Haare können bei Porträts oder anderen Aufnahmen eine Herausforderung darstellen. Ob abstehende Strähnen, lichte Stellen oder fehlendes Volumen – oft ist eine Nachbearbeitung in Photoshop nötig, um das perfekte Ergebnis zu erzielen. Die gute Nachricht ist, dass Photoshop leistungsstarke Werkzeuge bietet, um diese Probleme zu beheben. Obwohl Photoshop selbst eine kostenpflichtige Software ist, sind die hier beschriebenen Techniken und Werkzeuge standardmäßig enthalten und erfordern keine zusätzlichen Käufe oder Plugins. Sie nutzen also die vorhandenen Funktionen des Programms, um beeindruckende Ergebnisse zu erzielen.

Abstehende und fliegende Haare entfernen
Eines der häufigsten Haarprobleme sind einzelne Strähnen, die unkontrolliert vom Hauptteil der Frisur abstehen. Diese können vom Wind verursacht werden, durch statische Aufladung entstehen oder einfach nur unordentlich aussehen. Das Entfernen dieser störenden Haare ist ein wichtiger Schritt, um ein sauberes und professionelles Bild zu erhalten.

Schritt 1: Eine neue Ebene erstellen
Es ist immer ratsam, Bearbeitungen auf einer neuen, separaten Ebene durchzuführen. Dies schützt das Originalbild und ermöglicht es Ihnen, die Änderungen bei Bedarf anzupassen, zu maskieren oder vollständig zu entfernen, ohne die ursprünglichen Pixel zu beschädigen. Um eine neue Ebene zu erstellen, klicken Sie im Ebenen-Bedienfeld auf das Symbol „Neue Ebene erstellen“ oder ziehen Sie die aktuelle Ebene auf dieses Symbol, um eine Kopie zu erstellen. Geben Sie der neuen Ebene einen aussagekräftigen Namen, z. B. „Haare Retusche“, um den Überblick zu behalten.
Schritt 2: Das Kopierstempel-Werkzeug verwenden
Das Kopierstempel-Werkzeug (Taste S) ist eines der effektivsten Werkzeuge, um abstehende Haare zu entfernen. Es ermöglicht Ihnen, Pixel von einem Bereich des Bildes auf einen anderen zu klonen. Wählen Sie das Werkzeug aus und stellen Sie sicher, dass in der Optionsleiste „Aktuelle & Darunter“ oder „Alle Ebenen“ für die Option „Quelle“ ausgewählt ist, damit Sie auf der neuen Ebene arbeiten können, aber Pixel von der darunterliegenden Bildebene aufnehmen.
Wählen Sie einen weichen Pinsel mit einer passenden Größe. Die Härte sollte nahe bei 0% liegen, um sanfte Übergänge zu gewährleisten. Die Deckkraft und der Fluss können je nach Bedarf angepasst werden, oft sind Werte zwischen 50% und 100% geeignet. Halten Sie die Alt-Taste (Option auf Mac) gedrückt und klicken Sie auf einen Bereich nahe dem Haar, den Sie klonen möchten – idealerweise eine Stelle mit ähnlicher Farbe und Textur wie der Bereich, den Sie überdecken möchten. Lassen Sie die Alt-Taste los und malen Sie über das störende Haar. Wiederholen Sie diesen Vorgang für alle abstehenden Strähnen. Nehmen Sie immer wieder neue Quellpunkte auf, die möglichst nah am zu überdeckenden Bereich liegen, um eine nahtlose Retusche zu gewährleisten.
Schritt 3: Eine Ebenenmaske hinzufügen
Nachdem Sie die störenden Haare mit dem Kopierstempel entfernt haben, kann es hilfreich sein, eine Ebenenmaske hinzuzufügen. Eine Ebenenmaske ermöglicht es Ihnen, Teile der Ebene selektiv ein- oder auszublenden, ohne Pixel dauerhaft zu löschen. Klicken Sie auf das Symbol „Ebenenmaske hinzufügen“ am unteren Rand des Ebenen-Bedienfelds, während die Retusche-Ebene ausgewählt ist.
Standardmäßig ist die Maske weiß, was bedeutet, dass die gesamte Ebene sichtbar ist. Wählen Sie nun einen Pinsel (Taste B), stellen Sie die Vordergrundfarbe auf Schwarz und malen Sie auf der Maske über die Bereiche, an denen die Retusche zu stark ist oder unerwünschte Artefakte entstanden sind. Schwarz auf der Maske blendet die entsprechende Stelle der Ebene aus. Wenn Sie zu viel ausgeblendet haben, wechseln Sie die Vordergrundfarbe zu Weiß und malen Sie erneut auf der Maske, um die Retusche wieder sichtbar zu machen. Dies gibt Ihnen maximale Flexibilität, um die Retusche fein abzustimmen.
Alternative Werkzeuge für kleinere Korrekturen
Neben dem Kopierstempel gibt es weitere nützliche Werkzeuge für die Haarretusche, insbesondere für kleinere Makel oder einzelne Haare.
Der Bereichsreparatur-Pinsel
Der Bereichsreparatur-Pinsel (Taste J) ist oft schneller und einfacher zu bedienen als der Kopierstempel für sehr kleine Fehler. Dieses Werkzeug analysiert die Pixel rund um den Bereich, über den Sie malen, und versucht, diesen Bereich automatisch mit passenden Pixeln zu füllen. Wählen Sie das Werkzeug aus, stellen Sie eine passende Pinselgröße mit weicher Kante ein und klicken oder malen Sie über die zu entfernenden Haare. Photoshop übernimmt den Rest.
Dieses Werkzeug funktioniert am besten bei einfachen Hintergründen und einzelnen, dünnen Haaren. Bei komplexen Hintergründen oder dickeren Strähnen kann das Ergebnis unvorhersehbar sein und Artefakte erzeugen. In solchen Fällen ist der Kopierstempel die sicherere Wahl. Auch hier empfiehlt es sich, auf einer neuen, leeren Ebene zu arbeiten und in der Optionsleiste „Alle Ebenen“ für die Option „Quelle“ auszuwählen.
Fehlende Haarpartien auffüllen
Manchmal geht es nicht nur darum, störende Haare zu entfernen, sondern lichte Stellen im Haar aufzufüllen oder eine Frisur voller wirken zu lassen. Auch hierfür bietet Photoshop effektive Methoden, die meist auf dem Klonen und Anpassen vorhandener Haarpartien basieren.
Schritt 1: Eine neue Ebene erstellen
Wie bei der Retusche abstehender Haare beginnen Sie idealerweise auf einer neuen, leeren Ebene. Dies schützt das Originalbild und ermöglicht Ihnen eine flexible Bearbeitung.
Schritt 2: Den Kopierstempel nutzen, um Haare zu klonen
Verwenden Sie erneut das Kopierstempel-Werkzeug. Wählen Sie eine Stelle im Haar, die der fehlenden Partie ähnlich ist – idealerweise eine Stelle mit ähnlicher Farbe, Helligkeit und Textur. Halten Sie Alt gedrückt und klicken Sie, um diesen Bereich als Quelle festzulegen. Malen Sie dann auf der neuen Ebene in den Bereich, der aufgefüllt werden soll. Seien Sie dabei vorsichtig und klonen Sie in kurzen, überlappenden Strichen, um ein natürliches Ergebnis zu erzielen. Klonen Sie nicht zu große Bereiche auf einmal und wählen Sie immer wieder neue Quellpunkte, um Wiederholungen zu vermeiden, die unnatürlich aussehen könnten.
Wenn Sie eine größere Fläche auffüllen müssen, klonen Sie zunächst eine grobe Form der benötigten Haarpartie auf die neue Ebene.

Schritt 3: Ebenenmaske und Transformationswerkzeug verwenden
Nachdem Sie eine Haarpartie geklont haben, die die lichte Stelle überdecken soll, fügen Sie der neuen Ebene eine Ebenenmaske hinzu. Füllen Sie die Maske mit Schwarz (wählen Sie die Maske aus, stellen Sie die Vordergrundfarbe auf Schwarz und drücken Sie Alt + Entf oder Option + Entf), um die geklonte Haarpartie zunächst komplett auszublenden. Wählen Sie dann einen Pinsel mit weißer Vordergrundfarbe und malen Sie auf der Maske in den Bereich, der aufgefüllt werden soll. Dadurch wird die geklonte Haarpartie nur dort sichtbar, wo Sie malen.
Um die geklonte Haarpartie perfekt an die bestehende Frisur anzupassen, können Sie das Transformationswerkzeug verwenden. Stellen Sie sicher, dass die Ebene (nicht die Maske!) ausgewählt ist. Drücken Sie Strg + T (Cmd + T auf Mac), um das Transformationsfeld anzuzeigen. Sie können die geklonte Haarpartie verschieben, skalieren, drehen oder verzerren, um sie optimal in die Lücke einzupassen. Manchmal kann es hilfreich sein, die Verknüpfung zwischen Ebene und Maske (das Kettensymbol zwischen den Vorschaubildern im Ebenen-Bedienfeld) zu entfernen, um die geklonte Haarpartie unabhängig von der Maske zu verschieben. Nach der Transformation können Sie die Maske weiter bearbeiten, um die Kanten weichzuzeichnen und das Ergebnis natürlich wirken zu lassen.
Haaren Volumen und Fülle verleihen
Manchmal sehen Haare platt oder leblos aus. Mit dem Verflüssigen-Filter in Photoshop können Sie Haaren Volumen verleihen und ihre Form anpassen, um der Frisur mehr Dynamik zu geben.
Den Verflüssigen-Filter nutzen
Wählen Sie die Ebene aus, die die Haare enthält, die Sie bearbeiten möchten. Gehen Sie im Menü zu „Filter“ > „Verflüssigen“. Es öffnet sich ein neues Fenster mit verschiedenen Werkzeugen. Das wichtigste Werkzeug für das Hinzufügen von Volumen ist das „Vorwärts-Verkrümmen-Werkzeug“ (Taste W). Stellen Sie eine Pinselgröße ein, die etwas größer ist als der Bereich, den Sie beeinflussen möchten. Stellen Sie den Pinseldruck und die Pinselrate auf moderate Werte ein (z. B. 30-50), um sanfte Anpassungen vornehmen zu können.
Malen Sie nun in kurzen, sanften Strichen am Rand der Haare entlang, um diese leicht nach außen zu ziehen und Volumen zu erzeugen. Vermeiden Sie lange, durchgehende Striche oder zu starken Druck, da dies schnell zu unnatürlichen Verzerrungen führen kann. Arbeiten Sie in kleinen Schritten und beobachten Sie das Ergebnis genau. Achten Sie besonders auf den Hintergrund, da der Verflüssigen-Filter diesen ebenfalls verzerren kann. Bestätigen Sie die Änderungen mit „OK“.
Für feinere Anpassungen können Sie auch andere Werkzeuge im Verflüssigen-Filter verwenden, wie z. B. das „Aufblasen-Werkzeug“ (Taste B) für kreisförmiges Volumen oder das „Glätten-Werkzeug“ (Taste E), um Kanten zu mildern.
Zusammenfassung der Werkzeuge
Hier ist eine kurze Übersicht über die besprochenen Werkzeuge und ihre Hauptanwendungen:
| Werkzeug | Anwendung | Wichtige Einstellungen/Hinweise |
|---|---|---|
| Kopierstempel | Abstehende Haare entfernen, fehlende Partien auffüllen | Weicher Pinsel, „Aktuelle & Darunter“ oder „Alle Ebenen“, häufiger Quellwechsel |
| Bereichsreparatur-Pinsel | Kleine, einzelne Haare entfernen | Weicher Pinsel, „Alle Ebenen“ als Quelle, am besten bei einfachen Hintergründen |
| Ebenenmaske | Teile der Ebene selektiv ein-/ausblenden | Malt mit Schwarz (ausblenden) und Weiß (einblenden) auf der Maske |
| Transformationswerkzeug (Strg/Cmd + T) | Geklonte Haarpartien anpassen (Größe, Drehung, Position) | Ebene muss ausgewählt sein, Verknüpfung zur Maske lösbar |
| Verflüssigen-Filter | Volumen hinzufügen, Form anpassen | Vorwärts-Verkrümmen-Werkzeug, weicher Pinsel, sanfte Striche, Hintergrund beachten |
Häufig gestellte Fragen
Kann ich diese Techniken wirklich kostenlos nutzen?
Die beschriebenen Werkzeuge und Techniken sind standardmäßige Funktionen von Adobe Photoshop. Während die Software selbst eine kostenpflichtige Lizenz erfordert, sind innerhalb dieser Lizenz keine zusätzlichen Käufe oder Plugins nötig, um diese Haarbearbeitungen durchzuführen. Sie nutzen also die bereits vorhandenen, integrierten Werkzeuge von Photoshop.
Welches Werkzeug ist am besten für abstehende Haare?
Für präzise Kontrolle und das Entfernen mehrerer oder dickerer abstehender Haare ist das Kopierstempel-Werkzeug oft die beste Wahl. Für sehr feine, einzelne Härchen auf einem unkomplizierten Hintergrund kann der Bereichsreparatur-Pinsel schneller sein.
Wie fülle ich größere kahle Stellen im Haar auf?
Hierfür ist die Kombination aus Kopierstempel, Ebenenmaske und dem Transformationswerkzeug am effektivsten. Sie klonen vorhandene Haarpartien auf eine neue Ebene, maskieren sie und passen sie dann mit dem Transformationswerkzeug an die Größe und Form der Lücke an.
Wie sorge ich dafür, dass die Haarbearbeitung natürlich aussieht?
Der Schlüssel liegt in der sorgfältigen Auswahl der Quellbereiche (beim Klonen), der Verwendung weicher Pinselkanten, der Arbeit auf separaten Ebenen mit Masken und dem schrittweisen Vorgehen. Nehmen Sie sich Zeit, zoomen Sie nah heran und vergleichen Sie immer wieder mit dem Originalbild. Achten Sie auf die Textur, Richtung und Farbe der Haare, die Sie hinzufügen oder bearbeiten.
Muss ich immer eine neue Ebene erstellen?
Es ist dringend empfohlen, immer auf einer neuen Ebene zu arbeiten. Dies bietet immense Flexibilität für spätere Anpassungen, Korrekturen oder das Ausblenden von Teilen der Retusche, ohne das Originalbild zu zerstören. Es ist ein grundlegender Bestandteil eines nicht-destruktiven Workflows in Photoshop.
Die Bearbeitung von Haaren in Photoshop erfordert Übung und Geduld. Mit den hier beschriebenen Techniken und Werkzeugen verfügen Sie jedoch über die notwendigen Mittel, um die häufigsten Haarprobleme in Ihren Fotos zu beheben. Das Meistern dieser Fähigkeiten wird Ihnen helfen, professionell aussehende Ergebnisse zu erzielen und Ihren Bildern den letzten Schliff zu verleihen. Beginnen Sie mit einfachen Fällen und arbeiten Sie sich allmählich zu komplexeren Retuscheaufgaben vor. Viel Erfolg!
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