Der 1. September 1939 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des 20. Jahrhunderts. An diesem Tag überfiel die deutsche Wehrmacht Polen, was den Beginn des Zweiten Weltkriegs bedeutete. Dieses Ereignis war nicht nur der Auslöser für den globalen Konflikt, der Millionen von Menschenleben fordern sollte, sondern auch der erste praktische Test für eine neue, revolutionäre Form der Kriegsführung – den sogenannten Blitzkrieg. Die Ambitionen Adolf Hitlers und die Ideologie des Nationalsozialismus spielten dabei eine zentrale Rolle, insbesondere das Streben nach „Lebensraum im Osten“, das von Anfang an als Hauptziel des Krieges formuliert wurde.

Der Überfall auf Polen und seine Folgen
Mit dem Angriff auf Polen setzte Deutschland einen lange geplanten Schritt um. Die Wehrmacht, zu diesem Zeitpunkt eine der modernsten und am besten ausgerüsteten Armeen der Welt, traf auf polnische Truppen, die trotz ihres Mutes und ihrer Entschlossenheit der deutschen Übermacht militärisch nicht gewachsen waren. Innerhalb von nur fünf Wochen gelang es den deutschen Streitkräften, den Großteil Polens zu besetzen. Diese Phase des Krieges demonstrierte eindrucksvoll die Effizienz des Blitzkriegs: eine schnelle Kombination aus Luftunterstützung, Panzerverbänden und motorisierter Infanterie, die darauf abzielte, die feindliche Verteidigung schnell zu durchbrechen und den Gegner handlungsunfähig zu machen.

Obwohl Frankreich und Großbritannien, als Verbündete Polens, dem Deutschen Reich umgehend den Krieg erklärten, erfolgte zunächst keine größere militärische Intervention an der Westfront. Diese Phase, oft als „Sitzkrieg“ oder „Phoney War“ bezeichnet, gab Deutschland die Möglichkeit, die Eroberung Polens abzuschließen.
Ein entscheidender und zynischer Aspekt des Überfalls war die geheime Vereinbarung zwischen Deutschland und der Sowjetunion, die im sogenannten „Hitler-Stalin-Pakt“ vom August 1939 getroffen worden war. Dieser Nichtangriffspakt enthielt ein geheimes Zusatzprotokoll, das die Interessensphären beider Mächte in Osteuropa abgrenzte. Gemäß dieser Vereinbarung fiel am 17. September 1939 auch die Rote Armee von Osten her in Polen ein. Damit war das Schicksal Polens besiegelt – das Land wurde zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt.
Kriegsführung und Besatzung unter NS-Rassenideologie
Die deutsche Besatzungspolitik in Polen unterschied sich grundlegend von früheren militärischen Kampagnen und stand ganz im Zeichen der nationalsozialistischen Rassenideologie. Die dort lebende Bevölkerung wurde mit äußerster Brutalität behandelt. Willkür, Unterdrückung und Terror gehörten nun zum Alltag. Die NS-Führung sah die slawische Bevölkerung als minderwertig an und plante die Ausbeutung und letztlich die Dezimierung der polnischen Gesellschaft, um „Lebensraum“ für Deutsche zu schaffen.
Besonders grausam richtete sich der Terror gegen die jüdische Bevölkerung Polens, die zu diesem Zeitpunkt die größte jüdische Gemeinschaft Europas bildete. Juden wurden systematisch diskriminiert, verfolgt und in überfüllte Ghettos zusammengepfercht. Dies war der Auftakt zum Holocaust, der später zur systematischen Vernichtung der europäischen Juden führen sollte.
Die Ausweitung des Krieges: Von Polen nach Westeuropa
Der Überfall auf Polen war nur der erste Schritt. Adolf Hitler hatte gehofft, größere Konflikte, insbesondere mit den Westmächten, zunächst vermeiden zu können, um seine Ziele im Osten zu erreichen. Strategische Überlegungen führten jedoch bald zur Ausweitung der Kämpfe. Im Frühjahr 1940 besetzte Deutschland Dänemark und Norwegen, um die Nachschubwege für Eisenerz aus Schweden zu sichern und Basen für Operationen gegen Großbritannien zu gewinnen.
Am 10. Mai 1940 begann die deutsche Westoffensive. Mit der gleichen Blitzkrieg-Taktik, die sich in Polen bewährt hatte, griff die Wehrmacht die neutralen Benelux-Staaten (Niederlande, Belgien, Luxemburg) an und stieß von dort schnell nach Frankreich vor. Was im Ersten Weltkrieg vier Jahre lang ein blutiger Stellungskrieg gewesen war, gelang der Wehrmacht nun in rund sechs Wochen: Frankreich wurde überrannt. Am 14. Juni 1940 marschierten deutsche Truppen nahezu kampflos in Paris ein. Nur eine Woche später kapitulierte Frankreich. Dieser unerwartet schnelle und vollständige Sieg über den „Erbfeind“ Frankreich wurde Adolf Hitler persönlich zugeschrieben und katapultierte ihn im Sommer 1940 auf den Höhepunkt seiner Popularität in Deutschland. Er wurde von der Propaganda als „Größter Feldherr aller Zeiten“ gefeiert.
Die Luftschlacht um England: Eine unerwartete Herausforderung
Nach dem Fall Frankreichs richtete sich die Aufmerksamkeit der deutschen Führung auf Großbritannien. Hitler beabsichtigte eine Invasion der britischen Inseln (Operation Seelöwe), doch dafür musste die Lufthoheit über dem Ärmelkanal errungen werden. Es begann die sogenannte Luftschlacht um England.
Hier stieß die Wehrmacht zum ersten Mal auf einen Widerstand, der in seiner Entschlossenheit und Effizienz völlig unerwartet war. Die britische Royal Air Force (RAF) verteidigte ihren Luftraum erbittert. Trotz massiver deutscher Luftoffensiven, die britische Städte wie London schwer trafen und Zehntausende Opfer forderten, wartete die deutsche Führung vergeblich auf die Kapitulation der Briten. Premierminister Winston Churchill hatte das britische Volk auf einen unnachgiebigen Durchhaltewillen eingeschworen, der mit „Blut, harter Arbeit, Tränen und Schweiß“ verbunden sei.
Die hohen Verluste für die deutsche Luftwaffe und das Scheitern, die Lufthoheit zu erringen, zwangen die deutsche Führung im Frühjahr 1941 dazu, die Pläne zur Invasion Großbritanniens aufzugeben. Dies war die erste größere militärische Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg und ein entscheidender Wendepunkt, da Großbritannien eine unbesiegte Basis für die späteren alliierten Operationen blieb.
Expansion auf dem Balkan und in Nordafrika
Während die Luftschlacht um England tobte, weitete sich der Krieg auch auf andere Regionen aus. Deutschland leistete seinem Bündnispartner Italien, der in Nordafrika und auf dem Balkan von britischen Truppen bedrängt wurde, militärische Unterstützung. Diese Interventionen, wie der Feldzug in Nordafrika unter Erwin Rommel oder die Invasion Jugoslawiens und Griechenlands im Frühjahr 1941, dienten auch dazu, die strategische Ausgangslage vor dem geplanten und lange vorbereiteten Krieg gegen die Sowjetunion zu sichern und die südliche Flanke zu schützen.
Das ultimative Kriegsziel: „Lebensraum im Osten“
Wie bereits erwähnt, war das eigentliche, langfristige Ziel Adolf Hitlers von Anfang an die Eroberung von „Lebensraum im Osten“. Damit war vor allem das riesige Territorium der Sowjetunion gemeint. Der Krieg gegen die Sowjetunion sollte nicht nur die Ideologie des Kommunismus vernichten, sondern auch riesige landwirtschaftliche Flächen und Rohstoffe für Deutschland erschließen. Die slawische Bevölkerung sollte vertrieben, dezimiert oder versklavt werden, um Platz für deutsche Siedler zu machen. Der Überfall auf Polen war der erste Schritt auf diesem Weg, der geplante Krieg gegen die Sowjetunion (Operation Barbarossa) war der nächste und aus Hitlers Sicht entscheidende.

Die Brutalität und Rücksichtslosigkeit, die sich bereits in der Besatzungspolitik in Polen zeigten, waren direkte Ausläufer dieser Rassenideologie und des Ziels, einen neuen, auf rassischer Hierarchie basierenden „deutschen“ Osten zu schaffen. Dieser ideologisch motivierte Vernichtungskrieg unterschied sich fundamental von früheren Kriegen und führte zu beispiellosen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Vergleich der frühen Feldzüge
Die frühen Phasen des Zweiten Weltkriegs, insbesondere die Kampagnen in Polen und Westeuropa, demonstrierten eindrucksvoll die Stärke und Neuheit der deutschen Blitzkrieg-Taktik. Die Geschwindigkeit, mit der große Gebiete erobert und scheinbar mächtige Gegner besiegt wurden, war für die damalige Zeit revolutionär. Die polnische Armee wurde in wenigen Wochen besiegt, Frankreich kapitulierte nach nur sechs Wochen. Diese Erfolge beruhten auf der Koordination von Luftwaffe, Panzern und Infanterie sowie auf der Überraschung und dem Schockeffekt, den diese Art der Kriegsführung beim Gegner auslöste.
Die Luftschlacht um Großbritannien zeigte jedoch die Grenzen dieser Taktik, wenn sie auf einen entschlossenen Gegner traf, der nicht durch schnelle Landoperationen besiegt werden konnte und über eine starke Luftwaffe sowie eine inselbedingte Verteidigungsfähigkeit verfügte. Hier konnte der Blitzkrieg, der auf schnelle Durchbrüche und Umfassungen abzielte, nicht angewendet werden, und die militärische Konfrontation entwickelte sich zu einem Abnutzungskampf in der Luft, den Deutschland nicht gewinnen konnte.
Zusammenfassung und Ausblick
Der Zweite Weltkrieg begann mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939, ausgelöst durch Hitlers aggressive Expansionspolitik und das Streben nach „Lebensraum im Osten“ unter der Prämisse der NS-Rassenideologie. Die frühen Erfolge des Blitzkriegs in Polen und Westeuropa schienen Hitlers Visionen zu bestätigen und führten zu einer schnellen Ausweitung des Konflikts. Doch der Widerstand Großbritanniens und die Notwendigkeit, den Krieg auf andere Schauplätze auszudehnen, zeigten, dass der Weg zum endgültigen Sieg für Deutschland keineswegs vorgezeichnet war. Der Krieg, der als regionale Auseinandersetzung begann, entwickelte sich schnell zu einem globalen Konflikt, der bis zu seiner bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 andauern und unvorstellbares Leid über die Welt bringen sollte.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was war das auslösende Ereignis für den Zweiten Weltkrieg?
Das auslösende Ereignis war der deutsche Überfall auf Polen am 1. September 1939.
Was versteht man unter dem Begriff „Blitzkrieg“?
Der „Blitzkrieg“ war eine militärische Taktik, die auf schnellen, koordinierten Angriffen mit Panzern, motorisierter Infanterie und starker Luftunterstützung basierte, um feindliche Linien schnell zu durchbrechen und den Gegner zu überraschen und zu überwältigen.
Was war das Hauptziel Deutschlands im Zweiten Weltkrieg?
Das Hauptziel Deutschlands unter Adolf Hitler war die Eroberung von „Lebensraum im Osten“, insbesondere in der Sowjetunion, um dort deutsche Siedler anzusiedeln und das Territorium sowie seine Ressourcen auszubeuten. Dies war eng verknüpft mit der nationalsozialistischen Rassenideologie.
Warum erklärten Frankreich und Großbritannien Deutschland den Krieg, griffen aber nicht sofort militärisch ein?
Frankreich und Großbritannien erklärten Deutschland den Krieg, da sie Bündnisverpflichtungen mit Polen hatten. Das anfängliche Ausbleiben größerer militärischer Offensiven an der Westfront wird oft als „Sitzkrieg“ oder „Phoney War“ bezeichnet und hatte verschiedene Gründe, darunter die Hoffnung, den Konflikt eindämmen zu können, mangelnde Vorbereitung auf eine Offensive und strategische Überlegungen.
Welche Rolle spielte der Hitler-Stalin-Pakt beim Überfall auf Polen?
Der Hitler-Stalin-Pakt, ein Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion, enthielt ein geheimes Zusatzprotokoll zur Aufteilung Osteuropas. Gemäß dieser Vereinbarung griff die Sowjetunion Polen von Osten an, nachdem Deutschland dies von Westen getan hatte, was die schnelle Niederlage und Teilung Polens besiegelte.
Warum scheiterte Deutschland bei der Invasion Großbritanniens?
Die geplante Invasion Großbritanniens (Operation Seelöwe) scheiterte hauptsächlich, weil es der deutschen Luftwaffe nicht gelang, die Lufthoheit über dem Ärmelkanal zu erringen. Die britische Royal Air Force leistete unerwartet starken Widerstand, und die hohen Verluste zwangen Deutschland, die Invasionspläne aufzugeben.
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