Der Weg zum Wunschstudium in Deutschland führt für viele über eine Hürde: den Numerus Clausus (NC). Dieses Zulassungsverfahren bestimmt, wer einen der begehrten Studienplätze erhält, wenn die Zahl der Bewerber die verfügbaren Kapazitäten übersteigt. Doch der NC ist kein zentral festgelegter Wert, der für alle Universitäten und jedes Semester gleich ist. Vielmehr handelt es sich um ein komplexes System, das individuell von den einzelnen Hochschulen gestaltet wird und sich stetig ändern kann.

Was ist der Numerus Clausus (NC) und wie wird er festgelegt?
Der Begriff Numerus Clausus bedeutet wörtlich „geschlossene Zahl“ und beschreibt ein Verfahren zur Beschränkung der Zulassung zu einem Studiengang. Wenn für einen bestimmten Studiengang mehr Bewerbungen eingehen, als die Hochschule Plätze anbieten kann, muss eine Auswahl getroffen werden. Diese Auswahl erfolgt über den NC.
Die Festlegung des NC ist die Hoheit der Hochschulen. Jede Universität und jede Fachhochschule in Deutschland entscheidet eigenständig, ob ein Studiengang zulassungsbeschränkt ist und, falls ja, nach welchen Kriterien die Auswahl erfolgt. Es gibt keine zentrale Instanz, die bundesweit NC-Werte vorgibt.
Die Entscheidung für eine Zulassungsbeschränkung hängt von mehreren Faktoren ab:
- Kapazitäten der Hochschule: Die Anzahl der verfügbaren Studienplätze wird maßgeblich von den Ressourcen der Hochschule bestimmt. Dazu gehören die Größe von Hörsälen und Seminarräumen, die Ausstattung von Laboren und Bibliotheken sowie die Anzahl des Lehrpersonals. Ein Studiengang, der viele Praktika oder kleine Seminargruppen erfordert, kann oft nur einer begrenzten Anzahl von Studierenden Platz bieten.
- Beliebtheit des Studiengangs: Wenn ein Studiengang sehr gefragt ist und die Zahl der Bewerber die verfügbaren Plätze deutlich übersteigt, ist eine Zulassungsbeschränkung wahrscheinlich und der NC wird entsprechend hoch ausfallen.
Sobald eine Zulassungsbeschränkung festgelegt ist, müssen Kriterien für die Auswahl der Bewerber definiert werden. In den meisten Fällen spielt dabei die Qualifikation der Bewerber eine entscheidende Rolle. Das wichtigste Kriterium ist hierbei traditionell die Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung, also meist die Abiturnoten.
Die Hochschule erstellt eine Rangliste aller fristgerecht eingegangenen Bewerbungen. Anhand dieser Liste werden die Plätze vergeben, beginnend mit dem Bewerber mit der besten Note. Der NC, der später veröffentlicht wird, ist dann die Durchschnittsnote desjenigen Bewerbers, der als Letzter noch einen Platz erhalten hat. Es ist wichtig zu verstehen, dass der NC somit kein im Voraus festgelegter Wert ist, sondern das Ergebnis des jeweiligen Zulassungsverfahrens in einem bestimmten Semester. Er kann sich daher von Semester zu Semester ändern.
Warum variiert der NC so stark?
Die starken Schwankungen des NC-Wertes für denselben Studiengang an verschiedenen Hochschulen oder sogar an derselben Hochschule in unterschiedlichen Semestern sind auf die bereits genannten Faktoren zurückzuführen, die sich dynamisch verändern:
- Anzahl der Bewerber: Die Popularität eines Studiengangs kann saisonal oder aufgrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen variieren. Mehr Bewerber bedeuten bei gleichbleibender Platzzahl einen strengeren NC.
- Qualität der Bewerber: Wenn sich in einem Semester besonders viele Bewerber mit sehr guten Abiturnoten auf einen Studiengang bewerben, steigt der NC automatisch an, selbst wenn die Platzzahl gleich bleibt.
- Anzahl der Studienplätze: Hochschulen können die Zahl der angebotenen Plätze anpassen, beispielsweise wenn neue Räumlichkeiten zur Verfügung stehen oder zusätzliche Professuren geschaffen werden. Mehr Plätze führen tendenziell zu einem niedrigeren NC.
- Andere Auswahlkriterien: Manche Hochschulen nutzen neben der Abiturnote weitere Kriterien, wie zum Beispiel Testergebnisse (z.B. TMS für Medizin), Berufsausbildungen, Praktika oder Auswahlgespräche. Diese Kriterien beeinflussen die Rangfolge der Bewerber und somit den resultierenden NC.
Diese Vielfalt in den Kriterien und die dynamische Natur der Bewerberzahlen und Kapazitäten machen es unmöglich, einen festen NC für einen Studiengang pauschal anzugeben. Jede Angabe ist immer nur eine Information aus vergangenen Verfahren und dient lediglich als Orientierung.
Der NC und Wartesemester: Zwei wichtige Kriterien
Neben der Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung spielen in vielen Zulassungsverfahren auch Wartesemester eine Rolle. Ein Wartesemester ist ein Semester, in dem man nach Erlangung der Hochschulzugangsberechtigung (z.B. Abitur) nicht an einer deutschen Hochschule eingeschrieben war. Die Wartezeit wird in der Regel ab dem Semester gezählt, das auf das Abitur folgt.
Früher war die Wartezeit ein sehr wichtiges Kriterium, das oft unabhängig von der Abiturnote zur Zulassung führen konnte. Mittlerweile hat sich dies in vielen Bundesländern und für viele Studiengänge geändert. Die Gewichtung der Wartezeit wurde reduziert oder sie wird nur noch in Kombination mit der Abiturnote im Rahmen einer Gesamtpunktzahl berücksichtigt. Das Ziel ist oft, Bewerber stärker nach ihrer Leistung im Abitur auszuwählen.
Dennoch kann die Anzahl der Wartesemester in einigen Verfahren immer noch relevant sein. Manchmal wird eine Mindestanzahl an Wartesemestern gefordert, um überhaupt am Verfahren teilnehmen zu können, oder sie verbessert die Position auf der Rangliste. Die genaue Berücksichtigung der Wartezeit ist ebenfalls hochschul- und studiengangspezifisch geregelt.
NC-Werte verstehen: Mehr als nur eine Zahl
Wenn Sie sich über NC-Werte informieren, stoßen Sie oft auf Tabellen, die Werte aus vergangenen Semestern auflisten. Es ist entscheidend, diese Werte richtig zu interpretieren. Eine typische Tabelle könnte folgende Spalten enthalten, wie sie auch in der bereitgestellten Information beschrieben wurde:
| Begriff | Bedeutung im NC-Verfahren |
|---|---|
| Note | Dies ist die Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung (z.B. Abitur) des zuletzt zugelassenen Bewerbers in einem bestimmten Semester. Dies ist der eigentliche NC-Wert. |
| Wartesemester (WaSe) | Dies ist die Mindestanzahl an Wartesemestern, die der zuletzt zugelassene Bewerber im Wartezeit-Verfahren oder als zusätzliches Kriterium vorweisen musste. Beachten Sie, dass die Bedeutung von Wartesemestern sich verändert hat. |
| Alle! | Wenn in dieser Spalte „Alle!“ steht, bedeutet dies, dass im Hauptverfahren alle Bewerber, die sich fristgerecht und formgerecht beworben hatten und die formalen Voraussetzungen erfüllten, auch einen Studienplatz angeboten bekamen. Es gab also effektiv keinen NC oder Wartezeit, die zu einer Ablehnung führte. |
| Stand | Diese Spalte gibt an, aus welchem Semester oder Bewerbungszeitraum die Daten stammen. NC-Werte aus älteren Semestern sind weniger aussagekräftig für die aktuelle Situation. |
Es ist absolut wichtig zu betonen: Die angegebenen Werte sind Grenzwerte aus vergangenen Verfahren. Sie geben keine Garantie für die Zulassung im kommenden Semester. Sie zeigen lediglich, welche Note oder Wartezeit im letzten Verfahren *mindestens* nötig war, um einen Platz zu bekommen. Oftmals bekommen nicht alle Bewerber mit exakt diesem Grenzwert einen Platz, da bei Gleichheit der Kriterien weitere Auswahlregeln greifen können (z.B. Losverfahren).
Da die Daten von den Hochschulen stammen und je nach Veröffentlichungspraxis variieren können, sind solche Angaben oft mit dem Hinweis „Alle Angaben ohne Gewähr!“ versehen. Verlassen Sie sich daher nicht blind auf externe Portale, sondern prüfen Sie immer auch die offiziellen Informationen der jeweiligen Hochschule, bei der Sie sich bewerben möchten.
Gibt es Studiengänge mit besonders hohem NC?
Die Frage, welches Studium den höchsten NC benötigt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Wie bereits erläutert, hängt der NC von der spezifischen Nachfrage und dem Angebot an Plätzen an einer bestimmten Hochschule in einem bestimmten Semester ab.
Allerdings gibt es traditionell Studiengänge, die bundesweit sehr beliebt sind und für die es regelmäßig deutlich mehr Bewerber als Plätze gibt. Dazu gehören klassischerweise Fächer wie:
- Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin
- Psychologie
- Rechtswissenschaften (Jura)
- Betriebswirtschaftslehre (BWL) an bestimmten Universitäten
- Architektur
- Kommunikationswissenschaften / Medienwissenschaften (an beliebten Standorten)
Diese Fächer weisen aufgrund ihrer hohen Nachfrage oft sehr hohe NC-Werte auf, was bedeutet, dass man in der Regel eine sehr gute Abiturnote benötigt, um direkt zugelassen zu werden. Aber selbst innerhalb dieser Fächer kann der NC stark variieren. Eine kleine Universität in einer weniger bevölkerten Region kann einen deutlich niedrigeren NC für Psychologie haben als eine renommierte Großstadtuniversität.
Um herauszufinden, ob Ihr Wunschstudiengang zulassungsbeschränkt ist und wie der NC in den letzten Semestern an Ihrer favorisierten Hochschule war, müssen Sie die spezifischen Zulassungsinformationen der jeweiligen Hochschule konsultieren. Es gibt keine zentrale Datenbank, die den aktuell höchsten NC in Deutschland ausweist, da dieser Wert für jedes Verfahren neu ermittelt wird.

Der NC für Medienwissenschaften: Ein Beispiel
Nehmen wir als Beispiel den Studiengang Medienwissenschaften, der in der bereitgestellten Information kurz erwähnt wurde. Auch hier gilt: Es gibt nicht DEN einen NC für Medienwissenschaften in Deutschland. Der benötigte NC hängt stark von der jeweiligen Universität ab. Manche Hochschulen bieten Medienwissenschaften oder verwandte Fächer (wie Kommunikationswissenschaften, Publizistik) zulassungsfrei an, während andere einen sehr strengen NC haben.
Wenn Sie sich für Medienwissenschaften interessieren, müssen Sie die Websites der Hochschulen besuchen, die diesen Studiengang anbieten. Dort finden Sie in der Regel Informationen zu den Zulassungsvoraussetzungen des letzten Bewerbungsverfahrens. Diese Informationen könnten beispielsweise so aussehen:
- Universität A: Medienwissenschaften (Bachelor): NC 1,8 (Wintersemester 2023/24)
- Universität B: Kommunikationswissenschaften (Bachelor): NC 2,1, oder 4 Wartesemester (Wintersemester 2023/24)
- Universität C: Medien & Kommunikation (Bachelor): Zulassungsfrei (Sommersemester 2024)
Diese Beispiele (bitte beachten Sie, dass dies fiktive Werte sind!) zeigen die mögliche Bandbreite. Die Universität A hatte einen NC von 1,8, was bedeutet, dass man im letzten Verfahren eine Abiturnote von 1,8 oder besser benötigte, um direkt zugelassen zu werden. An Universität B reichte vielleicht eine Note von 2,1, aber alternativ konnte man auch mit einer schlechteren Note zugelassen werden, wenn man 4 Wartesemester vorweisen konnte (je nach genauer Gewichtung im Verfahren). Universität C bot den Studiengang in diesem Semester komplett zulassungsfrei an, sodass jeder mit der formalen Hochschulzugangsberechtigung einen Platz erhielt ("Alle!").
Dies unterstreicht noch einmal, wie wichtig es ist, sich gezielt bei den einzelnen Hochschulen zu informieren und die spezifischen Zulassungsverfahren genau zu studieren. Vergangene NC-Werte dienen nur als Richtwert und sollten nicht als feste Anforderung missverstanden werden.
Häufige Fragen zum NC (FAQ)
Was bedeutet NC?
NC steht für Numerus Clausus und bezeichnet ein Zulassungsverfahren für Studiengänge, bei denen es mehr Bewerber als verfügbare Plätze gibt. Es ist eine Beschränkung der Zulassung.
Wer legt den NC fest?
Der NC wird von den einzelnen Hochschulen (Universitäten, Fachhochschulen) selbst festgelegt und verwaltet, nicht zentral auf Bundesebene.
Wovon hängt die Höhe des NC ab?
Die Höhe des NC hängt von der Anzahl der verfügbaren Studienplätze, der Anzahl der Bewerber und deren Qualifikation (insbesondere der Durchschnittsnote des Abiturs) im jeweiligen Semester ab.
Was sind Wartesemester und wie werden sie berücksichtigt?
Wartesemester sind Semester, in denen man nach dem Abitur nicht an einer deutschen Hochschule eingeschrieben war. Sie können in manchen Verfahren als zusätzliches Kriterium neben oder anstelle der Abiturnote zur Zulassung berücksichtigt werden, auch wenn ihre Bedeutung in vielen Studiengängen abgenommen hat.
Garantiert das Erreichen des im Vorjahr veröffentlichten NC einen Studienplatz?
Nein. Der veröffentlichte NC ist der Grenzwert des zuletzt zugelassenen Bewerbers aus einem vergangenen Verfahren. Er dient nur zur Orientierung. Im aktuellen Verfahren kann der NC aufgrund der Bewerberlage höher oder niedriger ausfallen.
Kann sich der NC für einen Studiengang ändern?
Ja, der NC kann sich jedes Semester ändern, da er vom Verhältnis von Bewerbern zu verfügbaren Plätzen abhängt, das sich ständig wandelt.
Wo finde ich zuverlässige Informationen zum NC für einen bestimmten Studiengang?
Die zuverlässigsten Informationen finden Sie auf den offiziellen Webseiten der Hochschulen, an denen Sie studieren möchten. Dort werden die Zulassungsvoraussetzungen und oft auch die Grenzwerte vergangener Verfahren veröffentlicht.
Was bedeutet 'Alle!' in einer NC-Tabelle?
Wenn in einer NC-Tabelle 'Alle!' steht, bedeutet dies, dass im Hauptverfahren alle Bewerber, die die formalen Voraussetzungen erfüllten, zugelassen wurden. Der Studiengang war in diesem Semester effektiv zulassungsfrei.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Numerus Clausus ist ein dynamisches und hochschulspezifisches Auswahlverfahren. Wer sich auf einen zulassungsbeschränkten Studiengang bewerben möchte, sollte sich frühzeitig und detailliert über die spezifischen Anforderungen der einzelnen Hochschulen informieren. Vergangene NC-Werte bieten eine erste Orientierung, sind aber keine feste Garantie für die Zukunft. Die Abiturnoten bleiben ein zentrales Kriterium, aber auch andere Faktoren wie Wartesemester können eine Rolle spielen. Eine sorgfältige Recherche bei den favorisierten Hochschulen ist unerlässlich für eine erfolgreiche Bewerbung um einen der Studienplätze.
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