Wie wurden Fotos im späten 19. Jahrhundert gemacht? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns weit in die Vergangenheit der Fotografie begeben, zurück zu ihren Anfängen und den revolutionären Prozessen, die die Welt veränderten. Die Geschichte der Fotografie ist eine Geschichte ständiger Innovation, beginnend mit der Entdeckung, wie Licht Bilder aufzeichnen kann.

Der erste kommerziell erfolgreiche fotografische Prozess, die Daguerreotypie, wurde von Louis-Jacques-Mandé Daguerre (1787–1851) erfunden. Nachdem er ihn 1839 in Paris öffentlich vorgestellt hatte, verbreitete sich dieser Prozess schnell auf der ganzen Welt. Es war eine Sensation, die es den Menschen erstmals ermöglichte, detailgetreue Bilder der Realität festzuhalten.
Die Ära der Daguerreotypie (ca. 1839 - 1860er)
Die Daguerreotypie war ein einzigartiges Verfahren. Ein Bild wurde in einer Camera Obscura auf einer hochglanzpolierten, versilberten Kupferplatte belichtet. Die Entwicklung erfolgte dann durch Quecksilberdämpfe. Jede Platte war ein Unikat, eine einzige Fotografie, die bei richtigem Lichteinfall außerordentliche Details und eine bemerkenswerte Dreidimensionalität aufwies. Es gab kein Negativ, von dem weitere Abzüge gemacht werden konnten. Jede Daguerreotypie war ein Original.
Obwohl in Europa geboren, erfreute sich die Daguerreotypie in den Vereinigten Staaten großer Beliebtheit – insbesondere in New York City. Dort wetteiferten in den späten 1850er Jahren Hunderte von Daguerreotypisten um Kunden. Die erfolgreichsten Künstler errichteten auf den oberen Etagen von Gebäuden prächtige Porträtstudios, oft in der Nähe des Broadways und in anderen großen amerikanischen Städten von Boston bis San Francisco. Diese Studios waren oft luxuriös ausgestattet, mit farbigen Samtteppichen, Freskendecken, Kronleuchtern und natürlich eindrucksvollen Daguerreotypien von Königen, Königinnen, Politikern und sogar Stammesführern, die in edlen Rahmen an den Wänden hingen.
Der Erfolg des Mediums in Amerika beruhte jedoch nicht nur auf der Elite. Er baute auch auf der Kundschaft des Durchschnittsarbeiters auf, der ein einfaches Porträt für sich selbst oder, wahrscheinlicher, als bleibendes Freundschaftszeichen an einen geliebten Menschen senden wollte. Zu den vielen bedeutenden sozialen Veränderungen, die die Erfindung der Fotografie mit sich brachte, gehörte die Möglichkeit der Selbstdarstellung für eine Vielzahl von Gruppen, die zuvor von der offiziellen Porträtmalerei ausgeschlossen waren. Näherinnen, Tischler, Schauspieler, Goldsucher und sogar kürzlich Verstorbene ließen sich für ihre offiziellen Porträts ablichten und hinterließen so eine äußerst wertvolle Aufzeichnung ihres anonymen, wenn auch nicht unsichtbaren Lebens.
Wichtige Persönlichkeiten der frühen Daguerreotypie in den USA
Kein Künstler ist enger mit den frühen Jahren der amerikanischen Fotopraxis verbunden als Mathew B. Brady (ca. 1823–1896). Als begabter Daguerreotypist erlernte er die technischen Aspekte des Prozesses von den amerikanischen Pionieren des Mediums, Samuel Morse (dem Erfinder des Telegrafen) und John Draper. Brady eröffnete sein erstes Studio im Jahr 1844 und machte es sich zur Aufgabe, die führenden Persönlichkeiten der Nation zu fotografieren – Präsidenten, Militärs, Geschäftsleute, Bühnenstars, Schriftsteller und Künstler.
Fasziniert von François Gourauds Demonstrationen von Daguerres neuer Erfindung in Boston, reiste Albert Sands Southworth (1811–1894), ein Apotheker aus Cabotville, Massachusetts, 1840 nach New York, um die Technik bei Samuel F. B. Morse zu studieren. Innerhalb eines Jahres eröffnete Southworth ein Daguerreotypie-Studio in Boston mit Joseph Pennell, einem Assistenten von Morse. Als Pennell 1843 die Firma verließ, trat Josiah Johnson Hawes (1808–1901) an seine Stelle, und die gefeierte neunzehnjährige Partnerschaft von Southworth und Hawes war geboren. Die Firma war weltweit bekannt für ihre ästhetischen Leistungen und ihre technische Finesse. Die Bostoner Partnerschaft schuf einige der besten Porträt-Daguerreotypien Amerikas für führende politische, intellektuelle und künstlerische Persönlichkeiten.
Der Übergang: Von der Platte zum Papier und Glas
Parallel zur Daguerreotypie gab es auch frühe Versuche mit Papiernegativen. Der Engländer William Henry Fox Talbot erfand 1839 ebenfalls einen fotografischen Prozess, der auf Papiernegativen basierte (bekannt als Kalotypie). Obwohl in Europa recht populär, fand diese Fotografie mit Papiernegativen in Amerika wenig Anklang. Der Daguerreotypie-Prozess, der eine polierte, versilberte Kupferplatte verwendete, war in den ersten zwanzig Jahren der Bildherstellung in den Vereinigten Staaten die dominierende Form der Fotografie. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildete die Arbeit des wenig bekannten, in Frankreich geborenen Künstlers Victor Prevost (1820–1881), der 1853 ein spekulatives Projekt unternahm, um einen fotografischen Katalog der sich verändernden Gestalt von New York City zu erstellen.
Mitte der 1850er Jahre begannen jedoch Brady und andere Künstler, Kollodium-auf-Glas-Negative, auch Nassplatten genannt, zu verwenden. Bald darauf war die Ära der Daguerreotypie vorbei. Die Nassplatten-Technik bot entscheidende Vorteile. Sie ermöglichte die Herstellung von Negativen, von denen eine beliebige Anzahl von Abzügen hergestellt werden konnte. Dies war mit der einzigartigen Daguerreotypie nicht möglich.
Bis zum Beginn des Bürgerkriegs (1861) hatte der Papierabzug die Daguerreotypie vollständig als Mittel zur Verbreitung der Gesichter und Szenen der Zeit durch Brady und andere Künstler ersetzt. Die Nassplatten-Negative führten oft zu Albuminabzügen auf Papier, die eine exquisite Klarheit boten, vergleichbar mit der Daguerreotypie, aber die unendliche Reproduzierbarkeit des Papierabzugs hatten. Die Glasplatten waren zudem extrem lichtempfindlich, was die Belichtungszeiten dramatisch verkürzte. Fotografen wie Mathew B. Brady, James Wallace Black und Silas A. Holmes konnten gleichzeitig die Bewohner der Stadt und ihre Straßen und Monumente aufnehmen, etwas, das mit dem Daguerreotypie-Prozess nicht so einfach zu bewerkstelligen war.
Der Text beschreibt die Entwicklung der Fotografie bis in die frühen 1860er Jahre, als die Nassplatten- und Albuminabzug-Verfahren die Daguerreotypie ablösten und zur dominanten Methode wurden. Diese Verfahren blieben über viele Jahre hinweg Standard.
Vergleich: Daguerreotypie vs. Nassplatte/Albuminabzug
| Merkmal | Daguerreotypie (ca. 1839-1860er) | Nassplatte / Albuminabzug (ab Mitte 1850er) |
|---|---|---|
| Trägermaterial | Polierte, versilberte Kupferplatte | Glasplatte (Negativ), Papier (Abzug) |
| Einzigartigkeit / Reproduktion | Einzigartiges Unikat, keine Reproduktion vom Original | Negativ ermöglicht unbegrenzte Abzüge |
| Belichtungszeit | Länger (im Vergleich zu Nassplatten) | Dramatisch kürzer |
| Klarheit / Detail | Sehr hohe Klarheit und Detailtreue | Hohe Klarheit, vergleichbar mit Daguerreotypie |
| Popularität in den USA | Sehr hoch (bis Mitte/Ende 1850er) | Dominant ab Mitte 1850er/frühe 1860er |
| Ergebnis | Positivbild auf Metall | Papierabzug vom Glasnegativ |
Häufig gestellte Fragen zu frühen Fotoprozessen
Was genau ist eine Daguerreotypie?
Eine Daguerreotypie ist das Ergebnis des ersten kommerziell erfolgreichen Fotoprozesses, bei dem ein einzigartiges Bild direkt auf einer versilberten Kupferplatte erzeugt wird. Es gibt kein Negativ.
Warum wurde die Daguerreotypie durch andere Verfahren ersetzt?
Die Daguerreotypie war ein Unikat und nicht reproduzierbar. Spätere Verfahren wie die Nassplatte ermöglichten die Erstellung von Negativen, von denen beliebig viele Abzüge (z. B. Albuminabzüge) hergestellt werden konnten. Außerdem waren die Belichtungszeiten mit Nassplatten kürzer.
Wer waren wichtige amerikanische Fotografen der frühen Zeit?
Der Text nennt unter anderem Mathew B. Brady, Albert Sands Southworth, Josiah Johnson Hawes, Samuel F. B. Morse und Victor Prevost als wichtige Persönlichkeiten in der frühen amerikanischen Fotografie.
Wofür wurden frühe Fotos verwendet?
Anfangs hauptsächlich für Porträts, sowohl für die Elite in luxuriösen Studios als auch für Durchschnittsbürger. Später, mit der Reproduzierbarkeit von Papierabzügen, auch für die Dokumentation von Städten, Landschaften und Ereignissen wie dem Bürgerkrieg.
Waren Papiernegative in den USA nicht beliebt?
Der Text besagt, dass Verfahren mit Papiernegativen, wie von Talbot in Europa entwickelt, in den ersten zwanzig Jahren der Fotografie in den USA wenig Anklang fanden. Die Daguerreotypie war hier das dominierende Verfahren, bis sie von Nassplatten/Albuminabzügen abgelöst wurde.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Fotografie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine rasante Entwicklung durchmachte. Basierend auf den uns vorliegenden Informationen verlagerte sich die Technik von der einzigartigen Daguerreotypie hin zu Verfahren, die Negative nutzten, wie die Nassplatte in Kombination mit Albuminabzügen auf Papier. Diese Verfahren setzten sich ab Mitte der 1850er Jahre durch und ermöglichten eine schnellere, günstigere und vor allem reproduzierbare Fotografie, die das Medium für eine breitere Masse zugänglich machte und neue Anwendungsbereiche erschloss.
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