In der Welt der Fotografie geht es nicht nur um das perfekte Bild, sondern auch um die präzise Kommunikation. Ob wir über Ausrüstung sprechen, Locations bewerten oder die Komposition planen – die Wahl der richtigen Worte ist entscheidend. Manchmal stolpern wir über Ausdrücke, die alltäglich klingen, deren genaue Bedeutung aber Tiefe und Nuancen birgt. Zwei solcher Ausdrücke, die oft im Zusammenhang mit Entscheidungen und Bewertungen fallen, sind „in Betracht kommen“ und „in Betracht ziehen“. Was genau verbirgt sich dahinter, und wie nutzen wir sie korrekt, insbesondere aus der Perspektive eines Fotografen?
Was bedeutet „in Betracht kommen“?
Der Ausdruck „in Betracht kommen“ bedeutet im Wesentlichen „in Frage kommen“ oder „als Möglichkeit geeignet sein“. Er beschreibt etwas oder jemanden, das/der potenziell eine Option für eine bestimmte Situation oder Entscheidung darstellt. Es geht darum, ob etwas überhaupt in die engere Wahl fällt, ob es eine relevante Möglichkeit ist, die man weiter prüfen könnte.

Stellen Sie sich vor, Sie planen ein Porträt-Shooting. Sie überlegen, welches Objektiv Sie verwenden sollen. Für ein klassisches Porträt kommen verschiedene Brennweiten in Betracht: ein 50mm, ein 85mm oder vielleicht sogar ein 135mm Objektiv. Ein extremes Weitwinkelobjektiv wie ein 14mm würde für ein solches klassisches Porträt in der Regel nicht in Betracht kommen, da es für diesen Zweck ungeeignet ist und starke Verzerrungen verursachen würde.
Ein weiteres Beispiel: Sie suchen eine Location für ein Landschaftsfoto bei Sonnenuntergang. Ein Waldgebiet kommt vielleicht weniger in Betracht, da die Sonne dort schnell hinter Bäumen verschwindet. Ein offenes Feld oder ein Berg mit freiem Blick nach Westen würde hingegen sehr wohl in Betracht kommen.
Der Ausdruck signalisiert also, dass etwas prinzipiell geeignet oder relevant ist, aber noch nicht endgültig ausgewählt wurde. Es ist der erste Filter im Entscheidungsprozess: Welche Optionen sind überhaupt denkbar?
„Nicht in Betracht kommen“ – Was bedeutet das?
Das Gegenteil, „nicht in Betracht kommen“, bedeutet schlichtweg, dass etwas keine Option ist, nicht geeignet ist oder ausgeschlossen wird. Es steht nicht zur Auswahl. Wenn Ihr Budget für ein neues Objektiv begrenzt ist und ein bestimmtes Modell weit außerhalb Ihrer Preisklasse liegt, dann kommt dieses Objektiv für Sie „nicht in Betracht“. Wenn Sie ein Shooting im Freien planen und es stürmt, kommt dieser Tag für das Shooting „nicht in Betracht“. Dieser Ausdruck ist sehr eindeutig und lässt keinen Spielraum für Interpretationen.
Was bedeutet „in Betracht ziehen“?
Der Ausdruck „in Betracht ziehen“ hat eine andere Bedeutung. Er bedeutet „berücksichtigen“, „erwägen“ oder „überlegen“. Es geht darum, etwas aktiv in seine Überlegungen oder Planungen einzubeziehen, einen Aspekt oder Faktor zu berücksichtigen, bevor man eine Entscheidung trifft.

Nehmen wir wieder das Beispiel des Porträt-Shootings. Nachdem Sie entschieden haben, welche Objektive überhaupt „in Betracht kommen“ (z.B. 50mm und 85mm), müssen Sie weitere Faktoren „in Betracht ziehen“, um sich für eines zu entscheiden. Sie könnten die Größe des Raumes in Betracht ziehen, die gewünschte Nähe zum Modell, die Lichtverhältnisse oder den Grad der Hintergrundunschärfe, den Sie erreichen möchten.
Wenn Sie eine Reise zu einem Fotografie-Workshop planen, müssen Sie viele Dinge „in Betracht ziehen“: die Kosten, die Anreise, die Unterkunft, das Wetter am Zielort, die Themen des Workshops und die Bewertungen früherer Teilnehmer. All diese Faktoren fließen in Ihre Entscheidung ein.
Der Ausdruck „in Betracht ziehen“ beschreibt also den Prozess des Abwägens, des Berücksichtigens relevanter Informationen oder Umstände, um eine fundierte Entscheidung zu treffen. Er impliziert eine tiefere Auseinandersetzung mit den Optionen oder den Bedingungen.
Der historische Hintergrund von „Betracht“
Um die Ausdrücke besser zu verstehen, hilft ein Blick auf das Wort „Betracht“ selbst. Ursprünglich stammt „betrachten“ vom Verb „trachten“ ab und bedeutete im Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen so viel wie „bedenken“, „erwägen“, „überlegen“. Es ging also um eine geistige Tätigkeit des Nachdenkens und Prüfens.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Bedeutung auch hin zum „ansehen“, „beschauen“, also einer visuellen Prüfung. Das kennen wir heute noch, wenn wir ein Bild „betrachten“. Die Wendungen „in Betracht kommen“ und „in Betracht ziehen“ sind jedoch aus der älteren Bedeutung des „Erwägens“ und „Berücksichtigens“ entstanden und etablierten sich insbesondere in der Kanzleisprache des 16. Jahrhunderts. Sie sind also relativ feste, idiomatisierte Wendungen.

Die ursprüngliche Bedeutung von „Betracht“ als „Erwägung“ oder „Überlegung“ ist in den Wendungen noch klar erkennbar:
- „in Betracht kommen“: in die Überlegung/Wahl kommen
- „in Betracht ziehen“: in die Überlegung einbeziehen
Auch der veraltete Gebrauch von „in jedem Betracht“ oder „in keinem Betracht“ im Sinne von „in jeder Hinsicht“ oder „in keiner Hinsicht“ zeigt die Verbindung zur ursprünglichen Bedeutung des Prüfens und Bewertens von Aspekten.
Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Obwohl beide Ausdrücke das Wort „Betracht“ enthalten, beschreiben sie unterschiedliche Phasen oder Aspekte eines Entscheidungs- oder Bewertungsprozesses:
„In Betracht kommen“
- Fokus: Geeignetheit, Verfügbarkeit als Option
- Frage: Kann X überhaupt eine Lösung/Option sein?
- Phase: Erste Auswahl, Filterung
- Synonyme: in Frage kommen, geeignet sein als
„In Betracht ziehen“
- Fokus: Berücksichtigung von Faktoren, Erwägung
- Frage: Welche Aspekte muss ich bei X berücksichtigen?
- Phase: Detaillierte Prüfung, Abwägung
- Synonyme: berücksichtigen, erwägen, einbeziehen
Man kann sagen, dass etwas zuerst „in Betracht kommt“ (als mögliche Option) und dann weitere Details oder Umstände „in Betracht gezogen“ werden (um die Entscheidung zu treffen).
Vergleichstabelle: In Betracht kommen vs. In Betracht ziehen
| Merkmal | In Betracht kommen | In Betracht ziehen |
|---|---|---|
| Bedeutung | Als Option/Möglichkeit geeignet sein | Berücksichtigen, erwägen, einbeziehen |
| Funktion | Auswahl von potenziellen Optionen | Bewertung und Abwägung von Faktoren |
| Beispiel (Fotografie) | Welche Kameras kommen für meine Bedürfnisse in Betracht? | Man muss das Lichtverhältnis bei der Belichtung in Betracht ziehen. |
| Synonyme | in Frage kommen | berücksichtigen, erwägen |
Anwendung in der Fotografie (und darüber hinaus)
Diese Ausdrücke sind universell einsetzbar, aber betrachten wir sie noch einmal gezielt aus der Sicht eines Fotografen:
- Ausrüstung kaufen: „Für Street Photography kommen kompakte Kameras mit Festbrennweite in Betracht.“ / „Vor dem Kauf einer neuen Kamera sollte man immer das eigene Budget und die geplanten Einsatzbereiche in Betracht ziehen.“
- Motivwahl: „Für mein nächstes Projekt kommen historische Gebäude in dieser Stadt in Betracht.“ / „Bei der Wahl des Motivs muss man auch die Verfügbarkeit von Modellen und die Zugänglichkeit der Location in Betracht ziehen.“
- Bearbeitung: „Für diesen Bildstil kommen Schwarz-Weiß-Konvertierungen in Betracht.“ / „Man sollte die spätere Druckgröße bei der Schärfung des Bildes in Betracht ziehen.“
- Planung: „Ein Shooting bei Sonnenaufgang kommt nur in Betracht, wenn alle Beteiligten früh aufstehen können.“ / „Wir müssen die Wettervorhersage in Betracht ziehen, bevor wir den genauen Termin festlegen.“
Wie Sie sehen, helfen diese Wendungen, Entscheidungsprozesse klar und präzise zu formulieren. Sie unterscheiden zwischen dem, was überhaupt möglich ist, und dem, was bei der finalen Entscheidung berücksichtigt werden muss.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Hier beantworten wir einige typische Fragen zu diesen Ausdrücken:
Was bedeutet „ziehe in Betracht“?
„Ziehe in Betracht“ ist die gebeugte Form des Verbs „ziehen“ im Zusammenhang mit „in Betracht ziehen“. Es bedeutet „ich berücksichtige“, „ich erwäge“. Beispiel: „Ich ziehe in Betracht, ein neues Objektiv zu kaufen.“
Wie schreibt man „in Betracht kommen“ und „in Betracht ziehen“?
Die Ausdrücke werden mit der Präposition „in“ und dem Nomen „Betracht“ (großgeschrieben) geschrieben, gefolgt von den Verben „kommen“ oder „ziehen“. Sie sind feste Verbindungen. Beispiele: „etwas kommt in Betracht“, „etwas in Betracht ziehen“.
Gibt es einen Unterschied zwischen „in Betracht kommen“ und „in Frage kommen“?
Nein, im modernen Sprachgebrauch sind diese beiden Ausdrücke weitgehend synonym und bedeuten dasselbe: „als Option geeignet sein“. „In Betracht kommen“ klingt vielleicht einen Tick formeller oder leicht veraltet im Vergleich zum geläufigeren „in Frage kommen“, aber die Bedeutung ist identisch.

Gibt es einen Unterschied zwischen „in Betracht ziehen“ und „berücksichtigen“?
Auch hier sind die Bedeutungen sehr ähnlich. „Berücksichtigen“ ist vielleicht das allgemeinere Wort. „In Betracht ziehen“ betont oft etwas stärker den Prozess des Abwägens und Einbeziehens verschiedener Aspekte in eine Überlegung oder Planung. Man könnte sagen, „in Betracht ziehen“ ist eine spezifischere Art des „Berücksichtigens“, die sich auf geistige Erwägungen bezieht.
Was bedeutet es, wenn etwas „erst in zweiter Linie in Betracht kommt“?
Das bedeutet, dass etwas zwar eine Option ist, aber nicht die bevorzugte oder naheliegendste. Es ist eine Möglichkeit, die erst dann relevant wird, wenn die primären Optionen wegfallen oder sich als ungeeignet erweisen. Beispiel: „Für dieses Bild kommt ein externer Blitz in Betracht, aber erst in zweiter Linie; natürliches Licht wäre mir lieber.“
Fazit
Die Ausdrücke „in Betracht kommen“ und „in Betracht ziehen“ sind wertvolle Werkzeuge für präzise Kommunikation. Sie helfen uns, klar zu formulieren, welche Optionen zur Verfügung stehen und welche Faktoren wir bei Entscheidungen berücksichtigen müssen. Als Fotografen, die ständig vor Wahlen stehen – sei es bei der Ausrüstung, der Location oder der kreativen Ausrichtung –, ist das Verständnis und die korrekte Anwendung dieser Wendungen eine Bereicherung für unseren Wortschatz und unser Denkvermögen. Sie ermöglichen es uns, unsere Überlegungen und Pläne detailliert und verständlich zu kommunizieren.
Denken Sie beim nächsten Mal, wenn Sie über Ihre fotografischen Projekte nachdenken, bewusst darüber nach, was „in Betracht kommt“ und was Sie alles „in Betracht ziehen“ müssen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Eine klare Sprache führt oft zu klareren Gedanken und besseren Bildern.
Die Fähigkeit, Optionen zu erkennen und alle relevanten Details zu berücksichtigen, ist entscheidend, nicht nur in der Fotografie, sondern in vielen Lebensbereichen. Das Wort Betracht in diesen festen Wendungen erinnert uns daran, dass Entscheidungen oft eine sorgfältige Erwägung erfordern und nicht jede Option gleich in Frage kommt.
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