Wo hatte Aids seinen Ursprung?

Ursprung & Verbreitung von HIV/AIDS

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Die Geschichte von HIV und AIDS ist komplex und reicht weiter zurück, als viele annehmen. Während die Krankheit in den frühen 1980er-Jahren die öffentliche Aufmerksamkeit erregte, deuten wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, dass das humane Immundefizienz-Virus (HIV) bereits deutlich älter ist.

Wie verbreitet ist AIDS in Ägypten?
Laut Statistiken von UNAIDS aus dem Jahr 2016 leben in Ägypten derzeit etwa 11.000 Menschen mit HIV . Das Ministerium für Gesundheit und Bevölkerung berichtete im Jahr 2020, dass bis zu 13.000 Ägypter mit HIV/AIDS leben.

Der Ursprung des HI-Virus

Genetische Analysen haben zweifelsfrei gezeigt, dass das HI-Virus seinen Ursprung in einem Virus hat, das bei Affen und Menschenaffen vorkommt: dem Simianen Immundefizienz-Virus, kurz SIV. Dieses Virus ist in verschiedenen Affenarten endemisch. Die Übertragung von SIV auf den Menschen, ein sogenannter Spillover, ereignete sich wahrscheinlich Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts in Afrika.

Forscher gehen davon aus, dass die Übertragung durch den Kontakt mit Blut infizierter Tiere stattfand, möglicherweise im Rahmen der Jagd. Ein Jäger könnte sich über eine Schnittwunde infiziert haben. Diese Hypothese wird als die Cut-Hunter-Hypothese bezeichnet und gilt als sehr wahrscheinlich. Nach dem Übergang auf den Menschen mutierte SIV zum humanen Immundefizienz-Virus, dem HIV.

Der Vorgänger des für 90 Prozent aller weltweiten Infektionen verantwortlichen Erregers, HIV-1 Gruppe M, konnte auf eine Schimpansenpopulation in Kamerun zurückverfolgt werden. Genanalysen legen nahe, dass dieser spezifische Spillover um das Jahr 1910 (+/- 20 Jahre) stattfand. Das Schimpansen-Virus selbst scheint eine Mischung aus Viren von Rotkopfmangaben und Meerkatzen zu sein, die von Schimpansen gejagt werden.

Frühe Verbreitung und die Reise um die Welt

Vom Südosten Kameruns aus begann das Virus, sich langsam auszubreiten. Es folgte wahrscheinlich Flussläufen wie dem Sangha und dem Kongo Richtung Süden und erreichte schließlich Léopoldville, das heutige Kinshasa, die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Die ältesten nachgewiesenen HIV-Infektionen stammen aus dieser Region aus den Jahren 1959 und 1960 (Proben ZR59 und DRC60). Genetische Analysen dieser Proben legen nahe, dass das Virus bereits seit den 1920er-Jahren in Léopoldville zirkulierte.

Zwischen 1920 und 1960 erlebte Léopoldville ein explosives Bevölkerungswachstum, was die Etablierung und Verbreitung des Virus begünstigte. Neben ungeschützten sexuellen Kontakten trugen damals wie heute auch die mehrfache Verwendung von Spritzen und Nadeln ohne ausreichende Sterilisation zur Verbreitung bei, möglicherweise verstärkt durch Impfprogramme aus Kostengründen.

Außerhalb Afrikas etablierte sich das Virus vermutlich erst in den 1960er-Jahren. Es gelangte zunächst nach Haiti und von dort aus, nicht zuletzt durch haitianische Arbeitskräfte im Ausland, in die westliche Welt und schließlich in die ganze Welt. Frühe dokumentierte Fälle mit Todesfolge sind bekannt, darunter ein Teenager aus Missouri, ein norwegischer Seemann und eine Ärztin, die in Zaire arbeitete. Proben aus ihren Obduktionen halfen später, die Infektion mit HIV nachzuweisen.

AIDS wird bekannt: GRID und das Stigma

Ein weiterer bekannter Fall aus den 1970er-Jahren ist der kanadische Flugbegleiter Gaëtan Dugas, der fälschlicherweise oft als „Patient Zero“ bezeichnet wurde. Seine Geschichte verdeutlicht, wie das Virus in bestimmten Gemeinschaften schnell zirkulieren konnte. Die schnelle Ausbreitung in der Schwulen-Szene der USA führte Ende der 1970er und Anfang der 1980er-Jahre zur Entdeckung der Krankheit. Zunächst wurde sie als „gay-related immune deficiency“ (homosexualitäts-bedingte Immunschwäche) oder kurz GRID bezeichnet. Später erkannte man, dass das Virus nicht auf homosexuelle Männer beschränkt war, und die Bezeichnung wurde in „Acquired Immune Deficiency Syndrome“ (Erworbenes Immunschwäche-Syndrom), kurz AIDS, geändert.

HIV/AIDS in Ägypten

Ägypten meldete seinen ersten HIV/AIDS-Fall im Jahr 1986, etwa zur gleichen Zeit wie andere Länder der MENA-Region (Mittlerer Osten und Nordafrika). Ein Jahr später wurde das National Aids Program (NAP) gegründet. Bis März 1993 gab es 359 bekannte Infektionen. Anfangs stammten viele Fälle aus infizierten Blutprodukten (1990 waren 4 von über 135.000 getesteten Blutbeuteln positiv) oder Dialysebehandlungen (60 Patienten 1993, 20 Fälle durch Transfusionen 1997). Fünf Ausbrüche im Zusammenhang mit Nierendialyse wurden auf unsterile Geräte zurückgeführt. Obwohl 2003 ein Programm zur Infektionskontrolle gestartet wurde, bleiben die Herausforderungen aufgrund mangelnder Schulung, Ausrüstung und eines fragilen Gesundheitssystems bestehen.

Die Prävalenz von HIV in Ägypten wird mit weniger als 0,1 % als gering eingeschätzt. Dennoch verzeichnet die MENA-Region eine der am schnellsten wachsenden Epidemien weltweit, auch wenn nur etwa zwei Prozent der globalen HIV-Fälle auf diese Region entfallen. Lange Zeit gab es in Ägypten und der Region eine allgemeine Unbesorgtheit und Verleugnung der Krankheit, nicht zuletzt aufgrund des starken Stigmas und der Annahme, dass HIV nur marginalisierte Gruppen betrifft.

Übertragungswege und Prävention in Ägypten

In Ägypten tritt HIV am häufigsten in Hochrisikogruppen auf, darunter Straßenkinder, weibliche Sexarbeiterinnen, Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), und intravenöse Drogenkonsumenten (IDUs). Während weltweit nur etwa 5 Prozent der HIV-Infektionen auf Bluttransfusionen/Produkte zurückzuführen sind, sind es in Ägypten etwa 24 Prozent der bekannten Fälle. Beim intravenösen Drogenkonsum teilen oder verwenden etwa die Hälfte der Konsumenten Spritzen wieder. Studien zu sexuellen Kontakten zeigten, dass ein signifikanter Anteil der sexuell aktiven Bevölkerung multiple Partner hat und Kondome selten verwendet.

Konservative religiöse Überzeugungen (sowohl bei der muslimischen Mehrheit als auch bei der koptischen Minderheit) in Ägypten, die Promiskuität, Homosexualität und vorehelichen Sex missbilligen, sowie die weit verbreitete männliche Beschneidung, tragen zu niedrigeren Übertragungsraten bei. Allerdings führt ein übermäßiges Vertrauen in diesen Schutzmechanismus zu Stigma und Verleugnung, was wiederum den Zugang zu Tests und Behandlungen erschwert und den Nettoeffekt auf die Prävention begrenzt.

Gesellschaftliches Stigma und Bildung

Das starke gesellschaftliche Stigma bleibt eine große Herausforderung in Ägypten. Es gibt eine allgemeine Zurückhaltung von Regierung und Zivilgesellschaft, Themen im Zusammenhang mit marginalisierten Gruppen zu diskutieren. Gesetze, die Prostitution, intravenösen Drogenkonsum und homosexuelles Verhalten (als „unangemessenes soziales Verhalten“ oder „Beleidigung der Religion“) kriminalisieren, tragen zum Stigma bei. Die Annahme, dass HIV eine „westliche Krankheit“ ist, die durch Ausländer oder Bürger, die im Ausland gelebt haben, ins Land gebracht wurde, verschärft das Problem.

Wie hoch ist die Aids-Rate in Ägypten?
Die Prävalenz von HIV im Land ist mit weniger als 0,1 % gering.

Das Stigma führt dazu, dass viele Menschen Angst haben, sich testen zu lassen. Vor 2004 basierten die meisten erfassten Fälle auf obligatorischen Tests (z. B. für Blutspender, Langzeitaufenthalter, Bürger, die im Ausland arbeiten wollen). Freiwillige Tests waren zwar verfügbar, aber die Meldepflicht für positive Ergebnisse schreckte ab. Schätzungen zufolge kennen nur etwa 57 Prozent der Infizierten ihren Status.

Es mangelt an effektiven Aufklärungsprogrammen zu STI/HIV/AIDS. Eine Studie aus dem Jahr 2016 an der Tanta University zeigte hohe Raten von Diskriminierung und Stigma gegenüber Menschen mit HIV unter Gesundheitsfachkräften. 40 Prozent der Befragten äußerten Bedenken bei der Versorgung von HIV-Patienten, und ein signifikanter Anteil glaubte, dass „unverantwortliches Verhalten“ zu den Infektionen führte. Eine Zusammenarbeit zwischen UNAIDS, dem ägyptischen Gesundheitsministerium und Universitäten soll helfen, medizinisches Personal besser zu schulen und gegen Stigma und Missverständnisse anzugehen. Auch bei der ägyptischen Jugend gibt es Wissenslücken, was angesichts des frühen Durchschnittsalters für den Beginn sexueller Aktivität und zunehmender vorehelicher Sexualität ein Risiko für eine weitere Ausbreitung darstellt.

Testung und Behandlung

Um die Testbereitschaft zu erhöhen, wurde 2005 mit Unterstützung von Family Health International (finanziert von USAID) ein System für Freiwillige Vertrauliche Beratung und Testung (VCCT) eingeführt, das anonyme Tests ermöglicht. Auch TB-Patienten werden häufig auf HIV getestet. Weniger als 1 Prozent der erwachsenen TB-Patienten sind HIV-positiv, aber die Überwachung ist wichtig, um die Komplexität der Bekämpfung beider Krankheiten nicht zu erhöhen.

Die Verfügbarkeit der Antiretroviralen Therapie (ART), die die Viruslast unter der Nachweisgrenze halten kann und HIV von einem Todesurteil zu einer chronisch behandelbaren Krankheit gemacht hat, hat sich verbessert. Ende 2006 erhielten 22 Prozent der Infizierten ART, 2014 waren es 1.323 Menschen, und 2016 stieg die Zahl auf 3.100 Personen, was etwa 27 Prozent der geschätzten infizierten Bevölkerung entspricht.

Eine qualitative Studie aus dem Jahr 2010 identifizierte wichtige Hindernisse für die Therapietreue in Ägypten: Angst vor Stigma, finanzielle Einschränkungen, Eigenschaften der ART, soziale Unterstützung und Vertrauen auf den Glauben.

Forschung und Ausblick

Trotz der Erfolge der ART bleibt die Suche nach einem Heilmittel oder einem wirksamen Impfstoff eine globale Priorität. Die schnelle Mutationsrate des Virus erschwert die Impfstoffentwicklung erheblich. Obwohl in seltenen Fällen (z. B. der „Düsseldorf-Patient“) Heilungen durch hochriskante Stammzellentherapien bei Patienten mit gleichzeitiger Leukämie erzielt wurden, sind diese Verfahren nicht für die allgemeine HIV-positive Bevölkerung geeignet. Die Forschung konzentriert sich weiterhin auf verschiedene Ansätze, darunter weitere Therapien, Knochenmarktransplantationen und Gen-Editierung. Dieser Wettlauf gegen die Zeit ist notwendig, um die Entwicklung von Resistenzen gegen bestehende Therapien zu verhindern.

Häufig gestellte Fragen zu HIV/AIDS

Woher stammt das HI-Virus?

Das HI-Virus stammt ursprünglich von Affen und Menschenaffen (SIV) und ging durch Übertragung auf den Menschen, wahrscheinlich Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts in Afrika, hervor. Dies geschah vermutlich durch Kontakt mit infiziertem Blut, zum Beispiel bei der Jagd (Cut-Hunter-Hypothese).

Wann wurde AIDS entdeckt?

Die Krankheit AIDS erregte Anfang der 1980er-Jahre öffentliche Aufmerksamkeit, als Fälle von einer ungewöhnlichen Immunschwäche bei jungen Männern auftraten. Das Virus selbst zirkulierte jedoch wahrscheinlich schon seit den 1920er-Jahren in Afrika und gelangte in den 1960er-Jahren nach Haiti und später in die westliche Welt.

Wie wird HIV übertragen?

HIV wird hauptsächlich durch ungeschützten sexuellen Kontakt, durch Kontakt mit infiziertem Blut (z. B. bei intravenösem Drogenkonsum durch das Teilen von Spritzen oder durch Bluttransfusionen, obwohl dies heute selten ist) und von einer infizierten Mutter auf ihr Kind während der Schwangerschaft, Geburt oder beim Stillen übertragen.

Kann HIV geheilt werden?

Derzeit gibt es keine weit verbreitete Heilung für HIV. Moderne antiretrovirale Therapien (ART) können das Virus jedoch sehr effektiv kontrollieren, die Viruslast auf ein nicht nachweisbares Niveau senken und es den Betroffenen ermöglichen, ein langes und gesundes Leben zu führen. In sehr seltenen Fällen und unter spezifischen, hochriskanten Umständen (z. B. Stammzelltransplantation bei gleichzeitiger Leukämie) konnte eine Heilung erreicht werden.

Wie verbreitet ist HIV in Ägypten?

Die Prävalenz von HIV in Ägypten ist mit weniger als 0,1 % der Bevölkerung gering. Die MENA-Region, zu der Ägypten gehört, verzeichnet jedoch eine der am schnellsten wachsenden HIV-Epidemien, auch wenn die absoluten Fallzahlen im globalen Vergleich niedrig sind. Die Verbreitung wird durch Faktoren wie Stigma, Kriminalisierung bestimmter Gruppen und Wissenslücken beeinflusst.

Die Bekämpfung von HIV/AIDS bleibt eine globale Aufgabe, die sowohl wissenschaftliche Fortschritte bei Therapie und Prävention als auch die Überwindung gesellschaftlicher Barrieren wie Stigma und Diskriminierung erfordert.

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Andenmatten Soltermann

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