Die Geschichte der Region, die heute oft als Palästina und Israel bezeichnet wird, ist außergewöhnlich lang und komplex. Sie reicht Tausende von Jahren zurück und war Schauplatz der Entstehung und des Zusammenpralls vieler Kulturen, Reiche und Religionen. Das Verständnis der heutigen Situation erfordert einen Blick auf diese tiefen historischen Wurzeln, die von antiken Siedlungen über biblische Erzählungen bis hin zu modernen politischen Entwicklungen reichen.

Über Jahrhunderte hinweg wandelte sich die Bezeichnung der Region. Der Name „Palästina“ leitet sich von der seit Herodot (5. Jahrhundert v. Chr.) bezeugten griechischen Form Palaistinē ab, die wiederum auf ältere Bezeichnungen wie assyrisch Palastu (8. Jh. v. Chr.) und ägyptisch Peleset (Bewohner derselben Gegend) zurückgeht. Unmittelbar hiervon dürfte hebräisch Peleschet abgeleitet sein, womit die Bibel das Gebiet der Philister bezeichnete. Von der Zeit an, da die Philister mit den Bewohnern des Hinterlandes verschmolzen waren, weitete sich der Name ihrer Landschaft auf größere Gebiete der südlichen Levante aus. Herodot verwendete die Bezeichnung Syria palaistinē für den ganzen Küstenstreifen zwischen Phönizien und Gaza.
Der Begriff „Palästina“ geriet über Jahrhunderte außer Gebrauch und wurde erst im 19. Jahrhundert von westlichen Historikern wieder aufgegriffen, zunächst als geographische Angabe. Erst mit dem Zionismus am Ende des Jahrhunderts konnte er sich allgemein durchsetzen. Das Adjektiv palästinisch bezog sich in der Regel auf das antike Palästina, wie bei „palästinische Juden“. Das Wort palästinensisch kam erst Mitte der 1960er Jahre als Bezeichnung für die heutige arabische Bevölkerung von Ost-Jerusalem, Gazastreifen und Westjordanland in Gebrauch. Dies geschah nach der israelischen Besetzung dieser Gebiete 1967 und der damit verbundenen Entstehung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Die arabischen Bewohner begannen zunehmend, Palästina und Palästinenser als Ausdruck ihrer Hoffnung auf eine eigenständige palästinensische Nation zu verwenden.
Frühe Geschichte und Antike Reiche
In der Region sind seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. Stadtstaaten nachweisbar. Im fruchtbaren Halbmond trafen Verkehrswege von drei Kontinenten aufeinander, was Palästina zum Brennpunkt für religiöse und kulturelle Einflüsse machte. Im 2. Jahrtausend v. Chr. sahen sich die Ägypter durch die Expansionen von Amoritern, Hurritern und Hethitern bedroht und drängten diese zurück. Ab dem 12. Jahrhundert v. Chr. verlor Ägypten die Macht über Palästina. Neue Zuwanderer kamen, darunter laut Pentateuch die Israeliten, die nach neueren Forschungen eine autochthone Bevölkerung des galiläischen Berglandes bildeten. Auch andere semitische Nomadenstämme wanderten ein. Hinzu kamen im frühen 12. Jahrhundert v. Chr. die Philister, die hauptsächlich die südliche Küstenzone bewohnten.
Die schriftliche Hauptquelle für die Geschichte Palästinas ist die hebräische Bibel, die in wesentlichen Teilen wohl während des Babylonischen Exils im 6. Jahrhundert v. Chr. entstand. Ihre Angaben sind in der historischen Bibelkritik umstritten, da viele archäologische Erkenntnisse nicht mit den Berichten übereinstimmen. Die biblischen Geschichten stellen Interpretationen vorgefundener Verhältnisse dar, die zur Sinnstiftung dienten. Proto-israelitische Stämme wanderten demnach teilweise wahrscheinlich schon etwa 1800–1700 v. Chr. ein. Ein Großteil der modernen Forschung geht heute davon aus, dass es eine Wieder-Einwanderung der Israeliten in Kanaan mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gegeben hat. Der biblische Bericht von Exodus und Landnahme wird von einigen Wissenschaftlern als literarische Fiktion angesehen. Der archäologische Befund belegt eher, dass die Israeliten einheimische Beduinenstämme waren, die die Schwächeperiode der kanaanitischen Städte ausnutzten.
Der Kampf gegen die Philister veranlasste laut Bibel die israelitischen Stämme, sich unter einem König zu vereinigen. Der erste König war Saul, sein Nachfolger David besiegte die Philister um 1000 v. Chr. und machte Jerusalem zur Hauptstadt seines Reiches. Unter Salomo wurde der erste Tempel in Jerusalem errichtet. Nach Salomos Tod zerfiel das Reich in Juda im Süden (Hauptstadt Jerusalem) und Israel im Norden (Hauptheiligtum Sichem). Das Königreich Israel erlebte unter der Omridendynastie einen starken Aufschwung. Assyrien besiegte das Nordreich Israel 722/721 v. Chr. Große Teile der Bevölkerung wurden umgesiedelt. Juda wurde 586 v. Chr. von den Babyloniern unter König Nebukadnezar II. besiegt, Jerusalem zerstört und die Bevölkerung nach Babylon umgesiedelt (Babylonisches Exil).
Als Kyros der Große von Persien Babylonien 539 v. Chr. eroberte, erlaubte er den Exulanten die Rückkehr nach Juda und gewährte ihnen Autonomie. Die Tora wurde als innerjüdisches Gesetzbuch anerkannt. Die Juden bauten die Stadtmauern und ein zentrales Heiligtum wieder auf. Die Rückkehrer distanzierten sich von der verbliebenen Bevölkerung, was zum samaritanischen Schisma führte.
Hellenistische und Römische Herrschaft
Im Jahr 332 v. Chr. nahm Alexander der Große die Region in Besitz. Nach seinem Tod (323 v. Chr.) wurde das Land Schauplatz von Auseinandersetzungen der Diadochenkriege und wechselte mehrfach den Besitzer. Es fiel Ptolemaios I. von Ägypten zu und blieb bis 200 v. Chr. unter ptolemäischer Herrschaft. Die ethnische Zusammensetzung veränderte sich durch die Ansiedlung von Griechen. Die hellenistische Kultur beeinflusste besonders das Leben in den Städten. Im 2. Jahrhundert v. Chr. revoltierten die Juden unter Führung der Makkabäer gegen das Seleukidenreich und errichteten zwischen 141 und 63 v. Chr. einen unabhängigen jüdischen Staat.
Im Jahr 63 v. Chr. eroberte Gnaeus Pompeius Magnus das Land für Rom. Der jüdische Aufstand in den Jahren 66 bis 73 n. Chr. wurde unter dem Befehl des späteren Kaisers Titus niedergeschlagen. Dabei wurde der Jerusalemer Tempel im Jahre 70 n. Chr. zerstört. Nach dem gescheiterten Bar-Kochba-Aufstand von 132 bis 135 n. Chr. benannte der römische Kaiser Hadrian die vormals als Judäa bezeichnete römische Provinz in Syria Palaestina um und zerstörte Jerusalem, um es als Aelia Capitolina wieder aufzubauen. Sein Wunsch war es, dass Jerusalem und Judäa für immer vergessen würden.
Unter Kaiser Konstantin dem Großen (ab 313) erlangte Palästina neue Bedeutung als Heiliges Land der Christen und gehörte ab 395 zum Oströmischen Reich. Die Spätantike war eine Art „Goldenes Zeitalter“ für Palästina, geprägt durch Wohlstand und kulturelle Blüte. Die oströmische Herrschaft wurde durch die Okkupation der persischen Sassaniden (614–629) unterbrochen und endete endgültig, als muslimische Araber in Palästina einfielen und 638 Jerusalem eroberten.
Muslimische Herrschaft und Kreuzzüge
Im Jahr 638 wurde Jerusalem von der Armee des Kalifen ʿUmar ibn al-Chattāb erobert. Seit dieser Zeit gibt es neben einer jüdischen und einer christlichen auch eine muslimische Präsenz in Palästina. Die Islamisierung und Arabisierung wurde durch die Behandlung der Nichtmuslime als Dhimma begünstigt. Es dauerte mehr als 100 Jahre, bis die Mehrheit der Bevölkerung zum Islam konvertiert war und das Griechische als Verkehrssprache verdrängt wurde.

Unter der ersten Kalifendynastie der Umayyaden (Hauptstadt Damaskus) profitierte die Region vom Handel und ihrer religiösen Bedeutung. 691 errichteten die Muslime auf dem Tempelberg den Felsendom. Nachdem die Abbasiden im Jahr 762 Bagdad zum politischen Zentrum gewählt hatten, nahm die Bedeutung Palästinas ab. Das Gebiet war wiederholt Schauplatz von Kämpfen und wurde von Seldschuken, Fatimiden und europäischen Kreuzfahrern beherrscht.
Mit dem Beginn der Kreuzzüge am Ende des 11. Jahrhunderts wurden in Palästina vier christliche Kreuzfahrerstaaten errichtet, darunter im Jahr 1099 das Königreich Jerusalem. Nach der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzritter am 15. Juli 1099 wurden nach neuesten Erkenntnissen ca. 3.000 Einwohner der Stadt getötet. Die Darstellungen wesentlich höherer Opferzahlen in älteren Quellen werden in der neueren Forschung bezweifelt und als mittelalterliche Übertreibungen angesehen. Der kurdischstämmige Ayyubiden-Sultan Saladin besiegte im Jahr 1187 ein Heer der Kreuzfahrer und eroberte Jerusalem zurück. Kirchen und Tempel wurden zum großen Teil in Moscheen umgewandelt.
Die Kreuzritter zogen sich in das nördliche Palästina zurück, das nach der Belagerung von Akkon (1291) als letzter christlicher Stützpunkt verloren ging. In der Folgezeit beherrschten mamlukische Dynastien Palästina. Die Mamluken zerstörten die von den Kreuzrittern gegründeten Staaten endgültig. Palästina diente ihnen vor allem als Durchzugsgebiet zwischen Kairo und Damaskus. Unter mamlukischer Herrschaft galten nur Muslime als vollgültige Bürger, Christen und Juden wurden rechtlich diskriminiert und mussten eine Zusatzsteuer zahlen.
Osmanische Herrschaft
Die osmanischen Türken besiegten die Mamluken 1516. Ägypten, Syrien und Palästina wurden für 400 Jahre in das Osmanische Reich eingegliedert. Jerusalem wurde zum Verwaltungssitz eines Sandschaks. Sultan Süleyman I. ließ nach 1535 die Befestigungen der Stadt neu errichten, die heutige Altstadtmauern stammen aus dieser Zeit. Die verarmten Juden und Christen lebten überwiegend vom Pilgergewerbe. Europäische Staaten eröffneten im 19. Jahrhundert Konsulate in Jerusalem.
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, also noch vor den vom Zionismus geprägten Einwanderungen (Alijot) ab 1882, kamen zunehmend Juden in die Stadt und es wurden erste Wohngebiete außerhalb der Stadtmauern gegründet. Um 1880 war etwa die Hälfte der rund 30.000 Einwohner Jerusalems jüdisch. 1881 lebten 457.000 Menschen in Palästina: 400.000 Muslime, 13.000–20.000 Juden und 42.000 Christen. Hinzu kamen einige tausend Juden ohne osmanische Staatsbürgerschaft. Im Jahr 1897 berief Theodor Herzl den ersten Zionistenkongress ein und legte damit einen wichtigen Grundstein für die Gründung eines jüdischen Staates. Die Bedürfnisse der arabischen Bevölkerung spielten in der frühen zionistischen Tradition kaum eine Rolle.
| Jahr | Gesamtbevölkerung | Muslime | Juden | Christen |
|---|---|---|---|---|
| Anfang 19. Jh. | 275.000 - 300.000 | ca. 90% | 7.000 - 10.000 | 20.000 - 30.000 |
| 1881 | 457.000 | 400.000 | 13.000 - 20.000 (+ einige Tsd. ohne osmanische Staatsbürgerschaft) | 42.000 |
Zwischen 1904 und 1914 erfolgte die zweite Alijah. 1909 wurde mit Tel Aviv „die erste jüdische Stadt“ der Moderne gegründet. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges war die Region in drei Bezirke des Osmanischen Reiches aufgeteilt. Der Sieg der Briten im Ersten Weltkrieg beendete 1917 die osmanische Herrschaft. Nach dem Waffenstillstand von Moudros 1918 besetzten Großbritannien und Frankreich die von ihnen im geheimen Sykes-Picot-Abkommen ausgehandelten Gebiete.
Britisches Mandat und der Weg zum Konflikt
Am 25. April 1920 erhielt Großbritannien das Völkerbundsmandat für Palästina. Zu den Mandatsbedingungen gehörte, dass die Briten die Verwirklichung der Balfour-Deklaration ermöglichen sollten, in der sie am 2. November 1917 die „Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“ versprochen hatten. Die Mandatsmacht wurde aufgefordert, die jüdische Einwanderung und Ansiedlung zu ermöglichen, wobei ausdrücklich Sorge getragen werden sollte, dass „nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und die religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina [...] präjudizieren könnte“. Im Unterschied zu den Zusicherungen an die jüdische Bevölkerung enthielt es jedoch für die Rechte der ansässigen Araber keine Schutzbestimmungen.
Das nicht eingehaltene Versprechen der arabischen Unabhängigkeit richtete den arabischen Nationalismus gegen die Mandatsmächte. Die Zunahme jüdischer Einwanderer wurde von den Arabern als Helfer der neuen Kolonisatoren aufgefasst. Das Ziel der arabischen Bevölkerungsmehrheit war ein arabischer Staat im gesamten Gebiet mit eingeschränkter oder unterbundener jüdischer Einwanderung. Im April 1920 und Mai 1921 kam es zu ersten arabischen Ausschreitungen gegen jüdische Einwanderer. 1922 teilte die britische Regierung das Mandatsgebiet in Palästina westlich des Jordans (für die jüdische Heimstätte) und das Emirat Transjordanien östlich des Jordans. Die genaue Ausgestaltung der Grenzen wurde Großbritannien überlassen. Das Mandatsdokument sah die Förderung jüdischer Einwanderung und die Anerkennung von Hebräisch als Amtssprache vor.
Die Ziele der jüdischen Bevölkerungsminderheit waren eine Forcierung der Einwanderung und ein möglichst großer jüdischer Staat. Zwischen 1924 und 1939 wuchs die jüdische Bevölkerung durch weitere Alijot stark. 1929 wurde die Jewish Agency for Israel gegründet, um das jüdische Nationalheim zu errichten. London wollte die jüdische Einwanderung fördern, ohne die Rechte der arabischen Bewohner zu schmälern, primär durch geordnete Siedlungen. Das fortdauernde Misstrauen zwischen jüdischen Einwanderern und arabischer Bevölkerung sowie mangelndes Einvernehmen machten die Siedlungsfrage problematisch.
In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Unruhen. Als sich in den Jahren 1936–1939 ein bewaffneter arabischer Aufstand gegen die britische Mandatsherrschaft und die zionistische Landnahme richtete, wurde er blutig niedergeschlagen. Die Briten erließen rigide Aufnahmebeschränkungen für jüdische Einwanderer und schränkten den zionistischen Bodenerwerb ein. Die Peel-Kommission legte 1937 einen Teilungsplan vor, der jedoch von den Arabern abgelehnt wurde. Die jüdische Seite war gespalten, eine Minderheit um David Ben-Gurion sah darin eine Basis für spätere Expansion. Die Teilung wurde von der Woodhead-Kommission wieder verworfen. Das MacDonald-Weißbuch von 1939 sah eine jüdisch-arabische Selbstregierung und starke Einschränkung der jüdischen Einwanderung vor, um die Araber als Bündnispartner zu gewinnen. Dieses Weißbuch wurde von den Juden abgelehnt.

Auf dem außerordentlichen Zionistischen Kongress in Biltmore 1942 kündigte die Zionistische Weltorganisation das Bündnis mit Großbritannien auf, erklärte offen die Absicht, einen jüdischen Staat in Palästina zu gründen, und bestritt die Berechtigung des Weißbuches von 1939. Das Biltmore-Programm enthielt den Alleinanspruch der zionistischen Bewegung auf Palästina. Während des Zweiten Weltkriegs kämpften 27.500 jüdische Soldaten aus Palästina in der britischen Armee. Gleichzeitig versuchten die Juden, die illegale Einwanderung zu verstärken. Der Großmufti von Jerusalem Hadsch Mohammed Amin al-Husseini pflegte enge Kontakte zum Deutschen Reich und hoffte auf einen Sieg Deutschlands.
Teilung und Staatsgründung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stellte sich die Frage nach dem zukünftigen Status Palästinas und der jüdischen Einwanderung erneut. Die Briten wollten das Mandat an die USA oder den Völkerbund zurückgeben. Das Anglo-American Committee of Inquiry schlug vor, 100.000 Juden die Einreise zu ermöglichen und das Mandat fortzusetzen. Die Briten machten die Entwaffnung der jüdischen Milizen zur Voraussetzung, was abgelehnt wurde. Die Folge war ein bewaffneter Aufstand der drei größten Gruppen Hagana, Irgun und Lechi gegen britische Ziele. 1945/46 gab es zahlreiche Terroranschläge auf britische Einrichtungen. Bei einem Anschlag der Irgun auf den Südflügel des King David Hotel in Jerusalem kamen 91 Menschen ums Leben.
Das UNSCOP (United Nations Special Committee on Palestine) sprach sich in überwältigender Mehrheit für eine Teilung des Landes aus. Am 29. November 1947 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit Zweidrittelmehrheit (Resolution 181) die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Jerusalem sollte unter internationale Verwaltung kommen (corpus separatum) und die beiden Staaten sollten in einer Wirtschaftsunion zusammengefasst werden. Mit dem Ziel, einen unabhängigen jüdischen Staat zu gründen und Überlebenden der Shoa eine Heimat zu schaffen, akzeptierte die jüdische Bevölkerung den Plan. Die Araber lehnten den Plan dagegen ab. Es kam wieder zu Kämpfen zwischen zionistischen Juden und Arabern.
Der Israelische Unabhängigkeitskrieg (Palästinakrieg) begann mit dem Angriff der arabischen Staaten auf den neu gegründeten Staat Israel. Bis zum Ende des Krieges verloren bis zu 750.000 palästinensische Araber ihre Heimat, was von ihnen heute als Nakba bezeichnet wird – dies entsprach zu diesem Zeitpunkt einem Drittel des gesamten Volkes. Infolge des Massakers von Deir Yassin und aus weiteren Gründen waren bis zum eigentlichen Beginn des Palästinakriegs am 14. Mai 1948 – also binnen 35 Tagen – bereits zwischen 250.000 und 300.000 arabische Palästinenser geflohen oder wurden vertrieben. Benny Morris wies nach, dass es sich zum Teil um direkte, fast immer aber um indirekte Vertreibung gehandelt habe. Die verlassenen Städte und fast 400 Dörfer wurden von jüdischen Einwanderern besiedelt. Dörfer, welche die Zionisten nicht benötigten, wurden zerstört, um eine Rückkehr der Araber unmöglich zu machen. Ein Recht auf Rückkehr wurde vielen arabischen Palästinensern verweigert.
Am Nachmittag des 14. Mai 1948 erfolgte in Tel Aviv der Staatsgründungsakt Israels. Der umgehende Angriff mehrerer arabischer Staaten auf Israel führte zum Palästinakrieg, in dem Israel sein Territorium über die Grenzen des UNO-Teilungsplans hinaus ausdehnte. Jordanien besetzte das Westjordanland, Ägypten nahm den Gazastreifen ein. Mit der formellen Annexion des Westjordanlandes durch das Königreich Jordanien im Jahre 1950 wurde die Aufteilung Palästinas besiegelt.
Der Kampf um den Staat Palästina und Jerusalem
Schon 1952 gründete Taqī ad-Dīn an-Nabhānī in Ostjerusalem die Islamische Befreiungspartei Hizb ut-Tahrir. 1964 wurde die PLO gegründet mit dem Ziel, den Traum der Palästinenser von einem eigenen Staat Palästina zu verwirklichen und den Staat Israel zu zerstören. Treibende Kraft wurde die Fatah unter der Führung von Jassir Arafat. Dies sollte durch den Einsatz von Fedajin aus der palästinensischen Diaspora erfolgen. Im Sechstagekrieg hatte Israel 1967 das zu Jordanien gehörende Westjordanland und den zu Ägypten gehörenden Teil Palästinas erobert und besetzt. Nach israelischer Lesart war das Westjordanland „jordanisch besetztes Gebiet“. Bis 1967 gehörte die Westbank nach allgemeiner Sichtweise zur international anerkannten Grenze Jordaniens (Westjordanien genannt). Die UNO-Resolution 242 von 1967 ließ keinen Zweifel daran, dass die Staatengemeinschaft damals von Israel den Rückzug aus diesen von ihm besetzten Gebieten forderte.
Von nun an war es das Ziel der PLO, die 1967 verloren gegangenen Gebiete zurückzuerhalten und in diesen einen unabhängigen Staat „Palästina“ zu gründen. In mehreren Erklärungen ab 1988 hat die PLO ihr ursprüngliches Ziel, die Zerstörung des Staates Israel und die Errichtung eines Staates „Palästina“ auf dem gesamten Territorium des historischen Palästina, aufgegeben. Die Palästinensische Nationalcharta betrachtet jedoch noch immer Palästina in den Grenzen der britischen Mandatszeit als untrennbare Einheit. Der Verwirklichung eines lebensfähigen Staates im Westjordanland und Gaza steht nach Ansicht der Palästinenser die Siedlungspolitik entgegen.
Im Jahre 1974 wurde die PLO von der UNO als einzig legitime Vertreterin des palästinensischen Volkes anerkannt. Im Oslo-Abkommen von 1994 wurde den Palästinensern ein Autonomiestatus gewährt. Die international ausgearbeitete Roadmap for Peace sieht als wichtigstes Ziel die Errichtung Palästinas im Westjordanland sowie im Gazastreifen vor.
Jerusalems besonderer Status
In Jerusalem begegnen sich viele Kulturen. Die Altstadt ist in das jüdische, christliche, armenische und muslimische Viertel gegliedert. Die Mauern umschließen bedeutende Orte der drei monotheistischen Religionen: die Klagemauer, die Grabeskirche und die Al-Aksa-Moschee mit dem Felsendom. Der UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 sah vor, Jerusalem unter internationale Verwaltung zu stellen (corpus separatum). Dieser Plan wurde jedoch nie umgesetzt. Im Israelischen Unabhängigkeitskrieg verlor Israel das jüdische Viertel der Altstadt und den Osten Jerusalems an die Arabische Legion Transjordaniens. Die Stadt blieb bis 1967 geteilt. Das jüdische Viertel in der Altstadt wurde zerstört und der Zugang zur Klagemauer war den Juden versperrt.
Am 4. Januar 1950 erklärte Israel die Stadt zu seiner Hauptstadt. Der endgültige Status von Jerusalem ist im Rahmen von Endstatusverhandlungen festzulegen. Infolgedessen wird Jerusalem bis heute nicht einheitlich und international als alleinige Hauptstadt Israels anerkannt. König Abdallah ibn Husain I. von Jordanien annektierte daraufhin das von seinen Truppen eroberte Westjordanland und Ostjerusalem. Seit 1952 akzeptierte die internationale Staatengemeinschaft de facto die Anwendung israelischen Rechts in Westjerusalem.

Im Sechstagekrieg 1967 eroberte Israel Ostjerusalem. Die israelische Armee verzichtete zur Schonung von Moscheen und Kirchen auf den Einsatz schwerer Waffen. Erstmals seit der Staatsgründung konnten Juden fortan an der Klagemauer beten. Israel verweigerte Muslimen nicht den Zugang zu ihren heiligen Stätten, sondern unterstellte den Tempelberg einer autonomen muslimischen Verwaltung (Waqf). Nach dem Krieg erlaubte das Law-and-Administration-Ordinance-Gesetz der Regierung, israelisches Gesetz auf alle Gebiete des ehemaligen Mandatsgebiets auszuweiten. Die Stadtgrenzen Jerusalems wurden auf den Osten der Stadt ausgedehnt. Die arabischen Stadtbürger wurden nicht automatisch Israelis, konnten aber die Staatsbürgerschaft erwerben. Israel erklärte, Ostjerusalem nicht annektiert, sondern nur verwaltungstechnisch integriert zu haben, was von UN-Einrichtungen kritisiert wurde. Die Position Israels ist, dass weder Jordanien noch ein anderer Staat jemals Souveränität über die Stadt erhalten habe und Israel 1967 in Selbstverteidigung gehandelt habe.
Im Camp-David-Abkommen von 1978 wurde Jerusalem ausgeklammert. Menachem Begin erklärte, Jerusalem sei die unteilbare Hauptstadt Israels. Sadat erklärte, das „arabische Jerusalem ein integraler Teil des Westjordanlands“ sei und „unter arabischer Souveränität stehen“ solle. Das Jerusalemgesetz vom 30. Juli 1980 erklärte die Stadt zur untrennbaren Hauptstadt Israels. Darin sieht die palästinensische Seite ein Haupthindernis auf dem Weg zum Frieden. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erklärte das Jerusalemgesetz für nichtig (UN-Resolution 478 vom 20. August 1980) und forderte Staaten auf, ihre Botschaften aus Jerusalem abzuziehen, was von 13 Staaten befolgt wurde. 1988 gab Jordanien seinen Anspruch auf Souveränität über das Westjordanland und damit auch auf Ostjerusalem auf. Im selben Jahr rief die PLO den Staat Palästina aus und erklärte Jerusalem zu seiner Hauptstadt, was zu diesem Zeitpunkt reine Fiktion war.
In der Prinzipienerklärung über die vorübergehende Selbstverwaltung (Oslo I, 1993) wurde eine palästinensische Selbstverwaltung für keinen Teil Jerusalems bestimmt. Der Endstatus der Stadt soll in einem endgültigen Vertrag bestimmt werden. Die Declaration of Principles erlaubt es palästinensischen Bürgern Jerusalems, an den Wahlen zur Palästinensischen Autonomiebehörde teilzunehmen. Die Position der israelischen Regierung, Jerusalem sei als Ganzes rechtmäßiger Teil Israels und dessen Hauptstadt, wird international nur von sehr wenigen Staaten geteilt. Russland (2017, West-J), Tschechische Republik (2017), die USA (2017), Guatemala (2018, dann zurück), Paraguay (2018, dann zurück), Australien (2018, West-J), Kosovo (2021) und Honduras (2021) haben Jerusalem als Hauptstadt anerkannt oder ihre Botschaften dorthin verlegt. Die diplomatischen Vertretungen der meisten Staaten sind weiterhin in Tel-Aviv. Auf einem Sondergipfel islamischer Länder 2017 wurde Ostjerusalem als Hauptstadt Palästinas anerkannt.
Fragen und Antworten zur Geschichte
Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Geschichte der Region, basierend auf den vorliegenden Informationen:
Wann kamen Palästinenser nach Israel?
Die Bezeichnung „Palästinenser“ als Bezeichnung für die heutige arabische Bevölkerung von Ost-Jerusalem, Gazastreifen und Westjordanland kam erst Mitte der 1960er Jahre in Gebrauch. Zuvor wurde das Adjektiv palästinisch eher für das antike Palästina verwendet. Die arabische Bevölkerung ist jedoch seit der islamischen Eroberung ab 638 n. Chr. und der darauffolgenden Islamisierung und Arabisierung in der Region präsent. Die heutige Identität als „Palästinenser“ entstand im Kontext des modernen Konflikts und der Hoffnung auf eine eigene Nation.
Wann wurden die Palästinenser aus Israel vertrieben?
Die größte Vertreibung und Flucht der palästinensischen Bevölkerung, die als Nakba („Katastrophe“) bezeichnet wird, ereignete sich zwischen 1947 und 1949 im Zuge der Staatsgründung Israels und des darauffolgenden Krieges. Laut Bundeszentrale für politische Bildung haben in dieser Zeit rund 750.000 Palästinenser das Gebiet verlassen oder wurden vertrieben. Allein zwischen dem Massaker von Deir Yassin (9. April 1948) und dem 14. Mai 1948 flohen oder wurden zwischen 250.000 und 300.000 Palästinenser vertrieben. Viele leben seitdem als Staatenlose mit Flüchtlingsstatus.
Hat Jerusalem früher Palästina gehört?
Die Frage ist komplex aufgrund der sich wandelnden Bedeutungen der Begriffe. Jerusalem existierte lange vor der Verwendung des Namens „Palästina“ als geographische Bezeichnung für die Region. Historisch stand Jerusalem unter der Herrschaft vieler verschiedener Reiche und Völker, darunter Kanaaniter, Israeliten, Babylonier, Perser, Hellenisten, Römer, Byzantiner, Muslime (Umayyaden, Abbasiden, Fatimiden, Seldschuken, Mamluken), Kreuzfahrer und Osmanen. Während der römischen Herrschaft wurde die Provinz Judäa in Syria Palaestina umbenannt, was Jerusalem geografisch in diesem Gebiet verortete. Im 20. Jahrhundert wurde die Bezeichnung „Palästina“ für das britische Mandatsgebiet verwendet, das auch Jerusalem umfasste. Der UN-Teilungsplan von 1947 sah jedoch vor, Jerusalem als separates, international verwaltetes Gebiet zu behandeln, nicht als Teil des vorgesehenen arabischen oder jüdischen Staates. Nach dem Krieg von 1948 wurde Jerusalem geteilt, wobei Ostjerusalem unter jordanische Kontrolle fiel und 1950 von Jordanien annektiert wurde (was international kaum anerkannt wurde), während Westjerusalem unter israelische Kontrolle kam.
Wann kamen die Araber nach Jerusalem?
Araber kamen im Zuge der islamischen Expansion nach Jerusalem. Die Stadt wurde im April 637 n. Chr. von der muslimischen Armee des Kalifen Umar erobert und kapitulierte. Seit dieser Zeit gab es eine muslimische Präsenz in der Stadt, die sich in den folgenden Jahrhunderten durch Islamisierung und Arabisierung verstärkte.
Jüngere Entwicklungen und Konflikte
Der israelisch-palästinensische Konflikt prägt die jüngere Geschichte. In Jerusalem kam es immer wieder zu gewalttätigen Zwischenfällen. Der Text listet eine Reihe von Terroranschlägen in Jerusalem auf, darunter Anschläge auf eine Pizzeria (2001), in der Ben-Jehuda-Straße (2001), ein Selbstmordattentat einer Frau (2002), ein Anschlag in Beit Israel (2002), ein Anschlag in Rehavia (2002), ein Anschlag in der Innenstadt (2002), ein weiterer Selbstmordattentat einer Frau (2002), ein Angriff mit einem PKW (2014), ein Schuss auf Jehuda Glick (2014), ein Angriff auf eine Synagoge in Har Nof (2014), Angriffe in der Innenstadt (2015), ein Angriff an einem Bahnhof (2016), ein LKW-Anschlag (2017), die Tötung einer Grenzpolizistin (2017) und ein Angriff vor einer Synagoge in Neve Yaakov (2023).
Diese historische Reise zeigt, dass die Region Palästina/Israel seit Jahrtausenden ein Ort des Wandels, der Migration und des Konflikts war, geprägt von den Ansprüchen und dem Zusammenleben verschiedenster Völker und Kulturen.
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