In der Welt der Fotografie und Bildverarbeitung gibt es zahlreiche Beleuchtungstechniken, die jeweils für spezifische Zwecke optimiert sind. Eine besonders wichtige Methode, insbesondere wenn es um die präzise Erfassung von Formen und Konturen geht, ist das sogenannte Durchlicht.

Diese Technik unterscheidet sich grundlegend von den üblicheren Beleuchtungsarten, bei denen das Licht von vorne oder von der Seite auf das Objekt fällt (Auflicht). Beim Durchlicht kommt das Licht von der Rückseite des Objekts und wird direkt auf die Kamera gerichtet. Das Objekt selbst befindet sich also zwischen der Lichtquelle und der Kamera.
Was genau ist Durchlicht?
Durchlicht bezeichnet eine Beleuchtungsanordnung, bei der die Lichtquelle hinter dem zu fotografierenden Objekt platziert wird und das Licht durch oder entlang des Objekts hindurch auf den Sensor der Kamera fällt. Im Gegensatz zur Beleuchtung von vorne (Auflicht) beleuchtet das Durchlicht nicht die Vorderseite des Objekts, sondern dessen Umrisse und innere Strukturen (falls das Objekt transparent oder transluzent ist). In den meisten technischen Anwendungen, insbesondere bei der Vermessung, wird Durchlicht jedoch gezielt bei opaken (nicht durchsichtigen) Objekten eingesetzt.
Stellen Sie sich vor, Sie möchten die genaue Form einer kleinen, undurchsichtigen Komponente erfassen. Wenn Sie diese von vorne beleuchten, könnten Schatten oder Oberflächenstrukturen die präzise Konturerkennung erschweren. Mit Durchlicht wird das Objekt als Silhouette vor einem hellen Hintergrund dargestellt. Dies erzeugt einen extrem hohen Kontrast zwischen dem Objekt und seiner Umgebung, was die exakte Identifizierung und Vermessung seiner äußeren Begrenzung erheblich vereinfacht.
Wie funktioniert die Durchlicht-Beleuchtung technisch?
Bei der Durchlicht-Beleuchtung wird eine diffuse Lichtquelle (oft eine Leuchtplatte oder ein spezielles Beleuchtungssystem) hinter dem Objekt positioniert. Das Licht strahlt von dort in Richtung der Kamera. Das Objekt blockiert an den Stellen, an denen es vorhanden ist, das Licht. Dies führt dazu, dass das Objekt im Kamerabild dunkel oder schwarz erscheint, während der Bereich um das Objekt herum, durch den das Licht ungehindert zur Kamera gelangt, hell bleibt.
Dieses Prinzip ist besonders effektiv, um:
- Die äußeren Abmessungen eines Objekts genau zu bestimmen.
- Fehlende Teile oder Ausbrüche am Rand zu erkennen.
- Konturen und Silhouetten klar hervorzuheben.
Die Schärfe des entstehenden Schattens oder der Silhouette hängt stark von der Qualität der Lichtquelle, der Positionierung und der Optik ab. Eine homogene, diffuse Lichtquelle ist ideal, um scharfe und klare Konturen ohne störende helle Flecken zu erzeugen.
Anwendungsbereiche von Durchlicht
Durchlicht ist eine Standardtechnik in vielen Bereichen der automatisierten Bildverarbeitung und Qualitätskontrolle. Einige typische Anwendungen umfassen:
- Automatisierte Vermessung: In Produktionslinien werden Bauteile mit Durchlicht fotografiert, um ihre Maße millimetergenau zu überprüfen und sicherzustellen, dass sie den Vorgaben entsprechen.
- Form- und Vollständigkeitsprüfung: Es wird geprüft, ob ein Objekt die richtige Form hat oder ob alle Teile vorhanden sind (z. B. ob alle Zähne eines Kamms intakt sind).
- Erkennung von Defekten am Rand: Ausbrüche, Risse oder Grate am Rand von Objekten werden durch die Unterbrechung der klaren Silhouette sichtbar.
- Zählung von Objekten: Einzelne Objekte können leicht voneinander getrennt und gezählt werden, da sie als separate dunkle Bereiche erscheinen.
- Inspektion von pharmazeutischen Produkten: Wie im Beispiel der weißen Tabletten erwähnt, können auch scheinbar unproblematische Objekte wie weiße Tabletten vor einem opaken Hintergrund mit Durchlicht inspiziert werden. Obwohl die Tablette selbst weiß ist, erscheint sie als dunkle Silhouette, was die Überprüfung ihrer Form und Größe ermöglicht.
Die hohe Präzision, die mit Durchlicht erzielt werden kann, macht es zu einem unverzichtbaren Werkzeug in vielen industriellen Prozessen, bei denen es auf exakte Maße und fehlerfreie Konturen ankommt.
Vorteile und Grenzen der Durchlicht-Beleuchtung
Der Hauptvorteil von Durchlicht liegt in der Erzeugung eines extrem hohen Kontrasts zwischen Objekt und Hintergrund, was die Konturerkennung und Vermessung sehr zuverlässig macht. Es minimiert die Auswirkungen von Oberflächenstrukturen oder Farben auf die Formanalyse, da diese Details im Dunklen der Silhouette verborgen bleiben.
Allerdings hat Durchlicht auch klare Grenzen. Die wichtigste Einschränkung ist, dass es allein keine Aussage über die Farbe oder die Graustufen des Objekts selbst machen kann. Da das Objekt das Licht blockiert und dunkel erscheint, sind seine eigenen farblichen Eigenschaften nicht sichtbar. Eine weiße Tablette sieht im Durchlicht genauso dunkel aus wie eine blaue oder graue Tablette gleicher Form und Größe.
Für Anwendungen, bei denen neben der Form auch Farbe oder Oberflächenbeschaffenheit eine Rolle spielen, ist Durchlicht allein nicht ausreichend.
Die Rolle von Farbscheiben (Filtern)
Durchlichtsysteme werden oft mit verschiedenen Farbscheiben geliefert, typischerweise in den Farben Rot, Grün, Blau und Weiß. Diese Filter werden zwischen der Lichtquelle und dem Objekt platziert.
Die Auswahl der passenden Farbscheibe ist entscheidend, um den maximalen Kontrast zwischen dem Objekt und dem Hintergrund zu erzielen. Die Regel ist einfach: Wählen Sie die Farbe des Filters, die im Farbspektrum möglichst weit von der Farbe des Objekts entfernt ist (komplementär ist), oder die vom Objekt stark absorbiert wird. Wenn Sie beispielsweise ein grünes Objekt inspizieren, kann ein roter Filter einen sehr hohen Kontrast erzeugen, da Grün rotes Licht stark absorbiert und somit noch dunkler erscheint. Bei einem weißen Objekt kann ein farbiger Filter (rot, grün oder blau) einen höheren Kontrast liefern als ein weißer Filter, da das weiße Objekt alle Farben reflektieren würde, aber vor dem farbigen Licht dennoch als dunkle Silhouette erscheint, während der Hintergrund die Filterfarbe annimmt.
Durch die geschickte Wahl des Filters kann die Qualität des aufgenommenen Bildes für die nachfolgende Bildverarbeitung optimiert werden.

Kombination von Durchlicht und Auflicht
Obwohl Durchlicht allein keine Farbinformationen über das Objekt liefert, kann es in Kombination mit Auflicht (Beleuchtung von vorne) eingesetzt werden, um zusätzliche Informationen zu gewinnen.
Wenn Durchlicht und Auflicht gleichzeitig oder nacheinander verwendet werden, ermöglicht dies die Erkennung von Fremdfarben oder falschen Grauwerten auf der Oberfläche des Objekts. Beispielsweise könnte eine weiße Tablette mit einem farbigen Fleck inspiziert werden. Das Durchlicht würde die Form überprüfen. Ein zusätzliches Auflicht könnte den Farbfleck auf der Oberfläche sichtbar machen, obwohl das Durchlicht selbst die Farbe der Tablette nicht zeigen würde. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Kombination zwar Fremdfarben erkennt, aber keine detaillierte Aussage über die allgemeine Oberflächenbeschaffenheit oder Textur des Objekts zulässt, die typischerweise durch reines Auflicht mit geeigneter Geometrie erfasst würde.
Diese kombinierte Methode erweitert die Inspektionsmöglichkeiten, indem sie sowohl Form- als auch grundlegende Oberflächenfehler (hinsichtlich Farbe/Helligkeit) adressiert.
Durchlicht vs. Auflicht: Ein Vergleich
Um die Unterschiede und Anwendungsbereiche besser zu verstehen, lohnt sich ein direkter Vergleich zwischen Durchlicht und Auflicht.
| Merkmal | Durchlicht | Auflicht |
|---|---|---|
| Lichtrichtung | Von hinten zum Objekt/Kamera | Von vorne/Seite zum Objekt/Kamera |
| Was wird hervorgehoben? | Konturen, Umrisse, äußere Form | Oberflächendetails, Textur, Farbe, Glanz |
| Objektdarstellung (opak) | Objekt erscheint dunkel/schwarz als Silhouette | Objekt erscheint beleuchtet mit sichtbarer Oberfläche |
| Eignung für Vermessung | Sehr gut für präzise Kontur- und Größenmessung | Weniger geeignet für präzise Kontur, besser für Oberflächenmessung/Defekte |
| Farbinformation des Objekts | Nicht sichtbar | Sichtbar (abhängig von Lichtfarbe) |
| Erkennung von Oberflächenfehlern (Farbe/Grauwert) | Nicht allein möglich, aber in Kombination mit Auflicht | Sehr gut möglich |
| Typische Anwendung | Formprüfung, Größenmessung, Vollständigkeitsprüfung | Farberkennung, Texturanalyse, Defekterkennung auf der Oberfläche |
Wie die Tabelle zeigt, sind Durchlicht und Auflicht komplementäre Techniken. Die Wahl der Beleuchtung hängt stark davon ab, welche Eigenschaften des Objekts untersucht werden sollen.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Durchlicht
Was ist der Hauptzweck der Durchlicht-Beleuchtung in der technischen Bildverarbeitung?
Der Hauptzweck ist die hochpräzise Vermessung und Prüfung der äußeren Form und Kontur von Objekten, insbesondere von opaken Materialien. Durch den hohen Kontrast zwischen Objekt und Hintergrund können Kanten und Abmessungen sehr genau erfasst werden.
Wie erscheint ein opakes Objekt, wenn es mit Durchlicht fotografiert wird?
Ein opakes Objekt erscheint im Kamerabild dunkel oder schwarz, da es das Licht von der Rückseite blockiert. Es wird als Silhouette vor einem hellen Hintergrund dargestellt.
Kann ich die Farbe eines Objekts sehen, wenn ich nur Durchlicht verwende?
Nein, mit reinem Durchlicht ist die Farbe oder die Graustufen des Objekts selbst nicht sichtbar, da das Objekt das Licht blockiert und dunkel erscheint.
Warum wird Durchlicht manchmal mit Auflicht kombiniert?
Die Kombination von Durchlicht und Auflicht ermöglicht es, zusätzlich zur Formprüfung auch bestimmte Oberflächeneigenschaften zu erkennen, wie z. B. Fremdfarben oder Abweichungen im Grauwert auf der Oberfläche des Objekts.
Welche Farbscheiben werden häufig bei Durchlichtsystemen verwendet?
Typische Farbscheiben sind Rot, Grün, Blau und Weiß.
Wie wähle ich die richtige Farbscheibe für mein Durchlichtsystem aus?
Sie wählen die Farbscheibe aus, die den größten Kontrast zum Objekt erzeugt. Dies hilft, die Silhouette des Objekts so klar wie möglich vom Hintergrund abzugrenzen.
Fazit
Durchlicht ist eine spezialisierte, aber äußerst effektive Beleuchtungstechnik in der Fotografie, insbesondere in der industriellen Bildverarbeitung. Ihre Stärke liegt in der präzisen Erfassung von Konturen und Abmessungen opaker Objekte durch die Erzeugung eines maximalen Kontrasts. Obwohl sie keine Informationen über die Eigenfarbe oder Oberflächentextur des Objekts liefert, kann sie in Kombination mit Auflicht eingesetzt werden, um zusätzliche Details über Oberflächenabweichungen zu gewinnen. Mit der richtigen Auswahl der Beleuchtung und gegebenenfalls von Filtern ist Durchlicht ein leistungsstarkes Werkzeug für die automatisierte Qualitätskontrolle und Vermessung.
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