Was ist ein Bildausschnitt in der Fotografie?

Alles über die Kunst der Porträtfotografie

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Die Porträtfotografie, oft auch einfach nur als Porträt bezeichnet, ist eine der beliebtesten und ausdrucksstärksten Formen der Fotografie. Sie konzentriert sich darauf, eine Person oder eine Gruppe von Personen so abzubilden, dass das Gesicht, die Gesichtszüge und vor allem der Gesichtsausdruck im Vordergrund stehen. Ziel ist es, die Essenz, die Persönlichkeit oder eine bestimmte Emotion des Subjekts einzufangen.

Wie nennt man Porträtfotografie?
Porträtfotografie, die auch häufiger als Porträtmalerei bezeichnet wird, ist die Kunst, ein Motiv (in diesem Fall eine Person oder eine Gruppe von Personen) einzufangen, wobei das Gesicht, die Gesichtszüge und der Gesichtsausdruck im Vordergrund stehen.

Was ist Porträtfotografie wirklich?

Im Gegensatz zu einer einfachen Momentaufnahme oder einem Schnappschuss ist ein Porträt in der Regel ein komponiertes oder „inszeniertes“ Bild. Das bedeutet, dass der Fotograf das Subjekt vorbereitet, eine bestimmte Pose oder einen Winkel wählt und die Beleuchtung sowie den Hintergrund bewusst gestaltet. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Fotograf und Modell im Voraus, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

Obwohl der Fokus klar auf dem Gesicht liegt, bedeutet dies nicht, dass der Rest des Körpers oder der Hintergrund unwichtig sind. Sie können durchaus in das Bild einbezogen werden, dienen aber primär dazu, das Hauptmotiv – das Gesicht und seinen Ausdruck – zu unterstützen und hervorzuheben.

Einer der Reize der Porträtfotografie liegt darin, dass die Subjekte oft keine professionellen Models sind. Es können ganz normale Menschen sein – Familien, Kinder, Geschäftsleute oder einfach nur die Person von nebenan. Dies macht die Porträtfotografie einerseits sehr zugänglich, da fast jeder mit einer einfachen Kamera ein Porträt aufnehmen kann. Andererseits macht es sie auch anspruchsvoll, da es wahre Kunst und technisches Können erfordert, um ein wirklich aussagekräftiges und professionelles Porträt zu schaffen.

Die verschiedenen Ansätze der Porträtfotografie

In der Porträtfotografie gibt es nicht den einen richtigen Weg. Vielmehr haben sich verschiedene Ansätze und Stile entwickelt, die jeweils eine einzigartige Herangehensweise an das Subjekt und die Bildgestaltung verfolgen. Die vier gängigsten Ansätze sind der konstruktionistische, der Umwelt-, der Schnappschuss- und der kreative Ansatz.

Der konstruktionistische Ansatz

Bei diesem Ansatz erschafft der Fotograf eine bestimmte „Atmosphäre“ oder ein Konzept für das gesamte Porträt. Basierend auf einer Idee, die oft in Absprache mit dem Subjekt entwickelt wird, baut der Fotograf das Bild bewusst auf. Beispiele hierfür sind das Porträt eines glücklichen Paares, eines selbstbewussten Absolventen, einer ehrlichen Führungskraft oder einer strahlenden Braut. Der Fotograf inszeniert die Szene, um diese spezifische Idee oder Emotion visuell darzustellen.

Der Umweltansatz (Environmental Portrait)

Dieses Vorgehen zeigt das Subjekt in seiner natürlichen Umgebung oder seinem Arbeitsumfeld. Der Hintergrund spielt hier eine aktive Rolle und vermittelt Informationen über die Person, ihre Tätigkeit oder ihren Lebensstil. Ein Geschäftsmann in seinem Büro, umgeben von Büchern oder Symbolen seiner Karriere, ist ein klassisches Beispiel. Die Umgebung wird sorgfältig ausgewählt und in die Komposition einbezogen, um das Porträt zu ergänzen und zu vertiefen.

Der Schnappschuss-Ansatz (Candid Approach)

Im Gegensatz zu den inszenierten Ansätzen wird das Subjekt bei der Schnappschuss-Fotografie oft ohne dessen Wissen oder in einem ungestellten Moment fotografiert. Dies führt zu informelleren, spontanen Bildern. Obwohl das Subjekt dabei meist nicht direkt in die Kamera blickt, kann dieser Ansatz besonders gut authentische Emotionen und ungestellte Ausdrücke einfangen. Viele Porträtfotografen schätzen diesen Stil wegen seiner Natürlichkeit und Unmittelbarkeit.

Der kreative Ansatz

Dieser Ansatz beinhaltet oft die Nutzung digitaler Bearbeitungstechniken, um ein einzigartiges und künstlerisches Ergebnis zu erzielen. Das Endergebnis kann magisch, surreal oder visuell sehr auffällig sein. Hier sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt, und der Fotograf nutzt moderne Werkzeuge, um über die reine Abbildung hinausgehende Bilder zu schaffen.

Berühmte Porträtfotografen aller Zeiten

Die Porträtfotografie hat im Laufe der Geschichte viele ikonische Bilder und ebenso viele herausragende Künstler hervorgebracht. Hier stellen wir einige der berühmtesten Porträtfotografen vor, die das Genre maßgeblich geprägt haben:

Lisa Kristine

Eine amerikanische Fotografin und humanitäre Aktivistin, bekannt für ihre Dokumentation moderner Sklaverei. Ihr Stil verbindet Dokumentar-, Porträt- und Kunstfotografie. Sie konzentriert sich oft auf die Augen, um eine direkte Verbindung zum Betrachter herzustellen. Ihre Arbeit zielt darauf ab, Einheit und Gerechtigkeit zu inspirieren. Sie fotografiert bevorzugt indigene Völker und arbeitet an Projekten, die Menschenrechtsfragen beleuchten.

Richard Avedon

Geboren in New York City, revolutionierte Avedon die Modefotografie, indem er Models Emotionen zeigen ließ und im Freien fotografierte. In den 60er Jahren schuf er ikonische Studioporträts von Kulturrevolutionären. Seine Arbeit hat das amerikanische Bild von Stil und Kultur über Jahrzehnte hinweg geprägt.

Peter Lindbergh

Dieser deutsche Fotograf, der Mode- und Porträtfotografie betrieb, bevorzugte Schwarz-Weiß-Bilder. Er setzte sich dafür ein, Frauen vom „Terror der Jugend und Perfektion“ zu befreien. Ihm wird zugeschrieben, maßgeblich zur Ära der Supermodels beigetragen zu haben, insbesondere durch sein Vogue-Titelbild von 1990.

Welche Arten von Porträts gibt es?
Gattungen der Porträtdarstellung Einzelporträt: Die häufigste Form, bei der eine einzelne Person dargestellt wird. Doppelporträt: Zwei Personen werden gemeinsam porträtiert. Gruppenporträt: Mehr als zwei Personen werden dargestellt, beispielsweise in einem Familienporträt.

Arnold Newman

Bekannt als Erfinder des Umweltporträts, integrierte Newman die Umgebung seiner Subjekte akribisch, um deren Leben und Arbeit zu symbolisieren. Zu seinen berühmten Porträts gehören Aufnahmen von John F. Kennedy, Marilyn Monroe und dem deutschen Industriellen Alfried Krupp, abgebildet in einer Fabrik.

Annie Leibovitz

Eine der bekanntesten amerikanischen Fotografinnen der Gegenwart. Sie ist berühmt für ihre Porträts von Prominenten und Persönlichkeiten, darunter das ikonische Foto von John Lennon und Yoko Ono kurz vor Lennons Tod, sowie Porträts von Königin Elisabeth II. und Whoopi Goldberg.

Yousuf Karsh

Dieser armenisch-kanadische Fotograf ist berühmt dafür, „jeden, der jemand war“, fotografiert zu haben. Sein Porträt von Winston Churchill, „The Roaring Lion“, aus dem Jahr 1941 ist eines der berühmtesten Bilder des 20. Jahrhunderts. Er hat zahlreiche hochrangige Persönlichkeiten porträtiert und über 20 Titelbilder für das Life Magazine geschaffen.

Martin Schoeller

Der deutsche Fotograf, der in New York lebt, ist bekannt für seinen „hyper-detaillierten Nahaufnahme“-Stil, bei dem er extrem dichte Porträts des Gesichts aufnimmt. Er hat viele Berühmtheiten fotografiert und schuf das Titelbild für den Film „American Psycho“ sowie ein kontroverses Time Magazine Cover.

Greg Gorman

Greg Gorman ist berühmt für seine Porträts von Hollywood-Persönlichkeiten, oft in Schwarz-Weiß und mit einem einfachen, kontrastreichen Stil, der starke Highlights und Schatten nutzt. Er versucht, eine introspektive Seite seiner Subjekte einzufangen. Zu seinen Arbeiten gehört das Albumcover für Elton Johns „The Locked Down Sessions“.

Irving Penn

Ein amerikanischer Mode- und Porträtfotograf, der während des Zweiten Weltkriegs fotografierte und später für Vogue arbeitete. Er gilt als einer der Erfinder der Fotografie vor einem einfachen Hintergrund. Seine minimalistischen Porträts von Ikonen wie Pablo Picasso und Georgia O’Keeffe sind legendär.

George Hurrell

Dieser amerikanische Fotograf glänzte in den 1930er und 40er Jahren in Hollywood. Er trug maßgeblich zum „Hollywood-Glamour“ dieser Ära bei, indem er die berühmtesten Persönlichkeiten der Zeit in stilvollen Porträts festhielt.

Nadav Kander

Ein israelischer Fotograf, der in London lebt und einige der bekanntesten Menschen der Neuzeit porträtiert hat, darunter Barack Obama und Donald Trump. Sein Porträt von Trump für das Time-Cover 2016 ist besonders bekannt. Er fotografiert oft in Schwarz-Weiß.

Helmut Newton

Dieser deutsche Fotograf, der nach Australien zog, wurde berühmt für seine Modeporträts mit einem charakteristischen erotischen Stil. Er integrierte oft fetischistische und sadomasochistische Subtexte in seine Arbeit, fotografierte für Vogue und Playboy.

Cristina Mittermeier

Als Abenteurerin, Meeresbiologin und Fotografin konzentriert sich Mittermeier auf die Dokumentation von Tieren und indigenen Stämmen. Sie setzt sich leidenschaftlich für den Erhalt wilder Orte und Kulturen auf der ganzen Welt ein.

Eric Lafforgue

Ein französischer Fotograf mit humanitärem Ansatz, bekannt für seine Fotoserie über Nordkorea, die ihm nach der Veröffentlichung die Einreise in das Land untersagte. Er reist viel, um verschiedene Kulturen zu dokumentieren.

Brandon Stanton

Ein moderner Fotograf, der durch seinen Fotoblog „Humans of New York“ im Internet bekannt wurde. Er porträtiert normale Menschen und teilt ihre Geschichten, was ihm eine große Fangemeinde eingebracht hat und ihn zu einer einflussreichen Figur machte.

Welche Blendenöffnung für Portraits?
Diese maximale Blendenöffnung - f1,4 oder f1,8 ist für Portraitoptiken eher Usus - ermöglicht Fotograf*innen bei der künstlerischen Gestaltung mehr Freiheit. Natürlich sollte das Fotografieren mit weit offener Blende die Ausnahme bleiben, Optiken verlieren hier an Schärfe und der Fokus geht oft verloren.

Die Wahl der richtigen Kamera für Porträts

Oft stellt sich die Frage, welche Kamera am besten für Porträts geeignet ist. Die Wahrheit ist, dass die beste Kamera diejenige ist, die Sie haben und mit der Sie am besten umgehen können. Während ein einfaches Point-and-Shoot-Modell für grundlegende Porträts ausreichen kann, erfordern professionelle Ergebnisse in der Regel eine Kamera, die mehr Kontrolle über Einstellungen wie Blende, Verschlusszeit und ISO bietet, um Schärfentiefe, Belichtung und Bewegung präzise steuern zu können.

Spiegelreflexkameras (DSLRs) und spiegellose Systemkameras (DSLM) sind aufgrund ihrer Vielseitigkeit und der Möglichkeit, Objektive zu wechseln, bei Porträtfotografen sehr beliebt. Die Wahl des Objektivs ist oft genauso wichtig wie die Kamera selbst. Festbrennweiten mit großer maximaler Blende (z.B. 50mm f/1.8, 85mm f/1.4) sind besonders geschätzt, da sie eine geringe Schärfentiefe ermöglichen, die das Subjekt vom Hintergrund abhebt (Bokeh-Effekt), und oft eine sehr hohe Bildqualität bieten.

Letztlich hängt die „beste“ Kamera jedoch stark vom Budget, den spezifischen Anforderungen und den persönlichen Vorlieben des Fotografen ab. Wichtiger als die teuerste Ausrüstung ist das Verständnis von Licht, Komposition und die Fähigkeit, eine Verbindung zum Subjekt aufzubauen, um dessen Persönlichkeit einzufangen. Da uns die vorliegenden Informationen keine spezifischen Modell-Empfehlungen liefern, können wir hier keine konkreten Kameras vorschlagen.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was ist Porträtfotografie?

Porträtfotografie ist die Kunst, eine Person oder Gruppe so zu fotografieren, dass das Gesicht, die Merkmale und der Ausdruck im Mittelpunkt stehen, oft mit dem Ziel, Persönlichkeit oder Emotionen einzufangen.

Ist ein Porträt dasselbe wie ein Schnappschuss?

Nein, Porträts sind in der Regel bewusst komponiert und oft inszeniert, während Schnappschüsse spontane, ungestellte Aufnahmen sind.

Muss das Subjekt in einem Porträt immer in die Kamera schauen?

Traditionell oft ja, aber moderne Porträtstile umfassen auch Aufnahmen, bei denen das Subjekt zur Seite oder am Betrachter vorbei blickt.

Sind die Modelle in der Porträtfotografie immer professionell?

Nein, sehr oft sind die Subjekte normale Menschen, wie Familien, Freunde oder Berufstätige.

Welche Hauptansätze gibt es in der Porträtfotografie?

Die vier Hauptansätze sind der konstruktionistische, der Umwelt-, der Schnappschuss- und der kreative Ansatz.

Wer sind einige berühmte Porträtfotografen?

Zu den berühmten Namen gehören Richard Avedon, Annie Leibovitz, Yousuf Karsh, Peter Lindbergh und Arnold Newman, um nur einige zu nennen.

Welche Kamera eignet sich am besten für Porträts?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Kameras mit Wechselobjektiven (DSLRs, DSLMs) und lichtstarke Festbrennweiten sind beliebt. Wichtiger als die spezifische Kamera ist jedoch das Können des Fotografen in Bezug auf Licht, Komposition und die Interaktion mit dem Subjekt.

Die Porträtfotografie bleibt eine zeitlose und faszinierende Form der Fotografie, die es ermöglicht, die vielfältige und komplexe Natur des Menschen visuell festzuhalten. Sie erfordert sowohl technisches Verständnis als auch ein tiefes Gespür für das Subjekt, um wirklich unvergessliche Bilder zu schaffen.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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