Robert Capa gilt als einer der bedeutendsten Fotojournalisten des 20. Jahrhunderts. Seine Bilder aus den Krisen- und Kriegsgebieten der Welt prägten das Verständnis des Fotojournalismus und machten ihn zur Legende. Sein berühmtes Credo „Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran“ unterstreicht seinen Ansatz, mitten im Geschehen zu sein. Dieser Stil erforderte nicht nur Mut, sondern auch die passende Ausrüstung. Capa nutzte im Laufe seiner Karriere verschiedene Kameras, die es ihm ermöglichten, schnell, flexibel und unauffällig zu arbeiten. Sein bevorzugtes Aufnahmeformat war das handliche 24x36mm Kleinbild, das sich ideal für die dynamische Reportagefotografie eignete.

In seinen frühesten Jahren als Fotograf, bei Reportagen in Kopenhagen, Berlin und Paris, verließ sich Capa wahrscheinlich auf die Kameras seiner Auftraggeber. Dies war eine gängige Praxis für junge Fotografen am Anfang ihrer Karriere. Doch schon bald erwarb er eigene Ausrüstung, die seinen individuellen Anforderungen besser entsprach.
Die Ära der Leica: Capas erste eigene Kamera
Ein wichtiger Wendepunkt in Capas Karriere kam im März 1935 in Paris. Zu dieser Zeit kaufte er sich eine verchromte Leica III der renommierten Firma Ernst Leitz aus Wetzlar. Diese Kamera war mit einem Leitz Summar Objektiv ausgestattet, das eine Lichtstärke von 1:2,0 und eine Brennweite von 5 cm besaß. Das Summar galt damals als ein sehr lichtstarkes Objektiv, was Capa die Möglichkeit gab, auch bei weniger idealen Lichtverhältnissen zu fotografieren – ein entscheidender Vorteil in unvorhersehbaren Situationen wie denen, die er dokumentierte.
Die Leica III war eine kompakte und robuste Kleinbildkamera, die sich perfekt für Capas Stil des „Nahedran-Seins“ eignete. Sie war klein genug, um unauffällig zu sein und erlaubte schnelles Handeln. Diese spezielle Leica III begleitete ihn auf vielen frühen Reportagen. Ende Februar 1937, während des Spanischen Bürgerkriegs in Madrid, übergab Capa diese Kamera an seine Partnerin und Kollegin Gerda Taro. Taro nutzte diese Leica fortan für ihre eigenen Arbeiten, bis zu ihrem tragischen frühen Tod im Juli 1937.
Die Contax II: Innovation und Flexibilität
Nachdem Capa und Taro durch ihre eindringlichen Reportagen aus dem Spanischen Bürgerkrieg finanzielle Mittel erhalten hatten, war Capa in der Lage, seine Ausrüstung weiter zu verbessern. Im April 1937, zeitgleich mit der Einrichtung seines Agentur-Ateliers in der Rue Froidevaux 37 in Paris, kaufte Capa eine Contax II der Zeiss Ikon AG aus Dresden. Die Contax II war eine hochmoderne Kamera für ihre Zeit und eine direkte Konkurrentin zur Leica.
Das Standardobjektiv für seine Contax II war das 1:2 f = 5cm Carl Zeiss Jena Sonnar. Dieses Objektiv war ebenfalls für seine hohe Lichtstärke und exzellente Abbildungsleistung bekannt. Die Contax II, die zwischen 1936 und 1945 in Dresden gebaut wurde, war revolutionär: Sie war die erste Messsucher-Kleinbildkamera der Welt mit einer gemeinsamen Einblicköffnung für Motivsucher und Mischbild-Entfernungsmesser. Die Messbasis von 10 cm ermöglichte eine präzise Fokussierung, selbst bei weit geöffneter Blende.

Ein weiteres praktisches Merkmal der Contax II war die Möglichkeit, Kinofilm von der großen Rolle in spezielle Contax-Kassetten einzuspulen. Hatte man zwei dieser Kassetten in der Kamera, konnte der belichtete Film direkt in die zweite Kassette transportiert werden, ohne ihn zeitaufwändig und potenziell filmzerkratzend zurückspulen zu müssen. Diese Effizienzsteigerung war in schnellen Reportagesituationen von unschätzbarem Wert.
Der Text erwähnt auch, dass Capa am 18. April 1945, kurz vor Kriegsende, ein Hochleistungsobjektiv einsetzte: das 1:1,5 Carl Zeiss Jena Sonnar. Dieses besonders lichtstarke Objektiv war ideal für Aufnahmen bei schwierigen Lichtverhältnissen und kam wahrscheinlich an seiner Contax II zum Einsatz. Die Lichtempfindlichkeit der von ihm verwendeten Kodak-Filme wird mit 21 DIN, was 100 ISO entspricht, angegeben.
Die Rolleiflex: Ein Ausflug ins Mittelformat
Ab 1943 erweiterte Capa auf Anraten des Life-Magazins seine Ausrüstung um eine 6×6-Rolleiflex von Franke und Heidecke aus Braunschweig. Die Rolleiflex war eine Mittelformatkamera, die ein quadratisches Negativformat von 6x6 cm lieferte. Dies bedeutete größere Negative und potenziell eine höhere Bildqualität, insbesondere für Drucke.
Die Rolleiflex ist eine sogenannte zweiäugige Spiegelreflexkamera (Twin Lens Reflex, TLR). Das obere Objektiv dient dabei dem Sucherbild, das auf einer Mattscheibe seitenverkehrt und spiegelbildlich dargestellt wird und von oben betrachtet wird. Dieses Sucherbild war stets hell und ermöglichte eine gute Bildkomposition. Das untere Objektiv, ein 1:3,5 f= 7,5cm Carl Zeiss Jena Tessar, war das eigentliche Aufnahmeobjektiv. Das Tessar-Objektiv war bekannt für seine Schärfe.
Ein wesentlicher Vorteil der Rolleiflex für Freihandaufnahmen war das Fehlen eines beweglichen Spiegels, der bei herkömmlichen Spiegelreflexkameras zum Zeitpunkt der Aufnahme hochklappt und Vibrationen verursachen kann. Bei der Rolleiflex bleibt der Spiegel, der das Sucherbild auf die Mattscheibe lenkt, während der Aufnahme fest. Nur der Verschluss des Aufnahmeobjektivs löst aus. Dies ermöglichte verwacklungsfreie Freihandaufnahmen auch mit längeren Belichtungszeiten, wie beispielsweise einer zehntel Sekunde, was mit einer Spiegelreflexkamera deutlich schwieriger gewesen wäre.
Der Text bestätigt, dass Capa am 18. April 1945 nicht nur Kleinbildfilm (36 Bilder) belichtete, sondern auch einen 6x6cm Rollfilm 120 mit 12 Bildern. Dies zeigt, dass er zu dieser Zeit beide Formate parallel nutzte und je nach Situation oder Auftrag entschied, welche Kamera und welches Format am besten geeignet waren.

Die Kameras als Werkzeuge für Capas Stil
Robert Capas Wahl der Kameras war eng mit seinem Ansatz des Fotojournalismus verbunden. Er brauchte Kameras, die robust, zuverlässig und vor allem schnell einsetzbar waren. Die Kleinbild-Kameras wie die Leica und die Contax II waren kompakt und erlaubten es ihm, schnell auf wechselnde Situationen zu reagieren und viele Aufnahmen in kurzer Zeit zu machen. Ihre Handlichkeit ermöglichte es ihm, nah an das Geschehen heranzukommen, was für seine eindringlichen Bilder unerlässlich war.
Die Contax II mit ihrem integrierten Messsucher und dem effizienten Filmkassetten-System bot Geschwindigkeitsvorteile. Die lichtstarken Objektive (Summar, Sonnar) waren entscheidend, um auch bei schwierigen Lichtverhältnissen noch fotografieren zu können, was in Kriegsgebieten oder in Innenräumen oft der Fall war.
Die Hinzunahme der Rolleiflex ab 1943, wahrscheinlich auf Empfehlung von Life, deutet darauf hin, dass für bestimmte Aufträge oder gewünschte Bildqualitäten das größere Mittelformat vorteilhaft war. Die Stabilität für Freihandaufnahmen bei längeren Belichtungszeiten war ein spezifischer technischer Vorteil, der sich in seinen Bildern auswirken konnte.
Letztendlich waren die Kameras für Capa Werkzeuge, die es ihm ermöglichten, seine Vision des Fotojournalismus umzusetzen. Sie waren nicht der Selbstzweck, sondern Mittel, um die menschliche Erfahrung inmitten von Konflikten festzuhalten. Seine Fähigkeit, diese Kameras unter extremen Bedingungen zu beherrschen und dabei ikonische Bilder zu schaffen, festigte seinen Ruf als einer der größten Fotografen aller Zeiten.
Vergleich der Hauptkameras
| Kamera | Hersteller / Herkunft | Zeitraum der Nutzung (laut Text) | Format | Standardobjektiv (laut Text) | Besonderheiten (laut Text) |
|---|---|---|---|---|---|
| Leica III | Ernst Leitz, Wetzlar | Ab März 1935 (später an G. Taro) | Kleinbild (24x36mm) | 1:2,0 f=5cm Leitz Summar | Kompakt, robust, lichtstarkes Objektiv |
| Contax II | Zeiss Ikon AG, Dresden | Ab April 1937 | Kleinbild (24x36mm) | 1:2 f=5cm Carl Zeiss Jena Sonnar (später auch 1:1,5 Sonnar) | Erste Messsucher-Kleinbildkamera mit integrierter Einblicköffnung, Contax-Kassetten |
| Rolleiflex | Franke und Heidecke, Braunschweig | Ab 1943 | Mittelformat (6x6cm) | 1:3,5 f=7,5cm Carl Zeiss Jena Tessar | Zweiäugige Spiegelreflex (TLR), Sucherbild auf Mattscheibe, verwacklungsfreie Freihandaufnahmen bei längeren Zeiten möglich (kein Spiegelschlag) |
Häufig gestellte Fragen zu Capas Kameras
Mit welcher Kamera begann Robert Capa seine Karriere?
Für seine allerersten Reportagen nutzte Capa wahrscheinlich die Kameras seiner Auftraggeber. Seine erste dokumentierte eigene Kamera war eine Leica III, die er im März 1935 kaufte.

Wann erwarb Capa die Contax II und warum?
Capa kaufte die Contax II im April 1937, nachdem er durch seine Spanienkriegsreportagen finanzielle Mittel hatte. Die Contax II war eine fortschrittliche Kamera mit innovativem integriertem Messsucher und einem effizienteren Filmsystem.
Warum nutzte Capa auch eine Rolleiflex, die größer ist als Kleinbildkameras?
Ab 1943 nutzte Capa auf Anraten des Life-Magazins eine 6x6-Rolleiflex. Obwohl größer, bot sie Vorteile wie ein größeres Negativformat für potenziell bessere Drucke und ermöglichte dank ihrer Konstruktion (kein Spiegelschlag) verwacklungsfreiere Freihandaufnahmen bei längeren Belichtungszeiten.
Welche Objektive verwendete Robert Capa?
Der Text nennt spezifisch das Leitz Summar 1:2,0 f=5cm für seine Leica III, das Carl Zeiss Jena Sonnar 1:2 f=5cm als Standard für seine Contax II, das Carl Zeiss Jena Sonnar 1:1,5 als besonders lichtstarkes Objektiv (vermutlich ebenfalls für die Contax), sowie das Carl Zeiss Jena Tessar 1:3,5 f=7,5cm für seine Rolleiflex.
Verwendete Capa nur ein Kameramodell?
Nein, Robert Capa nutzte im Laufe seiner Karriere verschiedene Kameramodelle parallel, darunter die Leica III, die Contax II und die Rolleiflex, um den Anforderungen unterschiedlicher Situationen und Aufträge gerecht zu werden.
Die Kameras von Robert Capa waren mehr als nur technische Geräte; sie waren die Verlängerung seines Blickes und seines Mutes. Von der handlichen Leica, die ihn in seinen Anfängen begleitete und Gerda Taro weitergab, über die technologisch fortschrittliche Contax II mit ihrem integrierten Messsucher und effizienten Filmhandling, bis hin zur vielseitigen Rolleiflex für das Mittelformat – jede Kamera spielte eine Rolle in seiner Fähigkeit, nah am Geschehen zu sein und die rohe Realität des Krieges und das menschliche Drama dahinter festzuhalten. Seine Wahl der Ausrüstung unterstrich stets sein Bestreben nach Mobilität, Geschwindigkeit und der Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen zu fotografieren. Die Geschichten, die er mit diesen Kameras erzählte, prägen bis heute das Bild des Fotojournalismus.
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