Die gewaltige Energie eines Gewitters, die sich in spektakulären Blitzen entlädt, fasziniert uns immer wieder aufs Neue. Solche Momente festzuhalten, ist der Traum vieler Fotografen. Während das Beobachten eines Gewitters von einem sicheren Ort aus bereits ein beeindruckendes Erlebnis ist, ermöglicht dir die Fotografie, diese flüchtigen Augenblicke für immer einzufangen. Doch wie gelingt das perfekte Blitzfoto? Es erfordert Vorbereitung, die richtige Ausrüstung und ein Verständnis für die passenden Kameraeinstellungen. Mit etwas Übung und Geduld kannst auch du beeindruckende Gewitterbilder schaffen, die lange in Erinnerung bleiben. Bevor wir in die technischen Details eintauchen, ist es jedoch unerlässlich, das Wichtigste zu betonen: Deine persönliche Sicherheit hat immer Vorrang. Gewitterfotografie birgt Risiken, die nicht unterschätzt werden dürfen.

Safety First – Achtung beim Blitze fotografieren
Bevor du auch nur daran denkst, deine Kamera auszupacken, musst du dir der potenziellen Gefahren bewusst sein. Blitze sind extrem mächtige elektrische Entladungen, die den schnellsten Weg zum Boden suchen. Jedes Jahr kommt es zu tragischen Unfällen durch Blitzeinschläge. Deine Sicherheit ist weitaus wichtiger als das schönste Blitzfoto. Fotografiere Gewitter daher immer von einem absolut sicheren Ort aus. Ein geschlossenes Gebäude oder ein Auto bieten den besten Schutz. Vermeide offene Felder, Gewässer, hohe Bäume oder erhöhte Positionen während eines Gewitters. Informiere dich im Voraus über sichere Verhaltensweisen bei Blitzgewitter. Gehe niemals ein unnötiges Risiko ein, nur um ein Bild zu machen.
Welche Ausrüstung brauche ich?
Ein Blitz ist ein extrem kurzes Ereignis, das oft nur maximal eine Sekunde dauert. Um ihn einzufangen, muss man gut vorbereitet sein. Gewitterfotografie ist kein Schnappschuss. Hier ist die notwendige Ausrüstung:
Kamera
Für wirklich hochwertige Blitzfotos ist eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) oder eine spiegellose Systemkamera (DSLM) mit der Möglichkeit, sie auf einem Stativ zu befestigen, unerlässlich. Das genaue Modell ist dabei weniger entscheidend als die Funktionen. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass deine Kamera eine vollständige manuelle Steuerung von Verschlusszeit, Blende und ISO erlaubt. Nur so kannst du die Einstellungen präzise an die Situation anpassen. Optimal ist es auch, wenn deine Kamera das Aufnahmeformat auf RAW einstellen kann. RAW-Dateien enthalten mehr Bildinformationen und bieten dir in der Nachbearbeitung deutlich mehr Spielraum, um Details in den Lichtern und Schatten zu erhalten und die Belichtung fein abzustimmen.
Stativ
Da wir Gewitter oft bei Dunkelheit oder in der Dämmerung fotografieren, ist das Umgebungslicht sehr gering. Um den Blitz, der nur kurz aufleuchtet, auf dem Sensor einzufangen, benötigen wir lange Belichtungszeiten. Das bedeutet, der Kameraverschluss bleibt für mehrere Sekunden geöffnet. Ähnlich wie bei der Feuerwerksfotografie ist es unmöglich, bei solchen Belichtungszeiten verwacklungsfreie Bilder aus der Hand zu machen. Ein stabiles Stativ ist daher absolut Pflicht, um scharfe Aufnahmen zu gewährleisten.
Objektiv
Grundsätzlich funktioniert jedes Objektiv für die Gewitterfotografie. Zoomobjektive bieten oft mehr Flexibilität, da du den Bildausschnitt an die Entfernung der Blitze anpassen kannst. Wenn du jedoch eine weite Szene mit dramatischen Wolken und dem gesamten Himmel einfangen möchtest, ist ein Weitwinkelobjektiv oft die beste Wahl. Es erleichtert die Komposition, da du einen größeren Bereich des Himmels abdeckst und die Wahrscheinlichkeit erhöhst, einen Blitz im Bild zu erwischen. Mit einem Teleobjektiv ist es zwar nicht unmöglich, aber es erfordert mehr Glück, da dein Bildausschnitt kleiner ist. Für den Anfang ist ein Standard-Zoomobjektiv, das den Weitwinkelbereich abdeckt (z.B. 18-55mm), völlig ausreichend.
Zubehör
Neben Kamera, Stativ und Objektiv gibt es nützliches Zubehör, das die Blitzfotografie erleichtert:
- Fernauslöser: Ein Drahtauslöser oder eine Infrarot-Fernbedienung ist sehr empfehlenswert. Damit kannst du die Kamera auslösen, ohne sie zu berühren. Selbst auf einem stabilen Stativ kann das Drücken des Auslösers zu minimalen Vibrationen führen, die bei Langzeitbelichtungen das Bild unscharf machen können.
- Ersatzakku: Lange Belichtungszeiten und das häufige Auslösen zehren stark am Akku. Habe immer einen oder besser zwei voll geladene Ersatzakkus dabei, damit dir nicht mitten im Gewitter der Strom ausgeht.
- Regenschutz: Gewitter bringen oft Regen mit sich. Schütze deine Kamera unbedingt vor Nässe. Ein Regenschirm, eine spezielle Kamerahülle oder einfach eine Plastiktüte, die du über die Kamera stülpst und mit einem Gummiband am Objektiv befestigst, können deine Ausrüstung retten. Stelle sicher, dass die Frontlinse des Objektivs frei bleibt.
- Objektivtuch: Halte ein sauberes Mikrofasertuch bereit, um Regentropfen oder Feuchtigkeit von der Frontlinse zu wischen. Ein einziger Tropfen kann ein Bild ruinieren.
- Taschenlampe: Eine kleine Taschenlampe ist nützlich, um im Dunkeln die Kamera auf dem Stativ zu befestigen, die Einstellungen vorzunehmen und den Bildausschnitt zu überprüfen. Sie kann auch für kreative Effekte wie Lightpainting im Vordergrund genutzt werden.
- Warme Kleidung: Selbst im Sommer können Gewitter kühle Luft mit sich bringen. Wenn du länger draußen bist (was aus Sicherheitsgründen vermieden werden sollte, falls kein absolut geschützter Platz vorhanden ist), ziehe dich warm an.
Blitze fotografieren: Die richtigen Kamera-Einstellungen
Das Geheimnis, Blitze einzufangen, liegt in der richtigen Belichtung. Da der Blitz nur einen Bruchteil einer Sekunde sichtbar ist, aber das Umgebungslicht gering ist, müssen wir die Kamera so einstellen, dass sie bereit ist, wenn der Blitz erscheint, und genug Licht einfängt. Hier sind die Schritte und empfohlenen Einstellungen:
- Kamera aufstellen und ausrichten: Befestige die Kamera sicher auf dem Stativ. Wähle deinen Bildausschnitt. Richte die Kamera auf den Bereich des Himmels, in dem du Blitze erwartest. Denke an die Komposition (mehr Himmel als Vordergrund).
- Kamera-Modus wählen: Wechsle in den manuellen Modus (M). In diesem Modus hast du die volle Kontrolle über alle relevanten Einstellungen.
- Belichtungszeit einstellen: Dies ist der kritischste Parameter. Die Belichtungszeit muss länger sein als die Dauer des Blitzes. Eine gute Startbelichtungszeit liegt zwischen 3 und 5 Sekunden. Wenn du dir unsicher bist, kannst du im Zeitautomatik-Modus (S oder Tv) eine Blende (z.B. f/8) einstellen und die Kamera dir eine Belichtungszeit vorschlagen lassen, die du dann als Ausgangspunkt im M-Modus verwendest. Du musst die Belichtungszeit so wählen, dass der Sensor während des Blitzes Licht sammelt. Wenn du 4 Sekunden belichtest, „sieht“ die Kamera alles, was in diesen 4 Sekunden passiert, inklusive der kurzen Blitzentladung.
- Blende einstellen: Die Blende steuert die Lichtmenge, die gleichzeitig auf den Sensor trifft, und beeinflusst die Tiefenschärfe. Ein guter Startwert ist f/8.0. Werte zwischen f/5.6 und f/11.0 sind üblich. Eine kleinere Blendenöffnung (höherer f-Wert) wie f/11 oder f/16 erhöht die Tiefenschärfe und verringert die Lichtmenge, was nützlich sein kann, wenn die Blitze sehr hell sind oder du mehr Details im Vordergrund haben möchtest. Gehe aber in der Regel nicht unter f/5.6, da sonst die Tiefenschärfe zu gering werden könnte.
- ISO einstellen: Stelle den ISO-Wert so niedrig wie möglich ein, um Bildrauschen zu minimieren. ISO 100 ist der ideale Startwert. Nur wenn das Bild mit den gewählten Blenden- und Belichtungszeiten zu dunkel bleibt (abgesehen vom Blitz), erhöhe den ISO-Wert schrittweise (z.B. auf ISO 200, 400). Bedenke, dass ein höherer ISO-Wert das Rauschen verstärkt.
- Fokus einstellen: Stelle den Fokus auf manuell (manueller Fokus). Der Autofokus wird in der Dunkelheit Schwierigkeiten haben, ein Ziel zu finden, und ist zu langsam, um auf den Blitz zu fokussieren. Fokussiere manuell auf Unendlich. Bei den meisten Objektiven erreichst du Unendlich, indem du den Fokusring bis zum Anschlag drehst (manchmal gibt es eine Unendlich-Markierung). Teste dies am besten tagsüber oder verwende die Live-View-Funktion deiner Kamera, um auf ein weit entferntes Objekt (z.B. Sterne oder Lichter am Horizont) zu fokussieren und dann auf manuell zu schalten.
- Auslösen und Testen: Löse die Kamera aus. Verwende einen Fernauslöser oder den Selbstauslöser (z.B. 2 Sekunden Verzögerung), um jegliche Verwacklung zu vermeiden. Nach der Aufnahme betrachte das Bild auf dem Kameradisplay. Ist es zu dunkel? Erhöhe die Belichtungszeit (z.B. auf 5-8 Sekunden) oder öffne die Blende (kleinerer f-Wert, z.B. f/5.6) oder erhöhe leicht den ISO-Wert. Ist es zu hell? Verringere die Belichtungszeit, schließe die Blende (höherer f-Wert, z.B. f/11) oder verringere den ISO-Wert.
Das Entscheidende ist, dass du die Kamera *auslöst*, bevor der Blitz sichtbar wird, und hoffst, dass während der Belichtungszeit ein Blitz im Bildausschnitt einschlägt. Da Blitze unvorhersehbar sind, musst du viele Bilder machen und Geduld haben, um das perfekte Timing zu erwischen.
Der Bulb-Modus als Alternative
Neben der Einstellung einer festen Belichtungszeit bieten viele Kameras auch den Bulb-Modus. Im Bulb-Modus (oft mit 'B' gekennzeichnet) stellst du keine feste Belichtungszeit ein. Stattdessen beginnt die Belichtung, wenn du den Auslöser drückst (oder gedrückt hältst), und endet erst, wenn du den Auslöser loslässt (oder erneut drückst, bei manchen Fernauslösern). Dieser Modus wird oft für extrem lange Belichtungen über 30 Sekunden hinaus verwendet, kann aber auch bei der Gewitterfotografie nützlich sein.
Wann macht der Bulb-Modus Sinn? Wenn du eine feste Belichtungszeit (z.B. 4 Sekunden) eingestellt hast, musst du hoffen, dass genau in diesen 4 Sekunden ein Blitz einschlägt und das Bild korrekt belichtet. Wenn mehrere Blitze kurz nacheinander einschlagen, kann das Bild schnell überbelichtet werden, da jede Blitzentladung zusätzlich Licht auf den Sensor wirft. Mit dem Bulb-Modus kannst du die Belichtung manuell beenden, sobald ein oder mehrere Blitze eingeschlagen sind und das Bild ausreichend belichtet ist. Das gibt dir mehr Kontrolle über die Lichtmenge, die durch mehrere Blitze gesammelt wird, und hilft, Überbelichtung zu vermeiden.
Hier eine kleine Gegenüberstellung:
| Merkmal | Feste Belichtungszeit (z.B. 4s) | Bulb-Modus |
|---|---|---|
| Steuerung | Automatisch durch Kamera nach voreingestellter Zeit | Manuell durch Fotografen (Auslöser drücken/halten) |
| Flexibilität | Geringer, Belichtungszeit ist fix | Höher, Belichtungszeit kann jederzeit beendet werden |
| Risiko Überbelichtung durch mehrere Blitze | Hoch, Belichtung läuft auch bei mehreren Blitzen weiter | Geringer, Belichtung kann nach Einschlag beendet werden |
| Benötigtes Zubehör | Fernauslöser oder Selbstauslöser | Fernauslöser (oft mit Feststellfunktion) dringend empfohlen |
| Geeignet für | Gleichmäßige Blitzaktivität, weniger Blitze pro Belichtung | Unregelmäßige oder häufige Blitzaktivität, Kontrolle über Anzahl Blitze pro Bild |
Für den Bulb-Modus benötigst du unbedingt einen Fernauslöser, idealerweise einen, bei dem du den Auslöser feststellen kannst, damit du ihn nicht die ganze Zeit gedrückt halten musst.

Wie fotografiere ich Blitze mit meinem Smartphone?
Auch mit einem modernen Smartphone ist es möglich, Blitze zu fotografieren, auch wenn die Möglichkeiten eingeschränkter sind als bei einer Systemkamera. Der Schlüssel liegt darin, Verwacklungen zu vermeiden und die Belichtung zu kontrollieren.
Stelle dein Smartphone unbedingt auf eine stabile Oberfläche oder montiere es auf ein kleines Smartphone-Stativ. Verwende eine Kamera-App, die manuelle Einstellungen ermöglicht (viele Standard-Kamera-Apps bieten mittlerweile einen „Pro“- oder „Manuellen“ Modus). Stelle dort den ISO-Wert auf den niedrigsten Wert ein (meist ISO 50 oder 100). Wähle deinen Bildausschnitt. Stelle die Belichtungszeit manuell ein – beginne mit einigen Sekunden (z.B. 2-5 Sekunden). Löse aus (verwende idealerweise einen Selbstauslöser oder eine Bluetooth-Fernbedienung, falls verfügbar) und hoffe, dass ein Blitz während der Belichtung einschlägt. Überprüfe das Ergebnis und passe die Belichtungszeit an: Wenn das Bild zu dunkel ist, verlängere die Belichtungszeit. Wenn es zu hell ist, verkürze sie. Da du die Blende bei Smartphones meist nicht ändern kannst, sind Belichtungszeit und ISO deine Hauptwerkzeuge. Auch hier gilt: Du wirst viele Versuche brauchen.
Weitere Tipps für tolle Blitzfotos
Über die reine Technik hinaus gibt es einige weitere Punkte, die dir helfen können, beeindruckende Gewitterfotos zu machen:
1. Wie finde ich ein optimales Gewitter?
Gute Gewitterfotos beginnen mit der Vorhersage. Verfolge die Wettervorhersagen genau. Achte auf Warnungen vor starken Gewittern. Websites und Apps, die sich auf die Blitzortung spezialisiert haben, sind extrem nützlich. Seiten wie www.blitzortung.org oder Apps wie „livelightning“ zeigen dir in Echtzeit, wo Blitze registriert werden. Das ermöglicht dir, dich rechtzeitig an einem sicheren Ort zu positionieren, bevor das Gewitter direkt über dir ist. Oft sind die klarsten Blitze in der Ferne oder am Rand eines Gewitters zu sehen, bevor der starke Regen einsetzt und die Sicht verschlechtert.
2. Die beste Tageszeit
Die beste Zeit zum Blitze fotografieren ist bei Nacht oder während der „blauen Stunde“ (kurz nach Sonnenuntergang oder vor Sonnenaufgang). Zu diesen Zeiten ist der Kontrast zwischen dem hellen Blitz und dem dunkleren Himmel am größten, was das Einfangen des Blitzes erleichtert. Bei Tag ist der Helligkeitsunterschied geringer. Um Blitze bei Tag zu fotografieren, benötigt man oft einen ND-Filter (Graufilter), um die Belichtungszeit verlängern zu können, ohne das Bild zu überbelichten.
3. Beobachte die Intensität
Jedes Gewitter ist anders. Bevor du mit dem Fotografieren beginnst, nimm dir ein paar Minuten Zeit, um das Gewitter zu beobachten. Wie oft blitzt es? Scheinen bestimmte Blitze heller zu sein als andere? Diese Beobachtungen können dir helfen, deine Belichtungseinstellungen feinzustimmen. Mit einer Digitalkamera kannst du nach jedem Bild das Ergebnis auf dem Display überprüfen und deine Einstellungen bei Bedarf anpassen.
4. Bevorzuge klare Muster
Manche Fotografen bevorzugen es, einzelne, klare Wolken-Boden-Blitze einzufangen. Diese haben oft ein markantes, fast grafisches Muster, das sehr eindrucksvoll wirken kann. Andere suchen nach komplexeren Entladungen oder mehreren Blitzen gleichzeitig. Überlege dir, welches „Muster“ von Blitz du einfangen möchtest, und richte deine Komposition und dein Timing danach aus.
5. Blitzfarben
Blitze sind nicht immer nur weiß. Sie können je nach Zusammensetzung der Atmosphäre, vorhandenen Gasen, Staubpartikeln oder sogar Hagelkörnern in verschiedenen Farben erscheinen, z.B. rot, gelb, grün, blau oder violett. Auch künstliche Lichtquellen in Städten (wie Natriumdampflampen) können die Farbe beeinflussen und Blitzen ein bläulich-grünes Aussehen verleihen. Sei bereit für Farbvariationen, auch wenn reines Weiß am häufigsten ist.
6. Komposition ist entscheidend
Da du nicht genau weißt, wo der nächste Blitz einschlagen wird, ist es ratsam, einen etwas weiteren Bildausschnitt zu wählen, als du es normalerweise tun würdest. Eine Komposition, die 60-80% Himmel und 20-40% Vordergrund/Boden zeigt, ist oft ein guter Ausgangspunkt. Das gibt dem Blitz genug Raum im Bild und dir später in der Nachbearbeitung die Möglichkeit, das Bild perfekt zuzuschneiden. Es ist frustrierend, wenn der perfekte Blitz nur knapp außerhalb deines Bildausschnitts liegt. Verwende ein Weitwinkelobjektiv, um einen möglichst großen Bereich abzudecken. Achte auch auf Elemente im Vordergrund, die durch den Blitz beleuchtet werden könnten und deine Komposition stören könnten. Kenne deine Location und mögliche Störkörper.
Wofür sind Kamerablitze gut? (Exkurs)
Während wir bei der Gewitterfotografie externe Blitze am Himmel einfangen wollen, gibt es auch die internen oder Aufsteckblitze an der Kamera. Die Frage, wann und warum diese nützlich sind, führt uns zu einem anderen Aspekt der Fotografie.

Warum haben Systemkameras oft keinen eingebauten Blitz?
Moderne Kamerasensoren sind heute extrem lichtempfindlich. In vielen Situationen mit wenig Licht, wie in Restaurants, Kirchen oder bei Dämmern, können sie die vorhandene Lichtstimmung sehr gut einfangen, oft in Kombination mit lichtstarken Objektiven. Ein eingebauter oder direkt aufgesetzter Blitz erzeugt oft ein sehr hartes, unnatürliches Licht, das die Atmosphäre des Moments zerstören kann und das Bild flach und künstlich aussehen lässt. Hersteller verzichten oft auf den eingebauten Blitz bei hochwertigen Systemkameras, um das Gehäuse kompakter zu gestalten und Fotografen zu ermutigen, natürlicheres Licht zu nutzen oder bei Bedarf zu spezialisierten, flexibleren externen Blitzsystemen zu greifen.
Wann macht der Blitz mein Foto besser?
Obwohl moderne Sensoren viel leisten, gibt es Situationen, in denen ein Blitz sehr nützlich sein kann – wenn er bewusst und wohl dosiert eingesetzt wird:
- Einfrieren von Bewegung: Ein Blitz ist extrem kurz und kann schnelle Bewegungen selbst bei wenig Licht einfrieren.
- Aufhellen von Schatten: Bei Gegenlicht kann ein leichter Aufhellblitz Details im Vordergrund sichtbar machen, die sonst im Schatten versinken würden.
- Steuerung der Lichtrichtung: Ein externer Blitz, der nicht direkt von der Kamera kommt (z.B. entfesselt oder über die Decke/Wand gebounct), ermöglicht es Fotografen, die Lichtrichtung gezielt zu steuern und so kreative Effekte zu erzielen, besonders bei Porträts.
- Erhöhung der Schärfe/Vermeidung von Rauschen: Statt die ISO-Empfindlichkeit stark zu erhöhen, was zu störendem Bildrauschen führen kann, kann ein Blitz das notwendige Licht liefern, um bei niedrigerem ISO und kürzerer Belichtungszeit ein schärferes, rauschärmeres Bild zu erhalten.
Der Einsatz eines Blitzes, insbesondere eines externen Aufsteckblitzes, erfordert Übung. Ein falsch eingesetzter Blitz kann das Bild tatsächlich verschlechtern. Für Amateure ist es oft ratsam, mit dezenten Aufhellblitzen zu beginnen oder in ein Stativ zu investieren, das oft eine bessere Alternative zum Blitz darstellt, um bei wenig Licht scharfe und atmosphärische Bilder zu erzielen.
Häufig gestellte Fragen zur Gewitterfotografie
Ist Gewitterfotografie gefährlich?
Ja, Gewitterfotografie kann sehr gefährlich sein. Blitze sind eine ernsthafte Bedrohung. Fotografiere Gewitter immer nur von einem sicheren Ort aus, wie einem geschlossenen Gebäude oder einem Auto. Vermeide unbedingt offene Flächen und erhöhte Positionen während eines Gewitters.
Welche Kamera ist am besten für Gewitterfotos?
Die beste Kamera ist eine, die manuelle Einstellungen für Belichtungszeit, Blende und ISO erlaubt (DSLR oder spiegellose Kamera). Das genaue Modell ist weniger wichtig als diese Funktion. RAW-Fähigkeit ist ebenfalls ein Vorteil.
Warum brauche ich ein Stativ?
Du brauchst ein Stativ, weil du lange Belichtungszeiten (mehrere Sekunden) verwenden musst, um den kurzen Blitz bei wenig Licht einzufangen. Ohne Stativ würden die Bilder bei solchen Belichtungszeiten verwackeln und unscharf werden.
Welche Kamera-Einstellungen sind am wichtigsten?
Die wichtigsten Einstellungen sind der manuelle Modus (M), eine Belichtungszeit, die länger ist als die Blitzdauer (z.B. 3-5 Sekunden), eine Blende um f/8.0 und ein möglichst niedriger ISO-Wert (z.B. ISO 100). Stelle außerdem den Fokus manuell auf Unendlich.
Kann ich Blitze mit meinem Smartphone fotografieren?
Ja, mit modernen Smartphones, die manuelle Einstellungen in der Kamera-App erlauben, ist das möglich. Du benötigst aber unbedingt ein Stativ oder eine stabile Unterlage, um Verwacklungen zu vermeiden, und musst Belichtungszeit und ISO manuell einstellen.
Wann ist die beste Zeit, um Blitze zu fotografieren?
Die beste Zeit ist bei Nacht oder während der blauen Stunde, da der Kontrast zwischen Blitz und Himmel dann am größten ist. Bei Tag benötigst du wahrscheinlich einen ND-Filter.
Zusammenfassung
Das Fotografieren von Gewittern und Blitzen ist ein faszinierendes, aber auch anspruchsvolles Feld der Fotografie. Das Wichtigste ist immer die Sicherheit. Wähle einen geschützten Standort, bevor du mit dem Fotografieren beginnst. Informiere dich über die Wetterlage und nutze Blitzortungsdienste, um den besten Zeitpunkt und Ort zu finden. Die notwendige Ausrüstung umfasst eine Kamera mit manuellen Einstellmöglichkeiten, ein stabiles Stativ, ein Weitwinkelobjektiv und nützliches Zubehör wie einen Fernauslöser und Regenschutz. Die technischen Einstellungen erfordern das Arbeiten im manuellen Modus mit angepasster Belichtungszeit (länger als der Blitz), Blende (um f/8) und einem niedrigen ISO-Wert. Der Fokus muss manuell auf Unendlich eingestellt werden. Mit Geduld, vielen Aufnahmen und der Bereitschaft, die Einstellungen basierend auf den Ergebnissen anzupassen, kannst du spektakuläre Blitzfotos erzielen. Der Bulb-Modus bietet zusätzliche Kontrolle über die Belichtungsdauer. Auch mit einem Smartphone und einem Stativ sind erste Erfolge möglich. Denke an die Komposition und nutze die Tipps zur Beobachtung des Gewitters, um deine Chancen auf das perfekte Bild zu erhöhen. Viel Erfolg und bleib sicher!
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