Wie funktioniert der Bildstabilisator Canon?

Canon Bildstabilisierung: IS und IBIS erklärt

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Die Bildstabilisierung ist eine entscheidende Technologie in der Fotografie, die hilft, unerwünschte Verwacklungen zu minimieren, insbesondere bei längeren Belichtungszeiten oder Telebrennweiten. Canon hat verschiedene Systeme entwickelt, um Fotografen dabei zu unterstützen, auch unter schwierigen Bedingungen gestochen scharfe Bilder und ruhige Videos aufzunehmen. Im Wesentlichen gibt es zwei Hauptansätze: die optische Stabilisierung im Objektiv und die kamerainterne Stabilisierung im Gehäuse.

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Optische Bildstabilisierung (IS) in Objektiven

Die optische Bildstabilisierung, oft als IS (Image Stabilizer) gekennzeichnet, ist direkt in bestimmte Canon Objektive integriert. Dieses System funktioniert, indem es eine bewegliche Linsengruppe innerhalb des Objektivs verwendet. Sensoren im Objektiv erkennen Kamerabewegungen und die Linsengruppe wird entsprechend verschoben, um die Lichtstrahlen so abzulenken, dass sie konstant auf denselben Punkt des Sensors treffen, unabhängig von kleinen Kamerabewegungen. Frühe IS-Systeme hatten manchmal Probleme mit bewussten Schwenkbewegungen des Fotografen, da sie versuchten, diese als Verwacklung zu korrigieren. Dies führte zu einem unruhigen Sucherbild, was das Verfolgen eines Motivs erschwerte.

Was bedeutet Stabilisator bei einer Canon-Kamera?
Bei einem stabilisierten Objektiv werden Verwacklungen durch zwei Gyrosensoren im Inneren des Objektivtubus erkannt: einen für die Gierbewegung (seitliche Bewegung) und einen für die Nickbewegung (Auf- und Abbewegung) . Die Sensoren erfassen sowohl den Winkel als auch die Geschwindigkeit der Bewegung.

Moderne IS-Objektive bieten jedoch verschiedene IS-Modi, die speziell auf unterschiedliche Aufnahmesituationen zugeschnitten sind:

IS Modus 1 (Standard)

In diesem Modus korrigiert das IS-System sowohl vertikale (Pitch) als auch horizontale (Yaw) Bewegungen. Er ist der Standardmodus und eignet sich am besten für die Fotografie von statischen Motiven, bei denen keine bewussten Schwenks ausgeführt werden.

IS Modus 2 (Schwenken)

Dieser Modus ist ideal, wenn Sie die Kamera schwenken, um einem bewegten Motiv zu folgen (z. B. bei Sportaufnahmen oder Mitziehern). Das System erkennt die Schwenkrichtung automatisch und ignoriert die Bewegung in dieser Richtung, während es gleichzeitig Bewegungen korrigiert, die senkrecht zur Schwenkrichtung auftreten. Dies sorgt für ein ruhigeres Sucherbild und ermöglicht präzises Framing während des Schwenkens.

IS Modus 3 (Nur während der Belichtung)

Eingeführt mit professionellen Teleobjektiven und inzwischen auch in einigen modernen RF-Objektiven zu finden, ist dieser Modus besonders nützlich für schnelle Action-Fotografie. Anstatt ständig aktiv zu sein, wird die Stabilisierung erst aktiviert, wenn Sie den Auslöser vollständig durchdrücken, um das Bild aufzunehmen. Dies verhindert, dass das IS-System versucht, sehr schnelle, zufällige Kamerabewegungen zwischen den Aufnahmen auszugleichen, was im Sucher zu ruckartigen Bewegungen führen könnte. Durch die Aktivierung nur im Moment der Aufnahme wird die Stabilisierungseinheit zudem optimal zentriert für maximale Effektivität.

Einige neuere RF- und RF-S-Objektive verfügen über eine automatische Schwenkerkennung anstelle eines separaten Schalters für die IS-Modi. Bei aktivierter Stabilisierung erkennen diese Objektive automatisch eine Schwenkbewegung und wechseln selbstständig vom Standard-IS-Modus in den Schwenk-IS-Modus.

Soll der Stabilisator bei einer Canon ein- oder ausgeschaltet sein?
Stellen Sie den STABILIZER-Schalter auf OFF, wenn Sie Bilder mit der Bulb-Einstellung (Langzeitbelichtung) aufnehmen . Wenn der STABILIZER-Schalter auf ON steht, kann die Bildstabilisierungsfunktion zu Fehlern führen. Der Bildstabilisator ist möglicherweise nicht voll wirksam, wenn Sie aus einem stark rüttelnden Fahrzeug oder einem anderen Transportmittel fotografieren.

Kamerainterne Bildstabilisierung (IBIS)

Mit der Einführung der spiegellosen EOS R-Systemkameras hat Canon auch die kamerainterne IBIS (In-Body Image Stabilization) eingeführt. Kameras wie die EOS R5 und EOS R6 waren die ersten Modelle, die über dieses 5-Achsen-System im Gehäuse verfügten. Seitdem ist es auch in weiteren Modellen der Produktreihe zu finden, darunter die EOS R3, EOS R7, EOS R1 und EOS R5 Mark II. Das IBIS-System arbeitet, indem es den Bildsensor physikalisch bewegt, um Kamerabewegungen auf allen fünf Achsen – vertikale und horizontale Verschiebung (X und Y), Neigung (Pitch und Yaw) sowie Drehung um die optische Achse (Roll) – auszugleichen. IBIS ist besonders effektiv bei der Kompensation niederfrequenter Vibrationen, wie sie beispielsweise durch die Atmung oder den Herzschlag des Fotografen verursacht werden können. Es eignet sich zudem gut für kürzere Brennweiten, während die optische Stabilisierung in Objektiven traditionell stärker auf Telebrennweiten ausgelegt ist.

Kombinierte Stabilisierung: Objektiv-IS und IBIS arbeiten zusammen

Eine der größten Stärken des Canon EOS R-Systems ist die Fähigkeit von Objektiv-IS und kamerainternem IBIS, zusammenzuarbeiten. Wenn ein kompatibles IS-Objektiv an einer Kamera mit IBIS verwendet wird, können die Systeme ihre Effekte addieren, um eine noch höhere Stabilisierungsleistung zu erzielen. Die EOS R1 und die EOS R5 Mark II können in Kombination mit bestimmten Objektiven eine Stabilisierung von bis zu 8,5 Stufen in der Bildmitte und 7,5 Stufen am Rand des Bildes erreichen (gemessen nach dem neuen CIPA-2024-Standard). Andere Kameras mit IBIS aus dieser Reihe, gemessen nach dem damals aktuellen CIPA-Standard, boten je nach Objektiv eine beeindruckende kombinierte Bildstabilisierung von bis zu 8 Stufen.

Interessanterweise kann das IBIS-System in der Kamera auch mit Objektiven ohne eigene optische Stabilisierung zusammenarbeiten. Bei einigen Objektiven mit einem großen Bildkreis, wie dem RF 28-70mm F2L USM oder dem RF 85mm F1.2L USM, kann das IBIS-System der Kamera allein eine Stabilisierung von bis zu 8 Stufen bieten, da der große Bildkreis dem Sensor mehr Bewegungsspielraum für die Kompensation gibt.

Die Leistung kann je nach Kamera- und Objektivkombination variieren. Die EOS R7 bietet beispielsweise eine Stabilisierung von bis zu 7 Stufen mit RF-S Objektiven wie dem RF-S 18-150mm F3.5-6.3 IS STM. Mit bestimmten Vollformat-Objektiven mit größerem Bildkreis, wie dem RF 28-70mm F2L USM oder dem RF 24-70mm F2.8L IS USM, kann die EOS R7 jedoch dieselben 8 IBIS-Stufen erreichen.

Messung der Bildstabilisierungsleistung (CIPA-Standard)

Canon, als Mitglied der Camera & Imaging Products Association (CIPA), misst die Leistung seiner Bildstabilisierungssysteme nach anerkannten Industriestandards. Es ist wichtig zu verstehen, wie diese Leistung gemessen wird. Anfang 2024 hat die CIPA ihre Richtlinien aktualisiert (CIPA-2024-Standard). Dieser neue Standard schreibt vor, dass die Stabilisierungsleistung eines IS-Objektivs in der Bildmitte angegeben werden muss. Wenn jedoch ein IS-Objektiv mit einer Kamera kombiniert wird, die über IBIS verfügt, muss die Leistung sowohl für die Mitte als auch für die Ecken des Bildes angegeben werden.

Wie funktioniert der Bildstabilisator Canon?
Die Technologie hinter dem optischem Bildstabilisator-System von Canon in IS-Objektiven beinhaltet Gyrosensoren, die die Geschwindigkeit und Richtung der Bewegung erkennen, spezielle „schwebende“ Linsen, die sich bewegen, um diese Bewegung auszugleichen, und einen Mikroprozessor, der den gesamten Vorgang steuert.

Die Leistung in den Bildecken ist besonders relevant für Videos, da jede Instabilität am Rand beim Betrachten störend wirken kann. Die Bewegung des Lichts ist an den Rändern extremer, was dazu führen kann, dass der Wert für die IS-Leistung hier geringer ist als in der Mitte. Canon hat sich jedoch bemüht, die Leistung in der Mitte und am Rand so nah wie möglich zu halten.

Spezielle Funktionen: Panning Mode und Panning Assist

Neben den klassischen IS-Modi bieten einige Canon Kameras und Objektive erweiterte Funktionen für spezielle Situationen wie das Schwenken.

Einige Kameras, darunter die EOS R6 Mark II, EOS R8, EOS R7, EOS R50, EOS R10 und EOS R100, bieten in Kombination mit kompatiblen Objektiven einen Szenenmodus namens "Panning Mode". Während der IS Modus 2 im Objektiv die Stabilisierung in der Schwenkrichtung deaktiviert, kann der Panning Szenenmodus der Kamera das verfolgte Motiv erkennen und bei Bedarf sowohl horizontale als auch vertikale Korrekturen aktivieren, um das Motiv im Bildausschnitt zu halten und gleichzeitig den Hintergrund verschwimmen zu lassen.

Die EOS R3 verfügt über eine spezielle Funktion namens "Panning Assist", die im Modus M oder Tv aktiviert werden kann. Dieses System nutzt die optische IS-Einheit im Objektiv, um das Motiv während des Schwenkens in derselben Position im Bildausschnitt zu halten und scharf zu stellen, während der Hintergrund durch die Kamerabewegung verwischt wird.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet Stabilisator bei einer Canon-Kamera?
Ein Stabilisator bei einer Canon-Kamera oder einem Canon-Objektiv bezieht sich auf das System zur Reduzierung von Kamerabewegungen, die zu unscharfen Bildern oder verwackelten Videos führen können. Canon verwendet sowohl optische Stabilisierung in Objektiven (IS) als auch kamerainterne Stabilisierung (IBIS) im Gehäuse, oft auch in Kombination.

Welche Canon EOS hat einen Bildstabilisator?
Die Canon EOS R3, EOS R5, EOS R6 und EOS R7 verfügen über eine Bildstabilisierung von bis zu 8 Stufen.

Welche Canon EOS Kameras haben einen Bildstabilisator im Gehäuse (IBIS)?
Basierend auf den vorliegenden Informationen verfügen unter anderem die Canon EOS R3, EOS R5, EOS R6, EOS R7, EOS R1 und EOS R5 Mark II über ein kamerainternes Bildstabilisierungssystem (IBIS).

Wie effektiv ist die Bildstabilisierung bei Canon?
Die Effektivität wird in Belichtungsstufen gemessen. Die kombinierte Stabilisierung von IBIS und Objektiv-IS kann je nach Kamera- und Objektivkombination eine Stabilisierungsleistung von bis zu 8,5 Stufen (in der Mitte, nach CIPA-2024) erreichen. Dies bedeutet, Sie können Belichtungszeiten verwenden, die bis zu 8,5 Stufen länger sind, als es ohne Stabilisierung möglich wäre, und dennoch scharfe Bilder erhalten.

Wann sollte ich die verschiedenen IS-Modi verwenden?
Verwenden Sie Modus 1 für statische Motive. Modus 2 ist ideal, wenn Sie die Kamera schwenken, um einem bewegten Motiv zu folgen. Modus 3 ist nützlich für schnelle Action-Fotografie, da er die Stabilisierung erst im Moment der Aufnahme aktiviert.

Canons kontinuierliche Weiterentwicklung der Bildstabilisierungssysteme, von den optischen IS-Objektiven über das innovative IBIS bis hin zur leistungsstarken kombinierten Stabilisierung, bietet Fotografen und Videografen signifikante Vorteile. Die verschiedenen IS-Modi und speziellen Funktionen wie Panning Assist sowie die hohen erreichbaren Stufen der Stabilisierung, gemessen nach dem aktuellen CIPA-Standard, zeigen das Engagement von Canon, auch unter anspruchsvollen Bedingungen scharfe und ruhige Aufnahmen zu ermöglichen.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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