener Weg: Katzen im Visier
Während die USA und die Sowjetunion primär auf Hunde und Affen setzten, entschied sich das französische Raumfahrt-Programm für einen anderen Ansatz. Das Centre d’Enseignement et de Recherches de Médecine Aéronautique (CERMA) begann 1963 mit der Vorbereitung von Katzen auf Raumflüge. Insgesamt sechs Katzen wurden für diesen Zweck trainiert. Das Training umfasste den Einsatz einer Zentrifuge, um die hohen Beschleunigungskräfte zu simulieren, sowie einer Kompressionskammer, um die Bedingungen in großen Höhen nachzustellen. Die Tiere wurden sorgfältig auf ihre Eignung und Belastbarkeit geprüft.
Von C341 zu Félicette: Die Auswahl
Für den ersten Raumflug einer Katze wurde eine ganz besondere Kandidatin ausgewählt. Es handelte sich um eine schwarz-weiß gemusterte Katze, die von den Straßen von Paris stammte. Zunächst wurde sie im Rahmen des Experiments nur mit der Nummer C341 bezeichnet, um eine emotionale Bindung seitens der Wissenschaftler zu vermeiden. Erst nach ihrem erfolgreichen Flug und ihrer sicheren Rückkehr zur Erde erhielt sie einen Namen. Die französische Presse taufte sie zunächst Felix, in Anlehnung an die berühmte Cartoon-Figur Felix the Cat. Als sich jedoch herausstellte, dass C341 weiblich war, wurde der Name angepasst. Sie wurde als Félicette bekannt, ein Name, der ebenfalls eine Hommage an den Cartoon-Kater darstellte.
Die historische Mission V47: Félicettes Reise ins All
Für die Forschungsflüge mit Katzen an Bord plante Frankreich zwei Starts mit der Höhenforschungsrakete Véronique AGI 47, die in Vernon hergestellt wurde. Als Startplatz diente der Komplex Blandine des Centre interarmées d’essais d’engins spéciaux in Hammaguir, Algerien.

Am 18. Oktober 1963 um 7:09 Uhr GMT war es dann soweit. Die Rakete Véronique mit der Flugnummer V47 hob ab. Die Triebwerke brannten 42 Sekunden lang und erzeugten dabei eine Beschleunigung von bis zu 9,5 g. Nach dieser intensiven Startphase schlossen sich fünf Minuten Schwerelosigkeit an. Die Rakete erreichte eine Gipfelhöhe von 157 km. Der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre war, wie zu erwarten, von Turbulenzen geprägt. Knapp neun Minuten nach dem Start öffnete sich der Fallschirm der Landekapsel, die schließlich 10 Minuten und 36 Sekunden nach dem Start sicher landete. Während des gesamten Fluges wurden wichtige wissenschaftliche Daten gesammelt, insbesondere wurde die Hirnaktivität von Félicette gemessen. Das Experiment war ein voller Erfolg: Die Katze kam lebend zur Erde zurück.
Nach der Landung: Tests und ein trauriges Ende
Félicettes Rückkehr zur Erde war erfolgreich. Die kegelförmige Landekapsel landete in einer Position, die sie kopfüber hängen ließ, bis sie geborgen wurde. Sie hatte die Strapazen des Fluges überstanden und war wohlauf. Nach ihrer Landung verblieb Félicette mehrere Monate im Labor. Dort wurde sie weiteren Tests unterzogen, um die langfristigen Auswirkungen des Raumflugs auf ihren Körper zu untersuchen. Obwohl sie den Flug überlebt hatte, war ihr Schicksal letztlich tragisch. Nach den monatelangen Tests wurde Félicette eingeschläfert, damit Wissenschaftler ihren Körper detailliert untersuchen konnten, um mögliche anatomische oder physiologische Schäden festzustellen. Ironischerweise kamen die Wissenschaftler später zu dem Schluss, dass sie aus der Autopsie keine nützlichen Informationen gewonnen hatten. Dies war das Ende von Félicettes kurzer, aber bemerkenswerter Karriere als Raumfahrerin.
Der zweite Versuch und ein widerlegter Mythos
Nur wenige Tage nach Félicettes erfolgreichem Flug wurde ein zweites Experiment mit einer Katze durchgeführt. Am 24. Oktober 1963 startete der Flug V50, ebenfalls mit einer Katze an Bord. Doch diese Mission endete in einer Katastrophe: Die Katze wurde beim Absturz der Rakete getötet. Nach diesen beiden Flügen wurden keine weiteren Katzen mehr ins All geschickt. Frankreich startete später auch keine eigenen menschlichen Astronauten.
Um Félicettes Flug rankte sich zeitweise ein Mythos, der besagte, dass eine Katze namens Felix ursprünglich ausgewählt worden sei, aber kurz vor dem Start aus dem Labor entkommen wäre. Diese Geschichte wurde später von Gérard Chatelier widerlegt. Trotzdem gibt es Briefmarken aus Ländern wie Niger, Tschad und den Komoren, die sich auf das französische Raumfahrtprogramm beziehen und Félicette zeigen, sie aber fälschlicherweise als „Felix“ bezeichnen.
Andere tierische Pioniere der Raumfahrt
Félicette war keineswegs das einzige Tier, das im Dienste der Wissenschaft ins All geschickt wurde. Die Liste der tierischen Raumfahrer ist lang und vielfältig:
- Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster): Sie waren die ersten Lebewesen, die von den USA in den späten 1940er Jahren über die Atmosphäre hinausgeschickt wurden. Eine V-2-Rakete brachte sie auf eine Höhe von 109 km. Ihre Rückkehrkapsel landete in New Mexico, und die Fliegen wurden auf die Auswirkungen kosmischer Strahlung untersucht.
- Affen: Die USA führten eine Reihe suborbitaler Missionen mit Affen durch. Viele dieser frühen Missionen endeten tödlich, entweder durch Ersticken oder durch Versagen des Fallschirms.
- Laika: Der wohl berühmteste tierische Astronaut. Die streunende Moskauer Hündin flog am 3. November 1957 an Bord von Sputnik 2. Sie war das erste Lebewesen in der Erdumlaufbahn, überlebte aber nicht und starb auf der vierten Umlaufbahn an Überhitzung. Ihre Rückkehr zur Erde war von vornherein nicht geplant, da die Technologie dafür noch nicht existierte.
- Hunde: Die Sowjetunion setzte stark auf Hunde. Zwischen 1951 und 1966 starteten 71 Hundemissionen, von denen 17 tödlich endeten. Während Lisichka und Bars im Juli 1960 beim Start starben, überlebten Belka und Strelka später im selben Jahr einen Orbitalflug und kehrten sicher zurück.
- Schildkröten: Schildkröten wurden in die Umlaufbahn um den Mond gebracht und 2006 auf dem Space Shuttle Discovery transportiert.
- Quallen: Tausende von Quallen wurden einst mit einem Space Shuttle geflogen.
- Spinnen: 1973 wurden die Gartenspinnen Anita und Arabella zum Skylab-Orbitallabor gebracht, um zu sehen, ob sie in Mikrogravitation Netze spinnen können. Sie konnten es, aber die Netze waren ungleichmäßig geformt.
- Mäuse: Auf der Internationalen Raumstation (ISS) verbrachten Mäuse 90 Tage im Rahmen einer Studie über Schlafpläne und Darmreaktionen im Weltraum.
- Wasserbären (Tardigraden): Diese mikroskopisch kleinen Wirbellosen sind extrem widerstandsfähig. Im Experiment namens Tardis (Tardigrades in Space) sandte ein europäisches Team 3000 von ihnen für 12 Tage an die Außenseite einer Rakete. Bemerkenswerte 68 % überlebten Kälte, Schwerelosigkeit, Vakuum und Strahlung.
Die Bedeutung tierischer Raumflüge
Die Entscheidung, Tiere ins All zu schicken, war in den Anfängen der Raumfahrt von existenzieller Bedeutung. Wissenschaftler und Ingenieure wollten herausfinden, wie gefährlich es für einen Menschen in einer Kapsel im Weltraum sein könnte. Die meisten tierischen Raumflüge wurden unternommen, um zu sehen, ob die Tiere litten oder ihr Leben durch die Schwerelosigkeit, erhöhte Strahlung oder andere Effekte bedroht wurde. Die Tatsache, dass einige von ihnen überlebten, ebnete den Weg für menschliche Reisen ins All.

Heute sind die Regeln für die Verwendung von Tieren bei Weltraumexperimenten viel strenger. Moderne Missionen konzentrieren sich weniger auf die Prüfung der grundlegenden Gefahren des Weltraums, sondern mehr auf die Erforschung langfristiger Auswirkungen des Lebens im All. Dies spiegelt das Interesse an der Entwicklung langfristiger Missionen wider, wie zum Beispiel Reisen zum Mars. Darüber hinaus werden verschiedene Lebensformen im Orbit – hauptsächlich auf der Internationalen Raumstation – untersucht, um den Einfluss der Schwerkraft auf lebende Organismen auf der Erde zu entschlüsseln. Im Orbit ist die Schwerkraft viel geringer, was Aufschluss darüber geben kann, wie das Wachstum von Tieren und Pflanzen abläuft.
Ein bleibendes Erbe: Das Denkmal
Obwohl Félicette nach ihrer Mission ein trauriges Ende fand und ihr Beitrag lange Zeit weniger bekannt war als der von Laika oder Ham, wurde ihr Erbe schließlich gewürdigt. Im Oktober 2017 startete der Creative Director Matthew Serge Guy eine Kampagne auf Kickstarter mit dem Ziel, eine Statue für Félicette gestalten zu lassen. Die Ausführung sollte vom Bildhauer Gill Parker übernommen werden. Ursprünglich war geplant, die Statue in Paris aufzustellen. Die Spendenkampagne war äußerst erfolgreich und erreichte im November 2017 das Spendenziel von 40.000 Pfund.
Anders als ursprünglich geplant, konnte die Statue nach Fertigstellung nicht in Paris aufgestellt werden. Stattdessen wurde sie am 18. Dezember 2018 an der International Space University (ISU) in Straßburg enthüllt. Die Statue zeigt Félicette, wie sie auf einem Globus sitzt und nach oben in den Himmel blickt – ein passendes Denkmal für die Katze, die als einzige ihrer Art den Weg in die Sterne überlebte.
Häufig gestellte Fragen zu Félicette
War Félicette die erste Katze im Weltraum?
Ja, Félicette war die erste Katze, die im Rahmen des französischen Raumfahrtprogramms ins Weltall geschickt wurde.

War Félicette die einzige Katze, die im Weltraum überlebte?
Ja, Félicette ist die bisher einzige Katze, von der bekannt ist, dass sie einen Raumflug überlebt und lebend zur Erde zurückgekehrt ist. Ein zweiter Versuch mit einer anderen Katze endete tödlich.
Was geschah mit Félicette nach ihrer Rückkehr zur Erde?
Nach ihrer sicheren Landung wurde Félicette mehrere Monate lang für Tests im Labor gehalten. Sie wurde später eingeschläfert, damit ihr Körper von Wissenschaftlern auf die Auswirkungen des Fluges untersucht werden konnte.
Gibt es ein Denkmal für Félicette?
Ja, dank einer Spendenkampagne wurde eine Statue von Félicette geschaffen und am 18. Dezember 2018 an der International Space University in Straßburg enthüllt.
Welche anderen Tiere waren im Weltraum?
Neben Katzen wurden viele andere Tiere ins All geschickt, darunter Hunde (wie Laika, Belka und Strelka), Affen (wie Ham), Fruchtfliegen, Schildkröten, Quallen, Spinnen, Mäuse und die extrem widerstandsfähigen Wasserbären.
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